February 4

Pazifik Tag 22-24

Die Robusta ist ja schon toll. Bei Starkwind. Oder Seitenwind. Oder ohne Wellen. Oder unter Motor. Meistens jedenfalls. Aber diese Strecke? Viele Wellen, Wind von achtern, davon viel zu wenig! Wir koennen unter diesen Bedingungen nur schwer vor dem Wind segeln. Das Schiff schaukelt erbaermlich. Kein Winddruck in den Segeln der sonst stabilisiert. Sie wollen sowieso nicht stehen. Die Robusta mit ihren 14 Tonnen Leergewicht giert in der See. Da muss ordentlich Druck auf die insgesammt nur 86 m2 Segelflaeche kommen, damit der Wind gewinnt. Wir probieren verschiedene Varianten: Nur Vorsegel, nur Gross, Gross gerefft. Fahren zur Zeit nur mit dem Gross vor dem Wind. Die Windprognosen sind in den naechsten Tagen gut, aber dann… …. Flaute ist angekuendigt. Der Passatwind soll zusammenfallen. Fuer wie lange? Wissen wir noch nicht. Aber mir grauts davor. Hoffe, dass dies nur voruebergehend sein wird. Bisschen Sorgen ob wir ankommen bevor wir hier im blauen Nirgendwo uns verlieren. Kein Gruen, keine Duefte, kein Land. Keine Tiere, nicht mal Fische, keine Menschen. Nur Blau. Und unser kleines Kokon das uns durch diese unwirkliche Weite traegt. Ich werde sentimental. Freue mich auf Land, doch es wird noch dauern….

Thomas

Das nervt! Hoer endlich auf damit! Du Doedel. Nicht du bist gemeint. Ich fluche gerade mit Neptun. Der Kaffee ist soeben durch die Koje geflogen! Oh Mensch. Alles eingesaut. Kissen, Decke und das ueberdimensionale Leintuch! Um dieses zu wechseln, muesste ich das ganze Gelage aus der Koje raeumen. Leebretter ausbauen, Buecher, Notizhefte und Trallala weg raeumen. Alles genau optimal zum gemuetlich flaezen stets griffbereit eingerichtet. Ach nein. Thomas schlaegt vor, den schmutzigen Teil mit dem Waschbecken direkt in der Koje zu saeubern. Gute Idee. Alles ist so anstrengend. Spaeter fliegt auch noch die leckere selbstgemachte Himbeermarmelade durch die Bude. Mit diesem Flug verlasse ich meine Konfortzone. Das ist zu viel. Da ist nicht viel Wind. Doch genau deswegen sind die Schiffsbewegungen so ungemuetlich. Mein Koerper ist voellig durchgenudelt. Die blauen Flecken machen sich toll neben den noch immer nicht ganz verheilten Flohstichen. Der Nacken ist verspannt. Ich fuehle mich nie richtig ausgeschlafen, doch irgendwie doch voellig ueberdreht. Grotesk dieses Koerpergefuehl. Das kenne ich von der Zeit, als ich den Fuss gebrochen hatte. Da bin ich auch fast ausgerastet, als ich nur noch auf dem Sofa rumgammeln konnte. Dies kam dazu weil ich zu viele Kilometer mit den Stoecken gelaufen bin, bis die Fingersehnen und Handgelenke entzuendet waren. Mir fehlt die Bewegung, so dass der Kreislauf mal voll auf Touren kommt und das Herz mal so richtig arbeiten darf. Toben – schwitzen – entgiften! Warst du schon mal im Knast? Oder vielleicht in Guantanamo? Dann weisst du wohl am ehsten wovon ich rede. Jeden zweiten Tag backe ich zum Trost einen leckeren grossen Kuchen. Da freut sich der Bauchspeck. Mal mit Aepfel und Rosinen, oder mit Nuessen und Kakao, mit Zitronen oder Orangen. Eier sind ja noch immer zu genuege da. Die Tomaten sind nun alle verschlungen. Frisches Gemuese wie Zucchini, Gurken, Randen, Kuerbisse, Melonen, Aepfel, Zitronen, Knoblauch, Zwiebeln, Kartoffeln, Kohl und viel Ingwer sind noch an Bord. Dosenfutter verwenden wir nicht. Also kulinarisch geht es uns fast gut. Gestern Nacht ist doch wieder ein zu fetter Fisch mit der Angelschnur und dem Koeder durchgebrannt. Habe die Rolle wohl zu scharf gestoppt. Oh so ein leckerer Fisch, Sushi und den Rest in Butter gebraten…. Wau, mir laeuft das Wasser im Munde zusammen. Oder ein leckeres blutiges Stueck Fleisch! Apropos Wasser: Wir muessen uns richtig anstrengen, damit wir taeglich genug Fluessigkeit zu uns nehmen. Irgendwie mit dem ganzen Wasser angucken, vergeht einem die Trinkerei. Kochen nur noch jeden zweiten Tag. Alles zu anstrengend und muehsam. Es fehlen immer mindestens zwei Haende. Nach dem Kochen sieht die Kombuese wie die Bude eines Messies aus. Essen tun wir aus einem Napf. Aus einem Suppenteller schwappt das Essen raus, egal wie pampig die Konsistenz ist. Da wir mit Salzwasser abwaschen, weisen sogar die Esdelstahltoepfe Rostflecken auf. Ein Messer ist richtig zackig geworden und schneidet zu meinem Erstaunen erst noch besser als zuvor. Ich will endlich da sein! Land unter den Fuessen spueren, rennen, schwimmen, mich bewegen! Meine ueberschuessige Energie los werden. Doch 1777 Seemeilen liegen noch vor uns. Bis dahin beruhige ich mich wieder, indem ich mal kurz an die schrecklichen Heimfahrten nach meiner Arbeit mit dem Nachtzug der S12 denke, mit dem die ganzen Besoffenen und Partyvoegel transportiert werden.

Anja


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Posted 04.02.2017 by Robusta Sailmail in category Pazifik Überfahrt

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