February 27

Brasilien wir kommen !

Starten wollten wir am Montag um 11 Uhr, da dann die Tide fuer uns war und ebenfalls unsere drei anderen Segelschiffe starteten. Doch Wasser und Diesel holen war dann doch eine Kap Verdische Angelegenheit, Siesta beim Wasser holen und kein Diesel haben die Abfahrt verzoegert auf ca. vier Uhr. Dann ging es los – endlich ! – Richtung Brasilien ! Schwierig an der Ueberfahrt sind die Windverhaeltnisse, d.h. die Kalmen – Rossbreiten, ein Band mit wenig bis gar kein Wind. Im Osten ist sie breiter, im Westen schmaeler, doch da muessen wir wohl oder uebel durch… So fuhren wir zuerst Kurs Sued bis gestern Donnerstag, heute westwaerts bis der Wind wieder oestlicher dreht. Danach erneut Kurs Sued. Schwierig wirds, wenig Wind schon jetzt. Es sind aber noch 600 Meilen bis zu den Kalmen. Dafuer wird es taeglich waermer und wir koennen endlich mal wieder die Shorts tragen und frieren in der Nacht nicht mehr. Es soll noch heisser werden, fahren wir doch in tropische Bereiche. Uns geht es super an Bord, schon das zweite Brot gebacken, wir vertreiben uns die Zeit vor allem mit schlafen und spielen, fischen funktioniert noch nicht, da zu viele Algen herumschwimmen, die sich im Koeder verfangen. Die anderen drei Schiffe sind um uns herum, haben taeglich zwei Mal eine tolle Funkrunde und tauschen unsere Positionen aus. Das ist richtig spannend, wie jeder sein Kurs findet. Wir sind nicht gerade die schnellsten, doch ist es mit unserem Schiff auch nicht so einfach, Standardbesegelung und viel Gewicht. Ist nicht so toll bei wenig Wind. Unsere Position findet man rechts unter “Position”. Ich versuche taeglich eine neue zu senden.

February 23

Mini Atlantic Rally START

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Start heisst auch Abschied nehmen

Wir verbringen einen wunder schönen, ausgelassenen Abend zusammen und feiern den Abschied von Cabo Verde und Ilse und Milan mit einem super genialen leckeren Essen. Es war super toll!  Danke ihr Beiden.

A te logo!

Jetzt aber der Bericht der MAR, Mini Atlantik Rally. Zumindest mal vom Start und einige Informationen zur Routenplanung und dem Wetter.

Startschuss 11 Uhr 04

Startnummer 1: YEMANJA

Startnummer 2: CARIAD

Startnummer 3: SAILOR MOON

Startnummer 4: ROBUSTA

 

Nach einer schlaflosen Nacht, kriechen wir um acht Uhr aus unseren Kojen. Alle etwas angeschlagen; unserem Mitsegler Georg tropft die Nase, Thomi und ich sind von einem üblen Husten geplagt. Thomi war gestern noch beim Arzt in der Privatklinik von Mindelo. Ich wollte da nicht hin. Ich ging zum Spital wo sich die Locals behandeln lassen, aus Interesse wie es um die Gesundheitsversorgung für das Volk steht. Der Eingang war schwer zu finden. Das Gebäude erinnerte überhaupt nicht an einen Spital wie ich es aus der Heimat kenne. Alles recht herunter gekommen. Hier an dieser Stelle wird mir einmal mehr bewusst, wie arm dieses Land ist. Ich werde zum Notfall verwiesen. Ja aber so schlimm steht es nicht um mich. Im Vorraum befinden sich mehrere leidend drein blickende Personen auf schäbigen Plastikstühlen sitzend. An den Wänden bröckelt der Verputz. Nun wende ich mich an den Herrn hinter dem klapprigen Tresen. Etwas irritiert nimmt er meine Personalien entgegen. Warum ich nicht in die Privatklinik gehe, will er wissen. Dass ich eine Touristin bin ist nicht schwer zu erkennen; Weiss und spricht fast kein Creol. Immer wieder mal geht eine Türe auf und jemand im weissem Kittel streckt den Kopf raus um dann wieder zu verschwinden. Als nach drei Stunden noch immer niemand dran gekommen ist und jetzt auch noch ein Mann mit einer in ein blutdruchtränktem Tuch gewickelte Hand eintritt, finde ich den Husten nicht mehr so wichtig.
Habe mir stattdessen in der Spital Apotheke Hustensirup geholt. Auf dem Schiff angekommen, sehe ich, dass es irgend ein Antiallergika ist. Super. Keine Zeit mehr für einen Umtausch. Zu viel Stress für die Vorbereitungen zur Atlantikpassage. Drei Wochen werden wir auch ohne Hustensirup überleben. Sobald wir hier weg sind, aus der staubigen Landschaft, die schöne frische Ozeanbrise einatmen können, werden wir eh wieder automatisch gesund. Dass der Wüstensand uns noch bis fast zum Äquator begleiten wird, konnten wir nicht ahnen.
Georg und Thomi zerren das Dinghi aus dem Wasser. Wir lagen ja die ganze Zeit im Ankerfeld direkt hinter der Marina. Der ganze Unterboden ist schlickig braun – grün, stinkt höllisch und muss vor dem Verpacken gereinigt werden.
Die Nervosität steigt.
Unter Deck sieht es auch noch nicht perfekt aus. Pfannen, Töpfe, Flaschen und alles was bei Seegang sonst noch rum klappern könnte, muss verstaut und gepolstert werden. Eierkartons (ohne Kakerlaken Eier) und die Haferflockenpakete eignen sich bestens dafür.
Georg führe ich in all die sicherheitsrelevanten Angelegenheiten ein: Schwimmweste, Lifeline, Seeventile, Feuerlöscher, Rettungsgeräte, Seenotraketen, Wantenschneider im Falle eines Mastbruches, Notwerkzeuge und natürlich die Grab Bag. Falls die Robusta absaufen sollte und wir in die Rettungsinsel umsteigen müssten, soll dieser wasserdicht verschliessbare Seesack unbedingt mit. Inhalt: EPIRB (Sender um über Satellit ein Notzeichen abzusetzen, der regelmässig automatisch unsere Position sendet), UKW Handfunkgerät, Hand GPS (wozu eigentlich? Jedenfalls nicht mehr zum navigieren, aber um in etwa abzuschätzen wie lange die Reise bis ans nächste Ufer noch dauern soll) Pässe, Schiffspapiere, Angelutensilien, Medikamente gegen Seekrankheit, Notapotheke und eine Flasche Rum. Georg packt sein für ihn sehr wertvolles Wanderbuch mit in die Grab Bag. Er ist ein Zimmerer aus Deutschland der auf Wanderschaft ist und uns über den Atlantik nach Brasilien begleitet.
Milan vom TO braust mit seinem Dinghi mit Olaf und Rolli heran, um den Start zu fotografieren. Erschrocken blicken wir auf die Uhr! Gleich elf, wie ist denn das möglich??? Wir müssen noch Wasser und Diesel tanken!
Die Yemanja legt auch schon von der Marina Tankstelle ab. Nun kommt aber wirklich Stress auf: da driftet die Sailermoon frech unter Segel mitten durchs Ankerfeld!?
Jaqueline brüllt uns zu, dass ihr Motor kaputt sei. Welch ein dramatischer Start. Sie schmeissen den Anker. Milan saust gleich zu ihnen rüber. Dieselmotor muss entlüftet werden. Mit dem Impeller scheint auch etwas nicht in Ordnung zu sein erfahren wir später.
Endlich können unsere beiden Anker gelichtet werden. Die Leine des zweiten Ankers ist auch grauslig schmierig und stinkt und hat sich mehrfach um die Ankerkette gedreht. Wie so was möglich ist, können wir uns nicht erklären. Wind immer aus der selben Richtung, keine nennenswerten Tiden. Nun aber los, nur noch Diesel und Wasser tanken das wir beim Fischereihafen holen wollen, weil angeblich von besserer Qualität. Da liegen aber zwei Fischkutter. Die Fischer deuten uns an längsseits anzulegen. Aber wie bitte? Am Kutter ist noch ein kleines Holzboot fest gebunden. Thomi gleitet, für meinen Geschmack recht rasant, auf den Kutter zu. So etwa in der Manier

„14 Tonnen Stahl gegen paar Kilo Holz“.

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Nun geraten die Fischer doch noch in Bewegung und zerren das kleine Boot in letzter Sekunde weg. Beim Manöver streifen die neu geschweissten Reelingstützen den Bug des grösseren Fischkutters.

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Milan schützt gekonnt unsere Windsteueranlage und den ganzen Klimbim am Geräteträger indem er mit seinem Schlauchboot Robustas Heck vom grossen Fischkutter weg drückt. Super, Danke Milan!

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Der Mann mit dem Schlüssel für das Wasser ist nicht da. Diesel können wir erst ab vier Uhr wieder tanken.

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Für uns bedeutet das eine gemütliche Kaffeepause mit Milan, Olaf und Dieter. Gegen drei kommt die Meldung, dass wir nun Wasser tanken können. Mist, der Schlauch ist aber zu kurz. Wir stopfen einen unserer Schläuche in ihren und das eiskalte Wasser sprudelt ohne einen Tropfen Verlust in unsere Tanks.

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Der Schlauch für den Diesel lässt sich allerdings nicht so einfach verlängern! Wollen ja keine Umweltkatastrophe riskieren. Müssen also doch in der Marina tanken. Dort ist die Tankstelle jedoch ausser Betrieb. Kaputt.
Über den Atlantik und durch die Kalmen mit noch ca. 200 Liter Diesel im Tank sollte im Notfall reichen. Blödsinn, im Notfall reicht auch ein voller Tank nicht.
14:07:33 local Time, gleitet Robusta nun endlich mit einer moderaten Verspätung doch noch über die Startlinie!

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Wau, jetzt geht es los!
Etwa drei Wochen auf knapp 40 Quadratmeter eingepfercht. Keine Ahnung wie das sein wird. Was meint denn der Tierschutz dazu? Wie viel Bewegungsraum braucht denn zum Beispiel ein Schwein? Oder eine Kuh? Ja was werden wir denn den ganzen lieben langen Tag tun? Lesen bis die Augen aus dem Kopf rollen? Diskutieren? Auf’s blaue Meer gucken und die Wellen beobachten? Segel trimmen, essen, schlafen, sitzen. Raus schauen um schon wieder Blau anzuschauen? Kompass gucken? Tönt wirklich voll spannend. Solche Gedanken mischen sich immer wieder unter die Vorfreude der Vision endlich Brasilien entdecken zu können.
Auch ein wenig Unbehagen und Angst sind mit dabei. Was wenn etwas kaputt geht? Wenn mein Auto den Geist aufgegeben hat, konnte ich der Pannenhilfe anrufen. Muss auch immer wieder mal an die Yacht denken, die letzte Woche mit selbst gebasteltem Notrigg in Mindelo einlief, weil ihr Mast gebrochen war. Oder an Hubert, einem Einhandsegler bei dem der Baum bei einer Patenthalse 900 Seemeilen vor der Karibik gebrochen ist. Freunden, mit denen wir in Salvador abgemacht haben, ist das Vorstag gebrochen und der Motor hat zu allem Elend auch noch einen grossen Schaden erlitten.

 

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Was macht es aus, dass ich doch mit segle?
Die Vorstellung ganz weit weg von der Küste zu sein, fast alleine, nur auf uns gestellt, Natur pur, Meerestiere beobachten, mit der Energie des Windes von einem Kontinent zum nächsten zu gelangen und zu spüren wie gross die Distanzen sind die sonst so locker mit dem Flugzeug zurückgelegt werden, romanisch zu Zweit in einen Sternenhimmel zu blicken ohne jegliche Lichtverschmutzung lösen in mir unbeschreiblich positive Gefühle aus die sich durch jede Zelle meines Körpers ergiessen!

Anja

Unser Plan:

Atlantiküberquerung von Mindelo, Cabo Verde nach Salvador Bahia, Brasilien, Start 23. Februar 2015. Mit Robusta, unserem schwerem Stahlschiff, mit lediglich Standard Besegelung: Klüver, Arbeitsfock an Selbstwendevorrichtung und Grosssegel. Ziel war, ohne Diesel diese Strecke zu bewältigen. Wir wollen zusammen mit unseren Freunden auf den Segelyachten Cariad, Sailor Moon und Yemanja starten, zusammen zu viert diese Strecke segeln.

Wetterplanung:

Das Wetter spielte lange ziemlich verrückt rund um Cabo Verde. Viel Wind, wir hörten von Segler, die sich südlich von Cabo Verde in 45 Knoten Wind (9 Bf) und 6 m Welle befinden. In Mindelo selbst war es relativ ruhig, doch auch hier waren Böen bis 50 Knoten gemessen. So mussten wir warten, bis sich alles beruhigt hatte und dieser Zeitpunkt war eben am 23. Februar. Passte natürlich ganz gut, der Karneval in Mindelo machte das Warten angenehm. Wo sollen die Kalmen überquert werden? Diese Frage stellte sich bei allen. Zwei Parameter spielen dabei eine Rolle: Wird der Äquator zu weit östlich gequert, sind die Kalmen sehr breit, je östlicher um so breiter so die Faustregel. Liegt der Kurs zu weit westlich, so muss nach den Kalmen gegen den Südostpassat zu hart an den Wind oder gar nach Süden gekreuzt werden, da der Südostpassat immer mehr südlich dreht, je mehr westlich die Position ist. Literatur dazu: Jimmy Cornell, Segelrouten der Welt / Atlatik Crossing Kalender. Die letzten Prognosen an Land versprachen 10-15 kt Wind bis zu den Kalmen. Wir konnten ja jeden Tag frische Wetterdaten laden, insofern war das sehr hilfreich. Wir holten uns täglich unsere GRIB Files, weitere Wetterberichte haben wir nicht verwendet, es gibt auf der Route ja kein wirkliches Wetter mit Hochs und Tiefs, jedenfalls nicht in dieser Jahreszeit, abgesehen von den Squalls bei den Kalmen, die lassen sich auf den Wetterberichten eh nicht genau erkennen. Wir wussten, diese wird es geben und diese werden wir aushalten müssen.

Das erlebte Wetter kann ich in drei Teilen einfach beschreiben:

Der Erste Teil, Tag 1 bis Tag 9

vor den Kalmen, das heisst von Mindelo bis in etwa zum Äquator, war geprägt von 10-20 Knoten Wind, viel Wüstensand in der Luft, welcher das gesamte Schiff und unsere Lungen wiederum mit feinstem Sand bestäubte, die Temperaturen stiegen von Tag zu Tag, die Mittagssonne stand täglich höher und glühte entsprechend. Die tägliche Veränderung des Sonnen- und Mondstandes hatten mich am meisten beeindruckt. Der Nord-Nord-Ost Wind zwang uns leider zu halsen um für zwei Tage nach Westen zu halten, ca. 240°, da wir den Wunschkurs von 190° nicht halten konnten.

Zweiter Teil die Kalmen, Tag 10 bis Tag 15

Der Wind verschwand und zurück blieb die Robusta im Schwell des Meeres, mit hängenden Segeln in gleissender Sonne. Es herrschte nicht die totale Flaute, viel mehr hatten wir ca. 5 Knoten Wind, konnten 2-3 Knoten Fahrt machen, jedoch nicht mehr auf raumigem Kurs, da sonst die Segel zu stark umher schlugen. Der erste Squall, ein Gewitter mit Schauerböen erlöste uns von der Hitze, dem Sand und dem vielen Dreck, der das Schiff seid Cabo Verde umhüllte, den Windanzeiger verklebte und die Solarpanelen unproduktiv machten. Endlich Wasser von oben! Es folgten in den nächsten Tagen weitere Squalls, ca. 1-2 in 24 Stunden, diese sind jedoch weit weniger schlimm als befürchtet. Lässt sich mit einem Wärmegewitter in der Schweiz vergleichen, also keine heftigen Kaltfrontgewitter wie wir sie sonst kennen. Ankündigung der Kalmen im Wetterbericht sieht dann so aus:

INTERTROPICAL CONVERGENCE ZONE (ITCZ) 04N020W, 01N030W,
02S040W AND 02S050W WITH 3/4 DEGREES WIDE.

Wir markierten auf der Seekarte die vier angegebene Positionen und verbanden diese. Schon zeigten sich die Kalmen und so kann die Veränderung auf der Karte täglich erkannt werden. Wir hatten Glück, dass sie sich nördlich verschoben und somit über uns hinweg zogen. Schlussendlich befanden wir etwa fünf Tage in den Kalmen, bevor der Süd-Ost Passat einsetzte. Eindrücklich war das Wetterleuchten und die Blitze der Gewitter in der Nacht.

Dritter Teil: Süd-Ost Passat, Tag 16 bis Tag 23.

Als wir nach einem weiteren Squall auf unseren raumigen Kurs von 260° erreichten, dachten wir noch nichts dabei, für mich war es einen Winddreher nach dem Squall. Doch nach einigen Stunden fragte ich mich warum der Wind nicht zurück drehen wollte, bis mir klar wurde, dass es der neue Wind war! Der Süd-Ost-Passat! Endlich. Segel dicht nehmen, neuer Kurs: Am Wind. Ab nun heisst es: Hart am Wind. Ein neues Fahrgefühl nach langer Zeit.  Doch bereits nach zwei Tagen fierten wir die Segel, so dass ein herrliches Halbwindsegeln erlebt werden konnte. Weitere Tage später nahm der Wind mehr und mehr ab und drehte nördlich, so dass wir raumig kaum mehr vorwärts kamen, die letzten paar Tage waren sehr anstrengend mit flappenden Segeln und achterlichen Winden. Die letzten 100 Meilen fuhren wir nur mit dem Grosssegel, mit 3 Knoten Richtung Salvador. Sehr ungewöhnlich für diese Windregion, denn normalerweise wird hart am Wind gefahren bis Salvador. Wir konnten bis zum Terminal Nautico segeln, dies vor der imposanten Skyline von Salvador. Das war ein Erlebnis. Ansonsten empfand ich diese Etappe mit leichten raumigen Winden, schleppend vorankommend am anstrengensten.

Thomi

February 22

Vorbereitungen für den Atlantik und die MAR

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“FEINE LEUTE HALTEN ORDNUNG

DAS GENIE ÜBERBLICKT DAS CHAOS”

 

Wir wühlen den ganzen Inhalt der Backskisten und Schaps raus um alles etwas sinnvoller zu ordnen, damit der riesige Einkauf verstaut werden kann. Der Sand von Sal hat seinen Weg auch überall hin gefunden und muss wieder weg. Unglaublich. Unsere warmen Klamotten werden in luftdichte Vakuumbeutel verpackt.

Jetzt geht’s schliesslich ab in die Tropen! Brasilien. Barfusswetter ist angesagt. Ja und ich freue mich auf den Regen. Richtig heftiger Regen! Alles grün, üppig wuchernde Pflanzen! Kein Staub mehr in der Luft.

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Doch rührt es mich auch von  Cabo verde Abschied zu nehmen. Von dem Land das eine bewegte Geschichte hinter sich hat. Während vier Jahrhunderten galten die Inseln als Drehscheibe des Sklavenhandels, Hungersnöte durch fehlenden Regen um nur zwei Fakten zu nennen. Wir werden viel an die Menschen denken, die hier unter schwierigsten Bedingungen Landwirtschaft betreiben – letztes Jahr ist der Regen wieder mal ganz ausgeblieben.

Es gibt noch so viel zu tun: Schleifen, grundieren, malen, Winschen entsanden und schmieren und Cockpit streichen. An der Windsteueranlage muss das Hauptruder justiert werden, der Fockbaum und das Focksegel liegen auch noch am Heck damit die Farbe ungestört trocknen konnte. Das Grosssegel bekommt noch neue Reffbendsel. Endlich hat es mit der Anschaffung der Ankerkette geklappt. Wir stopfen sie mal vorerst in die Bilge bis wir die neue Nuss, die wir nach Brasilien liefern lassen besitzen.

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Die grösste Herausforderung finde ich schon die Verproviantierung. Esswaren für drei Wochen für drei Personen einkaufen. Frisches Gemüse, was hält sich am längsten? Wasser, Bier und so weiter… Die Einkaufsliste ist riesig! Vier A3 Seiten. Sie soll in Zukunft als Stauübersicht und als Einkaufsliste dienen. Ich habe alles fein säuberlich in den PC getippt :-)

“feine Leute halten eben Ordnung”

Ich habe bis jetzt immer so „Handgelenk mal Pi“ eingekauft. Ich kann nicht sagen ich brauche drei Kilo Kartoffeln, vier Kilo Früchte. Ich muss die Menge vor mir  sehen und dann kann ich mir ungefähr vorstellen was während der Atlantiküberfahrt so alles in meinen Magen passen wird. Hat bis jetzt immer ganz gut geklappt. Glück gehabt werden sich die einen nun denken. Aber so bin ich halt und der Thomi zum Glück grad auch!

„Das Genie überblickt das Chaos“

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Gemüse einkochen und am Rumpf will ich noch die Muscheln und das Grünzeug abschaben. Die vermehren sich sonst wie blöd im warmen Wasser und können richtig gross werden und bremsen somit die Fahrt. Das ist nicht gut für die Challange MAR

Ja und genau mitten im Stress, grrr….

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Tranquillo não stress!

Nun noch herzlichen Dank an Ilsevania und Milan vom TO Stützpunkt Mindelo!

Ihr seid ganz tolle Menschen und wir haben vor allem die TO Treffen und den Ausflug wahnsinnig genossen. Wir durften viel über dieses sich so rasant entwickelnde Land von euch beiden erfahren.

Die ganzen Tipps und Hilfe für unsere Reise sind von unschätzbarem Wert!

Merci vilmol

Endlich geschafft, am Montag solls los gehen. Der Passatwind hat sich etwas beruhigt.

Der Startschuss der  MAR  – Mini Atlantic Ralley erfolgt am Montag um 11 Uhr 04 mit dem auslaufendem Hochwasser!

-Fehlstart wird mit einem Nachtessen in Salvador belohnt ;-).

Teilnehmende:

Startnummer 1:

Steffi und Tommi von der YEMANJA, im Training von den Kanaren nach Cabo Verde sehr gut abgeschnitten, die Manöver könnten noch etwas schneidiger ablaufen.

Startnummer 2:

Tom von der CARIAD mit Vorschoter Joris.  Im Notfall kann Joris mit dem Kochlöffel etwas mitrudern.

Startnummer 3:

Jaqueline und Mischa  von der SAILOR MOON ein gut eingespieltes Team, wenn sie nur etwas mehr die Segel trimmen würden, sonst wird das nix mit dem Pokal!

Startnummer 4:

Skipper Thomi und Anja von der ROBUSTA mit Georg der vorher auf der Alexander von Humboldt mitgesegelt ist. Hoffentlich bekommt er auf der Robusta keine klaustrophobischen Anfälle.

Cool dass wir euch alle kennen gelernt haben!

February 19

Carnaval Mindelo Cabo verde

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Hier nun der lang ersehnte Carnaval – geniesse einfach die Impressionen.

Die Kostüme kosten die Besitzerinnen ein Vermögen. Bis zu 1000 Euro kostet eines der Prachtstücke. Bei einem Einkommen von druchschnittlich 200 Euro pro Monat, ist das eine ganze Menge Geld!

Die die es nicht besitzen, lassen sich sonst was einfallen um auch dabei sein zu können.

 

Dieser Mann trauert um die 18 Menschen die beim Fährunglück vor Fogo ertrunken sind.

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Die total überladene Fähre ist in der Nähe der Küste gekentert. Nur vier Personen konnten lebend aus dem Meer geborgen werden. Mit der Fähre gingen auch 26 Tonnen Lebensmittel für die Schulen verloren!

February 6

Reparaturen / Ersatzteilbeschaffung in Mindelo

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IMG_7079Seit ein paar Tagen liegen wir in Mindelo (Sao Vicente) neben der Marina vor Anker. Direkt neben einem der mehreren Fracks, die hier in der Bucht knapp unter der Wasseroberfläche vor sich her rosten und nur bei  Ebbe teilweise zu sehen sind. In die Marina wollten wir nicht. Die Preise für die Liegeplätze erachten wir als reinste Abzocke. Das Personal ist total unfreundlich und nicht hilfsbereit. Mails, wegen Anfragen von Ersatzteilen, werden nur teilweise  oder gar nicht beantwortet.

Selbst für das Dinghi parken verlangen sie fünf Euro pro Tag. Duschen dürfen wir  nicht – auch nicht gegen Bezahlung. Na ja, als einzige existierende Marina in den Cabo Verde Inseln, kann man sich das offensichtlich erlauben. Wir erkundigen uns nach einem Schweisser der unsere Relingstütze reparieren kann. Geht nur über die Marina und es werden deutsche Stundenlöhne von 60 Euro verrechnet!! Bedenke man doch, dass ein angestellter Handwerker hier einen Tageslohn von sieben bis acht Euro erhält…

IMG_7066Am Dienstag Abend  findet ein Treffen des  Trans Ocean Club im Fishingclub Mindelo statt. Wir freuen uns neue Leute und die Stützpunktleiter Ilse und Milan kennen zu lernen. Super, auch Jaqueline und Mischa von der Sailor Moon, die wir  mal kurz in Galizien getroffen haben sind auch da. Das war ein toller lustiger  Abend mit  einem leckeren Essen und viel Erfahrungsaustausch!

Wir fragen Milan, wo wir eine neue Ankerkette und die entsprechende  Nuss dazu bekommen können. Auch einen Schweisser kann er uns  organisieren. Super. Nun fehlt nur noch die Bewilligung der  Hafenbehörde, dass wir im Porto Grande anlegen dürfen. Am Freitag verholen wir die Robusta dort hin IMG_7081und liegen im Päckchen mit fünf Fischkuttern. Nur einer von ihnen läuft jede Nacht aus. Alle anderen warten auf die Verlängerung der Lizenz und hocken im Hafen herum, verrät mir ein Fischer frustriert. Er lädt mich auf seinen Fischkutter ein und führt mich herum. Zum Glück war ich gerade erkältet und hatte eine verstopfte Nase. Aber die Besichtigung war schon eindrücklich! Der Mann, dessen Namen ich mir nicht merken konnte, hat auch einige Jahre in Portugal gearbeitet. Aber er hatte irgend wann Heimweh bekommen und auch in Portugal gab es mit der Krise in Europa keine Jobs mehr für ihn.

Nun legt ein kleineres Fischerboot neben uns an. Der gute Mann will uns Krabben verkaufen. So orange runde Dinger mit langen Beinen dran. In der Tüte die er bringt, sind fünf Stück drin. Ich frage nach dem Preis. Er streckt zwei Finger in die Luft. Also krame ich zweihundert Escudos (zwei Euro) aus meiner Hosentasche. Er will aber 2000! Ich schätze den Inhalt auf anderthalb Kilo und stelle die Tüte wieder zurück in sein Boot. Die Tüte wandert IMG_7138noch etwa 15 mal von Robusta zum Fischerboot hin und her, bis wir uns auf einen Preis von 400 Escudos einigen. Nur zwei Minuten  müssen sie gekocht werden. Also bereitet Thomi einen schönen Tomatensalat, Reis und die Krabben zu. Nun liegen die Tiere auf dem Teller vor uns und wir Anfänger wissen nicht, wie wir an ihr Fleisch gelangen. Nach drei Minuten werde ich ungeduldig und hole aus der Werkzeugkiste eine Rohrzange um den Panzer der Krabben zu knacken. Ich esse ein Bein und dann reicht es mir. Grauslig. Nicht mein Geschmack. Thomi verspeist alle alleine. Ist wirklich fast nix dran. Zum Glück habe ich nicht 2000 Escudos hingeblättert!

Am Samstag kommt am frühen Morgen der Schweisser. Er schaut sich mit uns die Arbeit an die zu erledigen ist. Eine Relingstütze muss wieder angeschweisst werden und am Süll soll er gerade noch einen Meter rostiges Rohr raus flexen und ersetzen. Eine Stunde später kommt ein zweiter Typ angelaufen. Er müsse mit uns die Arbeit besprechen. Thomi schickt ihn wieder weg. Nun kommt Jimmy der Boss. Wir wollen nun wissen, wer die Arbeit ausführen wird. Der erste Herr soll es sein. Der andere Mann arbeite nicht zuverlässig. Am Nachmittag soll es los gehen. Vor Feierabend knöpft der Arbeiter dem Thomi 4000 Escudos ab, um angeblich das Material besorgen zu können. Ich beherrsche mich und rege mich nur leicht auf.

Am Montag  schaut Jimmy wieder vorbei und bringt das Material vorbei. Wo denn sein Arbeiter sei? Bis jetzt ist er noch nicht erschienen. Er versucht ihn mit dem Handy anzurufen. Keiner meldet sich. Nun gesteht Thomi, dass er ihm bereits Geld für das Material gegeben hätte… Jimmy regt sich sichtlich auf. Ja dann können wir es vergessen, dass er die nächsten Tage wieder auftaucht!IMG_6986
Gestern war nämlich wieder Mandinga und ganz Mindelo war ausgelassen am tanzen und feiern!
Wenig später taucht ein Herr mit einem Topf Farbe auf. Er müsse bei uns malen. Ich erkläre ihm, dass es erstens noch nichts zu malen gibt und wir das selber machen werden. Am nächsten Abend steht er wieder da. Diesmal schickt ihn Thomi wieder weg.

IMG_7077Am Dienstag kommt Schweisser Nummer drei zusammen mit Jimmy. Er werde nun die Arbeit fertig stellen, was er auch sehr zufriedenstellend gemacht hat. Schade hat erste Mann, der nicht mehr  erschienen ist, den Boden nicht mit einer Brandschutzdecke abgedeckt.  Nun ist alles mit kleinen schwarzen  Brandflecken verziert.

Wir bezahlen 150 Euro und die 4000 Escudos sind wohl im “Grogue”  dem Zuckerrochrschnaps verdampft!

Abschliessend erblicke ich, dass der Herr mit der Farbdose sich doch noch  an  uns vorbei schleichen konnte und voller Elan am streichen ist!!!

Nun kehren wir zurück in die Ankerbucht. Robusta ist total verdreckt. Um für das Schweissgerät Strom zu kriegen, musste der Fischkutter neben uns seine Maschine starten. Eine Wolke mit feinsten Russpartikel verteilte sich auf der ganzen Yacht. Leider waren auch noch die Luken offen und die kleinen schmierigen schwarzen Kügelchen fanden sogar den Weg in unsere Betten. Thomi war den ganzen Tag damit beschäftigt, das Deck zu reinigen damit wir streichen können.

IMG_7152 (1280x960)Hier das Resultat:
Da liegt er nun völlig überarbeitet mit einem entzündetem Handgelenk. Unter dem Verband hat er einen Kochlöffel als Gelenkstütze eingebaut.
Morgen bin ich dran mit Muscheln vom Bootsrumpf  kratzen. Danach kann er mir gleich den selben coolen  Verband anlegen! Nach dem Carnaval sollten wir dann  soweit vorbereitet sein, dass wir  die Passage über den  Atlantik nach Brasilien  in Angriff nehmen können.

 

Anja

January 31

Mandinga

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  Was ist denn hier los??? 

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Wir freuten uns so sehr auf die schönen Sambatänzerinnen! Der Carnaval von Mindelo soll genau so toll sein wie der von Rio de Janeiro!
Vier Wochen vor dem eigentlichen Carnaval toben die Mandingues jeden Sonntag völlig abgefahren in Trance durch die Gassen.
Achtung: Alle sind, obwohl sie ja bereits sozusagen schwarz sind, auch noch schwarz angemalt! Wer ihnen zu nahe kommt, hat Pech gehabt!

Anja

January 30

Wandern auf Sao Nicolau

IMG_6116 (1280x934)Um den 12. Januar rum hiess es Anker auf in Boavista um während einer Nachtfahrt die Insel Sao Nicolau anzusteuern, Tarrafal ein Hafen im Westen war das Ziel. Ankunft in der Früh, nachdem heftige Fallböen ums Kap die Robusta nochmals ächzen liess… Ein schöner Ankerplatz, endlich wieder mal kein Wind, das heisst richtig windstill, wenn da die Fallböen nicht wären. Pfeift ja schon sehr aus den Tälern hinaus. Das Städtchen war friedlich, überall Geschäfte und viele Fischer.

Die erste Wanderung unternahmen wir am Sonntag, wollten in die Berge, doch es waren keine Alugers unterwegs. Es war ja Sonntag. Deshalb spontan in eines der Täler hineingewandert. Einem trockenen Flussbett entlang, bis ganz tief hinein bis es nicht mehr weiterging. Ich wollte sogar noch einen Wasserfall hochklettern, das kam nicht ganz so gut heraus, bin ich doch gar nicht der Klettermaxe. Adler haben wir kreisen gesehen und immer wieder wilde Ziegen. Wir verbrachten sechs Stunden in diesem Tal, unwirklich aber wunder schön.

Die zweite Wanderung war dann eben diese die wir schon am Sonntag laufen wollten. Von Praia Branca hoch in die Berge, dort wo es grün ist. Dem Berghang entlang ins nächste Tal, wo einfache Bauern lebten. Diese Wanderung war spektakulär. Steile Berge und grüne Pflanzen, vieles wurde angebaut, vor allem Mais bis in die höchsten Lagen.

January 26

Paradies mit Tücken

Warnung:

Folgender Text weist Inhalte auf, die nicht für Eltern und Verwandte geeignet sind!

Boavista, ein Paradies mit weissen Sandstränden und Dünen so weit das Auge reicht. 

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Thomis Schwester konnten wir dazu überreden, uns von Sal nach Boavista zu begleiten. Für sie war es die erste Reise auf einer Segelyacht. Dann gerade noch auf dem Atlantik! Suzi du hast dich super gehalten!
In Boavista liegen wir nun in der Bucht südlich von Sal-Rei in türkisblauem Wasser vor Anker. Der Passat dreht in den kommenden Tagen etwas mehr auf Nord-Ost und soll nach Windfinder auf 28 Knoten zulegen, womit mehr Schwell in der Bucht zu erwarten ist. Suzi flüchtet in ein Hotel direkt am Strand

.
Ich baue mein Surfsegel auf und freue mich über Flachwasserheizen bei ablandigem Wind! Jeeeehhh.

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Abends leisten wir uns ein nettes Abendessen beim Italiener. Es ist leider der Abschied von Suzi und Chris von der Segelyacht ALL IN. Suzi muss leider nach zwei Wochen wieder nach Zürich zurück. Die Arbeit ruft. Chris zieht es in die Karibik nach TOBAGO. (Du weisst warum ich das gross schreibe;-))

Ui zum Glück muss ich nicht nach Hause in den Alltag zurück! Ich wäre bereits am heulen und mich am unmöglich benehmen bei der bevorstehenden Heimreise. Thomi und ich mussten unsere Urlaube immer folgendermassen zu einem Ende ohne Drama bringen: Er kehrte wenn möglich jeweils einen Tag vor mir nach Hause zurück. Ich schob alles noch auf die letzte Sekunde raus. War mir egal morgens zu Hause anzukommen und direkt zur Arbeit zu gehen. Nur wenn Thomi bereits zu Hause auf mich wartete, fiel es mir etwas leichter. Versteht mich nicht falsch! Ich habe gerne gearbeitet – ja meinen Job und mein Arbeitsteam sogar geliebt. Aber einfach die Phase vom Ende der Ferien bis der erste Arbeitstag gemeistert ist, dann war alles wieder optimal im Lot.

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Schlafen wird zur Tortur. Robusta rollt in den Wellen wild hin und her. Den Tag verbringen wir am Strand in Liegestühlen im Windschutz einer Strandbar und holen den Schlaf ohne Geschaukel nach. Plötzlich springt Thomi aufgeregt auf und rennt zum Meer.
IMG-20150108-WA0001 Jetzt sehe ich es auch. Realisiere aber noch nicht was los ist. Thomi stürzt sich in die Klamotten und rennt ins Dorf, an den Pier wo das Dinghi fest gemacht ist. Chris bietet seine Hilfe an. Doch Thomi braust wenig später wie eine Rakete an uns vorbei und holt Chris nicht von seinem Liegestuhl ab. Fliegendes Wasser verbreitet sich über die Bucht. Zum Windsurfen ist es für mich bereits seit Stunden zu deftig geworden.
Gebannt stehen wir drei am Strand und versuchen zu erkennen, was da draussen in der Bucht abgeht.
Thomi trifft auf folgende Situation als er bei Robusta angekommen ist: Motor am laufen, zwei Typen an Board, einer am Steuer, der andere mit Leinen am herumhantieren. ..
Die Herren sind vom Katamaran hinter uns und berichten: Die Ankerkette sei gebrochen und Robusta sei direkt an ihnen vorbei auf‘s offene Meer hinaus getrieben.
Alle Achtung! Das ist eine grandiose Rettungsaktion!!! Mit dem Dinghi bei dem Wind und den Wellen hinter her braucht schon eine Portion Mut.
DAS NENNT MAN ECHTE SEEMANNSCHAFT!
ALLEN HERZLICHEN DANK AN EUCH BEIDE, WIR WERDEN UNS WIEDER SEHEN UND DANN WERDEN WIR UNS REVANCHIEREN!!!
VERSPROCHEN. (sie sind am nächsten Tag früh abgereist)

Wir hätten ohne euch alles was wir besitzen verlieren können…..

Analyse:
Wie konnte die Ankerkette nur brechen? Wir wären bei Windprognosen von 27 Knoten nie auf die Idee gekommen, dass so was passieren kann. Schliesslich haben wir, bei knapp fünf Meter Wassertiefe in sandigem Grund, der vereinzelt mit Felsen druchzogen ist, 60 Meter Inox Kette gesteckt. Hahnepot war fachgerecht angebracht, um die Ankerwinsch zu entlasten. Einen zweiten Anker hatten wir nicht für nötig gehalten. A: weil die anderen Boote in der Bucht auch nur einen gelegt hatten, B: weil wir im Besitz der super starken acht Millimeter INOX Ankerkette sind – äh das heisst – waren.
Eigentlich wollten wir diese sehr wertvolle teure 100 Meter Kette bereits in Schottland gegen eine 80 Meter 10 Millimeter galvanisierte Kette austauschen. Hatten sie aber nicht am Lager. Bobby Schenk‘s Bücher, des berühmten mehrfachen Weltumsegler, hatten uns gewarnt: INOX, das praktische rostfreie Material, das jeden Ankerkasten hübsch sauber hält, ist für kalte Gewässer geeignet. In wärmeren Gewässer kann auch diese Kette korrodieren. Ob sie wirklich stabiler sind als herkömmlich galvanisierte Ankerketten ist umstritten.

Noch nicht genug
Robusta liegt nun mit zwei Ankern neu vertäut in der Bucht und schaukelt weiter vor sich hin.
Die französische Yacht gerät auch in Seenot. Auch ihre Kette ist gerissen! Die einlaufende Flut drückt massive Wassermassen in die Bucht und schiebt die Yachten gegen den Wind. Bei beiden Yachten ist erst der Hanepott durchgescheuert, um es nicht mit dem schrecklichen Fachwort „schamfilen“ zu benennen. Die volle Last des sich um bis zu 180 Grad drehende Boot vermochte ein Kettenglied mit der Reibung von Stahl auf Edelstahl sprengen. Nach Aussagen der Retter erreichten die Windböen eine Stärke von über 50 Knoten!
Davon haben wir in unseren windgeschützten Liegestühlen nix mitgekriegt. Ich wäre im Traum nicht darauf gekommen, dass die Kette bei solchen Bedingungen brechen könnte. Womöglich wäre ich so doof gewesen und hätte die beiden Retter als Diebe entlarvt und hätte ihnen erst noch eine mit dem Dinghipaddel verpasst…
Danke Thomi, dass du so schlau und aufmerksam warst!

Nicht auszudenken wäre das alles wenige Stunden später nach Einbruch der Dunkelheit geschehen!

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Suzis Abschied musste wiederholt werden: Ihr Flug von Boavista nach Sal wurde gecancelt wegen Harmattan dem Wüstenwind der viel Sand aus der Sahara mit sich trägt. Also musste sie zwangsläufig einige Tage länger bleiben. Der zweite Abschied endete zwar in einer Paartherapie die durch Suzi gecoacht wurde. Danke für deine Unterstützung. Wir sind auch schon wieder recht lieb miteinander. Auf so engem Raum zusammen zu leben ist glaube ich nicht nur für uns beide eine echte Herausforderung!
Liebe Suzi deinen Ratschlag “bewegt euch auf der sicheren Seite“ nehmen wir uns zu Herzen.
Thomi benützt die Lifeline wenn er an Deck rumklettert während ich am schlafen bin und stellt den Haupthahn der Gasflasche nach dem Kochen ab. Ich lege mich nicht mit den Behörden an und erledige brav alle Formalitäten die höchstwahrscheinlich eh überflüssig sind 😉

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In der Nacht schrecke ich aus dem Tiefschlaf wegen eines ohrbetäubenden metallischen Geräusches! Wo bin ich? Was ist geschehen? Da müsste der Morgenmuffel erst mal aktiv das Blut in Wallung bringen um zu realisieren was da los ist. Keine Zeit! Ich hechte nackt an Deck und erblicke die französische Yacht direkt vor mir. Die beiden Skipper (ebenfalls nackt) hasten nervös an Deck herum und drei Sekunden später krachen sie erneut in die Robusta! Ihre Ankerkette ist wieder gerissen!

Ich bin alleine an Bord. Horror! Ich kontrolliere im Dunkeln ob die beiden Ankerleinen noch mit dem Stück Gartenschlauch gegen Durchscheuern geschützt sind. Alles in Ordnung. Das GPS ist eingestellt. Falls sich die Robusta auf und davon machen sollte, schlägt dieses Alarm. Doch ich vertraue der Technik nicht 100 % und stehe immer wieder für einen Kontrollgang auf.

Chris hilft uns mit seiner Taucherausrüstung den verlorenen Anker und die Kette wiederzufinden. Thomi ist mit dem Dinghi in seiner Nähe. Er findet tatsächlich das Ende der Kette dank Ankerball! Während die beiden nun alles ins Dinghi wuchten, meldet sich meine Blase. Als ich wieder von der Toilette zurück komme, sind die beiden Herren verschwunden!!! Mit dem Fernsichtglas suche ich den Horizont ab, doch der eine Katamaran versperrt mir teilweise die Sicht. Nun erblicke ich zu allem Elend noch, dass Robusta nur noch an einem Anker hängt und die zweite Leine auch schon arg angegriffen ist. Jetzt starte ich sicherheitshalber die Maschine. Mein Blick bleibt für einen Augenblick an dem kleinen Bildchen vom Vorbesitzer hängen „Ruhe bewahren“. Erneut suche ich den Horizont ab. Da erblicke ich unser Dinghi an einer anderen Yacht festgezurrt. Thomi und Chris hocken an Deck. Ich brülle ohne die geringste Chance gegen den Wind. Stelle mich nun auf den Bugspiet und signalisiere mit meinen ausgebreiteten Armen, dass ich in Not bin. Mensch, schnallen die denn das nicht? Ich spiele hier nicht Galionsfigur! Nach einer gefühlten Ewigkeit kommt Thomi dann doch mit dem Dinghi angeknattert. Sie hätten der anderen Yacht geholfen den Anker zu bergen der zwischen den Felsen verklemmt war. Toll und nur damit der Typ seine Havanna rechtzeitig in der Karibik rein ziehen kann???

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Nach einigen Tagen legt sicht die Situation und wir können wieder beruhigt an Land gehen und mit dem Aluger (Toyotabus Sammeltaxi) Landausflüge machen. Ratsam ist jedoch sich zuvor schlau zu machen, ob auch noch welche zurück fahren. Wir hatten das Pech, dass wir am anderen Ende der Insel in der Wüste fast hängen geblieben sind. Kurz vor dem Eindunkeln kam auf der Strasse doch noch ein Auto angefahren, das bereit war uns mit zunehmen.  Der Fahrer fragte uns, ob wir etwas Zeit hätten. Er zeige nämlich gerade seinem Cousin die Insel und sie wollen einen Umweg fahren. Wir verbrachten einen tollen Abend miteinander und erhielten somit einen echten Einblick von Boavista!

Anja

January 8

Boavista

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Schnell wie die Zeit vergeht ! Irgendwann vor Weihnachten segelten wir mit einem kurzen Schlag in den Süden von Sal, nach Santa Maria. Es ist der Ort, wo die Touristen ihren wohl verdienten Urlaub machen, meistens in einem der All Inclusive Hotels, auch einige bevorzugen ein Appartement in der Stadt. Surfstrände und Badestrände rundherum. Wunderschön, das Meer, weniger die Stadt, noch ziemlich im Bau, die einen Häuser, es folgt hier ein eigener Beitrag darüber. Die Festtage waren toll, viel auswärts Essen, Fisch im Überfluss, dazu meistens Reis und Pommesfrites. Doch kurz nach Weihnachten mussten wir das Boot wieder nach Palmeira bringen, denn die Atlantikwellen drehten von Nord nach Nordost, schön auch in der Windprognose Windfinder.com zu sehen. Der Schwell war bis zwei Meter, unser Boot schwankte fürchterlich und das erste Mal hatten wir unsere 100m Kette voll draussen, so rupfte es nicht an der Kette. Aber schon sehr unheimlich, so mit diesen Wellen… Zurück in Palmeira war wieder Ententeich. Am zweiten Januarstag, nach einer Feier in Palmeira gings dann weiter nach Boavista. Ein Schlag von 30 sm, tolles Segeln mit Halbwindkurs, nach fünf Stunden waren wir da.

Boavista ist wunder schön, Sandstrände und Dünen soweit das Auge reicht. Oder eben soweit die Sicht reichte, die Luft war voller Sandstaub und es war diesig und richtig unheimlich. Bei der Ansteuerung der kleinen vorgelagerten Insel Sal Rei, konnten wir diese erst bei einer Seemeile erkennen, vorher war nix zu sehen. Das Wetter war sowieso sehr komisch, es hatte wenig Wind, viele Wolken, ähnlich unserem  Hochnebel, es waren jedoch Regenwolken, die über uns wegzogen. Keine Berge – kein Niederschlag, normalerweise. Es gab jedoch gar ein bisschen Niederschlag, kaum zu glauben, soll es doch hier ja nie regnen… Der Ankerplatz ist toll so zwischen der Insel Sal Rei und dem Städtchen Sal Rei. Heute aber ziemlich ungemütlich, haben wir doch zwischen 20 und 27 kt. Wind am Ankerplatz, dazu Schwell von hinten und Windwellen von vorn. Wieder mal schön so viel Ankerkette zu haben. Nun bleiben wir eine Zeitlang hier, tolle Zeit zum Surfen und um das Strandleben zu geniessen. Die Sonne ist wieder da und die Sicht ist wieder viel besser.

 

January 6

Sal, Cabo Verde

Sal, irgendwie eine irre Insel. Ich kann kaum glauben, dass hier Menschen leben wollen.

90 % aller Güter müssen importiert werden!

 

Alles trocken und staubig. Das Schiff ist nach einem Tag bereits total braun mit Sand eingepudert. Der Harmattan (heisser Wüstenwind) trägt von der Sahara, weit über Cabo Verde hinaus viel Sand mit sich. Die Sicht ist unter einer Meile und die Sonne ist für Tage nicht zu sehen. Wir leiden unter Hustenreiz und die Nase ist völlig staubig und ausgetrocknet.

In Santa Maria, einem Touristenort im Süden der Insel, das Kite- und Windsurfmekka wurden in den 70 er Jahren entdeckt. Dort ist vor einigen Jahren der Bauwahn ausgebrochen. Mit der Wirtschaftskriese in Europa verwandelten sich  gross angelegte Bauprojekte wie All Inklusive Ferienanlagen zu reinen “Ghost Cities. Seit fünf Jahren fertig gebaut, aber nur wenige Wohnungen sind verkauft oder bewohnt. Wer hier Urlaub macht, kann hier garantiert sehr ruhige Tage geniessen! Nicht mal von den  still gelegten Baustellen rund herum kommt ein störendes Geräusch.

Prima!

Einige Eindrücke dazu in Bildern:

Santa Maria

Der ultimative Trainingsplatzt direkt am Meer