February 16

Pazifik Tag 34-36

Hitze, 34 Grad, kein Lüftchen. Nun schon der vierte Tag Flaute. Die Segel sind gegen die bratende Sonne mit der Persenning geschützt und eingerollt. Was ich trinke, läuft direkt wieder aus den Poren. Robusta rollt unkontrolliert in den Wellen. Thomas hat einen Ausschlag am Rücken. Am nächsten Morgen sehe ich ebenfalls wie eine Aussätzige aus. Rote geschwollene Pickel! Weitere Stunden später, stellen wir mit Entsetzten fest, dass es sich um die selben Insektenstiche handelt, von denen wir bereits vor dem Auslaufen in Chile geplagt wurden! Was für ein Gau. Genau 30 Tage Ruhe. Keine Stiche, kein Insekt oder auch nur Spuren davon sind zu entdecken. Ich bin verzweifelt. Ist das alles peinlich.

Was tun? Sind noch immer 1143 Seemeilen vom Land entfernt. Bei den vielen Flauten, bedeutet das nochmals etwa zwei bis vier Wochen auf See, dies mit Ungeziefern die juckende Sticke verursachen.
Nicht auszuhalten. So beschliessen wir nach langem Hin und Her die chemische Keule einzusetzen.
Zwei Mittel stehen zur Auswahl: Eines in Pulverform vom Supermarkt und das andere als Flüssigkeit, die mit Wasser verdünnt werden muss, vom Landwirtschaftsladen. Auf beiden Produkten stehen Warnhinweise mit Totenschädelsymbol. Schutzkleidung, Handschuhe und Maske tragen! Aber nicht ein Wort wie die Chemie wieder aus dem Bettzeug und Textilien raus kommt.
Der Wetterbericht verspricht einen weiteren Tag Flaute. Perfekt. So wird erst mal sämtliches Bettzeug aus den Kojen der Achter- und Vorkabine an Deck gewuchtet. Sämtliche Klamotten wandern in schwarze grosse Mülltüten und bekommen eine Hitzebehandlung – ebenfalls an Deck. Das Gemüse wird im Cockpit verstaut und zugedeckt. Die warmen Decken, die wir nun eh nicht mehr brauchen, werden mit dem Pulver behandelt und ebenfalls in Mülltüten zwischengelagert. Thomas fuchtelt mit der Puderdose gegen den Wind, wobei ich eine Ladung direkt in die Luftröhre abbekomme. So doof, pissen würde er auch niemals gegen den Wind. Es ist wohl einfach zu heiss so nahe beim Äquator.
Wie ein Taliban Krieger eingehüllt, nehme ich den Kampf mit einer giftgrünen Sprühflasche gegen die Biester in der Vorkabine auf. Der Giftgasangriff bringt mich sofort fast zum Kotzen. Das Gebräu stinkt bestialisch! Thomas muss nun ran, während ich an Deck nach frischer Luft japse.
Wie kann es auch anders kommen, am Horizont türmt sich eine bedrohliche Wolkenwand auf! Wohin mit den frisch behandelten stinkenden Matratzen? Alle aufeinander geschichtet und mit einer Plane zugedeckt, überstehen sie nun einen ergiebigen Squall. Meine Nerven liegen blank. Eine weitere unruhige Nacht folgt. Schlaf versuchen wir in der Dinette zu finden – ohne Decken und Kissen.
Der letzte Tag Flaute mit Sonnenschein, wird genutzt um die kontaminierten Matratzen auszulüften. Als sich nun eine unbehandelte Decke unter die frisch gegen Ungeziefer behandelte Ware mischt, bekomme ich die ultimative Krise und ein Streit entfacht sich. Muss erbärmlich heulen…
Nichts kann mich mehr trösten, nicht einmal die super leckeren selbst eingemachten Gemüse oder ein Stück Kuchen mit Fruchtkompott.
Segeln ohne Wind ist einfach brutal! Wer sich da eine spiegelglatte, bleierne See vorstellt, liegt falsch!

Anja


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Posted 16.02.2017 by robusta in category Pazifik Überfahrt

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