August 14

Tuwasliste von 69 auf 7 geschrumpft

Krise überwunden? 

Es geht wieder besser.

Doch die Ansage der Neuseeländer, die Winterstürme gehen erst richtig nach der Sonnenwende los und dauern bis Ende September, hat sich auf das Stimmungstief nicht gerade positiv ausgewirkt. Doch zur grossen Überraschung sind die Temperaturen diesen Winter mild. Tags manchmal gegen 18 Grad! Nachts um die 10, nur noch selten 5 Grad. Doch die Tage sind noch immer kurz. Malen ist nur in kleinen Etappen möglich. Zwischen 13 und 15 Uhr stimmen die Bedingungen falls die Sonne scheint. Die Intervalle ohne Regen sind auch echt länger geworden. Nach dem miesesten Sommer folgt nun ein milder Winter? Hoffen wir doch!

Für den Aufbau der Arbeitsmotivation haben wir uns ein wenig Freizeit von der Werft gegönnt: Mehrere nette Wanderungen unternommen, Freunde besucht oder eingeladen, bei Regen stundenlang im Hallenbad im nach Chlor stinkenden Hot-Pot gehockt, mal schön auswärts essen gegangen… Jeden zweiten Sonntag ist jetzt neuerdings Salsa Tanzkurs. Es ist wirklich einer der cooleren Kurse die ich besucht habe. Fast alles unkompliziert und locker. Lokal mit Barbetrieb ist schon mal eine sehr sympatische Ausgangslage. Die erste Stunde sind die Fortgeschrittenen dran, die zweite Stunde die Anfänger. Nach dem Kurs bleiben alle noch zum Tanzen oder einfach um neue Leute kennen zu lernen. Leider sind wie in jedem Tanzkurs Männer Mangelware! Bei schönstem Wetter hatte der Tanzlehrer die glorreiche Idee mitten in der Stadt, an der frischen Luft zu tanzen. Es dauerte keine fünf Minuten und die Polizei  stand auf dem Platz. Niemand hat aufgemuckst. Der Kiwi scheint kein Revolutionär zu sein. Mein Versuch die neu erlernten Tanzschritte mit dem Beamten auszuprobieren, ging kläglich den Bach ab. Der Mann war nicht von seinem Vorhaben abzulenken. Er hat wohl unterschwellig gemerkt, dass ich Polizisten nicht sonderlich mag. Der öffentliche Raum ist in Neuseeland nur zum angucken gedacht, aber nicht um sich wohl zu fühlen. Wehe du traust dich auf einer Parkbank, bei schönstem Wetter, ein Bierchen zu trinken!

 

Das Visualisieren  aller ausstehenden Arbeiten auf einem Stück Papier, hat geholfen. Jedes Abhaken mit einem fetten roten Stift, ist tatsächlich eine wahre Freude.  Es fühlt sich super an jetzt wo die Tuwasliste von 69 auf 7 geschrumpft ist. Doch welche Jobs sind in der Regel als letztes dran? Die Mühsamen. Das Dinghi ist so ein Fall. Seit längerer Zeit ist dies eine halbwegs schief schwimmende Badewanne. Wasser fliesst rein und Luft entweicht. Die Lecks sind an den unmöglichsten Stellen. Sogar er Provi auf den Marquesas Inseln hat sich geweigert diese Löcher anzugehen. Genauer gesagt, er hat nur die einfachen geflickt. Hinten beim Holzspiegel,  in den Ecken, total versteckt und weder im aufgepumpten Zustand und auch ohne Luft beinahe unmöglich dort zu hantieren. So und nun bin ich etliche Kilometer mit dem Velo gefahren um PVC Kleber zu bekommen. Ja der kann doch überall gekauft werden. Kein Problem. Doch die Menge die ich gerne hätte, existiert nicht. Kleine sündhaft teure Tübchen von wenigen Milliliter Vulkanisierender Kleber, heilen das Dinghi nicht!  Ich rechne mit einem Liter! Im Endstadium der Verzweiflung stoppe ich bei einem Canvas Fabrikanten. Von ihm könnte ich ein ganzes Fass PVC Kleber (Bostik 999) echt günstig kaufen.  PVC Flicken gab er mir noch umsonst mit. Einen Liter habe ich davon gekauft. Das Internet verspricht viel über diesen Kleber aus der Schuhfabrikation. Doch in der Anleitung wird einen zweiten Komponenten empfohlen.  Dieser Zusatz ist nur für schwere Fälle nötig und mache den Kleber Wasserresistenter. Unser Dinghi habe ich persönlich in die Kategorie “erheblich schwerer Fall” eingestuft. Wir beide haben es so satt vor jeder Fahrt Wasser zu schöpfen wenn es nicht einmal geregnet hat oder dauernd zu pumpen.  Der lokale Aufblasbarem Reparaturservice in Whangarei  hat bestimmt diesen Zusatz. Wenn ich schon dort bin, erkundige ich mich anhand von Fotos, wieviel die Reparatur kosten würde. Die Ferndiagnose schätzt er auf mindestens 800 Kiwidollar (530 Franken). Klarer Entscheid: Selbstversuch!  Tim und Alison erteilen mir super geduldig einen Dinghi Reparatur Crashkurs. Sollte alles abverrecken, bringe ich das Dhingi zu ihnen! 

Im Moment sieht es noch schlimm aus, so tragisch, dass ich Angst habe es nicht mehr zusammen zu bekommen. Ohje und diese paar Tröpfchen Zusatz sind wieder so richtig teuer.

So und nun, wo ich vor dem schlappen Sportgerät stehe und es galt Problem Nummer eins zu lösen, nämlich die Voraussetzung zu schaffen, dass die Luftkammern innen trocken sind, würde ich lieber baden gehen.  Das ist doch nun echt mal ein Ding der Unmöglichkeit. Ausser ich schneide ein grosszügiges Loch rein. Nun versuchte ich seit Tagen, jedes mal wenn ich daran vorbeilaufe, das Dinghi wieder aufzupumpen um so das Innenklima zum Besten zu ändern. Der Umfang vom Oberarm  ist bereits um einen Zentimeter gewachsen, doch ist da noch immer Feuchtigkeit zu spüren wenn ich meinen kleinen Finger durch das Ventil pople. Immer wieder versuche ich die alten Flicken mit dem Heissföhn vorsichtig zu entfernen. Nicht vorsichtig genug, denn zwei Fingernägel sind nun angekokelt. Die Kunst besteht darin, weder Finger noch das PVC zu verbraten. Doch die Flicken haften plötzlich aussergewöhnlich fest. Auch mit dem Lösungsmittel ist nur sehr langsam etwas auszurichten. Nun  ist mal die Verbindung vom Holzspiegel zum Festboden freigelegt. Das Holz ist nass aber noch in einem einigermassen guten Zustand. Wenn es trocken ist, wird es mit Resine-Epoxi gestrichen und mit zwei weiteren Schichten 2-K Lack. 

Dinghies bescheren oft den Dauerterror. Die meisten Modelle sind diese Tage in China hergestellt und die Verklebung verabschiedet sich laut Aussagen anderer Segler innert kürzester Zeit. Je mehr Sonneneinstrahlung – desto früher. Wenn wir ein grösseres Schiff hätten, würden wir ein Festes Dinghi besitzen. Auf jedenfalls nichts zum Aufpumpen! 

 

 

 


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Posted 14.08.2018 by robusta in category Neuseeland

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