February 10

Pazifik Tag 28-30

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Es ist unglaublich wie schnell der Koerper in einem Monat schlaff rumhaengen abbaut. Der Arsch haengt Richtung Kniekehle, die Wampe wird speckiger, der duenne Thomas bekommt Schwabbeltitten! Ich habe Panik, wenn wir endlich mal Land erreichten, ich nicht mehr faehig sein werde, das lang ersehnte kuehle Bier vom Tisch an den Rachen heben zu koennen. Grund genug um sofort ein intensives Trainingsprogramm zu lancieren. Doch wie kann die Robusta zur “Muckibude” umgestaltet werden? Bei genauerer Inspektion, finden sich unendlich viele Variationen von Muckitraningsmoeglichkeiten an Bord. Deck Schruppen, Backschaft, in den Ausguck klettern, an die Riemen, Rumfaesser an Deck tragen, Taue aufschiessen, Kanonen nachladen…. Robustas Stahldeck braucht nicht geschruppt zu werden. Zudem ist es zu klein, dass es auch nur eine Muskelfaser beim Schruppen aufbauen wuerde. Spass beiseite! Liegestuetzen im Cockpit sind sehr effizient, speziell bei seitlich einlaufender Welle! Bauchmuskeltraining liegend im Cockpit. Auch nicht schlecht. Dabei werden diverse weiter Muskeln trainiert, wenn es dich bei Seegang von der Bank zu schleudern droht. Rueckenfleisch und Arsch: Flach in der Koje auf dem Bauch positionert, nun die Arme und Beine heben, das alles ohne aus der Koje katapultiert zu werden. Sehr effizient. Arme: Grosssegel ohne Winsch setzten. Beine sind eigentlich kein Problem. Die muessen einem ja dauernd durch die schwankende Bude stemmen. Doch sie erschlaffen trotzdem. Wie ist das moeglich? Weiss da jemand eine vernuenftige Antwort? Ich mag mich noch daran erinnern, da war der Michi einmal auf Thomis Boot auf dem Zuerichsee und er hatte eine Woche lang brutalen Muskelkater in den Beinen! Der Nacken ist automatisch trainiert. Naemlich beim Pennen, indem sich die Muskulatur im Viersekundentakt kontrahiert, damit die Birne nicht aus der Koje rollt. Erstaundlich wie doch ein bisschen Bewegung dem Koerper wohl tut und die Stimmung wieder in den blauen Himmel, im blauen Nichts hebt!

Anja

Ach wie schoen ist Faulenzen, Rumliegen und Nichtstun. Sich tagelang in der Koje haengend und lesend aufhalten zu koennen. Die Robusta faehrt ja alleine. Bis auf wenige Segeltrimmaufgaben ist nichts zu tun, ausser sich zu ernaehren und abzuwaschen. Ploetzlich die Schnapsidee von Anja, sich zu bewegen! Muss ich mir das nun antun? Schwitzend, wie ein Hund hechelnd die Beine mit rythmischen Bewegungen zu verbiegen? Mit flauem Magengefuehl auf dem Ruecken liegend die Bauchmuskeln anziehen? Werde nicht warm damit, soll das gesund sein? Ich versuche mich zuerst davon zu druecken, dann vorsichtig so zu tun als ob ich mitmache. Ok, so schlecht ist es ja nicht. Es gibt ja sonst nichts zu tun, oder? Die Flaute hat nun voll zugeschlagen, nur noch fuenf Knoten Wind und wenig Welle. Dies bei 30 Grad Innentemperatur. Draussen brennt die Sonne unerbittlich. Schwimmen im Ozean war perfekt. Dieses Blau! Unglaublich. Das Rot danach weniger. Es ist der Ruecken…

Thomas

February 7

Pazifik Tag 25-27

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Das Wetter das uns begleitet ist ziemlich monoton. Blauer Himmel mit den Passatwolken, dazu stetiger Wind. Temperatur 27 Grad, Wasser 22. In der Nacht leuchtet ein wunderschoener Sternenhimmel mit Wolken durchsetzt. Dazu ist es feuchter und kuehler als am Tag. Geschlafen wird ohne Decke und mit offener Luke. Doch seit einigen Tagen gibt es ein Phaenomen: Squalls. Das sind kleine Regenwolken, die kommen von hinten angeschlichen. Sie bringen staerkeren Wind, einen dunklen Himmel und Regen. Richtig schoener kuehlender Regen. Leider dauert der nur ungefaehr zwei Minuten, dann ist es vorbei. Auch der Wind ist weg. Die Robusta bleibt in den Wellen zurueck, mit schlagenden Segeln, bis sich der Passatwind wieder durchsetzt. Squalls erscheinen einige Mal pro Tag, aber auch waehrend der Nacht und an anderen Tagen dafuer keine. Die Tage vergehen schnell. Ich lese viel oder gucke Filme auf dem Tablet (James Bond Kollektion ;-). Die Muskeln schwinden langsam, so habe ich mit kleinem Training begonnen. Ist nicht einfach wenn der Platz fehlt und der Raum dazu noch schwankt. Ab Sonntag ist leider grosse Flaute angesagt. Keine Winde mehr bis naechsten Freitag. Ich werde berichten, wie ich das ueberlebt habe. Auf das Baden im Meer freue ich mich, aber sonst werden dies wahrscheinlich lange Tage. Vieleicht liest Du zwischen den Zeilen Zeichen einer Ungeduld. Da koennest Du Recht haben. Es wird noch eine Weile dauern bis die Inseln zu sehen sind. Ich sehne mich danach, mal wieder anderes als nur Blau zu sehen.

Thomas

Ich mag gar nicht schreiben. Krise. Mir ist zum Heulen zu Mute. Mir tut alles weh vom wie eine flache Flunder in der Koje liegen. Raffe mich aber auf um irgendwelche Turnuebungen zu machen. Liege, schon wieder, zur Abwechslung mal auf dem Ruecken und strample etwas unkoordiniert mit den Beinen Fahrradbewegungen in die Luft. Hebt meine Laune auch nicht sonderlich und den Kreislauf bringst diese Zappelei auch nicht in Schwung. Also futtere ich lieber ein Stueck leckeren Zopf mit selbst gemachter Himbeergumfi und versuesse mir somit etwas die Laune. Momentan gaebe ich viel um in der S12, im Nachtzug zu hocken….

Anja

February 4

Pazifik Tag 22-24

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Die Robusta ist ja schon toll. Bei Starkwind. Oder Seitenwind. Oder ohne Wellen. Oder unter Motor. Meistens jedenfalls. Aber diese Strecke? Viele Wellen, Wind von achtern, davon viel zu wenig! Wir koennen unter diesen Bedingungen nur schwer vor dem Wind segeln. Das Schiff schaukelt erbaermlich. Kein Winddruck in den Segeln der sonst stabilisiert. Sie wollen sowieso nicht stehen. Die Robusta mit ihren 14 Tonnen Leergewicht giert in der See. Da muss ordentlich Druck auf die insgesammt nur 86 m2 Segelflaeche kommen, damit der Wind gewinnt. Wir probieren verschiedene Varianten: Nur Vorsegel, nur Gross, Gross gerefft. Fahren zur Zeit nur mit dem Gross vor dem Wind. Die Windprognosen sind in den naechsten Tagen gut, aber dann… …. Flaute ist angekuendigt. Der Passatwind soll zusammenfallen. Fuer wie lange? Wissen wir noch nicht. Aber mir grauts davor. Hoffe, dass dies nur voruebergehend sein wird. Bisschen Sorgen ob wir ankommen bevor wir hier im blauen Nirgendwo uns verlieren. Kein Gruen, keine Duefte, kein Land. Keine Tiere, nicht mal Fische, keine Menschen. Nur Blau. Und unser kleines Kokon das uns durch diese unwirkliche Weite traegt. Ich werde sentimental. Freue mich auf Land, doch es wird noch dauern….

Thomas

Das nervt! Hoer endlich auf damit! Du Doedel. Nicht du bist gemeint. Ich fluche gerade mit Neptun. Der Kaffee ist soeben durch die Koje geflogen! Oh Mensch. Alles eingesaut. Kissen, Decke und das ueberdimensionale Leintuch! Um dieses zu wechseln, muesste ich das ganze Gelage aus der Koje raeumen. Leebretter ausbauen, Buecher, Notizhefte und Trallala weg raeumen. Alles genau optimal zum gemuetlich flaezen stets griffbereit eingerichtet. Ach nein. Thomas schlaegt vor, den schmutzigen Teil mit dem Waschbecken direkt in der Koje zu saeubern. Gute Idee. Alles ist so anstrengend. Spaeter fliegt auch noch die leckere selbstgemachte Himbeermarmelade durch die Bude. Mit diesem Flug verlasse ich meine Konfortzone. Das ist zu viel. Da ist nicht viel Wind. Doch genau deswegen sind die Schiffsbewegungen so ungemuetlich. Mein Koerper ist voellig durchgenudelt. Die blauen Flecken machen sich toll neben den noch immer nicht ganz verheilten Flohstichen. Der Nacken ist verspannt. Ich fuehle mich nie richtig ausgeschlafen, doch irgendwie doch voellig ueberdreht. Grotesk dieses Koerpergefuehl. Das kenne ich von der Zeit, als ich den Fuss gebrochen hatte. Da bin ich auch fast ausgerastet, als ich nur noch auf dem Sofa rumgammeln konnte. Dies kam dazu weil ich zu viele Kilometer mit den Stoecken gelaufen bin, bis die Fingersehnen und Handgelenke entzuendet waren. Mir fehlt die Bewegung, so dass der Kreislauf mal voll auf Touren kommt und das Herz mal so richtig arbeiten darf. Toben – schwitzen – entgiften! Warst du schon mal im Knast? Oder vielleicht in Guantanamo? Dann weisst du wohl am ehsten wovon ich rede. Jeden zweiten Tag backe ich zum Trost einen leckeren grossen Kuchen. Da freut sich der Bauchspeck. Mal mit Aepfel und Rosinen, oder mit Nuessen und Kakao, mit Zitronen oder Orangen. Eier sind ja noch immer zu genuege da. Die Tomaten sind nun alle verschlungen. Frisches Gemuese wie Zucchini, Gurken, Randen, Kuerbisse, Melonen, Aepfel, Zitronen, Knoblauch, Zwiebeln, Kartoffeln, Kohl und viel Ingwer sind noch an Bord. Dosenfutter verwenden wir nicht. Also kulinarisch geht es uns fast gut. Gestern Nacht ist doch wieder ein zu fetter Fisch mit der Angelschnur und dem Koeder durchgebrannt. Habe die Rolle wohl zu scharf gestoppt. Oh so ein leckerer Fisch, Sushi und den Rest in Butter gebraten…. Wau, mir laeuft das Wasser im Munde zusammen. Oder ein leckeres blutiges Stueck Fleisch! Apropos Wasser: Wir muessen uns richtig anstrengen, damit wir taeglich genug Fluessigkeit zu uns nehmen. Irgendwie mit dem ganzen Wasser angucken, vergeht einem die Trinkerei. Kochen nur noch jeden zweiten Tag. Alles zu anstrengend und muehsam. Es fehlen immer mindestens zwei Haende. Nach dem Kochen sieht die Kombuese wie die Bude eines Messies aus. Essen tun wir aus einem Napf. Aus einem Suppenteller schwappt das Essen raus, egal wie pampig die Konsistenz ist. Da wir mit Salzwasser abwaschen, weisen sogar die Esdelstahltoepfe Rostflecken auf. Ein Messer ist richtig zackig geworden und schneidet zu meinem Erstaunen erst noch besser als zuvor. Ich will endlich da sein! Land unter den Fuessen spueren, rennen, schwimmen, mich bewegen! Meine ueberschuessige Energie los werden. Doch 1777 Seemeilen liegen noch vor uns. Bis dahin beruhige ich mich wieder, indem ich mal kurz an die schrecklichen Heimfahrten nach meiner Arbeit mit dem Nachtzug der S12 denke, mit dem die ganzen Besoffenen und Partyvoegel transportiert werden.

Anja

February 1

Pazifik Tag 19-21

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Bergpreis! 20 Grad 15,45 Minuten Sued / 100 Grad 20,68 Minuten West, 2300 Seemeilen durchpfluegte die Robusta bereits den Pazifik! 1370 bis zu den Galapagos, 1540 bis Lima in Peru und 1800 bis an die Chilenische Kueste! Und stell dir mal vor, waehrend den 21 Tagen kein einziges anderes Schiff angetroffen. So hinterfragen wir mal unser Wachsystem. Einer pennt in der Koje, der andere im Salon. Alle 20 Minuten wird ein Kontrollblick ueber den Horizont geworfen um nach anderen Schiffen Ausschau zu halten, Kurs kontrollieren und dann wieder in Schnarchmodus fallen um nach 20 Minuten vom nervigen Wecker unnoetigerweise aus den schoensten Traeumen gerissen zu werden. Die Robusta ist mit AIS ausgeruestet. Also die von der Grossschifffahrt sehen uns auf dem Plotter. Sollten sie jedenfalls. Nun ist das Display unseres AIS Geraetes schon zum zweiten mal auf dieser Reise innerhalb von zweieinhalb Jahren ausgestiegen. Das bedeut, der Alarm kann nicht gesetzt werden. Ist echt aergerlich auf so einer langen Strecke. Da zeigt sich wieder mal wie verkackt neue Geraete gebaut werden. So sind doch unser GPS Geraet und der Radar von FURUNO schon fast aus der Steinzeit und funktionieren seit ueber 15 Jahren ohne zu bocken. Gegenueber Fischereifahrzeugen sind Segler ausweichpflichtig. Die kleinen Fischerboetli ohne AIS vermute ich mal schlicht nicht so fern ab von der Kueste. Andere Segler sind um diese Jahreszeit eigentlich keine auf dieser Strecke unterwegs. Nur Mouss duempelt noch ohne Wind Richtung Osterinseln. Aber die sind rund 900 Meilen von uns entfernt. Erst so im April kommen Segler von der Karibik via Panamakanal und Galapagos Inseln die nach Franz. Polynesien segeln. Deren Route befindet sich aber wesentlich noerdlicher. Da waeren noch die wenig befahrene Schifffahrtsroute von Valdivia zum Panamakanal und nach San Francisco entlang der Kueste. Dann koennten noch wenige hartgesottene Amis die nach Chile gegen den Wind wollen irgendwo rumkreuzen. Also so koennte man doch annehmen, eine Kollisionchance ist aeusserst gering. Die Wahrscheinlichkeit einen Sechser im Lotto zu landen ist wohl wesentlich groesser. Schade habe ich keinen Schein ausgefuellt! Ich waere doch glatt Millionaerin geworden. Nach dem ersten Squall (ploetzlich auftretender verstaerkter Wind mit viel Niederschlag), liegt doch genau vor Robustas Bug ein Fischkutter aus Spanien! CPA, closest point of approach gleich 3 Zentimeter. Also haetten wir den Truemmer genau breitseits getroffen. Anja Die fast grenzenlose Weite macht sich ebenfalls beim taeglichen Email Versand bemerkbar. Die Basisstationen fuer den Email-Verkehr sind immer weiter weg, was bedeutet, dass das Zeitfenster fuer die Uebertragung der Emails mittels Kurzwelle immer kleiner wird. Zur Zeit koennen wir nur noch um Mitternacht herum Emails versenden. Dies wegen der Kurzwelle, die auf weiten Entfernungen nur schlecht und vor allem ohne Sonne funktioniert. Wahrscheinlich wird es auch mal gar nicht mehr funktionieren, mit den Emails und mit dem Positionstracking der Robusta. Also, wenn ihr nichts von uns hoert oder lesen koennt, so liegt es an der Unmoeglichkeit Emails zu senden und nicht dass uns etwa etwas passiert waere. Denn das Segeln hier auf diesem Meeresgebiet ist etwas vom einfachsten und gefahrlosesten. Der Wind ist immer konstant, das Wetter schoen, vieleicht mal ein Schauer, 27 Grad warm und wir sind ganz alleine… Trotz den vereinzelten Fischern… Und heute (2. Februar) haben wir gehalst, wir fahren nun erstmals weiter in den Norden, 330 Grad die naechsten Tage. Dann soll der Wind wieder staerker werden und uns auf Westkurs zu den Marquesas blasen. Thomas

January 29

Pazifik Tag 15-18

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Die Schiffsbewegungen sind heftig. Ein Geschaukel. Naja, nicht moeglich stillzuhalten, das Licht von oben beleuchtet das Gesicht (die NASE !), ich soll Fotos schiessen vom Kuchen und von Anja. Klappt natuerlich nicht, die Nase ist gross auf dem Bild. Die Nase. Und der Kuchen. Und der Humor dafuer nicht… lies selbst -)

Thomas

Draussen diesig, leicht bewoelkt – drinnen drueckend mit starker Bewoelkung. Ich backe Sauerteigbrot. Das passt perfekt zu meiner momentanen Befindlichkeit. Die Teigkultur wird taeglich durch Beimengen von Vollkornmehl und Wasser vermehrt. Am dritten Tag trenne ich einen Viertel der Masse fuer die weitere Vermehrung ab, bevor die Nuesse oder Samen und Salz beigefuegt werden. Nun lege ich den Teig behutsam in ein Gefaess an einen dunklen warmen Ort, wo er gaeren kann. Der Rest wird eine Stunde auf kleinster Flamme gebacken. Der suesse Apfelkuchchen mit Rosinen war Anlass der starken Bewoelkung. Thomas schoss Fotos vom Backprozess. Die fand ich dann so absolut himmelschreiend schrecklich. Eine Beleidigung! Nicht mal die aller wuestesten hat er auf der Digitalkamera geloescht. Besser haette er die Silikonlippe mit den Flohstichen nicht darstellen koennen. Unglaublich. Niemand haette sowas geschafft, auch nur so kleinste Gesichtsfalte so perfekt hervorzuheben. Gratulation. Ich bin beleidigt. Ziehe mich in meine Koje zurueck. Widme mich meinem franzoesischen Roman von dem ich im Moment nur Bahnhof verstehe, da meine Gedanken im Kopf kreisen, wie ich wohl einen dauerhaften psychischen Schaden verhindern kann. Die schlaflosen Naechte mit wenig Wind und konfusen Wellen haben mir wohl die Nerven etwas blank gelegt… Tschuldigung Schaetzi

Anja

January 26

Pazifik Tag 13-15

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“Motti” so nennen wir den Spinacker, liegt noch immer im Cockpit. Quadratmeter fuer Quadratmeter, mit Brille auf der Nase, werden kleinste Mottenloecher mit einem schwarzen Filzstift markiert. Die Orientierung zu behalten, ist echt nicht einfach. Zudem haben wir ja keine Ahnung wie das Teil ausgelegt gemustert ist. Thomas schafft es doch tatsaechlich einen Plan zu erstellen wie er aussieht. Unglaublich. In stundenlanger Arbeit werden nun kleine Flicken der Spezialfolie auf die Loecher geklebt. Dazu stehe ich im Niedergang, die oberste Stufe dient als Buegelbrett um die Flicken mit einer erhitzten Pfanne anzubuegeln. Der Wind schwaechelt nun immer mehr. Knappe 10 Knoten, doch die Wellen bringen die Robusta mehr und mehr in Schwingung, so dass die Segel immer wieder mal schlagen. Das nervt tierisch. Denn das tut den Segeln nicht gut. Was ist angenehmer? 50 oder 5 Knoten Wind??? Motti ist bereit um in Betrieb genommen zu werden. Der Spinackerbaum ist auf volle Laenge ausgefahren und mit einem Hoch- und Niederholer bestueckt. Eins, zwei, drei und Motti woelbt sich in voller Pracht, mit 87 weissen Flicken. Doch hilfe, der Spinackerbaum wabbelt bedrohlich und biegt sich wie eine tobende Schlange! Wenn das Teil bricht, koennte es uns aufspiessen. Runter mit dem Spi! Was fuer ein Muell dieser Spinackerbaum von der Marke Pfeiffer. Echt die totalen Pfeiffen die sowas konzipiert haben. Die Enttaeuschung ist gross. Mit langen Gesichtern knien wir auf Motti damit er nicht davon weht. Ich mit dicker Lippe, da ich eine schlagende Leine in die Schnute abbekommen habe. Sehe aus, als haette ich mir die Lippen mit Silikon aufpimpen lassen. Immerhin sind die Flohstiche jetzt verheilt und keine neuen sind dazu gekommen. Silikonlippe und Thomas rollen in den Kojen rum und finden unmoeglich Schlaf. Der Wind ist nun ganz weg. So nun habe ich mal Lust auf tierisches Eiweiss. Krame die selber gebastelte Angelutensilie aus. Als Rolle verwende ich ein Ding aus dem Baumarkt auf dem im Laden die Ketten und Leinen ausgestellt sind. Hat der Verkaeufer mir umsonst gegeben. Er fische auch mit denen. So wickle ich etwa 50 Meter Leine auf die Rolle und bringe den besten Tintenfischkoeder an. Als Achse verwende ich einen Backloeffel aus Hartplastik. Durch das Loch im Loeffel selber und das der Aufhaengung fuehre ich den Fahradschlauch, der die Rolle abfedern soll. Der Fang wird dann ueber die Winsch eingeholt. Der erste Koeder verschwindet gleich in den Fluten! Der verdammte Knoten, das erste mal nach Anleitung vom Fischbuch gemacht! Also zweiter Koeder her. Diesmal mache ich den Knoten auch im Stahlvorfach wie gehabt. Kann ja auch nicht halten so ein mueder Achterschlick! Stunden spaeter, ein Rumpeln, wau da sehe ich gerade noch die Heckflosse eines gigantischen Fisches, der mit dem ganzen Gebastel am Horizont verschwindet! Motti fliegt wieder! Nicht als Spinacker, sondern er dient nun als Leichtwindsegel. Einfach am Vorstag angeschlagen und mit einer Leine ins Cockpit gefuehrt. Klappt wunderbar! So rauscht die Robusta angenehm wiegend ueber den Pazifik! Anja Muss den Eingang finden, grosse Drehtueren, viele Schilder, Wachpersonal. Bahnhof, laute einfahrende Zuege, viele Leute in den Unterfuehrungen. Wo faehrt der Zug, wo muss ich umsteigen ? Wo bin ich ? Wieder Im Buero, grosse Kantine, viele leckere Verlockungen im Angebot. Was soll ich nur bestellen ? Im Flur des Grossraumbueros wird geplant, gewerkelt und besprochen. Wo ist nun mein Platz schon wieder ? Es rauscht so ungewohnt. Was das wohl ist? Ein Traum, ich bin auf unserem Boot, die Wellen draussen spratzen an die Bordwand. Traeume so viel und intensiv zur Zeit, immer wieder, immer ganz real. Liegt das daran, dass ich auf Wache alle 30 Minuten vom Wecker aus dem Schlaf gerissen werde? Thomas

January 23

Pazifik Tag 10-12

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Noch 3156 SM bis Marquesas Ui nein, das ist ja noch grauenhaft weit!!! Die Tomaten stressen! Sie sind alle zur selben Zeit reif geworden. Dafuer verhalten sich die Eier ruhig und bleiben brav in den Eierkartons sitzen ohne aufmuepfig raus zu hopsen. Also was tun mit den Tomaten? Kramen die letzten Einmachglaeser aus den Schapps. Ich schneide etwa 5 Kilo in Scheiben, fuelle sie in Glaeser und sterilisiere sie nun waehrend 30 Minuten. Doch den Zeitpunkt an dem in den Einmachglaeser selber Luftblasen aufsteigen, ist bei diesem Seegang nicht konkret zu erkennen. Warte lieber noch eine viertel Stunde laenger um den Sterilisierungsprozess bloss nicht zu frueh abzubrechen. Lieber etwas Matsch in den Glaeser als Gammeltomaten. Die naechste Ladung wird gekocht und heiss in die Glser gefuellt. Basta – fertig. Die Temperaturen sind angenehm um 22 Grad. Fuelle eine Puetz mit Wassser und messe eine Temperatur von 19 Grad. So goenne ich mir mal eine Dusche mit Haarwaesche im Cockpit. Bisschen muss ich schon auf die Zaehne beissen. Die ganze Aktion ist jedoch wesentlich angenehmer, als die Blitzbadeaktionen mit Haarwaesche im Eiswasser in Suedpatagonien . Nun schoene frische Salzwasserfrisur! Fuehlt sich toll an. Sonst liegen wir wie faule Heringe in den Kojen. Lesen und diskutieren viel, vor allem ueber die Liebe. Im Cockpit liegt nun der Spinnaker der diverse kleinste Loecher aufweist. Nicht so uebel wie ein Schweizer Kaese. Aber ein trauriger Anblick. Sein Schicksal waren Motten! Wir haben ihn von Freunden geschenkt bekommen. Versuchen ihn nun wieder Flott zu machen. Das waere auch wesentlich einfacher in der Marina im Clubhaus gewesen. Ohne Schaukeln, mit viel Platz und grossen Tischen. Nun wuehlen wir uns systematisch durch die Massen von Stoff um die Loecher mit spezieller Folie zu ueberkleben. Diese muesste mit dem Buegeleisen oder Haartrockner erwaermt werden, damit der Kleber sich gut mit dem Stoff verbindet. Weder Luxusartigkel wie Buegeleisen noch Foehn fuehren wir an Board der Robusta mit. So dient alternativ ein kleiner Kochtopf, der auf dem Gasherd erwaermt wird, als eine Art Buegeleisen. Klappt tip top. Haben noch kein Loch in den Spinacker gebraten. Sieht schon echt huebsch aus. Rot-weiss mit zahlreichen weissen Punkten, wie ein echter Fliegenpilz! Anja Der Suedostpassat ist konstant, aber schwach. Zur Zeit blaest er mit 15 Knoten genau von hinten. Wenn wir den Kluever setzen wuerden, muessten wir 80 Grad Halsewinkel vor dem Wind kreuzen, damit er wegen den Wellen nicht schlaegt. Wuerde bedeuten, dass wir schneller waeren (ca. 6-7,5 kt), dafuer mehr Strecke fahren muessten. Mit dem Gross alleine koennen wir platt vor dem Wind fahren. Zwar laengsaemer (ca. 4,5 – 5,5 kt), dafuer kuerzere Strecke. Und halsen eruebrigt sich auch. Tja so ist platt vor dem Wind nur mit dem Grosssegel tatsaechlich schneller als 80 Grad vor dem Wind zu kreuzen. Und nun kommt der Spinacker ins Spiel. Mit dem sind wir dann noch viel schneller. Hoffe ich doch. Vor allem wenn die Prognose stimmt, erwarten uns nach etwa drei Tagen nur noch 12 kt Wind. Da hilft dann hoffentlich der Spi der Robusta auf die Beine. Spinackern mit Robusta? Ja sollte gehen. Ist aber kompliziert, da der KIuever so weit vorne ist, der Bugspriet ist ja 2 Meter lang. Und der Spinacker muss ja vor den Kluever. Wir haben einen Teleskop Spibaum, der ist ausgezogen sicher 6 Meter lang. Muesste gehen. Aber wir haben noch 4 Tage Zeit um alles zu basteln. Thomas

January 20

Pazifik Tag 7 – 9

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Die Floehe, ich nenn sie mal so, gesehen habe ich jedenfalls noch kein Insekt an Bord, treiben mich langsam in den Wahnsinn! Beim Schlafen wache ich auf, weil ich etwas an den Beinen rumkrabbeln spuere. Doch da ist nichts. Reine Paranoia! Die Stiche quaelen nun schon drei Wochen. Sie jucken anfallsmaessig. Ich sehe aus, als haette ich die Masern. Zum Glueck muss ich mich nicht so verunstaltet im Bikini an einem prallvollem Palmenstrand zeigen. Der Wachrythmus pendelt sich so langsam ein. Klare Strukturen, wie ein militaerischer Wachplan an den wir uns halten, existieren nicht. Meine Seebeine sind schon ordentlich gewachsen. Toilettengang und Kochen sind dennoch anstrengend. Darum wird immer ein grosser Eintopf zubereitet der aufgewaermt werden kann. Diesmal weisse Bohnen an etwas zu sehr pikanter Tomatensauce. Den Abwasch ueberlasse ich gerne Thomas. Mal schauen wie lange es dauert bis er meckert. Das Segeln ist anspruchslos verglichen mit der Strecke von Brasilien bis Puerto Montt. Leichter Wind um die 10 bis 15, selten mal an die 25 Knoten, bei Sonnenschein, drinnen 24 Grad. Doch Barfuss segeln ist nur tags ueber moeglich. Letzte Nacht musste ich die Segel reffen. Ohne Oelzeug ging da aber gar nichts. Das Wasser, welches der Humboltstrom vom Sueden herbringt, ist echt kalt! Langweilig ist mir entgegen meiner Befuerchtungen noch nicht geworden. Vertiefe mich in spannende Buecher. Um mein Franzoesisch wieder aufzupeppen, kaue ich mich mit dem Woerterbuch durch einen ueber tausend Seiten fetten Waelzer, einer Seefahrerstory aus dem 18. Jahrhundert. Das waren noch harte Burschen! Ohne GPS, AIS und moderne Kartenplotter auf grossen Abenteuerreisen. Anja Ja zum Glueck sind die Stiche weg, keine neuen mehr dazugekommen. Kein Beissen und Kratzen mehr. Mir gehts wunderbar, alles easy und ruhig. Ausser der Abwasch, muss da mal mit Anja sprechen… Interessant ist die Planung der Route. Bis jetzt hielten wir den Bug nach Norden um das grosse konstante Hochdruckgebiet vor den Osterinseln auszuweichen. Ab jetzt, 27 Grad Nord, wirds langsam westwaerts gehen, in einem langen Bogen zu den Marquesas. der Suedostpasssat ist irgendwie schwach, braucht Nerven mit unserem Boot, wenn der Wind unter 12 kt bleibt. So ist mit der Wetterkarte (GRIB) zu schauen, wo der Wind am staerksten vorhergesagt ist. Energie ist dank eines weiteren Solarpanels endlich mal ausreichend vorhanden, jeden Tag die volle Sonne zum Laden. Von oben, fast schon senkrecht. Den Windgenerator den es an der Argentinischen Kuesete bei ueber 50 Knoten Wind verbraten hat, ist erst mal abgebaut bis Ersatzteile organisiert sind. Aber heiss ist es noch nicht. Wahrscheinlich da das Wasser eben auch noch kalt ist, wir sind erst auf 27 Grad Sued. Thomas

January 17

Pazifik Tag 4 – 6

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Tag 4 Heute ein trueber Tagesbeginn. Grau in grau. Wenig Wind, einiges an Welle, das Schiff will nicht so recht fahren. Probieren mit einer Halse ob die Schaukelei sich bessert. Schwierige Bootsbewegungen, viel Koerperarbeit um einfachste Dinge zu tun. Abwasch wird zur Qual, muessen draussen im Cockpit das Geschirr waschen, sparen das Suesswasser zum Trinken und Kochen. Leider fehlt uns eine Salzwasserpumpe. Dafuer gibt es wieder Brot, welch ein Genuss. Thomas Die Schichteinteilung ist noch nicht geregelt. Eigentlich bin ich ein Nachtmensch. Gerne uebernehme ich Wache von abends um neun bis cirka drei uhr Morgens. Lange Schichten behagen uns besser. Nun ist alles verschoben. Wenn ich mich schon um sechs Uhr abends in die Koje schmeisse, kann ich nicht schlafen. Einerseits weil es zu frueh ist, die Stiche extrem jucken, andererseits weil dies vom Biorythmus her meine aktivste Zeit ist. Thoms hat angeblich keine Chance mich zu wecken. Er muss es auch nicht versuchen wenn ich im Tiefschlaf bin. Anja Tag 5 Noch weniger Wind, noch schwieriger. Dafuer Sonne! Und der Funk laeuft wieder ohne Motorunterstuetzung. Bekomme sogar ein akzeptables Signal um Positionen und Mails zu verschicken und um Wetter zu empfangen. Die Nachtwache mache ich wieder alleine. Konnte Anja einfach nicht wecken. Sie schlief so tief und fest. Liegt wohl am schlechtem Schlaf wegen Schiffsbewegungen und den vielen Stichen. Hundert Stueck hat sie gezaehlt, die so uebel jucken… Thomas Robusta will sich mit dem schlappen Wind nicht so recht bewegen. Sie tanzt froehlich in den Wellen und die Segel schlagen immer wieder mal. Das nervt tierisch. Dies ist genau der Grund warum wir uns entschieden haben, nicht zu den Osterinseln zu segeln. Diese liegen in einem Hochdruckgebiet mit oft sehr wenig Wind. So entschieden wir mit dem Humboltstrom gegen Norden zu segeln, bis wir auf die Passatwinde treffen um erst dann Kurs gegen West auf Franzoesisch Polinesien zu nehmen. Auf der Nachtwache meldet sich mein Magen mit einem dezenten Knurren. Ich grabe in den Schapps nach Keksen. Doch erfolglos. Das kann doch nicht sein!? Ich mag mich erinnern, die halbe Einkaufskarre war voll davon….. Tag 6 Heute laeuft es wieder wunderbar, genug Wind, um mit 6-7 Knoten dahinzusegeln. Es gibt Kuchen von Anja! Und ein neues Menue will ich mir noch ueberlegen, was ich in die Pfanne haue. Thomas Ha ha da freut er sich auf Kiwi Bananen Kuchen! Unglaublich, er hat alle Kekse in kuerzester Zeit alleine aufgefressen! Ein Menue habe ich mir auch schon ausgedacht. Gestern bereits die Bohnen eingeweicht. Sie sind noch nicht durch die Bude geflogen. Es gibt Eintopf mit Gemuese und Sojafleisch. Heute mal ohne Eier. Erstaunlich, die Tage rasen nur so dahin. Von den 4600 Seemeilen sind ueber ein Zehntel geschafft. Anja Kannst du dir vorstellen mit einer Person, Kollegen, Freund oder Fruendin auf knapp 40 Quadratmetern, ohne Fluchtmoeglichkeit, zwei Monate auf engstem Raum, dazu noch schwankend zu verbringen? Wie wuerde diese Situation deine Partnerschaft fordern?