August 1

Tahaa

Der erste August gibt wieder mal Anlass eine Party zu feiern. Reto und Angela laden alle Schweizer Yachten zum Nationalfeiertag ein. Doch würden Mi Corazon und wir lieber am Strand ein grosses Feuer entfachen und grillen. Diese Nachricht erreicht She San und Pandora jedoch viel zu spät. Sie sind bereits nach Bora Bora unterwegs. Voll blöd. Entschuldigt das Durcheinander, wir hätten wirklich gerne mit euch allen gefeiert!!!

Hast du schon mal versucht mitten in einer protzigen luxuriösen Hotelanlage am Strand ein Feuer zu entfachen? Wir befürchteten, dass dies in Bora Bora eben genau nicht möglich sein wird. Also suchen wir den optimalen Strand in Tahaa, was wie sich herausstellt, auch nicht ganz einfach ist. Entweder ist es zu tief zum Ankern, oder da ist zu viel Schwell, oder der Anker hält schon gar nicht. Jeder Strand gehört irgend jemandem in Polynesien. Doch wir treffen hier wieder mal, wie so oft in Polynesien, ausser im touristischen Raiatea, auf super nette Menschen.

Die angefragte Familie willigt sofort ein. Sie schleppen mit dem Auto sogar einen Grill zum Strand und bringen auch noch Holz mit. Wir offerieren ihnen allen ein Bier und laden sie zum Essen ein. Das Bier nehmen sie gerne an, doch dann fahren sie nach Hause. Am folgenden Tag wollen sie uns mit ihrem Pick- up die ganze Insel zeigen.

In Tahaa schaffen wir es endlich einmal eine Perlenfarm zu besichtigen. Die Führung durch die Farm war echt informativ. Der Prozess um eine schöne Südseeperle zu produzieren ist aufwendig und zu kompliziert um ihn hier genauer zu beschreiben. Der sehr geschmackvolle Schmuck war allerdings für unser Budget weitaus zu exklusiv! So reisen wir wohl ohne Perlen von Polynesien weg. Schöne Perlen musst du in den Gambier Inseln kaufen.

July 29

Raiatea

Keine zwanzig Meilen ist die Insel Raiatea entfernt. Mi Corazon ist bereits am vereinbarten Ankerplatz eingetroffen. Der sei Mist. Auch von der Bucht südlich der Stadt Uturoa wird er verjagt. Privé. Seit wann ist das Meer privat?? Also wieder Planänderung. In einer Stunde wird es dunkel. Am Quai in der Stadt wollen wir nicht anlegen. Bei viel Wind kommen wir da nicht mehr weg. Schliesslich schnappen wir uns zwei Bojen, weit ausserhalb der Stadt. Auch privé, Yachtcharter. Egal. Ich mag gar nicht so viel über diese Insel schreiben. Es wird nicht besser. Schlecht gelaunt verlassen wir früh morgens die privaten Bojen. Erneut werden wir von irgendwem angebellt. Nun reicht es. Hier müssen schon zu viele Segler vor uns gewesen sein, die nicht wussten wie sich zu benehmen. Nichts wie weg hier. Doch einige Kleinigkeiten wollen wir noch auf dem Markt besorgen. Mit dem Dinghi rasen wir nun vom extrem weit entfernten Ankerplatz in die Stadt. Auf halber Strecke steigt beissender Qualm in unsere Nasen. Der Motor! Mit meiner Mütze schütte ich erst mal aus Reflex Salzwasser über den Schaft um diesen blitzartig zu kühlen. Ob das eine gute Idee war, wird sich noch herausstellen. Der Ganghebel ist blockiert. Neeeeeiiiin und wir doofen haben die Paddel nicht mitgenommen. Was nun? Paddeln mit den Flip Flops? Schwimmen? Die Strömung und der Wind sind perfekt. Es treibt uns genau optimal zum Steg.

Eine Stunde später springt der Suzuki wieder an und läuft tip top, wie wenn nichts gewesen wäre. Und siehe da, aus dem Kontrollstrahlloch der Wasserkühlung, sprudelt das erste Mal anständig Wasser. Seit Jahren hat sich ein kleines Steinchen, das sich weiss der Geier wie ins System verirrt hat, nun endlich befreit und somit kurz die Kühlung blockiert.

Nun aber nichts wie weg von hier!

July 20

Huahuine

Wau was für ein Wunder! In diesem kleinen Kaff gibt es eine Bar! Mit Billardtisch, gemütlich eingerichtet, traditionelle live Musik trötet durch die Bude. Hier treffen sich Einheimische und Segler. Huahine ist uns gleich sympathisch. Die Dorfjugend ruft „hello welcome to Huahine!“ Autostop klappt hier bestens. Niemand kümmert sich um das Verbot, Leute auf der Ladefläche mitfahren zu lassen.

Wenn ich Touristen beobachte, die durch die Strassen schlendern und die Leute nicht grüssen, ärgert mich das. Verdammt nochmal, ihr seit hier auf Besuch und ich finde einfach eine Begrüssung ist angebracht. Jeder kann doch ein paar Brocken einer Fremdsprache in der Birne abspeichern. Vokabular ist in jedem Reiseführer zu finden. Dazu brauchst du nicht einmal Internet.

Am Wochenende ist das Finale der Tanzveranstaltung Heiva, das in ganz Polynesien im Juli gefeiert wird. Die Bevölkerung hat sich während Monaten Vorbereitungszeit irre Mühe gegeben, die Halle und etliche kleine Esslokale und Spassbuden für Kinder, liebevoll zu gestalten und nett einzurichten. Überall riecht es betörend nach Blumen und köstlichem Essen. Frauen und Männer tragen bunte Blumenkränze.

Eigentlich wollten wir gemeinsam mit unseren Freunden Hans Peter und Susanne aus der Schweiz hier sein. Doch eine gröbere Reparatur am Ruder der Mi Corazon nach einer Grundberührung, verzögert die Zusammenkunft. Hans Peter, den wir schon in Buenos Aires kennengelernt haben, hat seinen Katamaran selber gebaut. Also weiss er auch wie er das Ruder selber reparieren kann.

 

Andere hatten da weniger Glück. Die Nachricht verbreitet sich orkanmässig. Südlich von Huahine ist ein Katamaran auf’s Riff geknallt. Sechs Personen wurden mit dem Helikopter von der Armee abgeborgen.

Der Anblick des Katamaran ist für uns alle ein Schock. Immer wieder greifen wir zum Fernglas und bestaunen das Wrack und die wild tobenden, mehrere Meter hohen brechenden Wellen dahinter. Die Solidarität der Segler ist gewaltig. Jeder der da ist hilft irgendwie nur möglich. Auch die halsbrecherische Aktion der Leute, die den Notruf gehört hatten und in pitsch schwarzer Nacht mit den Dinghis, durch die von scharfen Korallenköpfen gespickte Lagune, versuchten zum Katamaran zu gelangen, war echt bemerkenswert.

Der Familie, mit ihren vier jugendlichen Kindern, wurde die Kaskoversicherung wegen mangelnder Erfahrung für dieses Seegebiet verweigert. Der Katamaran kann nicht mehr gerettet werden. Er wird versenkt. Es ist bereits die vierte Yacht, die dieses Jahr an der selben Stelle am Riff kleben geblieben ist.

Der Kat wird ausgeschlachtet und alles wird in der Bucht verkauft – bis auf 20 Kilo Gewicht, das pro Person erlaubt ist, in ein Flugzeug zu packen. Wir kaufen den ganzen Proviant und die Fischerausrüstung. Den Preis lassen wir sie bestimmen. Handeln wollen wir nicht. Das könnte ihre Gefühle verletzen.

Beim Schreiben dieser Zeilen füllen sich meine Augen mit Tränen. Alles unvorstellbar. Der Vorfall gibt immer wieder Anlass zu Diskussionen. Auch wir navigieren unter anderem mit Navionics. Im Sonarchart-Modus hätten wir an dieser Stelle auch kein Riff erkannt! Ein anderer Freund hat in dieser Gegend seine Yacht versenkt, weil er die Karte nicht genügend ausgezoomt hatte! Wir ziehen hoffentlich alle unsere Lehren aus diesem Vorfall!

Der betroffenen Familie wünschen wir viel Kraft und dass sie bald ein neues Zuhause finden.

Das wichtigste ist – ihr habt alle überlebt!

Recycling von einem anderen Katamaran

June 24

Tahiti-Moorea Sailing rendez-vous

Gemeinsam mit einigen Yachten, die wir in den Tuomotus kennengelernt haben, nehmen wir am Sailing randez-vous teil. Der Anlass ist für uns eine tolle Gelegenheit, neue Segler kennen zu lernen. Die meisten Teilnehmenden kommen von Kanada und der Westküste der USA. Wie sich noch herausstellen wird, ist dies ein cooler Trupp. Sie feiern fröhliche Feste, musizieren und singen gerne. Der Verstärker für die Gitarren ist selbstverständlich mit an Bord.

Robusta wird für die Überfahrt nach Moorea zwei Gäste zugeteilt. Der Kanadier Guillaume ist sozusagen per Anhalter unterwegs und dokumentiert seine Reise mit Kurzfilmen. Er bringt auch eine Drohne mit. Diese will er während der Regatta von der Robusta aus starten. Sein I-Phone darf mitfliegen und wird von oben filmen. Wenn das nur gut geht. Die Gesichtsfarbe vom zweiten Gast ändert sich noch bevor die Robusta die geschützte Lagune verlassen hat, also noch vor dem Start der Regatta. Er segelt das aller erste Mal. Das wussten wir und darum legte ich ihm noch bevor er überhaupt einen Fuss an Bord setzte, die Seabands schon mal präventiv an. Diese haben bis jetzt allen geholfen. Doch da flutscht auch schon das Frühstück im hohen Bogen in die See und gleich hinterher noch das Abendessen vom Vorabend. Nun bette ich Jean in unsere Koje. Bringe ihm einen kalten Waschlappen und bitte ihn die Augen geschlossen zu halten. Das soll helfen. Ausserhalb vom Riff ist der Schwell gewaltig und die Robusta schaukelt nun bei dem leichten Wind arg in alle Richtungen. Die Kotzerei nimmt kein Ende. Wir bangen um unsere Koje. So bette ich den leidenden Patienten im Schatten der Segel an die frische Luft. Der Süllrand eignet sich bestens dafür.

Zusammen mit einer Banane bekommt Jean nun die stärkste Medizin gegen Seekrankheit die wir besitzen. Doch auch das bringt keine Linderung. Zur Diskussion steht nun auf direktem Weg zurück nach Papeete zu segeln. Dann wäre das Leiden in einer Stunde beendet. Doch das will er auf keinen Fall. Er hat sich so auf den Anlass gefreut und seine Familie wartet in der Cooks Bay auf ihn. Also motoren wir statt zu kreuzen, auf direktem Weg nach Moorea. Die Regatta wird später wegen Windmangel abgebrochen.

An den folgenden zwei Tagen finden im Garten vom Hotel Club Bali High (äh… kleiner Verschreiber, Bali Hai) diverse Workshops statt, die einen Einblick in die Polynesische Tradition bietet. Palmblätter flechten, Tanzkurs, Tücher färben, Bananenrennen, Kokosnuss öffnen, Va’a rennen (traditionelles Auslegerkanu) wau war das streng! Der kugelrunde Animator Maanu ist eine Nummer für sich. Er versteht es jeden zum Lachen zu bringen.

Von den spitzen hohen Bergen der Cooks Bay, rauschen immer wieder heftige Fallböen. Einige Yachten driften gefährlich nahe ans Ufer. Auch die Robusta hat sich während der Nacht selbständig einen neuen Ankerplatz ausgesucht.

June 18

Tahiti Yachtclub Papeete

Ankern vor dem Yachtclub in Arue, sozusagen mitten im Kanal. Die Dinghis sind alle am Steg angekettet. Ups, ja da herrschen wieder mal seit einem halben Jahr städtische Verhältnisse. Nirgends in Polynesien mussten wir uns vor Dieben fürchten. Im Gegenteil! Da hat doch die Francoise am Steg ihre Tasche mit Geldbeutel, Kreditkarten, und Kamera liegen gelassen. Fischer haben diesen entdeckt und sind mit dem Auto im Dorf rumgefahren. Ob ich die Besitzerin des Beutels kenne. Ist das nicht toll???

Wir stellen uns beim Präsident des Yachtclubs vor. Fragen ob es in Ordnung sei wenn wir das Dinghi hier lassen und durch ihr Gelände latschen. Ausserdem brauchen wir bald Wasser und eine Dusche wäre auch toll. Kann die Waschmaschine genutzt werden? Er scheint etwas irritiert zu sein. Händigt uns doch einen Schlüssel gegen ein Depot aus. Trinkwasser ist kostenlos. Für die Nutzung der Einrichtung will er zwei Euro pro Person im Tag. Die 10 Kilo Waschmaschine können wir zum halben Preis nutzen. Nach drei Wochen will er dann doch kein Geld von uns.

Die Liste für die anstehenden Reparaturen ist lang. An erster Stelle steht der Kühlschrank. Roger meint das Problem zu kennen. Auch andere Yachties jammern wegen ihren Kühlkästen. Unserer schafft es gerade mal bis 15 Grad zu kühlen und das bei voller Leistung! Das bringst die Stromkapazität der Robusta arg an die Grenzen. Die Batterien müssen nun schon jeden dritten Tag eine Stunde mit dem Motor geladen werden. Sieben Liter Diesel für fünf Liter lauwarmes Bier! Das kann’s nun wirklich nicht sein. So sind wir zu Umweltschänder mutiert! Um das zu kompensieren müssen wieder fünf Motus vom Müll befreit werden. Die Steuerelektronik, ein Teil gerade mal wenige Kubikmillimeter gross, hat umgerechnet 180 Franken gekostet! Immerhin musste es nicht erst noch importiert werden!

Dann ist da noch etlicher Kleinkram zu reparieren: Das Kurzwellenfunkgerät brummt und lasst sich nur noch bei laufendem Motor bedienen. Dazu musste die ganze Hundekoje und die Achterkoje ausgeräumt werden bis der Fehler entdeckt wurde. Die Erdung war korrodiert. Die Ankerwinsch lief nur noch ruckelnd. Das lag ebenfalls am korrodiertem Batteriekabel. Kleine Roststellen provisorisch ausbessern, ja das verdammte Salzwasser! Reissverschluss am Lazzijack auswechseln, am Motor wurden die Dieselrückführungsschläuche ausgewechselt. Das Dinghi ist auch schon wieder Patient! Nebst dem einen Loch in der der Luftkammer das niemand richtig reparieren kann, hat es nun auch noch ein Loch im Hartboden. Nun läuft das Dinghi nicht nur vom Regen voll, sondern auch noch von unten!

All die Wartungsarbeiten konnten wir, das heisst speziell Thomas, selber ausführen.

Ich denke oft, wie es wäre wenn ich Einhandseglerin wäre. Die blöde Elektronik würde mich am dritten Tag bereits an die Grenzen bringen!

Im Yachtclub hängt am schwarzen Brett ein kleiner Fresszettel. Auto zu vermieten. Wöchentlich oder monatlich von privat. Kostet fast nix! Cecile kommt am nächsten Tag um den Peugeot 106 zu zeigen. Ich glaube das ist das voll ungeeignetste Auto für Tahiti. Aber trotzdem toll. So können wir das erste mal seit drei Jahren wieder mal Auto fahren! Ersatzteile suchen wird extrem einfacher. Die öffentlichen Verkehrsmittel in Tahiti sind eine leichte Katastrophe. Fünf Uhr fährt der letzte Bus. Ausgang unmöglich. Doch Autostopp klappt recht gut. Die Polynesier kennen das Problem. Jetzt während den Winterferien ist die Hälfte aller Busfahrer im Urlaub. Also nur noch halb so viele Busse im Einsatz.

Meine Augen bocken auch. Lesen fällt mir immer schwerer. Die Lesebrillen aus der Apotheke helfen nicht mehr. So lasse ich mir eine richtige Sehhilfe anfertigen. Dazu hole ich mir ein Rezept aus der Klinik hinter der Kirche. Erst war ich bei einem Augenarzt. Der nächste freie Termin wäre in zwei Monaten! Nun habe ich das System nicht geschnallt. Am Vormittag kann jeder einfach in eine Praxis latschen und auf eine Behandlung warten. Am Nachmittag ist alles geregelt und läuft streng nach Terminvergabe.

Tahiti ist übrigens toll zum Wandern. Das Museum Tahiti fand ich enttäuschend und das Gauguin Museum ist wegen Umbau geschlossen.

Kurz vor der Weiterreise entladen sich die nigelnagelneuen Versorgerbatterien schon wieder viel zu schnell! Made in Rumania. Die aus China wollten wir nicht kaufen. Der Händler kommt zum Yachtclub und nimm die Batterien mit. Er testet sie während 24 Stunden indem er vier LED Lämpchen anschliesst und bewertet sie als in bester Verfassung! Nach einigen Argumenten geht er auf den Deal ein, sie gegen einen Aufpreis gegen die teureren und stärkeren Batterien aus China einzutauschen.

June 14

Gegen West nach Tahiti

Das Paket ist endlich eingetroffen. Der Suzuki ist gerettet! So kann die Reise endlich fortgesetzt werden. Fehlt nur noch Wasser. Am Pier gibt es Wasser von der Gemeinde. Doch da tauchen auch schon zwei Polizisten auf. Die Zysterne sei fast leer. Der Katamaran, ein Charterschiff, habe 700 Liter ohne zu fragen bezogen und dazu noch Wäsche gewaschen. Also ist da bis zum nächsten Regen kein Wasser zu haben. Also ist sparen angesagt.

Die Überfahrt war wiedermal mehr als mühsam. Erst an die 20 Knoten Wind. Perfekt. So liebt es die Robusta. Doch in den Pass vom Atoll sind wir vor lauter Fische gucken viel zu spät eingefahren. Er hat förmlich gekocht. Schon beim Segel setzen hat es das Grossfall immer wieder um die Maststufen verheddert. Segel rauf – runter – rauf , dann die Reffleinen total verwickelt, Segel nochmals runter. Drinnen alles durcheinander geschmissen. Ein Liter Kefir ist durch die Bude geflogen. Der Schrank ist aufgesprungen. Alles überall. Kefir ist bereits bis in die Bilge vorgedrungen und hat sich unter die Wassertanks vorgearbeitet. Bravo. Bei dieser Hitze wird die Robusta sich innert weniger Stunden in eine säuerlich stinkende Gammelbude verwandeln. Bääähh.

Der Passat schwächelt nach der ersten Nach auch schon wieder. Mit 10 Knoten Wind und Schwell aus Süd, lässt sich der fette Stahleimer einfach nicht recht vorwärts bewegen.

Oh wie vermissen wir den Spinnaker!!

June 9

Toau

Der Maraamu, ein starker Wind aus Süd-0st ist angesagt! Dann wird es im Atoll Fakarava vor Rotoava ungemütlich. So flüchten mehrere Yachten in das benachbarte Atoll Toau. Die Yacht die dort im Süden vor Anker liegt, lichtet kurzerhand den Anker und haut ab. Kann ich gut verstehen. Da glaubst du dich gemütlich in totaler Einsamkeit im Paradies zu befinden und dann kommt eine ganze Horde an. Jeder rast mit dem Dinghi hin und her und macht Krach (ausser wir sind noch immer am paddeln). Der Strand wird auch beschlagnahmt. Feuer machen, Grillen. Die gemeinsame Sprache ist Französisch. Doch die Stimmung ist nicht ganz so toll. Das eine Paar nervt. Wir kannten diese Leute noch nicht. Doch auch der Seglertratsch klappt bestens. So waren wir schon eingespritzt und gaben uns gar keine Mühe für ein Kennenlernen.

Toau ist ein fast unbewohntes Paradies. Lassen uns von den kleinen Fischen die Hornhaut an den Füssen abknabbern, kommt Durst oder Hunger auf, sammeln wir Kokosnüsse. Meist endet solch eine Aktion so, dass die Kalorien einer Nuss bei Weitem nicht ausreichen um die aufgewendete Energie um sie zu pflücken und dann noch zu öffnen zu decken.

Der Maraamu ist durchgezogen, ohne all zu fest an den Yachten zu zerren. So und nun geht’s nochmals zurück nach Fakarava und hoffentlich ist das Ersatzteil für den Dinghimotor eingetroffen. Die Enttäuschung ist gross. Nochmals eine Woche auf das nächste Versorgungsschiff warten! Und nun liegen auch noch mega viele Yachten vor Rotoava! Acht Oyster Yachten sind gleichzeitig eingetroffen. Jeder Kahn hat eine überdimensional grosse Oysterflagge an den Mast gebändselt. Die müssen wohl was besonderes sein. Eine ganz andere Garde. Beim Internettreffpunkt (Yachtservice) reden sie schon gar nicht mit uns. Ob es an unserem mit weissem Tape zusammengeklebten 15 Jahre alten Computer liegt?

Sie reisen in einem Pulk um die Welt. Um Formalitäten kümmert sich eine Organisation. An Board reist selbstverständlich auch ein Ingenieur und weiteres Personal mit. Der elitäre Yachty hat ja viel dafür bezahlt. In Gegenden mit Piraten, werden sie von bis auf die Unterhosen bewaffneten Schiffen eskortiert….

Da haben wir vor dem Laden gerade mit den Einheimischen und paar Seglern gejammert, dass hier nichts los ist. Und schon ist der Bär los…. nochmals an die zehn Yachten sind eingetroffen. Alles Amis und Kanadier. Die sind eindeutig lockerer drauf als der Oystertrupp. Hier Biertrinken, dort Geburtstagsparty und schnell ist man sich sympathisch. Sie überreden uns am Sailing Meeting Tahiti – Moorea mitzumachen. Doch bis Tahiti sind es noch über 250 Seemeilen und die Wetterprognosen sagen nur schlappen Wind voraus.

June 6

Warum kein Nachtleben?

 

Juppie, die fast perfekte Internetleitung wurde gefunden! So kann wieder einmal ein Bericht – sogar mit Bilder folgen: der Uplaod dauerte nur knappe fünf Stunden.

Nun sind wir schon seit einigen Wochen in Französisch Polynesien.

Wo sind wir hier nur gelandet? In einem Land mit liebenswürdigen Menschen, wunderschöner vielseitiger Landschaft, hunderten von Atollen und auch Inseln mit hohen Bergen. Türkises Wasser, Korallen von tausenden verschiedenen bunten Fischen bewohnt. Ein Paradies für Taucher! Von Menschen fast unbewohnte Natur pur!

Die Partytempel vermissen wir nicht gerade. Aber so ab und zu mal mit witzigen Leuten bei lauter Musik einen überdrehten Abend in einer Bar verbringen, wäre kein Luxus. Sowas vermissen wir echt.

Das Südseeparadies kommt uns diesbezüglich sehr langweilig rüber.

Meine Frage, warum es hier keine Bars gäbe, wird mit einem simplen „wir stehen halt früh auf“ abgetan. Beinahe auf der ganzen Welt stehen Menschen früh auf um oft übertrieben viele Stunden zu schuften um ihre Familien über die Runden zu bringen. Aber sie tanzen und feiern trotzdem!

So laden zumindest die Segler sich gegenseitig auf die Yachten ein oder es wird am Strand ein leckeres Essen zubereitet. Heute ist auch so ein Fest angekündigt. Darum paddeln wir an Land um frisches kaltes Bier einzukaufen. Der Kühlschrank ist kollabiert. Ist doch unmöglich nach nur zwei Jahren Betriebszeit! Was für ein super doofer Entscheid, den beinahe ein viertel Jahrhundert alten Kühlkasten gegen das, wie vom Hersteller versprochen super sparsame Modell, auszutauschen. Wäre wohl schlauer gewesen, noch ein extra Solarpanel anzuschaffen. Auch der Supporter der Firma WAECO weiss keinen schlauen Rat zur Selbsthilfe. Er stellt blöde Fragen, die bei einem toten Modell schlicht nicht mehr überprüfbar sind!

 

Der handgeschriebene Fresszettel am Kühlschranks des Supermarkts erschlägt mich fast: „heute kein Alkoholverkauf“. Was ist das denn? Wahlen. Irgendwelche Wahlen auf der anderen Seite der Welt – in Frankreich! Ganz diskret bitte ich die Verkäuferin um eine Ausnahme. Sie nimmt meinen Rucksack, wartet bis keine Kunden mehr im Geschäft sind und packt die gewünschte Menge Bierflaschen ein. Der Abend ist nochmals gerettet.

An Thomas Geburtstag wollten wir seit langem wieder mal nett Essen gehen. Dazu musste in Fakarava erst mal ein Lokal gefunden werden. In den französischen Crepe-Schuppen wollen wir nicht. Dort verhungerst du garantiert  und die Wirtin ist ein echt launischer Drachen. Der Rotoava Grill ist nur am Wochenende offen. Beim Yachtservice hängt ein Plakat mit Farbfotos. Sehr romantisch! Ein Lokal direkt am Meer, Palmdach und doch recht einfach und gemütlich. Ich rufe an. Essen muss einen Tag im Voraus angemeldet werden. Ein Fahrer werde uns um halb sieben am Steg abholen. Die Zeit bestimmt die Madame am Telefon, was mich schon mal etwas irritiert, aber nicht weiter stört.

In der Finsternis rollt ein Kleinwagen an den Steg. Der Fahrer soll hier acht Personen  abholen. Wie die alle in die Karre passen sollen, ist für mich ein Rätsel. Doch da sind nur wir zwei. Also warten wir, durstig und echt ausgehungert nach der Fahrradtour, eine geschlagene Stunde auf die Geister, die niemals erscheinen werden!!

Das Essen wird hübsch angerichtet serviert und ist echt lecker. Träumen nun von einem Dessert. Kuchen oder etwa eine Eiscreme. Bei diesem Gedanken taucht auch schon die gute Fee aus der Küche auf. Jedoch nicht um freundlich unseren Wunsch entgegen zu nehmen, sondern mit der Meldung, dass der Fahrer warte um uns zurückzufahren.

Wir sind sprachlos.

Auch hier beim Südpass Fakarava erging es uns nicht viel besser. Stell dir eine kleine romantische Ferienanlage mit kleinen Strohhütten vor. Türkises Wasser, absolute Einsamkeit, alles hübsch dekoriert und eingerichtet. Haie drehen elegant ihre Runden unter der Terrasse. Perfektes Ambiente um gemütlich einen Drink zu schlürfen. Der Wirt bemüht sich seinen Pizzaofen einzuheizen, wenn mindestens acht Personen essen. Getränke mussten wir aber selber mitbringen. Das ist auch gut so, denn der Alkohol ist in Polynesien krass teuer. Die Pizza à discretion war immerhin echt lecker. Doch auch hier, kaum ist der letzte Bissen runtergeschluckt, wird einkassiert. Meine Schweizer Uhr zeigt gerade mal halb acht! Immerhin dürfen wir noch hocken bleiben. Der Generator für das Licht wird abgestellt. Ich kann noch zwei Kerzen erbetteln, die nach einer halben Stunde abgebrannt sind.

Doch immer noch ist uns nicht klar, warum es hier kein Nachtleben gibt.

“Zu gefährlich” erklärt Aldo. “Wo Alkohol im Spiel ist, kippt die Stimmung und es artet zu oft in Streitereien aus.” Oft geht es so wild zu und her, dass die Agressionen auch am Mobiliar ausgelassen werden. So hat nicht wirklich jemand Lust in eine Bar zu investieren. Bekommt den sonst so friedlichen Polynesier der Alkohol nicht?

Wo treffen sich die Einheimischen? Wo lernen wir sie kennen?

Morgens in der Kirche – wo denn sonst!

 

 

 

 

 

 

May 28

Internet in Französisch Polynesien

Internet war auch schon einfacher. Hier in Französisch Polynesien ist es schwer, Internet zu finden, vor allem in abgelegenen Orten – falls es überhaupt eines gibt.
In den Marquesas und Tuamotus läuft der gesammte Trafic über Satellit. Die Telekom (privates Organ) betreibt auf den Inseln die überdimensionale Satellitenschüssel, ausgerichtet auf einen geostationären Satelliten. Fragt sich nur noch, wem der gehört. Vermute mal den Franzosen oder ist es ein internationaler Satellit wie z.B. Iridium ?
Das Signal wird via Telefonkabel an die einzelnen Abonnementen verteilt, dies sind vor allem Restaurants oder private Haushalte. Internet-Abos sind hier teuer (180 Fr für 8 Mb/Sekunden/Monat im 2015). So findedt du kaum freies Internet. Restaurants verlangen pro Stunde bis 5 Franken. Doch einige bieten es kostenlos, schielen auf viele Segler, die sich dann in der Bar tummeln. Dies kennen wir schon aus Puerto Williams. Alle vor dem Smartphone sitzend, still ist es dann wie in der Kirche. Ist ja auch schade.
Weiter gibt es zwei Firmen, die bieten Internet via Hotspot. Dies ist ebenfalls für 5 Franken pro Stunde zu haben. Geschwindigkeit hängt vom Wetter ab. Wenn es regnet, dann ist kaum was zu laden. Oder viele Benutzer sind Online, dann sind ebenfalls Mäuse in der Leitung. So weisst du nie, ob etwas für den Einsatz heruasspringt. Ist oft wie Roulette!
Eine weitere Lösung wäre Internet via Mobile (SIM Karte), doch auch diese Option ist kaum zu bezahlen. 200 Mb kosten über 15 Franken.
Speziell ist Tahiti: hier sind Unterwasserkabel, von Hawaii gezogen, im Einsatz. Internet ist sehr schnell und die Kapazität wird bei weitem nicht ausgeschöpft. Nun könnte man meinen, es wäre darum viel preiswerter. Doch die Preise sind gleich wie auf den anderen Inseln. Verdient sich irgendwer eine goldene Nase dabei? Vieleicht hat sich aber die Verlegung der Leitung nicht gerechnet. Es leben nur 180’000 Leute auf Tahiti, sie nutzen gerade mal 1 % der möglichen Kapazität.
Daher stauen sich die Blogartikel im Speicher der Harddisc und gammeln dort vor sich hin, bis eine brauchbare Lösung gefunden wird, die Artikel und Bilder hochzuladen.
Weitere interessante Informationen in einem Artikel von Motherboard.
Weltkarte der Unterwasserkabel

Thomas

May 22

Stress-Käfer

Cool, so hoffen wir doch auf sonnige Tage, damit die Stromversorgung mit den Solarpanelen aufrechterhalten werden kann. Wäre schon blöd wenn der Motor nicht mehr anspringt. Auf kaltes Bier verzichten wir schon seit längerem. Den Kühlschrank zu betreiben ist für die altersschwachen, acht Jahre alten Batterien schlicht zu viel. So reist nun unser Fleisch ein Weilchen im Kühlschrank der Sy Kama durch’s Atoll.

Der Crew von der Kyory und Kama danken wir echt, dass sie uns immer mit ihrem Dinghi mitnehmen und wir nicht dauernd paddeln müssen!

Im Südpass ist nun auch noch die Segelyacht Maya eingetroffen. Wieder mal Schwiizerdütsch zu quasseln ist echt cool!

Ihr Dingi ist durchlöchert! Im Dunkeln sind sie pflichtbewusst mit Licht durch die Lagune getuckert. Dabei sind einige Hornhechte, durch das Licht angezogen, ins Dinghi gehopst und haben mit ihren spitzen Zähnen Löcher reingebohrt! Unglaublich.

Fazit: Wir haben ein dichtes Dinghi und sie einen funktionierenden Motor.

Erst reagiere ich auf Herberts Vorschlag, das Dinghi und den Motor zu teilen, genervt.

Haben eben gerade irgendwelche Käfer im Mehl entdeckt! Sorry, waren gerade dabei, das Ausmass der Katastrophe zu eruieren.

Das Weissmehl, welches in Ua Pou angeschafft wurde, war voller kleiner schwarzer Käfer. Drei weitere Packungen aus Chile waren auch bereits kontaminiert. Im leckeren Kunstmann Mehl krabbelt es auch schon…. Das wären zehn Kilo versautes Mehl! Die Fische freuen sich über die ersten zwei Kilo. Verdammt das ist Mist! Ich fülle die lebendigen sieben Kilo Mehl in PET-Flaschen. Backe einen leckeren Kuchen und ein Kilo Brot. Die Krabbeltierchen lese ich so gut es geht heraus.

Das bisschen Eiweiss kann nicht schaden!

Wer kommt zum Kaffee und Kuchen? Die mutigen sind herzlich eingeladen!