April 20

Hakaui (Nukuhiva)

Endlich scheint Wind aufzukommen! Für die nächsten fünf Tage 10 bis 15 Knoten aus Ost. Der Passat meldet sich zurück.

Morgens um sechs Uhr sollen die Segel gesetzt werden. Es wird dann aber doch sieben. In Hakaui wollen wir das gute Quellwasser tanken. In den Atollen der Tuamotus wird es nur noch Wasser aus Zysternen in begrenzter Menge geben. Regenwasser sammeln wird da wohl auch eher seltener möglich.

Über der wunderschönen Bucht von Hakaui liegt jedoch sprichwörtlich eine fette dunkle Wolke. Einerseits ist da der Paul über den eine Menge übler Stories kursieren. So haben wir uns mal präventiv bei der Gendarmerie über die rechtliche Lage erkundigt. Der von oben bis unten mit Tattoos geschmückte langhaarige Beamte verrührt die Hände! Ohje, ja wir stellen gerade ein fettes Dossier über meinen Cousin zusammen. Viele Segler haben sich beschwert. Demnächst werden wir Paul einen Besuch abstatten. Doch der Weg über die Berge ist beschwerlich und ein Boot haben wir nicht. Dann war da noch so ein Vorfall. Vor sechs Jahren wurde der Mann eines Deutschen Seglerpaares  während der Ziegenjagd aufgefressen. So in etwa lauteten damals die Schlagzeilen in den Deutschen Zeitungen.

Nein, der Paul frisst keine Touristen. Seine Aufgabe ist es für eine Kooperative umgerechnet acht Euro von jedem der an Land geht einzukassieren.

In der Bucht ankern zur Zeit zwei Yachten. Hohe spitze kegelförmige grün überwucherte Berge ragen aus dem Meer. Zwei Sandstrände, Palmen und ein gigantischer Wasserfall. Ein echtes Paradies, wären da nicht die Moskitos und Nonos!

Beim ersten Schuppen, links am Ufer des kleinen Flusslaufes, landen wir an und finden tatsächlich einen Schlauch aus dem frisches kaltes Quellwasser sprudelt. Paul scheint nicht da zu sein. Am Strand sitzt ein Fischer. Den fragen wir ob wir Wasser haben können. So füllen wir die sechs Kanister und die erste Ladung wird zur Robusta gebracht. Ich will nicht alleine dort warten. Bei der vierten und letzten Fahrt taucht plötzlich Paul aus dem Nichts auf. Mir gefriert das Blut – seines scheint aber überhaupt noch nicht zu kochen. Er freut sich sichtlich über die Marquesische Begrüssung: “Kao’ha Nui“. Paul, der in Gummistiefel, langer Hose und dicker Jacke gekleidet ist, scheint Hitzeresistent zu sein. Heute ist er wohl mit dem rechten Fuss aus dem Nest geklettert. Er plaudert freundlich. Erzählt wie er hier lebt, dass er einige Jahre weg war und im Tourismus als Barkeeper gearbeitet habe. Als sein Opa gestorben ist, kehrte er in seine  Heimat zurück. Während er sein Erbe renovierte, habe er 50 Kilo abgenommen! Also muss Paul ein echter Schrank gewesen sein.

Im letzten Herbst hat die Kooperative beschlossen, für den Unterhalt und Pflege des Trampelpfades zum Wasserfall von den Touristen Geld einzukassieren. Der Eintritt ist ein Jahr gültig. Er bekomme von dem Geld nichts. Dies werde für die Anschaffung von Motorsägen, Benzin und deren Wartung aufgewendet. Er erzählt auch etwas traurig, dass er sich schon oft mit Touristen gestritten habe ohne genau auf die Details einzugehen. Sie hätten sich geweigert zu bezahlen.

Wir bekommen fünfzig Prozent Rabatt und Früchte aus seinem Garten.


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Posted 20.04.2017 by robusta in category Franz. Polynesien / Marquesas

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