June 9

Thyboron

Robusta in Thyboron

Ein kleiner Standortbericht:

Nach Helgoland fuhren wir mit moderaten Winden, zum Teil Flaute und bestem Wetter nach Esbjerg. Dort erwartete uns einen Industrie- und Fischeihafen mit einigen Liegeplätzen für Segelboote. Ein kleiner Strandausflug und Besuch der Stadt reichte uns aber schon um weiter zu fahren. Eigentlich wollten wir direkt nach Norwegen übersetzen, doch wir konnten dem Hoch nicht entfliehen, das weitere Stunden Flaute uns zu schenken vermochte. Dies führte dazu, dass wir mit ganz langsamer Geschwindigkeit und schliesslich unter Motor den Hafen Thyboron ansteuerten, in dem wir nun liegen. Bei schönstem Wetter und angenehmen Temperaturen flätzen wir nun am Strand, auch baden konnte man herrlich.

Die Windsteuerungsanlage funktioniert wunderbar, auch bei leichten 5 Knoten Wind fahren wir durch diese gesteuert ca. 2-4 Knoten. Die Robusta ist ein Leichtwindsegler ! Hätten wir nicht gedacht, dass dieses doch schwere Schiff auch bei leichtestem Wind fährt und nicht unmotiviert den Wellen nachgibt. Stundenlanges Fahren ohne eine einzige Manipulation am Steuer beschenkten uns Zeit um die See zu geniessen.

Thomi

Dänische Freundlichkeit

Eigentlich wollten wir von Sylt direkt nach Norwegen übersetzen. Der Wind spielte aber nicht so ganz mit. So entschieden wir uns noch einen kurzen Halt in Thyboron im Norden von Dänemark einzulegen.

Thyboron – dort sammelten Thomi und ich unseren ersten Meilen für den Hochseeschein. Das war vor acht Jahren. Dieter vom Zürcher Segel Club hat uns angeboten auf seiner Carter 33 nach Norwegen mit zu segeln. Der Deal war folgendermassen: Thomi und ich gingen Wache und Dieter durfte die ganze Reise ausspannen. Von Dieter, einem wirklich super erfahrenem Seebär (gäll so darf ich dich schon nennen??), konnten wir wirklich so einiges lernen! Die Reise ging wegen einer ungünsigen Wetterlage damals allerding nicht nach Norwegen, sondern das Ziel war schlussendlich Galais zurück zum Liegeplatz in Nordfrankreich.

So beim zweiten Anlauf soll es nun klappen mal nach Norwegen zu gelangen. Nur noch schnell vor der Abfahrt die Gasbuddel ersetzen und los kanns gehen. Wetterlage perfekt für die Passage durch den Skagerrak. Im Gleichen wollte ich auch noch den schon etwas erbärmlich dreinschauenden Schlauch zur Gasflaschen erneutert haben.  So zottelten Thomi und ich mit unserem Rolli beladen ins Dorf los. Ich übertreibe nicht, aber es war schon fast tropisch heiss in Dänemark! Niemand wollte unsere Flasche eintauschen. Halb verdurstet fragten wir die Dame vom Hotelempfang, die etwas irritierend gekleidet war um Rat. Einer ihrer Gäste brauste sogleich mit dem Motorroller um die Ecke und brachte Thomi irgendwohin.

Ich latschte schon mal wieder zum Hafen zurück. Da kam mir auch schon Mister Mopet winkend entgegen. Sei alles geflickt! Schlauch ersetzt. Na wunderbar – aber wie! Wo normalerweise eine anständige Briede hinkommt um den Schlauch zu fixieren, war ein Klebeband zwanzigfach rumgewickelt. Er mache das immer so auf seinem Boot! Ich rupfte sein Werk subito wieder auseinander und machte mich auf den Weg zum Campingplatz. Dort wird es doch wohl Gas geben.

Der Herr vom Camping begutachtete den eben neu reparierten Schlauch und verwies mich zum Industiehafen. Ich verdrehte die Augen in meinem hoch rotem Kopf. Nein nicht schon wieder an den extrem stinkigen Ort von heute Morgen zurück. Er fuhr mich gleich mit seinem Auto zu seinem Kollegen in die Werkstatt. Hätte ich nie selber gefunden! Irgendwo zwischen Fischernetzen,  Bergen von Leinen, Kisten  und sonstigem Krimskrams war der Eingang. Die beiden quasselten etwas in Dänisch und verschwanden hinter den unzähligen Regalen während ich die monströsen Dieselmotoren begutachtete. Atmen konnte ich nur so ganz oberflächlich und möglichst nur durch den Mund um meinen arg strapazierten Würgerflex vom undefinerbaren  Geruch unter Kontrolle zu halten. Arme „Siächä“ die dort arbeiten müssen. Bäääh.

Und tatsächlich, die beiden haben den Gasanschluss unzerstörbar perfekt repariert! Hält bestimmt 100 Jahre. Als ich bezahlen wollte, waren sie voll beleidigt und wünschten mir eine Gute Reise. Herr Camping kutschierte mich sogar  noch direkt zu unserem Schiff.

Ist ja unglaublich! Würdest du so was tun?

Anja