June 6

20. Woche Werft

Was ist denn los? Warum erscheint da kein Blogeintrag mehr? So in etwa lauten die Kommentare von Freunden.

20 Wochen am Stück in einer Werft zu verbringen, hätten wir niemals so gedacht. Es war klar, da ist viel zu renovieren. Robusta ist auch nicht mehr die Jüngste. Dieses Jahr ist ihr 30-igster Geburtstag. Für dieses Ereignis wird sie eben speziell hübsch gemacht! 

Chaos auf der Baustelle

Nohl, der wohl erfahrenste Bootsbauer dieser Werft erklärt, dass Arbeiten die von Laien ausgeführt werden, in der Regel sechs mal länger dauern. Diese Aussage lässt mich stutzen. Wie lange braucht denn ein Provi?  Zusätzlich war der Sommer   hundsmiserabel. Mittlerweile ist es auch schon Winter geworden! Die Tage sind kurz,  alles ist bis mittags feucht auch wenn es nicht geregnet hat. Die Niederschläge nehmen auch nicht ab. Die Temperaturen sind meist recht angenehm. Tags zwischen 15 und 20 Grad. Der Südwind hat uns aber auch schon Nächte um die 5 Grad beschert. Robusta ist gut isoliert und mit einer extra Wolldecke überleben wir das auch.

Besuch bei Jo in Auckland. Jo haben wir beim Segeln in Patagonien kennen gelernt. Ich habe die Woche Pause von der Werft sehr genossen.  

Zurück in der Werft, verlagerte ich das Arbeiten wegen des miesen Wetters nach innen. Thomas wühlt im Ankerkasten. Hoch euphorisch rupfte ich den Kartentisch raus und begann an dessen Stelle ein neues Sofa zu entwerfen. In der Rückenlehne sollen  neu drei Schapps für mehr Stauraum entstehen und unter dem Sitz zwei Kisten für den Proviant. Ich habe immer die Krise gekriegt wenn ich mich bei Seegang erst hinter den Tisch und unter die Polster würgen musste, um ausgehungert an die Vorräte zu gelangen. Der Kühlschrank war unter dem Kartentisch platziert und passt jetzt auf den Millimeter genau unter diesen Sitz in der Dinette! Mit einer extra Schicht Isolation braucht er am neuen Standort wesentlich weniger Strom! Das hast du  super hingekriegt Thomas!

Bootsbausperrholz für mein neues Projekt kaufte ich bei Scooters ein. Nun wie bringe ich das 2.40 x 1.40 Meter grosse Stück  zur Werft? Lieferung hätte 45 Kiwi Dollar gekostet. Unglaublich. So habe ich jemanden gefragt der ebenfalls Holz einkaufte, ob er mir helfen könne. Klar doch! Und ruck zuck lag die Holzplatte auf dem Anhänger und obendrauf auch noch mein Velo. An der ersten Kreuzung sprang der Fahrer hektisch aus dem Auto, fuchtelte nervös mit seinen Händen… da schoss es mir durch den Kopf: Klaus hat aus Spass das Schutzblech von meinem Fahrrad mit Rostumwandler eingeschmiert! Diese orange Farbe klebt jetzt akut, eventuell auch chronisch, am Steuer,  Gangschaltung und am Türgriff des Autos. Sehr peinlich. Immerhin hat der nette Mann einen beachtlichen Umweg von mehreren Kilometer für den Transport auf sich genommen!

Beim Bau des Sofas habe ich mir beinahe das Hirn ausgerenkt. Ja die Routine fehlt. Viele Dinge tun wir zum ersten Mal. Im Schiff ist alles noch etwas komplizierter. Wände sind irgendwie abgerundet oder schief und auch niemals linear, oder die perfekten Werkzeuge und Werkbank fehlen. Also muss improvisiert werden. Die Open Air Werkstatt ist nur bei schönem Wetter nutzbar. 

Spiel mit ausgedienter Rettungsinsel

Der Wetterbericht ist erneut zum davonrennen! Es regnet nicht dauernd aber immer wieder mal kräftig und das mehrmals pro Tag! Das seit Monaten! Eigentlich seit wir in Neuseeland sind. Jede Maschine muss somit zum Schutz nach Gebrauch in eine wasserdichte Kiste verstaut werden. Sonst könnte der volle Stress ausbrechen wenn sich plötzlich eine fette Wolke ergiebig entleert. 

Um den Rumpf von aussen zu streichen, darf es ausnahmsweise während fünf Tage nicht regen. Alle Schichten müssen nacheinander aufgetragen werden, eine pro Tag. Der Epoxi Primer, den Thomas bereits vor drei Monaten aufgetragen hat, muss angeschliffen werden. Mühsam! Wegen der langen Pause wird nochmals Epoxi Primer aufgetragen. Dann folgen zwei Schichten Epoxi Barrier Coat und das Antifouling. Vor dem Einwassern kommt noch eine weitere Schicht Antifouling drauf.

Rumpf malen

Endlich ist für uns das lang ersehnte Wetterfenster zum Streichen in Sicht! Einige unserer Freunde machen sich bereit  um die rund 1000 Seemeilen lange Reise nach Fiji in Angriff zu nehmen. Nur wir können noch nicht los! Der Abschied fällt mir wie immer schwer. Vor allem weil wir doch so eine tolle Bande in der Werft waren! Fast jeden Abend war was los.  Grillen, Kochen, Quasseln, Feiern, gemeinsame Ausflüge. Doch alleine sind wir noch nicht. Da sind noch welche da, die an ihren noch grösseren Projekten arbeiten. Sie sind teilweise schon Jahre dabei  ihren Traum einer eigenen Yacht zu verwirklichen. Im Winter stellen die Neuseeländer ihre Yachten für Wartungsarbeiten an Land. Und die Fischkutter werden zu dieser Jahreszeit ebenfalls gewartet. 

Die “Tu was liste” ist immerhin schon um einiges geschrumpf. 

Oft werden wir gefragt wie lange wir noch in der Werft sein werden und wohin wir segeln werden. Ehrlich gesagt, keine Ahnung. Das hängt alles sehr vom Wetter ab wie schnell die Renovation vorankommt. 

Die Zukunft steht offen. Nochmals in die Südsee, wie es viele Segler tun, dafür könnte es für uns zu spät werden. Im Dezember beginnt  bereits wieder die Zyklonsaison. Richtung West könnte sich wie nach Hause segeln anfühlen. 

Träume sind da viele – nur welchen Weg wir wählen, das wird sich zeigen.

Am 3. Juni war Thomas grosser Tag! Er hat seinen 50-igsten Geburtstag gefeiert. Doch das anziehende Tief brachte Monsunartige Regenfälle. Dank des Gasofens den Murri (Chef der Werft) zur Verfügung gestellt hatte, war es trotz Regen und Kälte wieder mal ein gelungenes Fest! Danke für all die Leckerbissen und Geschenke die alle mitgebracht haben!

Apropos Geschenke: Im Patio in der Werft, befindet sich der sogenannte Weihnachtstisch. Dort deponieren Segler Dinge wie Kleider, Bücher, Ersatzteile, Küchenutensilien, Farbresten etc. die sie nicht mehr brauchen.  So konnten wir schon so manches perfekte Stück ergattern. Ein Schreiner der Werft hat mal sein Fahrrad dort geparkt. Keine gute Idee! Auch die grosse Mülltonne ist manchmal eine echte Goldgrube. Dort fand ich zwei mal das komplette Ersatzteilpaket für die Jobsco Toiletten. Wer entsorgt so etwas wertvolles? In Polynesien hat solch ein  Satz 150 Euro gekostet!!! Auch unter den Seglern werden fleissig Dinge ausgetauscht. 

Lustig ist auch, dass immer wieder mal liebe Leute vorbeikommen während wir am arbeiten sind, um uns etwas zum Essen zu bringen. Selber gebackene Kuchen, Früchte von ihrer Farm oder wenn jemand nach Hause Fliegt, überlassen sie uns die frischen Lebensmittel.  Besitzer von Autos nehmen uns zum Einkaufen mit oder offerieren grosszügig diese auszuleihen. Von Hannes und Lydia haben wir Segel und Farbe bekommen, für das neue Sofa Schaumstoff von Angela und Reto, Klaus hat von seinem alten Dinghi alle Ventile rausgeschnitten und uns für den Notfall überlassen. Das sind wirklich Gesten die wir echt schätzen! 

Grossen Dank!

 

 

 


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Posted 06.06.2018 by robusta in category Neuseeland

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