November 21

Schleichender Abschied vom Barfussleben

Ein Wetterfenster für die Überfahrt nach Neuseeland zeichnet sich in den nächsten zehn Tagen auch nicht wirklich ab. Wir wollen Fiji möglichst spät verlassen. Beobachten jedoch aufmerksam das Wetter. Das im Osten sehr trockene Fiji, verändert sich nun rapide. Noch vor kurzem hat das trockene Steppengras oft gebrannt. Ein Grund dafür ist unter anderem, das Abfackeln der Zuckerrohrfelder, um die Ernte zu erleichtern. Diese Feuer geraten öfters ausser Kontrolle. Bereits nach den ersten Regenfällen nach der Trockenzeit erscheinen die Hügel in einem sanften grün.  Wäre doch schade schon in den Süden zu ziehen, gerade jetzt wo alles zu blühen beginnt!

Im Norden von Viti Levu soll es einen perfekten Ort zum Windsurfen geben. Am nächsten Tag dümpelt die Robusta mit sehr wenig Wind nach Nananu-i-Ra Island. Die Strecke ist von Riffen gespickt. Ich weiss nicht wie viele Yachten in Fiji Grundberührung hatten.  Aber es waren schon einige die das Ruder demoliert haben. Es heisst unter  Seglern; Aufgepasst, Fiji frisst Boote. Die Seekarten sind ungenau. So navigieren wir nur am Tag und bei guter Sicht. Google Maps als overlay in die Seekarte ist dabei eine grossartige Hilfe.

In der Safari Lodge leihe ich mir für eine Woche Windsurfmaterial aus. Mein eigenes habe ich in Buones Aires wegen Platzmangel verschenkt. Sause im türkis blauem Wasser bei 4 – 6 Bf hin und her und übe Manöver. Der Adrenalinkick beim Windsurfen ist halt schon geil! Der Ort ist auch perfekt zum Kitesurfen! Wir fühlen uns sehr wohl bei Warren,  Caroline und Sala. Die kleine einfache Lodge, mit dem hübsch angelegten Garten, ist eine tolle Abwechslung zum Seglerleben. Pennen tun wir immer noch auf der Robusta die im Südwesten von Nananu-I-Ra absolut geschützt vor Anker liegt.

Die lustige Zeit vergeht viel zu schnell. Die Zwiebelsocken gegen Warrens Erkältung, die er natürlich nicht anziehen wollte, wahrscheinlich da diese im Bett unsexy aussehen, wurden zum running gag.

Doch dann erwischte es Thomas. Akute Zahnschmerzen. Genau jetzt wo ein  Zahnarzt am weitesten entfernt ist. Auch er wollte die sexy Socken nicht anziehen. (Ehrlich gesagt bin ich auch froh, dass kein Stinker neben mir im Bett liegt).  Zwiebel soll ja ein Wundermittel gegen allerlei Beschwerden sein. An den Fusssohlen angebracht, zieht sie krankmachende Giftstoffe aus dem Körper.

 

Thomas kann mit Warren nach Lautoka zum Zahnarzt fahren. „Zahnschmerzen? O.k, in dem Fall kommst du zum Zahnziehen“ meint die Assistentin. NEIN! Bitte reparieren… Fluchtartig sucht Thomas einen anderen Zahnarzt auf. Diagnose: Entzündung am Wurzelkanal. Das könne er nicht reparieren. Er verschreibt Antibiotika und Schmerzmittel. Für die Behandlung muss Thomas zu einem Zahnarzt in Suva auf der anderen Seite des Festlandes. Bravo. Mit dem Bus dauert die Reise dort hin knapp sechs Stunden. Doch da sind auch noch die kleinen Busse. Meist Toyotas mit 15 Sitzplätzen. Sehen recht gut aus. Alle voll aufgepimpt. Doch die Einheimischen meinen, wir sollen nicht mit denen reisen. Die sind oft in Unfälle verwickelt. Kein Wunder, die müssen im Schnitt mit 100 km/h an der Küstenstrasse entlang brausen. Nur so kann die versprochene Fahrzeit von 3 Stunden eingehalten werden. Auf dem Weg zum Busbahnhof ereignete sich ein Unfall in dem ein grosser Reisebus verwickelt ist. Wir entscheiden uns für die Minibusse. Gleicher Preis – doppelt so schnell. Der Fahrer sieht vielversprechend aus. Doch die rote Schrift „Lautoka – Suva – Lautoka“ im Zombie – Blutstyle, lässt Zweifel aufkommen.  Irgendwie kommt Thomas eine Stunde zu spät beim Zahnarzt an. Nein nicht weil der Fahrer anständig gefahren ist. Sondern weil der Bus erst losfährt wenn er voll ist. Thomas regt sich auf. Hey, mach dich locker. Hier geht alles nach „Fijitime“. Der Zahnarzt hat jedenfalls nicht gemotzt. Er hat trotzdem echt perfekt gearbeitet. Super moderne Praxis. War teuer aber gut. In einem Monat, Mitte Dezember, steht der zweite Teil der Behandlung an. Das ist jetzt aber blöd. 

Die offizielle Zyklonsaison dauert von 1. November bis 30. April. Die meisten Stürme sind jedoch im Februar zu verzeichnen. Eigentlich wollten wir mit dem nächsten Wetterfenster los. Jedenfalls wäre es schön, Weihnachten in Neuseeland mit Freunden zu feiern.

Die Route nach Neuseeland ist etwas spezieller und kann eine echte Herausforderung darstellen. Winde aus verschiedenen Richtungen, Stürme und Flauten sind keine Seltenheit. Zu früh lossegeln ist auch nicht gut. Im Südpazifischen Frühling ist es in Neuseeland noch empfindlich kalt und stürmisch. Also so gilt es den exakt besten Zeitpunkt zu wählen. Da ist der Wetterbob ein Experte. In seinem Bob Blog  kommt jeden Sonntag eine ausführliche Analyse zum Wetter im Südpazifik raus. Bob informiert die Segler welches Wetter zu vermeiden ist.  Er bietet auch Hilfe während einer Passage gegen Bezahlung an. Bis anhin haben wir das Wetter jeweils selber analysiert. Beide bilden für sich eine Meinung zur Lage. Danach vergleichen wir die Routenplanung und treffen gemeinsam eine Entscheidung.  So kann niemand beschuldigt werden, falls trotz moderner Wettervorhersage alles anders kommt. Bob’s Devise zur Wetterprognose:

“Wetter ist ein Gemisch aus Muster und Chaos; diese Ideen stammen aus einer strukturierten Welt”.

 

 


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Posted 21.11.2017 by robusta in category Fidschi

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