August 20

Suwarrow

Fotos hochladen ist leider wiedermal unmöglich! Also müsst ihr euch vorerst lesend durch eine Bleiwüste kämpfen… ich werde sie bei der nächsten Gelegenheit hochladen.

Die GRIB Wetterdaten sind via SSB (Kurzwellenfunk) geladen. 25 Knoten im Schnitt für die nächsten vier Tage. Es regnet immer noch. 25 Grad empfinden wir so dermassen kalt, so das gestern Abend die Heizung zum Einsatz kam.

Thomas und Robin stehen am Steg von Bora Bora und schauen besorgt in die Bucht hinaus. An  Robins Yacht hat es bereits eine Klampe durch den Seegang abgerissen. Also nichts wie weg hier! Wenn der Wind noch einen Zacken mehr nach Süd dreht, ist hier der Teufel los. Motor an, eindampfen in die Vorspring und das Heck bewegt sich vom Steg weg. Doch eine heftige Böe drückt die Robusta gefährlich nahe gegen die Segelyacht Monark. Nun hüpft Robin sichtlich noch nervöser umher.  Mit viel Schub manövriert Thomas die Robusta gekonnt aus dem kleinen Hafenbecken.

Bei der Marina wollen wir für ein paar Stunden an einer Boje festmachen. Frisches Gemüse muss noch besorgt werden. Das Dinghi ist aber schon weggepackt, liegt für die Überfahrt ohne Luft in eine Tasche gepackt an Deck. Dachten der Einkauf könnte heute Morgen gemütlich vom Steg aus erledigt werden.

Nun braust Herbert von der Segelyacht Maya und Pesche von der Pandora im Dinghi heran um sich zu verabschieden. Herbert und seine Familie wollen nach Palmerston segeln. Er habe dort jemanden per Mail angefragt, was die Leute auf der kleinen Insel brauchen könnten. Die Antwort kam prompt: Alkohol und Tabak wurde gewünscht. Schulbücher und Hefte für Kinder seien unnötig.

Was bringen wir den beiden Ranger von Suwarrow mit? Ist dort überhaupt noch jemand der in diesem Atoll lebt?

Die Überfahrt ist heftig. Der Schwell kommt aus Süd und verursacht auf diesem Kurs somit total unangenehme Schiffsbewegungen. Seekrankheit kennen wir zum Glück nicht. Aber ich verkrampfe beim Schlafen meinen Nacken dermassen, dass ich die ersten zwei Tage unter Kopfschmerzen leide. Thomas wird für zwei Tage zum Einhandsegler, worüber ich sehr dankbar bin.

 

Nach sechs Tagen und nach 685 Seemeilen kommt das Atoll Suwarrow in Sicht. Doch der Plan geht nicht auf. Der Pass ins Atoll soll nicht bei Dunkelheit  und nur bei mässigen Konditionen passiert werden.  Was heisst hier mässig? 25 Knoten aus Ost, geht das nun noch unter mässige Verhältnisse? 30 Seemeilen vor Suwarrow wird beigedreht. Die Robusta driftet nun mit 1.5 Knoten stabil nach Süd-West. Bei Sonnenaufgang sind die Palmen von Suwarrow nun deutlich zu erkennen. Doch aus Ost verdunkelt sich der Himmel bedrohlich und schon fallen die ersten fetten Regentropfen. Innert weniger Minuten ist die Sicht gleich null! Ich versuche mit den Ranger per VHF Funk, Kontakt aufzunehmen. Schon beim zweiten „Ranger Station“ verzwasple ich mich beim Sprechen. Das ist ja ein unmöglicher Zungenbrecher! Kein Wunder antwortet niemand. Oder werden wir etwa doch alleine sein? Wir freuen uns schon auf die unbewohnte Insel auf der noch Anarchie herrscht! Cool! Doch müssen wir hier am Paradies vorbeidriften? Bei diesem Sauwetter ist an eine Passage nicht zu denken!

Die Bucht vor dem Pass kocht förmlich. Wellen schlagen wild durcheinander. Hätten gerne Informationen, ob die Seekarte genau ist und ob der Pass nun befahrbar ist. Nun meldet sich doch noch jemand am Funk. Marianne von der Segelyacht Begonia. Sie hat begriffen, dass wir mit der Ranger Station nicht kommunizieren können. Also vermittelt sie im Gespräch. Die Einfahrt in den Pass ist ohne Regen machbar. Müssen jedoch mit bis zu vier Knoten Gegenstrom rechnen.  Ja dann hoffentlich bis später!  Langsam wird es brenzlig. Wir befinden uns an einer Luv Küste. Geht irgendwas mit den Segeln schief oder sollte der Motor nicht anspringen, würde die Robusta innert Kürze am Riff kleben! Was für ein Glück! In letzter Sekunde klart der Himmel doch noch auf und die Sonne leuchtet die Riffe aus, so dass sie gut erkennbar sind. Vier Yachten liegen im Atoll. Keine die wir kennen.

Kaum ist der Anker in sieben Meter tiefem Wasser gefallen, rauschen auch schon die beiden Ranger mit ihrem Boot zu uns raus. Ihre Funkantenne sei kaputt. Sie stellen sich mit Dirty Harry und James Bond vor. Dirty Harry zückt  aus seinem Koffer eine rostige Spraydose mit Totenkopfemblem. Eine Massnahme, um zu verhindern, dass in das, seit 1978 unter Naturschutz stehende Atoll, invasive Spezien eingeschleppt werden. Bevor ich realisiere was nun geschieht, sind meine Küchenkräuterpflanzen schon eingenebelt! Weiter geht die Prozedur im ganzen Boot. Jeder Raum bekommt im Verhältnis zu den Küchenkräuter einen kleinen Spritzer verpasst. Dafür bekommen wir ein Zertifikat, damit in Tonga die kostenpflichtige Prozedur nicht wiederholt werden muss.

Leicht benebelt werden nun die Formulare für die Einreise in die Cooks Inseln zu der Suwarrow gehört, direkt auf der Robusta erledigt. Kosten von 50 US-Dollar pro Yacht fallen an. Weiter erläutern uns die beiden Beamten worauf zu achten ist. So viele strenge Regeln. Von wegen Anarchie! Keine Küchenabfälle ins Wasser schmeissen, keine Fische fangen, keine Lebensmittel an Land bringen und so an….mit Ausnahme wenn wir am Strand ein „Pot Luck“ organisieren wollen. Eine der wichtigsten Regeln dabei ist, dass dazu die Ranger eingeladen werden. So ein Pot Luck findet gerade heute Abend am Strand statt (jeder bringt Getränke für sich mit und einen Topf Essen zum Teilen). Harry und James haben Fische gefangen die sie braten werden.

Harry ist schon die sechste Saison jeweils von Juni bis November in Suwarrow. James, der in Wirklichkeit Katu heisst, ist das erste Mal in der Abgeschiedenheit fern von Familie und Freunden. Die einen fanden er spinne doch sowas zu tun. Andere waren begeistert und würden seine Erfahrung gerne teilen. Jedenfalls ist Katu motiviert und hat viele Ideen für die nächste Saison um Suwarrow für Besucher informativ zu gestalten. Die Liste ist schon gross.

Die Grillabende, die während unseres Aufenthaltes fast  jeden Abend stattfanden, werden ausschliesslich von den Seglern organisiert. Nach fünf Tagen hatten wir aber schon genug von Suwarrow. Die Unterwasserwelt war nicht so spektakulär wie erwartet. Die Klimaerwärmung macht den Korallen zu schaffen und so ist die Lebensgrundlage für Fische und andere Meeresbewohner nicht mehr atraktiv. Aber irgend etwas ist halt doch speziell an Suwarrow. Ich kann es nicht ausdrücken. Doch dieser Ort hinterlässt bei mir einen ganz besonderen Eindruck.

Bevor die Ranger da waren, hat der Neuseeländer Tom Neale als Einsiedler auf dieser Insel gelebt. Er hat das Buch „An Island to Oneself“ geschrieben.

Und übrigens worüber sich die beiden Ranger als Mitbringsel freuen sind Alkohol und Tabak!

 


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Posted 20.08.2017 by robusta in category Cooks Inseln

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