October 28

Testfahrt mit der renovierten Robusta

Sechs Wochen sind bereits vergangen seit die Robusta wieder schwimmt.

Schön sieht sie aus!

Nur schade hat es nicht mehr geklappt, den weissen Streifen am Rumpf zwischen dem Schwarz und Rot auszubessern – zu viel Regen!

In der Zwischenzeit ist so einiges gelaufen, oder eben auch nicht.

Etliche Stunden haben wir gemeinsam verbracht. Wir vermissen ihn so sehr! Nun ist er endgültig von uns gegangen. Nicht mehr wiederbelebbar. Total tot. Ade  liebster Laptop! Hast wohl auch zu viel Regen abbekommen. 

Die Verlängerung der Aufenthaltsbewilligung macht uns etwas Sorgen. Die maximale Aufenthaltsdauer ist bereits erreicht (9 aus 18 Monaten). Trotzdem reichen wir als Paar einen Antrag für weitere neun Monate Aufenthalt in Neuseeland ein. Schriftlich. Elektronisch geht als Paar nicht. Sowas kann das System nicht! Murrey, der Boss der Norsand Werft, hat erneut ein Begleitschreiben verfasst, welches uns helfen soll. Der Inhalt lautet in etwa so: Robusta müsse erst intensiv getestet werden und es sei fahrlässig uns auf eine 1000 Seemeilen lange Überfahrt zu schicken…. Wer länger als ein Jahr in Neuseeland bleiben will, muss einen Medizinischen Test durchlaufen. Lungenröntgen wegen Tuberkulose, fetter Fragebogen zum Gesundheitszustand (lügen verboten) und ein Bluttest mit dem unter anderem sämtliche sexuell übertragbare Krankheiten ermittelt werden. Wir wussten gar nicht, dass wir uns demnächst prostituieren werden. Der Spass kostet 500 Kiwi Dollar pro Person (z.Z 300 Euro)! Wer ein Wehwehchen hat, darf als Tourist nicht bleiben. So die Information der Ärztin. Vergiss die Idee gleich mal jemand anderen zum Test zu schicken. Du wirst in der Arztpraxis fotografiert. Genauso wie wenn du in den Knast wanderst. Ich gehe davon aus, dass jeder Tourist eine private Krankenversicherung hat und somit dem Staat bei Krankheit nicht zu Lasten fällt. Wer hingegen in Neuseeland einen Unfall baut, wird kostenlos behandelt. Bei Krankheit wir dem Tourist jedoch der doppelte Tarif abgezwickt.

Neuseeland ist etwas speziell.

So und jetzt ist eh alles wieder anders gekommen:

Eine Anfrage von meinen ehemaligen Arbeitskollegen bringt so einiges durcheinander: Ob ich für sechs Monate einspringen will. Der Entscheid war nicht ganz einfach. Die Pläne waren bereits geschmiedet um zur Südinsel zu segeln. Marlboro Sound J und Fiordland zu den Sandflohkolonien. Nun fliege ich Ende November nach 3 ½ Jahren wieder mal nach Hause in die Schweiz. Alleine. Thomas wird hier bleiben und das Leben als Einhandsegler geniessen. Hoffentlich wird es ihm nicht zu wohl dabei! Ich freue mich extrem auf meinen Sohn Sascha, Familie und Freunde und auf frische Gipfeli, guten Chäs und Servelats und Röschti! Doch sieben Monate von Thomas getrennt zu sein, wird eine Herausforderung. Wir werden einander vermissen!!! Jetzt wo ich das schreibe fliessen gerade wieder die Tränen.

Eigentlich wollte ich ja von der Testfahrt berichten.

Erst ging die Fahrt unter Motor in die Town Basin Marina im Zentrum der Stadt WhangaRain. (Sorry ich musste diesen Ort umbenennen. Es hat dort dermassen oft geregnet. Ist ja echt unglaublich! Wir hätten jedoch noch Glück gehabt, normalerweise ist alles noch viel übler.) Die Versorgerbatterien sind schon wieder schlapp! Sie entladen sich viel zu schnell und laden nicht mehr recht. Nach nicht mal zwei Jahren schon wieder tot! So und nun werden die neuen Batterien nicht mehr im Motorraum installiert. Dort drinnen wird es um die 50 Grad warm wenn der Motor läuft. Hohe Temperaturen verkürzen die Lebensdauer drastisch. Also noch eine weitere Fehlkonstruktion die zu beheben ist. Greg, der mit seinem Fischkutter in der Werft ist, kauft sie für uns ein. Er bekommt 30% Rabatt. Zum Thema Batteriekunde ein Link: www.kleinboote.at/Batterie-Bootsbatterie.

So und nun kann die Testfahrt zum 70 Seemeilen entfernten Coromandel Town beginnen. Gleich beim Marsden Cove erblickt Thomas eine an einer unmöglichen Stelle im Fluss geankerte Yacht. Es ist die Caramor! Kate und Franco haben wir zuletzt in Chile gesehen. Was für eine Freude! Sie sind soeben von Tonga angekommen. Ihr Motor ist ausgestiegen. So legen wir mal eine Pause während der Testfahrt ein und ankern ebenfalls im fetten Schwell neben der Caramor. Etwas später kommt unser Freund Rob mit dem Dinghi angebraust. Er berichtet von einer Yacht die gerade aus Fiji angekommen ist und auf der Überfahrt den Anker mit der ganzen Kette verloren hat. Die Yacht sei nun an einem Seezeichen im Fluss festgebunden. Ich koche das erste Mal wieder bei Seegang einen Eintopf für uns alle. Der schön saubere Herd sieht schon wieder völlig versaut aus!

Franco hat den Motor soweit wieder zum Laufen gebracht. So und nun geht’s weiter mit der Testfahrt der Robusta.

Das neue Grosssegel zieht super! Doch beim Reffen geht etwas nicht. Die Reffösen lassen sich unmöglich am Mast einhängen. Die Segellatten stören! Das kann aber einfach behoben werden. Der Motor hatte etwas Mühe beim Starten. Komisch. Mit dem Deutz hatten wir erst ein einziges Mal ein kleines Problem.

In Coromandel Town wohnt eine Freundin aus der Schweiz, die wir nun endlich besuchen wollen. Doch das ist alles nicht so einfach. Zum Dorf führt ein kleiner Bach der mit dem Dinghi nur zwei Stunden vor und nach Hochwasser befahrbar ist. Ein weiterer Anlegesteg ist nördlich ausserhalb vom Dorf. Doch auch dort ist die Situation nicht viel besser.  Jedenfalls war das Wiedersehen mit Tina super toll! Sie musste jedoch den Thomas als erstes zu einem Zahnarzt fahren. Er ist nun einem Gebiss um einen Zahn näher gerückt. Die Reparatur in Fiji, vom Indischen Zahnarzt durchgeführt der in Neuseeland studiert hat, ist abverreckt.  Auf dem Röntgenbild ist es eindeutig zu sehen. Im Zahn steckt von der Wurzelbehandlung zurückgeblieben, ein Stück Draht! Autsch.

Ja und genau jetzt, nachts in absoluter Dunkelheit mit viel Wind, auf dem Weg mit dem Dinghy zur Robusta, streikt der Motor. Kleine steile Wellen machen es sozusagen unmöglich zu paddeln. Die ankernden Yachten und nun auch das Land sind weit entfernt. Wo ist die Robusta? Hat denn überhaupt jemand das Ankerlicht angemacht? So ist der schwarze Rumpf natürlich nahezu unmöglich auszumachen. Zufällig driften wir auf Marcello‘s Yacht. Der weiss wo die Robusta liegt. Knappe zwei Stunden sind wir in der Kälte rumgeirrt!

Sturm aus Südwest ist angesagt. So verkrümeln wir uns in die geschützte, wunderschöne Te Kouma Harbour Bucht. Miri will mit uns segeln. Ich hole sie zu Fuss an der Hauptstrasse ab. Ein überdimensional grosses Auto stoppt neben uns. Der Fahrer ermahnt uns, dass wir hier nicht laufen dürfen. Alles Privatland, Maori Land erklärt der käseweisse Mann. Das Dinghy werden die Arbeiter von der Muschelfarm zerstören wenn wir es am Steg anbinden. Ups, krass. Offensichtlich sind Fremde hier nicht willkommen. Blöd ist nur, dass die nächsten drei Tage wegen dem Sturm die Bucht nicht verlassen werden kann.

 

Nur Strände zählen zum öffentlichen Raum. Führt ein Wanderweg über ein Privatgrundstück, kann eine Gebühr von ca 40 Kiwi Dollar anfallen.

Die Seeventile und Luken und Bullaugen der Robusta sind alle dicht. Der dritte Wassertank lässt sich jedoch nicht füllen. Das ist sehr schleierhaft. Der Entlüftungshahn ist neuerdings in der Küche statt im Bad. Selbe Distanz und Höhe!?!

Great Barrier Island ist das nächste Ziel. Die Insel ist ein echtes Wanderparadies. Ganz dünn besiedelt, hohe Berge, alles üppig grün. Miri und ich zotteln gleich mal von Port Fitzroy auf eine zweitägige Wanderung los. Zum 670 Meter hohen Mount Hobson.  Ist ja nicht so hoch, aber doch recht anstrengend wenn der Weg kurz vor dem Ziel erst wieder ganz runter ins Tal führt! Von dort bis zum Gipfel sind enorm aufwendig Holztreppen angelegt. Bei 400 höre ich auf zu zählen. Muss mich konzentrieren, um den inneren Schweinehund zu überlisten. Wer hat das alles gebaut? Ist ja unglaublich! Übernachtet haben wir in der einfachen Berghütte Mt Heale Hut. Die Aussicht ist der Hammer!  Wir waren ganz alleine. Zum pennen haben wir uns auf den Tischen im Aufenthaltsraum eingerichtet, um die Aussicht bis nach Auckland und den Sternehimmel zu geniessen. Kalt war es, denn in der Hütte gibt’s keine Heizung und die Temperaturen fallen im Frühjahr schon noch empfindlich tief. Great Barrier gefällt uns super. In Port Fitzroy lernen wir zufällig den Treppenbauer kennen! Er lädt uns zu sich nach Hause ein. Doch wir kommen bei seinem Haus nie an weil wir mit dem Dinghi wieder nirgends anlegen dürfen. Alles Privat!

So und nun geht es nochmals zurück nach WhangaRain. Unser Freund Andi kommt von seinem Heimaturlaub in Deutschland zurück, was natürlich gefeiert werden muss. Seine Yacht steht in der Norsand Werft an Land. Kurz vor der Einfahrt in den Hatea River, stellt der Wind ab. Segel bergen und unter Motor in die nächste Bucht. Doch der Motor startet nicht. Ein heftiger Adrenalinschub schiesst durch sämtliche Körper an Board. Blöder kann’s nicht kommen. Kein Wind und ohne Motor an einer felsigen Küste, dazu noch mitten in der Schifffahrtsstrasse! Thomas entdeckt den Fehler schnell. Das Kabel vom Anlasser zur Batterie aus der Mülltonne ist defekt. Ha ha, wen wundert‘s? Mit etwas Biegen und Rütteln startet der Motor dann doch noch.

Fazit der Testfahrt:

Am Dinghymotor klemmt der Schwimmer der den Benzinfluss reguliert.

Der Deutz bekommt ein neues Kabel.

Die Reffhaken am Mast werden anders montiert.

Warum der dritte Wassertank nicht gefüllt werden kann, ist noch immer unklar!