February 20 2019

Eingliederung in die Schwiiz

Die Weihnachtsfeier endete schon zu früher Stunde in einem Desaster! Das hat mich sehr traurig gestimmt. Ich habe mich so sehr auf die Feier mit meiner Familie gefreut. Will gar nicht genauer darauf eingehen, denn wir hatten es sonst immer so toll. Der Thomas hat wohl gefehlt und ich war über diesen Fakt traurig und dementsprechend etwas zu sentimental gestimmt. 

In den Medien häufen sich die Nachrichten über dramatische Verhältnisse in den Alpen. Hört es jemals wieder auf zu schneien? Hausdächer drohen einzubrechen und müssen von den Schneemassen befreit werden. Sogar einige Dörfer sind vom Rest der Welt abgeschnitten. Lawinen begraben Menschen unter sich und entreissen ihre Lebensenergie für immer. So viel Schnee habe ich schon ewig nicht mehr gesehen. Mein Wunsch nach einem Winter mit viel fluffigem Schnee, ist in übertriebener Form in Erfüllung gegangen.

Wegen der andauernden Kälte, kleide ich mich so, dass mein Schrank leer ist. Diverse Schichten direkt übereinander. Das ist einigermassen praktisch, da im Alpenland je nach Situation derart unterschiedliche Klimaverhältnisse anzutreffen sind. In den Einkaufsläden ist das Personal bei dieser Affenklälte nur in sommerlichen Shirts gekleidet. Im Zug ist mein linker Schuh an der glühend heissen Heizung kleben geblieben und sieht nun echt verschissen aus. In der Post erlitt ich beim Anstehen fast einen Hitzekollaps . Wieder draussen auf der Strasse, fühle ich wie mein nassgeschwitztes T-Shirt sich in eine Eisplatte verwandelt. Heizen scheint in diesem Land nichts zu kosten. Seit ich denken kann, jeden Winter das selbe Theater. Alle motzen, doch ändern wird sich diesbezüglich niemals etwas. 

Nun sind schon einige Wochen seit meiner Rückkehr in die Schweiz vergangen und meine Freunde warten gespannt, bis es mir hier verleidet. Doch ich geniesse in vollen Zügen so vieles, was ich auf der grossen Fahrt mit der Robusta vermisst habe. Käse fressen und dabei in einer Badewanne zu liegen ist ein Hochgenuss! Nora und Dieters Waschmaschine ist genial! Alles wird so schön sauber und das schon bei niedrigen Temperaturen, genau wie in der Werbung versprochen. Auf der Robusta wird die Wäsche von Hand gewaschen. Mmmmmm und die Schwiizer Schoggi, mmmmm. Hatte die ersten Wochen davon einen komplett verstopften Darm. Egal. Jetzt bin ich wieder abgehärtet.

 Die grösste Freude empfinde ich, wenn ich mit den Menschen, die ich auf der Reise so irre vermisse, wieder zusammen sein kann. Ich fühle mich zerrissen. Jetzt wo ich da bin, sehne ich mich nach dem Leben auf den Ozeanen. Wenn ich weg bin, vermisse ich die Heimat. Umso inniger betrachte ich alles um mich herum. Sauge alles intensivst in mir auf. Mir fallen so viele Dinge auf, die ich früher gar nie so wahrgenommen habe. Sogar jeden Geruch aus der Umgebung ziehe ich rein! Mal Kuhmist statt Fischgeruch ist eine echte Abwechslung.

Schneeflocken sind ja leider geruchlos.

Mit der Arbeit, an meinem alten Job als Stellvertreterin für Anette, habe ich schon früher als vereinbart gestartet. Schwangerschaften verlaufen nicht immer nach Plan. Anette wünsche ich eine genussvolle Auszeit. Mit meinen alten Arbeitskollegen habe ich mich sofort wieder bestens verstanden. Mit der neuen Praktikantin auch. Nach viereinhalb Jahren hat sich doch einiges verändert. Die meisten Jugendlichen kenne ich nicht. Mir fällt es leicht schnell mit ihnen in Kontakt zu kommen und ihr Vertrauen zu gewinnen. Doch ich drehe fast durch, mir all die Namen zu merken. Ich sag’s euch, selbst das Segeln in den “Brüllenden 40-igern” und sogar den “Schreienden 50-igern ist entspannter als einen Freitag Abend im Juhu zu arbeiten. Freitag Abend ist das Synonym für “sich die Kante geben”. Über 100 junge Menschen pro Abend, zwischen 16 und 25 Jahren, verbringen ihre Freizeit im Jugendhaus. Hier trifft sich, wie es Roli einmal ausgedrückt hat, das bunteste Publikum meist friedlichst…… (kleine Ergänzung von mir: wäre da nicht der harte Alkohol und andere Drogen…..)

«s’jugendhus winterthur isch de einzig ort won ich i mim ganze lebe ohni problem shipis, punks, ois, skatertussis und rastas a eim ort ghängt gseh han und sich nöd apöbelt hend. ich empfinde das als privileg…»
Roli, 18

(ich persönlich denke, sowas ist nur  durch harte Arbeit von einem engagiertem und eingespielten Team möglich)

Ja und jetzt ist der Laden noch viel bunter geworden. Jugendliche Flüchtlinge aus kriegsgeplagten Regionen, die alleine als Hoffungsträger für ihre Familien flüchteten, sind hinzugekommen. Ihre Geschichten und die Berichte über die Flucht in maroden Booten über das Mittelmeer, bewegen mich sehr. Ich bin dankbar nicht im Krieg geboren zu sein und glücklich das Privileg zu haben, mit der Robusta um die Welt reisen zu dürfen……

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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