February 28

Pazifik Tag 46-48

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168 Seemeilen bis zum Ziel. Mit Segeln ist nun auch nichts mehr. Der Wind ist total eingeschlafen. In der Nacht liessen wir die Robusta treiben. Sieben Seemeilen ist sie alleine in die genau perfekte Richtung getrieben. Brave Robusta! So werden wir die Marquesas mit einem Knoten Strom nach Westen in einer Woche erreichen. Das ist uns nun zu blöd. Der Motor wird angeschmissen. Nach einer Stunde tut mir der Hintern vom Steuern weh, da die Wellen quer laufen, rutsche ich auf dem Cockpitbank hin und her. So stehe ich nun am Steuer. Das kann es doch auch nicht sein. Ich bin super dankbar, dass die Windsteueranlage nicht schon früher ausgestiegen ist. Wau, nicht auszudenken, mehrere Wochen mit kleiner Crew von Hand zu steuern! Doch in der Not steigert sich die Kreativität. Irgend etwas mit dem Fock hätten wir gebastelt. Dies Back stellen, zwei Leinen via Rollen ins Deckshaus gelenkt und dann ans Steuer gebändselt müsste doch theoretisch auch klappen. Probieren wir demnächst mal aus. Irgendwo in einer Gegend mit Wind.
Die ersten Delfine begleiten uns! Ein ganzer Schwarm Seevögel in der Ferne. Das ist eine tolle Aufmunterung. Haben wir doch auf der ganzen Überfahrt keine gesehen. Auch keine Wale. Nix. Dafür wunderschöne Wolkenbilder. Regenschauer, Sternenhimmel, unzählige Sternschnuppen bis mir keine Wünsche mehr in den Sinn gekommen sind.
50 Seemeilen vor dem Ziel, glaubt Thomas Land auszumachen.
Tatsächlich, nun erkenne ich die Konturen zwischen den Wolken am Horizont auch ganz schwach!
Yes! Bald sind wir da! Ob da auch noch andere Yachties sind? Ich bin richtig gierig wieder Menschen zu treffen. Oder sind welche da die wir bereits kennen?

Die Bucht ist von steilen spitzen Bergen, die immer wieder mal in fetten Wolken verschwinden, umgeben. Alles ist üppig grün! Unglaublich heiss und feucht. Die Sonne grillt senkrecht auf Höchststufe von oben und treibt den Schweiss aus allen Poren.

Nach 48 Tagen auf See fällt der Anker neben acht weiteren Yachten in der Bucht von Tahauku bei Atuona auf der Insel Hiva Oa, eine der Marquesas Inseln. Von Valdivia, Chile 5011 Seemeilen versegelt, mit sieben Tage Flaute.

Wir fallen uns in die Arme, dankbar und erleichtert es endlich geschafft zu haben!

Dinghi aufbauen und sofort an Land! Das ganze Chaos wird alles stehen und liegen gelassen. Die Segel wurden ja schon vorgestern eingepackt. Doch die Gastlandflagge fehlt noch. Eine Französische Flagge ist keine an Bord. Die Marquesas Inseln gehören zu Frankreich. Mit dem Fernglas glaubt Thomas im Dorf eine rot-weiss-rote Flagge neben der Französischen zu erkennen. Perfekt. So eine habe ich in der Flaggenkiste! Was die dort zu suchen hat, kann ich mir auch nicht genau erklären. Österreich liegt ja nicht am Meer?! Die gelbe Quarantäneflagge wird darunter gesetzt. Wieder mal alles nicht so ganz traditionell, aber lieber zu spät als gar nie.

Paddeln Richtung Land. Da blärrt schon jemand aus einer Yacht die vor Anker liegt. Es ist der Spanier Marco. Ob wir was trinken wollen. Einklarieren bei der Gendarmerie können wir erst ab halb drei. So nehmen wir die Einladung gerne an.

Eine Stunde später ist es soweit. Der linke Fuss berührt festen Boden! Toll. Ich falle hin, beinahe rückwärts ins Wasser. Die Landkrankheit setzt ein. So torkeln wir beide an den Werftarbeitern vorbei, als hätten wir einen in der Krone. Per Anhalter zu fahren ist hier üblich. Doch laufen wir lieber ins Dorf um den Bewegungsmangel zu kompensieren. Klappen jedoch fast zusammen. Es ist so feucht und heiss! Bei der Gendarmerie treffen wir mit hochroten Birnen und total durchgeschwitzten Klamotten ein. Ihr Büro ist klimatisiert. Toll! Die vier Beamten freuen sich, dass wir beide Französisch sprechen. Pässe, Bootspapiere und Ausreiseformular von Chile müssen vorgewiesen werden und ein kleines Formular im Vergleich zu den Chilenischen soll ausgefüllt werden.
„Menge Alkohol, Tabak und Drogen an Bord“ lautet eine Frage. Wie viel dürfen wir denn einführen erkundige ich mich? Eine Yacht wird wie ein Privathaushalt angesehen. Aber nach etwa 200 Liter werde dann schon mal die Alkoholsteuer fällig. So viel haben wir nicht eingeführt. Dann kommt das Ding mit dem sogenannten „Bond“. Die einen die nach Französisch Polynesien einreisen, müssen ein Flugticket für die Ausreise vorweisen. Die Beamten schauen auf einer Liste wie das für die Schweizer ist. Schweiz ist in der EU? Oui, oui, wir sind Nachbarn, ich liebe die Franzosen! Gut, alle aus der Europäischen Union sind vom „Bond“ ausgeschlossen. Paff und alles ist mit bizeli Schummeln erledigt.

Tipps um den „Bond“ zu umgehen: Buche im Internet einen Flug, präsentiere die Reservation bei der Gendarmerie, vor der Tür annullierst du den Flug gleich wieder.

So nun mal testen ob das klappt mit dem 48 Tage lang ersehnten Bier zu stemmen. Schliesslich wurde täglich trainiert! Die Bar ist noch nicht offen. Der Supermarkt ist bereits geschlossen. Doch wir dürfen doch noch rein. Ein Sixpack Bier kostet 20 Euro!!! Krass.

Leisten uns zur Feier des Tages zwei grosse Flaschen und dazu ein Baguette.

February 25

Pazifik Tag 43-45

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Noch 395 Seemeilen. Wenig Wind, Motti ist tot. So geht die Reise nur noch mit dem Grosssegel und dem Klüver halb eingerollt, damit er nicht flappt, mit schlappen drei Knoten weiter. Der Diesel würde nun ausreichen, um das ersehnte Land in rund 50 Stunden zu erreichen. Bedeutet aber von Hand steuern, da Robusta nicht mit einem Autopilot ausgerüstet ist. So beissen wir auf die Zähne und segeln so lange es geht im Schneckentempo weiter.
Heute Nacht steht eine Feier an: 20 Tausend Seemeilen sind wir nun schon mit der Robusta gesegelt (Angabe für Landratten: 37800 Kilometer) Fehlen noch 1600 Seemeilen damit dies dem Erdumfang am Äquator entspricht. Ich denke, nun gehören wir nicht mehr so ganz zu den Anfängern. So etwas muss schliesslich gefeiert werden. Mit Chilenischem Rum. Dabei schauen wir etwas zu tief in das Glas… So wird der folgende Tag nicht nur wegen dem leichten Wind zur Qual.
Plötzlich schlägt das Grosssegel um. Für einen Augenblick droht eine Patenthalse. Wird jedoch durch die Bullentalje vermieden, die wir konsequent setzen.
Die Windsteueranlage streikt. Das Hauptruder hat sich verschoben und ist nach unten gerutscht. Da es mit einer Leine am Heckkorb gesichert ist, liegt es nun nicht 3480 Meter tiefer am Meeresgrund. Da muss sich eine Schraube gelöst haben. Thomas versucht den Schaden kopfüber gebeugt zu beheben. Zu mühsam. Dinghi auspacken und aufpumpen? Bei praller Sonne? Nein, lieber noch ein Versuch. Diesmal sichere ich Thomas mit der Liveline am Heckkorb, damit er entspannter arbeiten kann. Doch das Ruder lässt sich nicht fixieren. Irgend etwas im Schaft muss defekt sein. Also ist die Windsteueranlage nun auch noch ausgestiegen, was bedeutet definitiv von Hand zu steuern! Das wird streng.
Segeln gehört nun nicht mehr gerade zu meinem Lieblingssport….

February 22

Pazifik Tag 40-42

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Seit Tagen ist ja der Empfang keiner Email.Station mehr möglich. Doch erinnerte ich mich doch schwach, dass es auch eine andere Möglichkeit gibt, Wetter auf hoher See zu empfangen: Der gute alte Wetterfax! Verschiedene Bodenstationen, für den Pazifik in Honolulu, senden täglich zu bestimmten Zeiten Wetterfax-Informationen. Das sind Wetterkarten oder Windprognosen von grossen Seegebieten, die sich über Kurzwelle empfangen lassen. Dabei hört der Computer die Signale und wandelt sie in ein Bild um. So empfangen wir wieder einmal täglich Windprognosen für die nächsten 3 Tage.
Thomas
Der Wetterbericht ist niederschmetternd. Wieder Flaute! Noch 630 Seemeilen liegen vor uns. Am Horizont erblickt Thomas einen Frachter. Die zweite Schiffsbegegnung seit sechs Wochen. Könnte fast schon von einem Highlight reden. Funke den Frachter aus Singapur an. Doch der Kapitän ist recht wortkarg. Na ja, ist ja auch noch sehr früh am Morgen. Kann ich gut verstehen.
Fast jeden Abend, zum Sonnenuntergang, bei einem Drink, mit kleinem Snack, widmen wir uns den Gesprächen über die Liebe. Klingt romantisch. Doch den Teppich zu entstauben ist spannend aber auch verdammt hart. In den letzten drei Jahren haben wir uns zu fest „angeglichen“. Wir sind fast immer zusammen. Sehr nahe zusammen. Privatsphäre, ausser auf dem Klo, gibt es keine. Unmöglich sich mal daneben zu benehmen, ohne dass es der andere gleich mitbekommt. So manche Erkenntnis über meinen Charakter und speziell mein so oft bockiges Verhalten, beschämen mich. Möchte mich etwas distanzieren um alles nochmals alleine nachwirken zu lassen. Aber wie bitte soll denn das mitten auf dem Pazifik auf einer 38 Fuss kleinen Yacht möglich sein?
Es ist so heiss, das Leintuch klebt am Körper, denken ist eh nicht möglich und muss auf kühlere Tage verschoben oder verdrängt werden. Das Grosssegel nervt. Es flappt. Also wird es geborgen. Nur Motti ist im Einsatz und die Robusta dümpelt mit knapp drei Knoten unter fantastischem Sternenhimmel bei Leermond durch die Nacht.
Regen prasselt durch die offene Luke in die Koje! Thomas aufwachen! Squall! Innert weniger Minuten steigert sich der Wind auf über 25 Knoten! Motti muss geborgen werden! Ein Knall und Motti ist wohl für immer zerstört! Traurig und frustriert stopfen wir den triefnassen Spinacker ins Cockpit.

Anja

February 19

Pazifik Tag 37-39

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Wie waren denn so die Wellen auf dem Pazifik? Das hat mich jedenfalls sehr beschäftigt…
Böse Wellen! Sie werfen das Schiff auf die Seite wenn ich kochen soll, Kaffee eingiessen möchte oder mich in der Koje ausruhen will. Sie rollen von hinten heran. Verschiedene Wellenfrequenzen, sich überlagernd und gegenseitig aufbauend. Ich möchte diese Variationen ein bisschen ausführlicher beschreiben. Die ersten Tage nach dem Start von Valdivia blies der Südwind heftig mit weit über dreissig Knoten. Die Wellen waren kurz und steil, drei bis vier Meter hoch. Der Wind stabilisierte Robusta jedoch wunderbar, so war’s für mich eine tolle Rauschefahrt. Mit den Tagen nahm der Wind langsam aber stetig ab, die Wellen folgten seiner Kraft. Es begannen einige Tage schönstes Segeln. Doch je mehr der Bug Richtung Westen abdrehte, um vom Südostpassat zu profitieren, desto mühsamer wurde die Fahrt. Eine lange Dühnungswelle – das Schnaufen des Pazifiks – überlagert von kleinen kurzen chaotischen Windwellen. Der Wind war ja stetig, doch mit zehn Knoten geradezu lasch. Das ist zuwenig für Robusta. Der Winddruck fehlte in den Segeln um es stabil auf einem Bug zu halten. Die Auswirkung von all dem, ein hin und herschaukelndes Boot, was alle 20 Sekunden einen Sonderschaukel obendrein brachte. Das zieht an den Nerve! Jedesmal ein Ruck ins Rigg, wenn die Segel schlugen. Der Mast erzittert erbärmlich. Was tun? Eine bevorzugte Lösung war das Reffen des Klüvers. Noch effizienter war das komplette Streichen (einrollen). Fahrt nur unterm Grosssegel. Das ist wohl nicht mehr so schnell, jedoch beruhigender fürs Gemüt und für die Bordstimmung.
Thomas

Seit einer Woche ist es nicht mehr möglich einen Wetterbericht (GRIB files) zu bekommen. Die Station in Chile ist mit SSB Funk nicht mehr erreichbar und mit der Station in der Südsee ist auch keine Verbindung möglich. Unsere Familien und Freunde können nicht mehr per Mail kontaktiert werden. Der Track und die Texte auf der Hompage sind nicht mehr nachgetragen. Also herrscht Funkflaute. Hoffen das sah nicht wie Schiffbruch für die Daheimgebliebenen aus!

Ein feiner Hauch Wind dringt durch die Luke. Die See beginnt sich zu kräuseln. Zwei, vier, sechs, Knoten! So kommt Motti, der alte Spinacker zum Einsatz. Fröhlich tanzt er vor dem Bug und zieht die Robusta immerhin mit vier bis fünf Knoten über den Pazifik. Seinen sanft wippenden Bewegungen schaue ich gerne zu und geniesse in seinem Schatten die unendliche Weite des Pazifiks.

Doch plötzlich ist der Schatten weg!

Der Motti badet im Meer und treibt neben der Robusta her. Das Fall ist gerissen. Wie mit dem Messer durchgeschnitten! Eigenartig. Mist, jemand muss auf den Mast um ein neues Fall einzuziehen, damit die Vorsegel wieder gesetzt werden können.

Grossegel runter, Motor an. Der von Höhenangst geplagte Thomas muss rauf da er nun einmal kräftiger ist. Ich muss erst mal üben, den Kutter gerade durch die Wellen zu lenken, damit die Mastspitze möglichst ruhig bleibt. Mit dem Grossfall über eine Rolle ins Deckshaus gelenkt, sichere ich Thomas. Eine Hand am Steuer, eine am Fall, Blick nach Oben und gleichzeitig auf die chaotischen von achtern anrollenden Wellen. Es fällt mir schwer die Seitwärtsbewegungen zu vermeiden. Die Maststufen erweisen sich als enormer Vorteil!

Thomas ist eindeutig der Held der Reise!

Anja

February 16

Pazifik Tag 34-36

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Hitze, 34 Grad, kein Lüftchen. Nun schon der vierte Tag Flaute. Die Segel sind gegen die bratende Sonne mit der Persenning geschützt und eingerollt. Was ich trinke, läuft direkt wieder aus den Poren. Robusta rollt unkontrolliert in den Wellen. Thomas hat einen Ausschlag am Rücken. Am nächsten Morgen sehe ich ebenfalls wie eine Aussätzige aus. Rote geschwollene Pickel! Weitere Stunden später, stellen wir mit Entsetzten fest, dass es sich um die selben Insektenstiche handelt, von denen wir bereits vor dem Auslaufen in Chile geplagt wurden! Was für ein Gau. Genau 30 Tage Ruhe. Keine Stiche, kein Insekt oder auch nur Spuren davon sind zu entdecken. Ich bin verzweifelt. Ist das alles peinlich.

Was tun? Sind noch immer 1143 Seemeilen vom Land entfernt. Bei den vielen Flauten, bedeutet das nochmals etwa zwei bis vier Wochen auf See, dies mit Ungeziefern die juckende Sticke verursachen.
Nicht auszuhalten. So beschliessen wir nach langem Hin und Her die chemische Keule einzusetzen.
Zwei Mittel stehen zur Auswahl: Eines in Pulverform vom Supermarkt und das andere als Flüssigkeit, die mit Wasser verdünnt werden muss, vom Landwirtschaftsladen. Auf beiden Produkten stehen Warnhinweise mit Totenschädelsymbol. Schutzkleidung, Handschuhe und Maske tragen! Aber nicht ein Wort wie die Chemie wieder aus dem Bettzeug und Textilien raus kommt.
Der Wetterbericht verspricht einen weiteren Tag Flaute. Perfekt. So wird erst mal sämtliches Bettzeug aus den Kojen der Achter- und Vorkabine an Deck gewuchtet. Sämtliche Klamotten wandern in schwarze grosse Mülltüten und bekommen eine Hitzebehandlung – ebenfalls an Deck. Das Gemüse wird im Cockpit verstaut und zugedeckt. Die warmen Decken, die wir nun eh nicht mehr brauchen, werden mit dem Pulver behandelt und ebenfalls in Mülltüten zwischengelagert. Thomas fuchtelt mit der Puderdose gegen den Wind, wobei ich eine Ladung direkt in die Luftröhre abbekomme. So doof, pissen würde er auch niemals gegen den Wind. Es ist wohl einfach zu heiss so nahe beim Äquator.
Wie ein Taliban Krieger eingehüllt, nehme ich den Kampf mit einer giftgrünen Sprühflasche gegen die Biester in der Vorkabine auf. Der Giftgasangriff bringt mich sofort fast zum Kotzen. Das Gebräu stinkt bestialisch! Thomas muss nun ran, während ich an Deck nach frischer Luft japse.
Wie kann es auch anders kommen, am Horizont türmt sich eine bedrohliche Wolkenwand auf! Wohin mit den frisch behandelten stinkenden Matratzen? Alle aufeinander geschichtet und mit einer Plane zugedeckt, überstehen sie nun einen ergiebigen Squall. Meine Nerven liegen blank. Eine weitere unruhige Nacht folgt. Schlaf versuchen wir in der Dinette zu finden – ohne Decken und Kissen.
Der letzte Tag Flaute mit Sonnenschein, wird genutzt um die kontaminierten Matratzen auszulüften. Als sich nun eine unbehandelte Decke unter die frisch gegen Ungeziefer behandelte Ware mischt, bekomme ich die ultimative Krise und ein Streit entfacht sich. Muss erbärmlich heulen…
Nichts kann mich mehr trösten, nicht einmal die super leckeren selbst eingemachten Gemüse oder ein Stück Kuchen mit Fruchtkompott.
Segeln ohne Wind ist einfach brutal! Wer sich da eine spiegelglatte, bleierne See vorstellt, liegt falsch!

Anja

February 10

Pazifik Tag 28-30

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Es ist unglaublich wie schnell der Koerper in einem Monat schlaff rumhaengen abbaut. Der Arsch haengt Richtung Kniekehle, die Wampe wird speckiger, der duenne Thomas bekommt Schwabbeltitten! Ich habe Panik, wenn wir endlich mal Land erreichten, ich nicht mehr faehig sein werde, das lang ersehnte kuehle Bier vom Tisch an den Rachen heben zu koennen. Grund genug um sofort ein intensives Trainingsprogramm zu lancieren. Doch wie kann die Robusta zur “Muckibude” umgestaltet werden? Bei genauerer Inspektion, finden sich unendlich viele Variationen von Muckitraningsmoeglichkeiten an Bord. Deck Schruppen, Backschaft, in den Ausguck klettern, an die Riemen, Rumfaesser an Deck tragen, Taue aufschiessen, Kanonen nachladen…. Robustas Stahldeck braucht nicht geschruppt zu werden. Zudem ist es zu klein, dass es auch nur eine Muskelfaser beim Schruppen aufbauen wuerde. Spass beiseite! Liegestuetzen im Cockpit sind sehr effizient, speziell bei seitlich einlaufender Welle! Bauchmuskeltraining liegend im Cockpit. Auch nicht schlecht. Dabei werden diverse weiter Muskeln trainiert, wenn es dich bei Seegang von der Bank zu schleudern droht. Rueckenfleisch und Arsch: Flach in der Koje auf dem Bauch positionert, nun die Arme und Beine heben, das alles ohne aus der Koje katapultiert zu werden. Sehr effizient. Arme: Grosssegel ohne Winsch setzten. Beine sind eigentlich kein Problem. Die muessen einem ja dauernd durch die schwankende Bude stemmen. Doch sie erschlaffen trotzdem. Wie ist das moeglich? Weiss da jemand eine vernuenftige Antwort? Ich mag mich noch daran erinnern, da war der Michi einmal auf Thomis Boot auf dem Zuerichsee und er hatte eine Woche lang brutalen Muskelkater in den Beinen! Der Nacken ist automatisch trainiert. Naemlich beim Pennen, indem sich die Muskulatur im Viersekundentakt kontrahiert, damit die Birne nicht aus der Koje rollt. Erstaundlich wie doch ein bisschen Bewegung dem Koerper wohl tut und die Stimmung wieder in den blauen Himmel, im blauen Nichts hebt!

Anja

Ach wie schoen ist Faulenzen, Rumliegen und Nichtstun. Sich tagelang in der Koje haengend und lesend aufhalten zu koennen. Die Robusta faehrt ja alleine. Bis auf wenige Segeltrimmaufgaben ist nichts zu tun, ausser sich zu ernaehren und abzuwaschen. Ploetzlich die Schnapsidee von Anja, sich zu bewegen! Muss ich mir das nun antun? Schwitzend, wie ein Hund hechelnd die Beine mit rythmischen Bewegungen zu verbiegen? Mit flauem Magengefuehl auf dem Ruecken liegend die Bauchmuskeln anziehen? Werde nicht warm damit, soll das gesund sein? Ich versuche mich zuerst davon zu druecken, dann vorsichtig so zu tun als ob ich mitmache. Ok, so schlecht ist es ja nicht. Es gibt ja sonst nichts zu tun, oder? Die Flaute hat nun voll zugeschlagen, nur noch fuenf Knoten Wind und wenig Welle. Dies bei 30 Grad Innentemperatur. Draussen brennt die Sonne unerbittlich. Schwimmen im Ozean war perfekt. Dieses Blau! Unglaublich. Das Rot danach weniger. Es ist der Ruecken…

Thomas

February 7

Pazifik Tag 25-27

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Das Wetter das uns begleitet ist ziemlich monoton. Blauer Himmel mit den Passatwolken, dazu stetiger Wind. Temperatur 27 Grad, Wasser 22. In der Nacht leuchtet ein wunderschoener Sternenhimmel mit Wolken durchsetzt. Dazu ist es feuchter und kuehler als am Tag. Geschlafen wird ohne Decke und mit offener Luke. Doch seit einigen Tagen gibt es ein Phaenomen: Squalls. Das sind kleine Regenwolken, die kommen von hinten angeschlichen. Sie bringen staerkeren Wind, einen dunklen Himmel und Regen. Richtig schoener kuehlender Regen. Leider dauert der nur ungefaehr zwei Minuten, dann ist es vorbei. Auch der Wind ist weg. Die Robusta bleibt in den Wellen zurueck, mit schlagenden Segeln, bis sich der Passatwind wieder durchsetzt. Squalls erscheinen einige Mal pro Tag, aber auch waehrend der Nacht und an anderen Tagen dafuer keine. Die Tage vergehen schnell. Ich lese viel oder gucke Filme auf dem Tablet (James Bond Kollektion ;-). Die Muskeln schwinden langsam, so habe ich mit kleinem Training begonnen. Ist nicht einfach wenn der Platz fehlt und der Raum dazu noch schwankt. Ab Sonntag ist leider grosse Flaute angesagt. Keine Winde mehr bis naechsten Freitag. Ich werde berichten, wie ich das ueberlebt habe. Auf das Baden im Meer freue ich mich, aber sonst werden dies wahrscheinlich lange Tage. Vieleicht liest Du zwischen den Zeilen Zeichen einer Ungeduld. Da koennest Du Recht haben. Es wird noch eine Weile dauern bis die Inseln zu sehen sind. Ich sehne mich danach, mal wieder anderes als nur Blau zu sehen.

Thomas

Ich mag gar nicht schreiben. Krise. Mir ist zum Heulen zu Mute. Mir tut alles weh vom wie eine flache Flunder in der Koje liegen. Raffe mich aber auf um irgendwelche Turnuebungen zu machen. Liege, schon wieder, zur Abwechslung mal auf dem Ruecken und strample etwas unkoordiniert mit den Beinen Fahrradbewegungen in die Luft. Hebt meine Laune auch nicht sonderlich und den Kreislauf bringst diese Zappelei auch nicht in Schwung. Also futtere ich lieber ein Stueck leckeren Zopf mit selbst gemachter Himbeergumfi und versuesse mir somit etwas die Laune. Momentan gaebe ich viel um in der S12, im Nachtzug zu hocken….

Anja

February 4

Pazifik Tag 22-24

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Die Robusta ist ja schon toll. Bei Starkwind. Oder Seitenwind. Oder ohne Wellen. Oder unter Motor. Meistens jedenfalls. Aber diese Strecke? Viele Wellen, Wind von achtern, davon viel zu wenig! Wir koennen unter diesen Bedingungen nur schwer vor dem Wind segeln. Das Schiff schaukelt erbaermlich. Kein Winddruck in den Segeln der sonst stabilisiert. Sie wollen sowieso nicht stehen. Die Robusta mit ihren 14 Tonnen Leergewicht giert in der See. Da muss ordentlich Druck auf die insgesammt nur 86 m2 Segelflaeche kommen, damit der Wind gewinnt. Wir probieren verschiedene Varianten: Nur Vorsegel, nur Gross, Gross gerefft. Fahren zur Zeit nur mit dem Gross vor dem Wind. Die Windprognosen sind in den naechsten Tagen gut, aber dann… …. Flaute ist angekuendigt. Der Passatwind soll zusammenfallen. Fuer wie lange? Wissen wir noch nicht. Aber mir grauts davor. Hoffe, dass dies nur voruebergehend sein wird. Bisschen Sorgen ob wir ankommen bevor wir hier im blauen Nirgendwo uns verlieren. Kein Gruen, keine Duefte, kein Land. Keine Tiere, nicht mal Fische, keine Menschen. Nur Blau. Und unser kleines Kokon das uns durch diese unwirkliche Weite traegt. Ich werde sentimental. Freue mich auf Land, doch es wird noch dauern….

Thomas

Das nervt! Hoer endlich auf damit! Du Doedel. Nicht du bist gemeint. Ich fluche gerade mit Neptun. Der Kaffee ist soeben durch die Koje geflogen! Oh Mensch. Alles eingesaut. Kissen, Decke und das ueberdimensionale Leintuch! Um dieses zu wechseln, muesste ich das ganze Gelage aus der Koje raeumen. Leebretter ausbauen, Buecher, Notizhefte und Trallala weg raeumen. Alles genau optimal zum gemuetlich flaezen stets griffbereit eingerichtet. Ach nein. Thomas schlaegt vor, den schmutzigen Teil mit dem Waschbecken direkt in der Koje zu saeubern. Gute Idee. Alles ist so anstrengend. Spaeter fliegt auch noch die leckere selbstgemachte Himbeermarmelade durch die Bude. Mit diesem Flug verlasse ich meine Konfortzone. Das ist zu viel. Da ist nicht viel Wind. Doch genau deswegen sind die Schiffsbewegungen so ungemuetlich. Mein Koerper ist voellig durchgenudelt. Die blauen Flecken machen sich toll neben den noch immer nicht ganz verheilten Flohstichen. Der Nacken ist verspannt. Ich fuehle mich nie richtig ausgeschlafen, doch irgendwie doch voellig ueberdreht. Grotesk dieses Koerpergefuehl. Das kenne ich von der Zeit, als ich den Fuss gebrochen hatte. Da bin ich auch fast ausgerastet, als ich nur noch auf dem Sofa rumgammeln konnte. Dies kam dazu weil ich zu viele Kilometer mit den Stoecken gelaufen bin, bis die Fingersehnen und Handgelenke entzuendet waren. Mir fehlt die Bewegung, so dass der Kreislauf mal voll auf Touren kommt und das Herz mal so richtig arbeiten darf. Toben – schwitzen – entgiften! Warst du schon mal im Knast? Oder vielleicht in Guantanamo? Dann weisst du wohl am ehsten wovon ich rede. Jeden zweiten Tag backe ich zum Trost einen leckeren grossen Kuchen. Da freut sich der Bauchspeck. Mal mit Aepfel und Rosinen, oder mit Nuessen und Kakao, mit Zitronen oder Orangen. Eier sind ja noch immer zu genuege da. Die Tomaten sind nun alle verschlungen. Frisches Gemuese wie Zucchini, Gurken, Randen, Kuerbisse, Melonen, Aepfel, Zitronen, Knoblauch, Zwiebeln, Kartoffeln, Kohl und viel Ingwer sind noch an Bord. Dosenfutter verwenden wir nicht. Also kulinarisch geht es uns fast gut. Gestern Nacht ist doch wieder ein zu fetter Fisch mit der Angelschnur und dem Koeder durchgebrannt. Habe die Rolle wohl zu scharf gestoppt. Oh so ein leckerer Fisch, Sushi und den Rest in Butter gebraten…. Wau, mir laeuft das Wasser im Munde zusammen. Oder ein leckeres blutiges Stueck Fleisch! Apropos Wasser: Wir muessen uns richtig anstrengen, damit wir taeglich genug Fluessigkeit zu uns nehmen. Irgendwie mit dem ganzen Wasser angucken, vergeht einem die Trinkerei. Kochen nur noch jeden zweiten Tag. Alles zu anstrengend und muehsam. Es fehlen immer mindestens zwei Haende. Nach dem Kochen sieht die Kombuese wie die Bude eines Messies aus. Essen tun wir aus einem Napf. Aus einem Suppenteller schwappt das Essen raus, egal wie pampig die Konsistenz ist. Da wir mit Salzwasser abwaschen, weisen sogar die Esdelstahltoepfe Rostflecken auf. Ein Messer ist richtig zackig geworden und schneidet zu meinem Erstaunen erst noch besser als zuvor. Ich will endlich da sein! Land unter den Fuessen spueren, rennen, schwimmen, mich bewegen! Meine ueberschuessige Energie los werden. Doch 1777 Seemeilen liegen noch vor uns. Bis dahin beruhige ich mich wieder, indem ich mal kurz an die schrecklichen Heimfahrten nach meiner Arbeit mit dem Nachtzug der S12 denke, mit dem die ganzen Besoffenen und Partyvoegel transportiert werden.

Anja

February 1

Pazifik Tag 19-21

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Bergpreis! 20 Grad 15,45 Minuten Sued / 100 Grad 20,68 Minuten West, 2300 Seemeilen durchpfluegte die Robusta bereits den Pazifik! 1370 bis zu den Galapagos, 1540 bis Lima in Peru und 1800 bis an die Chilenische Kueste! Und stell dir mal vor, waehrend den 21 Tagen kein einziges anderes Schiff angetroffen. So hinterfragen wir mal unser Wachsystem. Einer pennt in der Koje, der andere im Salon. Alle 20 Minuten wird ein Kontrollblick ueber den Horizont geworfen um nach anderen Schiffen Ausschau zu halten, Kurs kontrollieren und dann wieder in Schnarchmodus fallen um nach 20 Minuten vom nervigen Wecker unnoetigerweise aus den schoensten Traeumen gerissen zu werden. Die Robusta ist mit AIS ausgeruestet. Also die von der Grossschifffahrt sehen uns auf dem Plotter. Sollten sie jedenfalls. Nun ist das Display unseres AIS Geraetes schon zum zweiten mal auf dieser Reise innerhalb von zweieinhalb Jahren ausgestiegen. Das bedeut, der Alarm kann nicht gesetzt werden. Ist echt aergerlich auf so einer langen Strecke. Da zeigt sich wieder mal wie verkackt neue Geraete gebaut werden. So sind doch unser GPS Geraet und der Radar von FURUNO schon fast aus der Steinzeit und funktionieren seit ueber 15 Jahren ohne zu bocken. Gegenueber Fischereifahrzeugen sind Segler ausweichpflichtig. Die kleinen Fischerboetli ohne AIS vermute ich mal schlicht nicht so fern ab von der Kueste. Andere Segler sind um diese Jahreszeit eigentlich keine auf dieser Strecke unterwegs. Nur Mouss duempelt noch ohne Wind Richtung Osterinseln. Aber die sind rund 900 Meilen von uns entfernt. Erst so im April kommen Segler von der Karibik via Panamakanal und Galapagos Inseln die nach Franz. Polynesien segeln. Deren Route befindet sich aber wesentlich noerdlicher. Da waeren noch die wenig befahrene Schifffahrtsroute von Valdivia zum Panamakanal und nach San Francisco entlang der Kueste. Dann koennten noch wenige hartgesottene Amis die nach Chile gegen den Wind wollen irgendwo rumkreuzen. Also so koennte man doch annehmen, eine Kollisionchance ist aeusserst gering. Die Wahrscheinlichkeit einen Sechser im Lotto zu landen ist wohl wesentlich groesser. Schade habe ich keinen Schein ausgefuellt! Ich waere doch glatt Millionaerin geworden. Nach dem ersten Squall (ploetzlich auftretender verstaerkter Wind mit viel Niederschlag), liegt doch genau vor Robustas Bug ein Fischkutter aus Spanien! CPA, closest point of approach gleich 3 Zentimeter. Also haetten wir den Truemmer genau breitseits getroffen. Anja Die fast grenzenlose Weite macht sich ebenfalls beim taeglichen Email Versand bemerkbar. Die Basisstationen fuer den Email-Verkehr sind immer weiter weg, was bedeutet, dass das Zeitfenster fuer die Uebertragung der Emails mittels Kurzwelle immer kleiner wird. Zur Zeit koennen wir nur noch um Mitternacht herum Emails versenden. Dies wegen der Kurzwelle, die auf weiten Entfernungen nur schlecht und vor allem ohne Sonne funktioniert. Wahrscheinlich wird es auch mal gar nicht mehr funktionieren, mit den Emails und mit dem Positionstracking der Robusta. Also, wenn ihr nichts von uns hoert oder lesen koennt, so liegt es an der Unmoeglichkeit Emails zu senden und nicht dass uns etwa etwas passiert waere. Denn das Segeln hier auf diesem Meeresgebiet ist etwas vom einfachsten und gefahrlosesten. Der Wind ist immer konstant, das Wetter schoen, vieleicht mal ein Schauer, 27 Grad warm und wir sind ganz alleine… Trotz den vereinzelten Fischern… Und heute (2. Februar) haben wir gehalst, wir fahren nun erstmals weiter in den Norden, 330 Grad die naechsten Tage. Dann soll der Wind wieder staerker werden und uns auf Westkurs zu den Marquesas blasen. Thomas