November 20

Blanke Nerven / Behördenrennen

Ui ui ui ich rase Kilometer hin und her von Behörde zu Behörde. Shit und heute haben die vom Zoll festgestellt, dass ich vor zwei Wochen nicht vorbeigekommen bin. Die haben ein Hirn wie ein I Book. Unglaublich. Vor zwei Wochen wurde unser Mast an Land gelegt. Dazu musste ich mit einer Bestätigung des Club Nautico Barlovento zum Zoll rennen, warauf sie ein aufwendig erstelltes Schreiben mit allen Details an Arbeiten die ausgeführt werden, erwähnt sind. Mast streichen, habe ich angegeben. Die rotte Stelle im Mastfuss habe ich nicht erwähnt. Bitte lesen und eine Unterschrift. Ja super. Die Lesebrille ist nicht dabei. Die Beamtin leiht mir ihre Brille aus. Das Amts-Castellano verstehe ich nur andeutungsweise. Immerhin kann ich ausschliessen, dass da nicht steht, ich werde ihnen die Robusta schenken.

Auf den Krantermin warten wir nun schon drei Wochen um die Robusta an Land zu stellen. Erst ist kein Platz frei, dann wird bei Regenwetter nicht gearbeitet, was ich nicht ernst genommen habe und somit vergebens zum Zoll gerannt bin. Die haben’s ja schön hier! Dann müssten wir bei dem  Wetter in der Schweiz ja höchstens einen Monat pro Jahr arbeiten! Bei Regen und vor allem bei Gewitter ist es für die Arbeiter zu gefährlich den Kran zu bedienen. Ja gut, dafür haben wir Verständnis!
Heute wird die Formularschlacht noch intensiver ausfallen. Schweiss überströmt stehe ich erneut am Schalter der Aduana, der Zollbehörden. Die Damen und Herren sind nicht erfreut, dass ich letzte Woche nicht wie versprochen mit dem Papier der Prefectura erschienen bin. Ich dachte der Club Nautico Barlovento hätte eine E-Mail geschrieben, dass die Robusta nun doch nicht an Land gestellt werden kann. Ich und niemand anders sei für die Übermittlung dieser Information verantwortlich! Upa, jetzt sind sie aber gereizt. Die vier Beamten und Beamtinnen verschwinden erneut in ihrem kleinen Büro, um dann lange nicht mehr zu erscheinen. In einer halben Stunde sollte ich mit dem entsprechenden Stempel beim Kran erscheinen. Das schaffe ich mit dem Fahrrad niemals rechtzeitig! Möglichst beherrscht klopfe ich nach einer gefühlten Ewigkeit mal an die Fensterscheibe. “Tranquillo” meint der Beamte und schiebt mir seine Tasse Mate Tee, das bittere Gebräu, zwischen den Papierstapeln und diversen Stempeln entgegen. Trink erst mal einen Schluck.

Der Tee tut gut – die letzten zwei Wochen waren für uns echt ein Wechselbad der Gefühle. Bis Aleko sich den Mast anschauen konnte, haben wir schon mal verschiedene Lösungen in Erwägung gezogen. Ein lokaler Bootsbauer wurde um seine Meinung gebeten. Das Resultat war niederschmetternd. Reparatur kostet 3500 Dollar und neuen Holzmast erstellen würde 6000 Dollar kosten. Die Telefonmastenfirma haben wir auch schon angeschrieben. Dei Antwort ist noch ausstehend. Hans der Zimmermann aus der Schweiz, der seinen Katamaran in Australien selber gebaut hat, relativiert die Diagnose und meint trocknen lassen und neues Holz einsetzen. Nun ist Aleko da und er repariert den Mast super professionell. Was für ein Glück wir haben ist unglaublich!!! Danke Alektistan!

Nun liegt mein Fahrrad auf der Ladefläche des Ford der Zollbehörde und sie fahren mich zur Marina zurück. Sie müssen eh ein Foto vom Schiff für ihre Akten machen wenn es an Land steht. Robusta hängt bereits in den Gurten als wir ankommen. Aber die Übung wird wegen Regen abgebrochen. Das bekommen die Beamten aber nicht mehr mit, weil sie vom Regen früher in ihr Büro flüchten.

 

 

 

September 26

Pinheira – Rio Grande do Sul

Es dauert etwa zehn Minuten bis ich schnalle, wie die verflixte Dusche heisses Wasser zaubert. Dann geht’s los! Schön mollig warm rieselt das heisse Wasser über mein mitlerweile ultra glänzendes Haar, bis über den ganzen Körper. Was für ein fantastisches Gefühl! Das kannst du dir gar nicht vorstellen! Ich will gar nicht mehr raus aus der Dusche. Nach dem Abtrocknen wandert meine Hand  magischerweise zurück zum Drehknopf und stellt diesen nochmal an. Ich wiederhole die ganze Prozedur und geniesse noch intensiver das heisse Wasser! Ein Stück Appenzeller Käse und ein Stück Schweizer Schoggi wäre jetzt in dieser Situation auch nicht schlecht als Aufmunterung.

Fünf Tage auf See. Der verfluchte Wetterbericht. Wie hatten doch Ugur und Maral von der Blue Belle nur recht gehabt, doch nicht los zu segeln! Wir steckten den Kurs auf der Karte ab, es sah alles nach easy sailing aus. 10 bis 15 Knoten aus Nord-Ost. Das Wetterfenster ist jedoch knapp bemessen. Drei Tage soll es so bleiben, bevor der Wind auf Süd dreht. Die Gewitter machen Ugur und Maral Sorgen. Vor allem die Böen. Sie wollen ihren altersschwachen Mast schonen. Kann ich gut verstehen! Er ist ja auf dem Atlantik schon mal gebrochen.

Letzte Wetterbesprechung: Sie bleiben, wir segeln los. Motoren aus der Bucht, wo eben gerade noch Wind war. Kennen wir das nicht schon? Draussen segelt Robusta mit knapp zwei Knoten Fahrt. Super, so kommen wir nie in Rio Grande do Sul an. Immerhin sichten wir Wale! Die Baleia Franca (Eubalaena australis) sind um diese Jahreszeit in diesen Gewässern. Schon eindrücklich diese Tiere zu beobachten. Wir montieren sofort den Wal Wecker. Die antike Schiffsglocke hängt am Bugspriet, mit einer Schnur am Plämpel, mit Schäkel beschwert, die bis ins Wasser reicht. So bimmelt die Glocke immer wieder mal. Die Wale, die knapp unter der Wasseroberfläche schlafen, werden durch das Geräusch geweckt und verduften hoffentlich. Eine Kollision mit Walen wollen wir unbedingt vermeiden. 14 Tonnen gegen 50 Tonnen und 18 Meter lange Fische? Wie endet sowas?

Mist der Wind stellt ab! Ausser Wellen und schlagende Segel null, nix, nada. Fünf Stunden harren wir aus. Die See beruhigt sich nicht, der Wind bleibt aus. Neptun, brauchst du noch einen extra Schluck Cachaça? Als dieser Versuch auch nicht hilft, kommt der Arabische Wind zum Einsatz. Motoren drei Stunden bis Imbituba. Ankern  im Dunkeln nach Navionics Seekarte. Nach  OPEN CPN Plotter ankern wir fast auf einer Kuhweide! Super, soviel zur Genauigkeit der Brasilianischen Seekarten. Der Tiefenmesser zeigt aber genügend Wasser unter dem Kiel an. Wir schlafen, bis wir morgens um zehn vom Schlagen der Falle geweckt werden. Nun aber los! Wau, wie angenehmes Segeln. 15 Knoten aus Nord-Ost, bei Sonnenschein, perfekter könnte es nicht sein. Doch die nächsten drei Tage verbringen wir mit Gewitterzellen ausweichen, Segel setzen, Segel reffen, Segel runter, dümpeln, Rauschefahrt bis fast neun Knoten mit unserem lieben Stahleimer. Unglaublich! Das nur mit gerefftem Klüver. Ich frage mich wirklich, ob unser Windmesser stimmt. 30 Knoten hat er maximal angezeigt.

Nach meiner Nachtschicht falle ich komatös müde, vor Angst verspannt in meine Koje. Gewaltig wie ein Gewitter auf hoher See aussieht. Fette Blitze schlagen ins Wasser ein. Entscheiden, den ganzen Strom vom Netz zu nehmen. Lieber ohne Beleuchtung segeln. Bei dem  scheiss Wetter ist ja eh kein Fischer unterwegs. Die fetten Pötte, die hier selten rumkurven, erkennen wir trotz heftigen Regenschauer. Müssen wir halt ausweichen. Wau sind wir froh, ist die Robusta mit einem Deckshaus aus Lastwagenplane ausgerüstet!!! Sie ist ein tolles Schiff, wir lieben dich Robusta, obwohl du nicht so schnell bist wie Gin Fizz  🙂

An Schlaf ist nicht zu denken. Ich werde durch rasende Kopfschmerzen geplagt. Habe ich eigentlich selten. Mehr Wasser statt Alkohol trinken? Na ja jetzt saufen wir wieder mal nichts wenn wir auf See sind. Der Biervorrat ist eh alle. Thomi flutscht die Magensäure durch die Schaukelei in den Kehlkopf oder so ähnlich, wie er behauptet. Wir fragen uns, warum wir uns das alles antun. Trotzdem hat Thomi die Nerven, zehn Minuten nach der Ankunft in Rio Grande gleich vom nächsten langen Schlag zu reden. Ich raste kurz und heftig aus. Will nichts mehr vom Segeln hören. Am liebsten würde ich gerade nochmals unter die Dusche huschen.

Doch wir sind noch nicht angekommen! Wau, nur noch 23 Seemeilen bis zur Einfahrt in den Ententeich. Null Wind. Wie bitte?? Wellen, schlagende Segel. Das volle Programm. Segel runter, wir pennen und alle Stunde wird der Wecker gestellt. Um fünf Uhr morgens müssen wir den Motor anschmeissen, sollte der Wind nicht einsetzen, damit wir rechtzeitig in der Flussmündung ankommen. 04.37 werde ich mit der Nase an die Bordwand gedrückt. Wind! Segel setzen und los geht’s! Ab die Post. So ein Mist, der Wind kommt von genau von dort wo Robusta hin soll. Ich stecke einen Kurs ab, rechne wie wahnsinnig, das alles um fünf Uhr morgens. Die Härte für einen Morgenmuffel. Wirklich meine Lieblingsbeschäftigung. Thomi will motoren. Mit gegen den Wind aufzukreuzen schaffen wir es nie rechtzeitig in die Flussmündung. Die Wellen werden immer höher, der Diesel immer knapper den wir dringend im Fluss brauchen werden. Also doch Aufkreuzen. Um den kleineren Klüver zu setzen sind wir zu faul. Also ungerefft gegen etwa 18 Knoten Wind. Robusta macht das schon, die Segel hoffentlich auch. Keine Chance der Küste rechtzeitig näher zu kommen. Wir kreuzen den ganzen Tag hin und her! Die Flusseinfahrt erreichen wir zum suboptimalen Zeitpunkt. Versuchen trotzdem rein zu fahren. In einem Fluss muss ein Neerstrom sein. Eine entgegengesetzte Strömung am Ufer. Also fahren wir ganz nahe an der rechten Hafenmole entlang. Diese ist übrigens 35 Meter länger als in der Seekarte eingezeichnet!!! Muito obrigada für die Genauigkeit der Brasilianischen Seekarten! Gut war da kein Nebel. Im Dunkeln hören wir die grunzenden, schnarchenden oder wie auch immer tönenden Seelöwen die auf der Mole hocken. Schade können wir sie nicht sehen. Es klappt, Robusta schiebt sich bei normaler Motorenleistung mit über sechs Knoten den Fluss hoch! Nach einer Meile ankern wir da der Fluss breiter wird, der Neerstrom ausbleibt und pennen gründlich aus. Ab elf Uhr wird die Flut uns ans lang ersehnte Ziel bringen.

 

 

July 3

Ilheus

Es regnet was der Himmel nur so hergeben kann. Strassen sind überschwemmt und teilweise auch unterschwemmt. Was bedeutet, dass schon mal da und dort ein fettes Loch entstehen kann! In den Nachrichten zeigen sie ein Bild, da steckt ein ganzes Taxi kopfüber in solch einem Loch! Nun verstehe ich endlich warum die Taxis bei so heftigen Niederschlägen nicht gerne fahren.

Eigentlich wollten wir hier ja gar nicht stoppen. Mussten kurz vor dem Ziel gezwungenermassen umdrehen.

Geplant war mit dem Süd-Ost Wind so weit wie möglich nach Süden zu segeln. 40 Seemeilen vor Porto Seguro nahm der Wind bis zu 29 Knoten zu. Im GRIB File waren 10 Knoten vorhergesagt und sogar noch Flaute bis der Wind am übernächsten Tag auf Süd drehen und bis 25 Knoten zunehmen wird. Handelt es sich nur um einen durchziehenden Squall? Sind die Prognosen derart daneben? Wir müssen auf die Bremse, sind viel zu schnell. Wir wollen nicht in der Nacht ankommen. In der Bucht von Ilheus ankern viele Fischerboote, die in der Dunkelheit schlecht auszumachen sind. Wir binden zwei Reff‘s in das Grosssegel. Den Klüver rollen wir zu zwei Drittel ein. Breschen noch immer mit 6 Knoten durch die Wellen. Immerhin auf Vorwindkurs. Bei diesem Sauwetter sind keine Fischer draussen die bei Regen schlecht zu sehen sind.

Am frühen Morgen fällt der Anker vor dem Iate Club in der Bucht von Ilheus. Daniel hat hier mal gelebt und will mit uns zusammen gleich Freunde besuchen gehen.

Hier fragen wir gleich mal im Iate Club nach einem Mechaniker. Er soll morgen um zehn Uhr kommen wird uns versichert. Wir wollen uns die mittels Motorenhandbuch gestellte Diagnose bestätigen lassen.

In der hübschen kleinen Stadt essen wir mit Daniels Kollegin in einem Kilorestaurant. Typisch für Brasilien. Jeder schnappt sich einen Teller und geht zum Buffet und schaufelt sich, was er mag aus den zahlreichen ca. 20  Töpfen und Schüsseln mit all den verschiedensten Leckereien auf den Teller. Dann geht’s auf die Waage. Nein nicht wir, der Teller mit Inhalt wird gewogen.

Susi vermittelt uns auch noch einen Mechaniker. Lastwagenmechaniker soll dieser sein. Geht ja auch. Wir haben ja einen Traktorenmotor im Schiff. Er wird auf neun Uhr bestellt. Pünktlich um 9 Uhr, wie wir Schwiizer sind, hocken wir frisch geduscht im Iate Club Restaurant und erwarten den ersten Mechaniker. Gleich ist es Zehn Uhr, mal schauen ob es Nummer Zwei schafft. Ja tatsächlich um halb elf trifft ein Mann im ölverschmierten Overall, mit etwas überdimensionierten Hasenzähnen und von schlaffer Statur ein.  Kaum zu glauben, dass so ein Mensch eine Schraube lösen kann. Ich denke schon wieder gemein. Was ist denn das schon wieder für eine Pappnase?! Thomi und Daniel fahren ihn mit dem Dinghi zur Robusta. Die Diagnose wurde vom schlaffen Mann bestätigt. Er verspricht uns ein neues Relais zu besorgen. Gleich noch ein zweites als Ersatz für alle Fälle.

Anja

March 20

Ein Tag auf dem Atlantik

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Wachablösung 08:00

Sehr früh. Augen noch leicht blockiert, die Sonne blendet auch schon arg und steht bereits ungewöhnlich hoch am Himmel. Kleider anziehen lohnt sich nicht, die sind nach wenigen Minuten eh total verschwitzt. Es wird von Tag zu Tag heisser. Das Thermometer zeigt bereits gegen 30 Grad an. Seit vier Tagen haben wir kein Schiff mehr gesichtet.

Kurs: 210 Grad, Speed schlappe 2.9 Knoten. Wir befinden uns in den Kalmen, die zu Columbus Zeiten gefürchtete windfreie Zone, die vielen Galeeren zum Verhängnis wurden, da sie wochenweise nicht mehr weiter kamen.

Georg liegt noch im Tiefschlaf in der Achterkabine und Thomi wird sich auch gleich in seine Koje verkriechen. Er hatte eine anstrengende Wache hinter sich. Fast kein Wind – schlagende Segel, was bedeutete, dass die Segel geborgen werden mussten damit sie nicht kaputt gehen. Wieder Segel setzen, wieder runter nehmen… Robusta schaukelt nun in alle Richtungen hin und her. An Schlaf war nicht zu denken. Ich bin erschöpft und mein Körper ist von den dauernden Schiffsbewegungen gerädert. Dies obwohl ich mich mit diversen Kissen in meiner Koje eingebettet hatte, damit ich nicht hin und her rolle. Meinen Kopf hatte ich versucht in eine Ecke zu platzieren um meinen Nacken etwas entspannen zu können. Meine Finger schmerzen, als wäre ich einige Kilometer an Krücken gelaufen. Muskelkater vom immer irgendwo sich fest halten müssen.

Der Himmel verdunkelt sich, fette schwarze Wolken ziehen auf und ein dumpfes Donnergrollen ist aus der Ferne zu vernehmen. Der erste Squall.

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Was nun? Halsen um dem Unwetter auszuweichen? Segel hoch, mit zweitem Reff oder sogar drittes Reff rein binden? Wie viel Wind ist da zu erwarten? Ich wecke Thomi. Er freut sich nicht besonders darüber. Wir setzten die Segel und binden mal das zweite Reff rein. Gemeinsam entscheiden wir direkt in den Squall zu segeln. Das Schiff ist so schmutzig. Alle Leinen sind total mit Sand von der Sahara und den Cabo Verden rüber wehen eingepudert. Der Windrichtungsanzeiger zeigt schon seit Tagen stur nach Norden weil er vor lauter Dreck völlig verklebt ist. Alle Leinen sind braun und vom Salzwasser total steif. Also ab in die Naturwaschanlage – alle Fenster zu und wir drei schnappen die Shampooflasche und stellen uns an Deck um gleich zu duschen. Wunderbar! Der erste Regen nach Monaten. Frisch kühl und richtig stark, dass es schon fast weh macht auf der Haut. Wir jauchzen vor Freude. Der Wind nimmt um schätzungsweise 15 Knoten zu und wir machen wieder mal richtig Fahrt. Nach einer Viertelstunde ist der Spass vorbei. Null Wind, kein Regen und zirka 2 Meter Welle.

09:00 Funkrunde

„Yemanja Yemanja this is Sailingyacht Robusta“ rufe ich mit Kurzwellenfunk auf Kanal 4112.

Steffi meldet sich und freut sich bald mal wieder alle an Land treffen zu können. Ich geniesse die Quaselrunden. Sailormoon und Cariad können mithören aber nicht mit uns sprechen da sie statt einer Seefunklizenz ein Amateurfunzeugnis haben sind für sie die Seefunkfrequenzen gesperrt. Wir tauschen uns über den geplanten Kurs und unsere Befindlichkeit aus. Bei uns an Bord ist die Stimmung auf dem Tiefstpunkt angelangt. Nur der Georg ist noch fröhlich und singt übermütig seine Seemannslieder. Wechselnde Winde, oder gar kein Wind und Hitze machen uns zu schaffen und zerren an den Nerven. Das Schiff schaukelt nun echt mühsam. Ich habe mir vorgestellt, dass das Meer in den Kalmen ganz flach wie ein schimmernder Spiegel sein wird.

Ein Badestop hebt die Laune wieder an. Eine Person bleibt jeweils an Bord, falls das Schiff mit der Strömung zu weit abtreiben sollte. Ich habe schon einen wunden Arsch vom rumsitzen. Mir fehlt die Bewegung, mal rennen und den Puls auf 180 zu jagen, so dass das Herz wieder mal in jede kleinste Kapilare Blut pumpt und die Lungen vom Schnaufen so richtig aufgeblasen werden, das fehlt mir schon und ich sehne mich auf den ersten ausgedehnten Landgang!

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Wir essen wie jeden Morgen gegen elf gemeinsam ein reichhaltiges Frühstück mit Eiern, Müsli, selbst gebackenem Brot und Joghurt. Bei der wilden Schaukelei allerdings sehr mühsam, da immer wieder mal was vom Tisch zu fallen droht.

12:00 Schichtwechsel: Georg ist für die nächsten vier Stunden eingeteilt

Während der ganzen Überfahrt lernen wir Brasilianisch. Jeder für sich auf seine Weise und später fragen wir einander ab, üben Verben konjugieren und versuchen die ersten Sätze zu bilden. Gegen den späten Nachmittag spielen wir „Kuhhandel“. Ein echt fieses Spiel bei dem du erfährst, wie der Kapitalismus grundsätzlich funktioniert.

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16: 00 Schichtwechsel. Thomi ist bis 2o Uhr dran

Thomi richtet ein Vesper her. In Kürze steht die Äquator Feier an. Auf der ganze Reise feiern wir eh alles mögliche damit es uns nicht langweilig wird. 15 Grad Feier, 10 Grad Feier, 7000 Seemeilen Feier um nur einige davon zu nennen. Ich bin voll fasziniert bei der Vorstellung, dass wir uns jetzt sozusagen ganz auf der Seite der Erdkugel befinden und unsere Körper mehr und mehr mit dem Kopf nach unten stehen. Vielleicht verschwinden dann meine Augenringe bald. Ich habe für mein Äquator Experiment eine mit Wasser gefüllte Flasche bereit gestellt. Beim Entleeren der Flasche soll sich, sobald der Äquator überquert ist, der Wirbel angeblich von Rechtsdrehend auf Linksdrehend wechseln. Sowas finde ich schon unglaublich interessant, habe dann aber leider den richtigen Zeitpunkt für meinen Versuch verpasst da ich ja nur noch gebannt auf das GPS glotzen musste!

Nicht mal für das Äquatorfest wollte ein anständiger Fisch anbeissen. Dann gibts halt Köder statt Sushi zum Vesper.

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Heute Morgen sind wir doch der Yemanja begegnet! Schon unglaublich. Nach 15 Tagen und 13 Stunden und 34 Minuten treffen wir uns mitten auf dem riesigen Atlantik!!! Sie queren den Äquator exakt auf die Minute genau eine Stunde vor uns. Wahnsinn.

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16.24.24 Uhr, auf Position 27Grad 54Minuten 33Sekunden West stossen wir mit 32 Grad warmem Bier an. Der Kühlschrank mussten wir schon vor Tagen abstellen. Der Windgenerator liefert kein Strom mehr und die Solaranlagen reichen knapp um die Positionslichter und der Innenbeleuchtung aufrecht zu erhalten. Hier in dieser Gegend ist der Tag und die Nacht gleich lang.

18:00 Positionsmeldung per E-Mail

E-Mail können wir mit Paktormodem via Kurzwellenfunk sehr langsam verschicken und empfangen. Tom ärgert sich im Mail, dass sein Mitsegler zwei Kilo heisse Kartoffeln zum abkühlen in den Kühlschrank gestellt hat, mit dem Resultat, dass nun seine Batterien leer sind. Von Sailormoon erfahren wir, dass es Jaqueline noch immer arg mit der Seekarankheit zu kämpfen hat und Mischa schon recht erschöpft ist weil er sozusagen alles alleine machen muss. Sie werden sich morgen entscheiden, ob sie noch weitere 10 Tage bis nach Salvador durchhalten sollen oder nach Jacaré abbiegen werden. Diese Nachricht stimmt mich sehr traurig. Wir sind doch so eine tolle Clique! Wir wollten doch gemeinsam die Bucht von Salvador erkunden. Das wäre wirklich sehr schade. Ich würde die beiden so gerne unterstützen, für sie etwas kochen oder sonst was nettes tun. Nun sind wir aber mitten auf dem Atlantik. Da kannst du nicht so schnell mal rüber laufen und was vorbeibringen.

Heute gibt es das letzte frische Gemüse mit Reis zum Abendessen. Bei dieser Hitze ist es echt fast nicht möglich, dass das Gemüse noch einigermassen frisch bleibt. In Mindelo Cabo Verde kommt das Gemüse von der Nachbarinsel mit der Fähre immer am Donnerstag an. Losgefahren sind wir ja erst am Montag. So war das Gemüse auch schon nicht mehr so frisch. Die Äpfel verwandelten sich innert kürzester Zeit in nach Schnaps riechende Schrumpfkugeln. Das Gemüse das wir in Galizien für die Überfahrt nach Madeira gekauft hatten, hielt sich locker zwei Wochen.

20:00 Wachwechsel: Ich bin wieder bis 23 Uhr im Einsatz

Ich bitte Thomi mir noch zu helfen, die Segel für die Nacht zu reffen. Dann legen sich die beiden Herren in die Koje. Ich räume auf und gehe danach an Deck für einen Kontrollblick. Von einer Sekunde auf die nächste, setzt richtig heftiger Regen mit gegen 30 Knoten Wind ein. Kann gar nicht so schnell alle Luken und Bullaugen schliessen. Bis ich das ganze Regenwasser aufgewischt habe, ist meine Nachtschicht zu ende und ich krieche voll verschwitzt in meine Koje.

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Hey gaaaats noooo???? Hat sich da jemand ein Freitag der 13. Scherz erlaubt??? Oder Systemfehler???

Find ich gar nicht lustig sowas. Auf dem ganzen Atlantik 100 Knoten Wind!

Nachtschicht 23:00 bis 02:00

Georg kommt auf die glorreiche Idee, mitten in der Nacht, jetzt wo wir alle Fenster zulassen müssen, in dieser Hitze auch noch ein leckeres Brot zu backen. Da rappelt’s aber schon ein wenig in der Stahlkiste… So gemein, sorry Georg, vielen Dank für all die leckeren Brote die du kreiert hast!

Hundewache 02:00 bis 05:00

Die Crew schläft in den Kojen, der Wachhabende pennt im Cockpit.

Woher kommt denn der Ausdruck Hundewache? Auch Google weiss nicht viel darüber zu berichten. Der Wecker wird für einen Kontrollblick über den Horizont auf alle 25 Minuten gestellt. Da ist eh niemand auf diesem riesigen Atlantik, nur die Cariad und die Yemanja könnten in der Nähe sein.

Frühschicht 05:00 bis 08:00

Dies ist Thomis liebste Schicht. Den Sonnenaufgang mit einer Tasse heissem Kaffee zu geniessen, dabei in der Ferne die Wolkenbilder zu beobachten und die Gedanken schweifen zu lassen und wirklich die Ruhe und das Alleinsein zu geniessen.

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So, der eine Tag ist nun rum. Irgendwie sind im Nachhinein die 23 Tage recht rassig vorbeigegangen. Ich wollte noch so viel machen. Viel mehr Bücher lesen und weitere Sternbilder kennen lernen. Das war ja schon Phantastisch. All die Sterne ohne jegliche Lichtverschmutzung bewundern, da waren auf einmal so viele tausende Millionen davon. In der Nacht, das Himmelszelt zu bewundern und die im Mond glitzernden Wellen zu beobachten und wenn ich mir dann dazu noch vorstelle wie gross die Entfernungen bis zu den nächsten Kontinenten sind, fühle ich mich wirklich richtig frei.

Wie ist denn die Mini Atlantik Rally ausgegangen? Wer war wohl zuerst in Salvador?

Die Yemanja ist einen Tag vor uns angekommen. Die Cariad überholte uns doch noch frech in der Bahia von Salvador wenige Meilen vor dem Ziel und Tom nahm unsere Leinen bereits frisch geduscht am Steg der Marina entgegen. Sailormoon ist nach Jacaré abgebogen. Der Amwindkurs nach den Kalmen bis nach Salvador hätte die Seekrankheit noch verschlimmert. Jaqueline und Mischa geht es wieder gut, aber wir vermissen sie!!!

Wir treffen uns in der Südsee, versprochen :-)) !!!

March 1

6. Tag auf See

Schon der sechste Tag auf See. Wenig Wind, fahren Kurs Sued bei 4-5 Kt Fahrt. Wenig Wellen milchige Sonne, Wuestensand in der Luft. Alles ist staubig, die Segel sind braun, die Fallen und Schoten mit einer Schicht Sand bedeckt. Im Wasser befinden sich viele Algen, ganze Teppiche voller Salate. Ungewoehnlich. Die Temperaturen werden dafuer immer angenehmer, wir haben mittlerweile 27 Grad im Boot, auch nachts. Was natuerlich die Energielage schwierig macht, der Kuehlschrank arbeitet mehr, die Sonne scheint nicht so wie sie soll und der Kurs ist nicht ideal, da sie Segel die Solarpanels beschattet. Aber sonst alles gut an Bord wir warten auf den Aequator, es sind noch 450 sm bis dahin.

December 16

Hafenkran aus Rostock

Pünktlich zum Start unserer Reise wird in Zürich ein Hafenkran aufgebaut. Dieser konnte ich beim Vorbeifahren mit dem Limmatschiff knipsen. Passt ja wunderbar, so kommt Meeresstimmung auf ! Jetzt fehlen noch die Schiffe, die ihre Waren löschen möchten. Ein paar davon auf Reede im Zürcher Seebecken wäre auch nicht schlecht. Ich finde diesen Kran extrem cool. Endlich mal eine Kunstaktion, die keinen kommerziellen fahlen Beigeschmack aufweist wie die Bären oder Bänke der letzten Jahre…

Schön ist ja Zürich im Frühling…

Hafenkran

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December 16

Polster für die Dinette


Nähen ist zur Zeit angesagt.

Und zwar die Polster für die Dinette. Anja überzieht die Schaumstoffkissen mit rotem Kunstleder. Dies ist besonders hilfreich, kann man sich doch mit nassen Badehosen daraufsetzen ohne dass danach die Polster triefen. Auch mit nassem Ölzeugs sollte es möglich sein, sich hinzusetzen ohne Nachwehen. Seit dieser Aktion weiss ich nun, was Paspels sind. Es sind die schönen weissen Wulste an den Rändern der Polster. Thomi

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