March 12

10. Woche Werft

Gerade eben lag ich noch mitten in den schönsten Träumen. Alles war so entspannt, wäre da nicht das zzzzzzzhhhckkkk oder pipipipipi. In einer unglaublichen Frühe wird in der Industriezone schon aktiv gearbeitet. Ohrenstöpsel sind genial. Ich rede zu laut, weil ich in der Werft eigentlich immer Ohrstöpsel trage. Nur Thomis Schnarchen dringt locker durch die Dinger. Die nächtliche Lämbelästigung macht er mit einem Kaffee an die Koje wieder gut. Thomas, hast du Internet? Ja, aber sehr langsam.  Guten Morgen! Kaffee und Mails lesen und schreiben, mit Freunden und Familie chatten…. das könnte ich morgens Stunden geniessen. Doch hinter dem Moskitonetz der 8-er Kajüte, erwartet mich pures Chaos. Wer hat schon einmal ein Haus umgebaut und zur selben Zeit darin gewohnt? Überall Staub und vom vielen Regen auch noch Dreck.

Ich mag mich noch ganz genau erinnern als Mischa  mir in den Kap Verden erzählt hat, wie er, als er seine Stahlyacht gekauft hat, sie total ausgehölt hat um den Rumpf von innen zu konservieren. Ich war geschockt. Eine gewisse Naivität, dass uns diese Arbeit bei einer annähernd 30 jährigen Stahlyacht erspart bleibt, muss schon mitgespielt haben…

Ja und das tun wir jetzt: Den Rumpf von aussen und von innen renovieren. Es wurde höchste Zeit! Diese Saison wird  das Erkunden von Neuseeland nicht mehr möglich sein. Doch auch die kleineren Ausflüge in der Umgebung von Whangarei mit unseren Velos machen Spass. Das stationäre Leben in der Werft finden wir auch ganz nett. Lucie, Miri, Jordibölle und Christian sind nicht mehr da. Wir vermissen die Adams Family! So ist alles im Wandel. Oft machen mich diese Wechsel traurig. Das Abschiednehmen von liebgewonnenen Personen fällt mir schwer. Oft bestehen die Freundschaften jedoch auf elektronischem Weg weiter. Mit etwas Glück schaffen wir es, einander auch wieder zu treffen. Oft beleiben jedoch nur die schönen Erinnerungen. So ist eben das Langfahrten-Segler-Leben! Sich auf neue Kontakte einlassen und Abschied nehmen gehören zum Alltag. 

Nun aber erst mal was an der Robusta in den letzten Wochen gearbeitet wurde:

Um den Rumpf von innen zu konservieren, müssen die Möbel ausgebaut werden. Das geht alles nicht so einfach. Alles ist extrem fest eingebaut. Hundertfach verschraubt und zusätzlich auch noch verleimt damit bei Seegang nichts in Bewegung gerät oder quietscht. Die Schrauben sind teilweise verhockt oder die Köpfe brechen ab. So gehen die Elemente beim Ausbau oft kaputt und da bin ich dann besonders gefordert. Damit es möglich ist alles wieder zusammenzusetzen, fotografiere ich jedes Stück beim Ausbau und nummeriere es. Ich arbeite gerne mit Holz. Flicke zerbrochenes Holz wieder zusammen oder erneuere es. Thomas ist da eher der Mann für’s Grobe.

Hier sein Lieblingswerkzeug der “Needlegun” (Nadelpistole)

Jetzt wo mal alles offen gelegt ist, organisiert Thomas das Kabelchaos. Meine Bewunderung! Das sah ja krasser aus als hätten Katzen mit Wolle gespielt.

Letzte Woche konnte die 8er Kajüte eingeweiht werden! So sind wir von der Vorkabine ausgezogen und schlafen jetzt vorübergehend in der schön renovierten Kajüte. Die Vorkabine ist ausgebaut und der Stahl neu gestrichen. Unter dem einen Bullauge muss auch noch geschweisst werden. Immer wieder vergessen wir dieses Fenster zu schliessen und so arbeitet sich das Salzwasser bei Seegang unter den Holzrahmen vor und treibt sein übles Werk.

Speziell hat uns gefreut, die Crew der Kalibu wieder zu treffen!

So und heute ist eine Zwangspause angesagt. Zyklon Hola ist im Anmarsch und wir verbringen eine Unruhige Nacht. Genau jetzt ist der Kajütendeckel in Renovation und die Farbe sollte trocknen. Natürlich hat es in meine Koje geregnet!