May 8

Tuamotus – Fakarava – Südpass

Gab es Verletzte?

Wie viele Menschen wurden schon aufgefressen?

Ist ja unglaublich!

Und das kann ich dir glauben?

Hollywood hat die Burschen seit Jahren als böse, gefrässige Monster dargestellt. Filme wie OPEN WATER, DEEP BLUE SEA und JAWS, die wohl bekanntesten Filme, haben mich und viele Menschen sichtlich geprägt.

Wie ist das bei dir? Würdest du im Meer baden gehen, wenn die berühmte Dreiecksflosse das Wasser durchschneidet?

Ist die Angst vor den bösen, gefrässigen Monster gerechtfertigt wenn gewisse Regeln eingehalten werden?

Forscher sind da eindeutig anderer Meinung: Haie sind keine Menschenfresser. Sie sind für die Weltmeere von elementarer Bedeutung. Wo Haie verschwinden, gerät das marine Ökosystem aus dem Gleichgewicht. Haie stehen zu oberst der Nahrungskette, kontrollieren den Fischbestand und eliminieren vor allem kranke Fische.

Den Haien wurden in Französisch Polynesien, wie auch in Asien, für die traditionelle Delikatesse Haifischflossensuppe, die Finnen abgetrennt. Die verletzten Tiere wurden nicht verwertet, sondern wieder ins Wasser geschmissen, wo sie an den Grund sinken um dort qualvoll zu verenden. Nach Eingang von 40 tausend Unterschriften, beschloss der Ministerrat von Französisch Polynesien  im Jahr 2006,  das Abschlachten von Haien zu verbieten.

Im Südpass vom Atoll von Fakarava soll es eine unglaubliche Vielfalt tropischer Fische geben. Dazu kommen um die 700 graue Riffhaie und Schwarzspitzen-Riffhaie, die sich dort gerne in der Strömung aufhalten. Taucher aus der ganzen Welt reisen an, um dieses Spektakel zu bewundern. Zur Zeit ist allerdings nur ein einziger Tourist in der Pension. Am Flughafen in Tahiti wird gestreikt.

Die Polynesierin Liaisa erklärt mir, es gebe viel zu viele Haie.  Ein Hai fresse vier Fische pro Tag. Jetzt rechne mal aus, wie viele das auf eine Population von tausend Haien sind. Da bleibt ja kein Fisch mehr für die Bevölkerung übrig! Wenn ein Hai am Strand vor ihrem Haus auftaucht, killt sie diesen. Nein sie esse ihn nicht. Sie habe Angst um ihre kleinen Enkel. Aber sie verbuddelt ihn im Garten, sozusagen als Düngemittel .

Die Franzosen hätten so vieles verändert. Hunde dürften sie auch nicht mehr verspeisen. Jetzt hat es so viele streunende kranke Hunde in den Atollen. Liaisa und ihr Mann haben eine Hündin mit vier Welpen. Sind die Welpen grösser, werden sie und die Hündin geschlachtet und in ein leckeres Ragout verwandelt. Sie sei böse, habe schon nach Gästen geschnappt.

Was die Französische Regierung verordnet, schert die beiden nicht. Sie tun was sie für klug halten und was sie von ihren Vorfahren gelernt haben.

ADVISORY: folgender Text ist nicht für Eltern und Verwandte geeignet.

Unsere Freunde von der Segelyacht Mouss sind nun auch in Fakarava beim Südpass eingetroffen.

Bei Stillwasser brausen wir gemeinsam mit dem Dinghi aus dem Pass, bis kurz bevor sich die Wellen am Riff brechen. Alle spucken wir in die Taucherbrille damit sie nicht anläuft und so die Sicht frei bleibt. Mit Flossen an den Füssen stürzen wir uns in die dreissig Grad warme Badewanne. Toll! Gelbe, gestreifte, gepunkte, ja alle Variationen von Fischen. Als Einzelgänger oder in ganzen Schwärmen schwimmen sie zwischen den Korallen. Die Sicht ist recht klar. Ich bin hin und weg von der Unterwasserwelt der Südsee. Das ist wie Fernsehschauen. Langsam schnorcheln wir erst dicht beieinander mit doch noch etwas flauem Gefühl in der Magengegend der Riffkante entlang. Das Dinghi zieht Manon an einer Leine hinterher. Alle vier Sekunden gucke ich nach allen Seiten um sicher zu sein, dass sich kein Hai von hinten anschleicht.

Aus der Ferne kommt einer direkt auf uns zu. Ich beisse beinahe den Schnorchel ab. Beruhige mich aber augenblicklich wieder. Will die Biester ja nicht irritieren. Mit eleganten gemächlichen Bewegungen gleitet der etwa anderthalb Meter lange Grauhai an uns vorbei. Weitere folgen, auch einige Schwarzspitzen-Riffhaie. Hammerhaie sind keine zu sehen. An fast jedem von ihnen hat sich ein blinder Passagier, ein Saugfisch am Bauch festgeheftet.

Nach drei Stunden, völlig durchgefroren aber absolut begeistert vom Schnorcheln, steigen wir aus dem Meer. Mit der Dämmerung beginnt die Jagdzeit der Haie. Dann wollen wir nicht mehr mit ihnen schwimmen. Morgen wird die Aktion jedenfalls wiederholt. Marc vom Tauchcenter verrät uns, dass die meisten Grauhaie im Pass anzutreffen sind, wenn die Strömung am stärksten ist, sprich drei Stunden nach Tiefwasser!

 


Copyright © 2014. All rights reserved.

Posted 08.05.2017 by robusta in category Franz. Polynesien / Tuamotus

Leave a Comment

Your email address will not be published. Required fields are marked *

*