December 25

Whangarei – Norsand Boatyard – Weihnachten

Wer denkt Segeln bedeutet immer eine Tolle Zeit zu haben, bei schönem Wetter über blaue endlose Ozeane zu gleiten, im Meer planschen,  in fremde Kulturen einzutauchen, nette Leute kennen  lernen, die Natur  geniessen, immer relaxt zu sein, liegt komplett zu hundert Prozent falsch! Die Realität sieht da etwas anders aus. Seit dem 18. Dezember steht die Robusta wieder einmal für diverse Reparaturen an Land . Die Tu-was-Liste ist unglaublich lang.

Nach der Weihnachtsfeier, die wir ausgiebig in der Werft feierten, sind wir wieder getröstet. Wir dachten wir sind die einzigen Segler die so enorm viele Reparaturen zu bewältigen haben. Am zweiten Weihnachtsfeiertag hatten wir die Ehre Segler kennen zu lernen, die schon vor der Inovation von GPS auf den Weltmeeren unterwegs waren. Die meisten von ihnen sind ebenfalls mit Stahlkisten unterwegs. Sie haben riesige Erfahrungen mit Reparaturen und waren schon unzählige Male mit irgendwelchen skurrilen Problemen konfrontiert. Ich würde sagen, das sind die wahren Improvisationskünstler unter den Seglern. Diese erfahrenen Menschen haben uns schon sehr viele wertvolle Ratschläge gegeben.

Die Robusta ist in ihrem Leben von fast 30 Jahren, nur schon in den letzten 3 1/2 Jahren, weit mehr als die Strecke vom Erdumfang am Äquator gesegelt. (Erdumfang = 40075  Kilometer oder 21000 Seemeilen.) Das hat logischerweise auch grossen Verschleiss zur Folge. 

Doch jetzt ist für heute erst mal Arbeitspause angesagt. 

Unseren Familien und Freunden wünschen wir eine schöne Weihnachtszeit. 

Wir vermissen euch alle so sehr! Auch wenn wir auf der anderen Seite der Welt sind, bitte vergesst uns nicht!

December 4

Whangarei

Kommen sie nun endlich? Wir würden gerne an Land! Die ersten Eindrücke von Neuseeland erfahren, Landluft schnuppern. An jedem neuen Ort riecht es immer wieder speziell. Die Nase ist nach einer Seepassage immer speziell aufnahmefähig. Die Neugier auf die neuen Gegebenheiten ist riesig. 

Die vergitterte Stahltüre öffnet sich und ein Beamter vom „Custom“  (Zoll)  nähert sich der Robusta. Er sieht nicht all zu böse aus, er war sogar echt freundlich. Die Prozedur geht einfach und schnell. Robusta darf zwei Jahre zollfrei in Neuseeland bleiben. Wir dürfen nur drei Monate in Neuseeland bleiben, jedoch mit der Möglichkeit das Visum um weitere drei Monate zu verlängern. Nun schreitet auch schon der Mann von der „Biosecurity“ mit einer Rolle extra large Mülltüten unter den Arm geklemmt daher. Mit in diesen Tagen modernem buschig langen Bart, sieht er etwas grimmig aus.

Um es kurz zu machen, etwa 10 Kilo Fressalien landeten in einem seiner Müllsäcke!

So genau wurden wir in den letzten 19 Länder niemals kontrolliert. Artenschutz ist ein Grund für die scharfe Kontrolle. Sämtliche Lebensmittel und alles was mit Erde Kontakt hatte, muss vorgeführt werden. Die Schuhe zum Beispiel: Mit den Flipflops gab er sich nicht zufrieden. Der schlaue Kerl wusste genau, dass Wanderschuhe mitreisen. Die sind aber irgendwo unter der Koje tief unten vergraben. Die habe ich aber tatsächlich von allem Dreck und den blöden Selbstklebesamen befreit. Ich muss sie nicht ausgraben. Er glaubt mir. Als Alternative führe ich ihm den Staubsauger vor.

Link Einreisebestimmungen im Detail

Die ganze Prozedur dauerte geschlagene zwei Stunden.

So und nun kann`s losgehen. Bei Niedrigwasser, unter Motor den Fluss hoch, bis ins Zentrum von Whangarei. Da ist aber eine Moderne Klappbrücke im Weg. Doch sie öffnet sich nicht! Keiner antwortet von der Bridge Control! In letzter Sekunde schaffen wir es mit vollem Schub rückwärts gegen die Strömung die uns direkt auf die Brücke zuschiebt, an den Wartesteg anzulegen. Unsere Freundin Angela kommt gerade zufällig mit dem Paddleboard zur Hilfe geeilt. Perfektes Timing! Die Bridge Control ist auf Kanal 18 statt 64 zu erreichen. Kein Wunder antwortet da niemand. Die Brücke werde gerade gewartet – wir müssen sechs Stunden warten.

Am Abend liegt die Robusta am Gästesteg in der Town Basin Marina im Zentrum von Whangarei. Grosses Hallo. Viele Bekannte sind da. Das Wiedersehen wird mit einem Grillabend gefeiert.

Im überdimensional grossem Supermarkt Pack and Save wird sofort Bier und Fleisch eingekauft. Der Kulturschock trifft wie ein Faustschlag. Alles ist riesig, die Autos, der Lärm. Diese übersteigerte Betriebsamkeit macht mich ganz nervös! Die Läden sind vollgestopft mit lauter Dingen die eigentlich niemand braucht. Die Menschen sind weiss und oft auch schwabbelig wie Mozzarella. Doch eigentlich ist hier alles so schön sauber, nette Parkanlagen, Skulpturen und Kunstwerke zieren die Uferpromenade. Liebevoll angelegte Blumenbeete überall. Trotzdem sind wir traurig. Traurig denke ich an die liebenswürdigen freundlichen Fijipeople – ich vermisse ihr Lächeln und den so hübsch klingenden Gruss, Bula

„Mode Fiji“ – Ciao Fiji

 

December 3

Überfahrt von Fiji nach Neuseeland

Der Zahn ist noch drin. Jedoch mit einem schrillen Bohrer bis fast in die linke Hirnhälfte ausgefräst. Der Wurzelkanal wurde mit einem Medikament behandelt und wieder provisorisch verschlossen. Das halbe Gesicht hängt schief. Der Sabber läuft raus. Kein schöner Anblick. Nachts leidet Thomas unter Schmerzen. In dreieinhalb Wochen steht eine weitere Behandlung an.

Noch so lange warten bis die Reise nach Neuseeland angetreten werden kann? Das würde bedeuten, dass wir Weihnachten alleine auf See feiern würden. Es ist schon genug schlimm diese Zeit ohne meinen Sohn Sascha und der Familie und Freunden zu verbringen.

Vor zwei Tagen sind drei Yachten losgesegelt. Das Wetterfenster wäre für eine Überfahrt perfekt gewesen. Durchgehend Wind aus Ost. Das Hoch hat sich seit vorgestern keinen Millimeter verschoben.

Die Entscheidung fällt nicht ganz leicht, denn zwei Tage sind nun schon verstrichen. Das Wetter wird sich früher oder später verschlechtern. Wer nach Neuseeland runter fährt, muss mit mindestens 5 Knoten unterwegs sein um von Petrus keines auf die Mütze zu bekommen.

Eine Stunde später steht Thomas in Lautoka beim Ausklarieren. Ich mache derweil Klarschiff. Was für ein Stress. Das ist mir jetzt alles ein bisschen gar zu spontan. Was wenn der Zahn sich nicht beruhigt? Die Überfahrt wird etwa 10 Tage dauern. Eine lange Zeit um Zahnschmerzen auszuhalten.

Diesel und Wasser müssen noch gefüllt werden. In der Vuda Point Marina ist der optimale Ort um dies zu erledigen und das Dinghi muss auch noch gründlich von Bewuchs befreit werden. Eigentlich muss Fiji nach dem Ausklarieren sofort auf direktem Weg verlassen werden. Die Strafen sind horrend. Die Zahnbehandlung wäre die perfekte Ausrede!

Am nächsten Mittag geht es los. Die ersten Meilen mit Motorunterstützung. Ich sitze im Schatten vom Grosssegel um mich von der feucht tropischen Hitze der Marina abzukühlen und verbrate mir dabei den Rücken. Unerklärlich wie sowas möglich ist!

Kurz vor dem Pass, der Ausfahrt aus dem Riff, wehen heftige Fallböen von den Bergen. Das Grosssegel ist bereits im ersten Reff. Wir Anfänger hätten gemütlich in der Marina den grossen Klüver gegen den kleinen auswechseln können.

Eine halbe Stunde später legt sich die fette Robusta auf Amwindkurs dermassen auf die Backe, dass das Cockpit mit Wasser voll läuft. Noch mehr Reffen! 20 Knoten war doch die Ansage! Jetzt sind es 30. Das Bullauge im Bad ist auch nicht mehr dicht. Der Klogang erfolgt in Kombination einer erfrischenden Dusche. Aus einer Baumwollschnur drehe ich eine etwa zwei Millimeter dicke Kordel. Thomas muss raus und drückt eine Isomatte gegen das Fenster. Nun öffne ich es von innen, pople die Gummidichtung in Rekordzeit raus und lege die Kordel unter den Gummi ein.

Perfekt, alles wieder voll dicht – Thomas total nass! Der Zahn wurde auch nicht weggeschwemmt.

Kochen ist die ersten drei Tage unmöglich. Vor der Abreise hatte ich noch einen etwas überdimensional geratenen Zopf gebacken und einen grossen Linseneintopf zubereitet, da diese ja nicht nach Neuseeland eingeführt werden dürfen. Eigentlich wären wir gerne am liegen. Doch Thomas entdeckt Wasser in der Bilge! Viel Wasser. Wo kommt das her? Da war noch nie Wasser!!! Es ist rabenschwarz!? Wie denn das? Es ist Diesel der den Bitumen, mit der die Bilge ausgegossen ist, auflöst. Die Brühe schwappt wild umher. Das Klopapier ist da unten gelagert. Der Stressfaktor steigt nun in den roten Bereich. Erst wird das Leck gesucht, dann der Diesel in Kanister gepumpt. Dafür muss auch noch ein Trinkwasserbehälter herhalten. Vor der Abreise hat Thomas ein neues Spielzeug montiert. Eine neue Tankanzeige die dann leckte. Bei der alten war voll leer und leer voll. War doch eigentlich gar kein Problem.

Schlafen ist auch unmöglich. Die Schiffsbewegungen sind hart. Die See kracht über die ganze Robusta. Wasser findet den Weg bis zum Kartentisch und überschwemmt die Computertastatur. Die Maus ist auch sofort tot. Immer wieder regnet es heftig. Der Gang auf’s Klo wird möglichst lange rausgeschoben. Mit Pimmel sieht das alles viel einfacher aus. Dank Robustas Deckshaus ist das Oelzeug noch nicht zum Einsatz gekommen. Nachts wird es jedoch merklich kühler und zum schlafen brauchen wir nun wiedermal eine Kuscheldecke.

Krisensitzung bei einer Dose Bier:

Meine Nerven liegen echt blank. Seekrank sind wir zum Glück wie immer beide nicht. Thomas hat das Segeln auch schon mehr genossen. Der Kurs kann nicht gehalten werden. Dreht der Wind einen Zacken mehr nach Süd, segeln wir an Neuseeland vorbei. Zwei Optionen stehen offen: Wenden und versuchen nach Fiji zurück zu gelangen ohne daran vorbei zu segeln, oder die gemütlichere Variante, nach Neukaledonien ablaufen.

Nach dem Bier sind wir beide wieder etwas lockerer; Beissen auf die Zähne und ziehen es durch, mit dem Risiko kurz vor Neuseeland noch auf ein Tief zu stossen.

Angela und Reto, die uns mit der Grosswetterlage beratend zur Seite stehen, melden, dass sich ein Tief nur sehr langsam auf Neuseeland zubewegt. Die Prognosen versprechen, der Wind werde in ein paar Tagen auf Nord drehen. Da könnten wir einen gemütlicheren Kurs einschlagen und etwas abfallen. Doch wir bleiben auf Kurs. Wie sich später herausstellt war diese Entscheidung super, denn der Winddreher blieb aus! 

Das ist doch eine Ansage die uns freut! Ab dem fünften Tag wird es etwas gemütlicher. Sind nun auch wieder auf der direkten Kurslinie. Der Wind und somit auch die See, haben sich etwas gelegt. Segeln aber noch immer möglichst hart am Wind. Die nächsten vier Tage läuft die Robusta wie von selbst. Müssen weder an den Segel noch an der Windsteueranlage etwas fummeln. Kochen ist auf diesem Kurs nach wie vor reinste Akrobatik, aber immerhin möglich. Eigentlich werden beide Hände zum festhalten gebraucht. Das Gemüse rollt vom Küchenbrett. Nur im gut verschlossenem Dampfkochtopf bleibt das Essen auf sicher drin.

Nach neun Tagen gleitet die Robusta mit 1150 Seemeilen mehr unter dem Kiel, genau bei Ebbe gemächlich in die Flussmündung vom Whangarei.  Beim Segel bergen, stellen wir fest, dass die Halterung des Kutterstg am Mast gebrochen ist.

Die Küstenwache konnte per VHF Funk nicht erreicht werden. Erst kurz vor dem Port of Entry meldet sich jemand. Das Neuseeland Englisch ist kaum zu verstehen! Auf welchen Kanal wechseln kapieren wir beide nicht. Auch nach dem zehnten mal noch nicht. Der Mann repetiert immer ganz genau gleich doof. Egal, wir haben uns wie vorgeschrieben angemeldet. Hoffen er hat sich den Schiffsnamen gemerkt und leitet den Zollbehörden weiter, dass wir einklarieren wollen. Es ist bereits Abend, denken die werden erst morgen kommen um die Robusta durchzuwühlen!

Erst mal kräftig in Ruhe ohne Seegang ausschlafen. 

Angela und Reto, grossen Dank für die aufheiternden Mails und die täglichen Wetterinfos! Freuen uns euch bald wieder zu sehen!