October 16

Gerüchteküche

So nun heisst es wieder mal von Freunden Abschied nehmen. Das stimmt mich immer sehr traurig. Franziska und Pesche wünschen wir alles Gute für den Neustart in der Schweiz! Grossen Dank nochmals für alles was ihr uns vermacht habt!! Vlad und Nicole sind nach Australien gesegelt. Aline ist in Fiji hängen geblieben. Der lustige Etienne segelt irgendwie gegen den Wind nach Tahiti…… Ob wir sie alle jemals wieder sehen? Vermissen euch schon jetzt! Jedenfalls denke ich in alle Ewigkeit an all die intensiven Erlebnisse! Dank Internet ist ein weiterer Kontakt nicht unmöglich.

Fiji ist eben wieder mal so ein Ort wo sich die Routen der Segler teilen. Für die einen endet hier das Abenteuer und sie verkaufen ihre Yacht. Andere segeln vor der Zyklonsaison nach Neuseeland oder Australien. Wenige weichen in den Norden aus und da sind sogar einige Verrückte die in Fiji bleiben! Sie stellen ihre Yacht in der Vuda Point Marina an Land, in ausgebuddelte Löcher, oder lassen sie im runden Hafenbecken liegen. Nähert sich ein Zyklon, werden zusätzlich alle Anker in der Mitte des Beckens an einer zentralen Boje fixiert.

In einem Fluss, in den Mangroven bei den Moskitos wäre eine weitere Möglichkeit einen Zyklon mehr oder weniger heil zu überstehen. So tun es die Leute mit ihren Fischkuttern.
Das grösste Problem bei einem Zyklon sind die Gegenstände die durch die Gegend fliegen, die Sturmflut und die Wellen.

Die Robusta wird für die Zyklonsaison nach Neuseeland gesegelt.

Die heiss aufgebrühten Gerüchte der Segler über die ganzen Stürme auf der Strecke nach Neuseeland und die so problematische Einreise treiben uns auf die Palme.
„Das Unterwasser müsse Blitz blank glänzen, keine Muschel oder kein Kraut darf am Rumpf kleben. Die Behörden können einem zwingen direkt in eine Werft zur Unterwasserreinigung zu gehen. Dann werde es aber sehr teuer!“ Blablabla….
Da wir die Robusta ja eh in Neuseeland warten wollen, möchten wir sie hier nicht aus dem Wasser heben nur um das Unterwasser zu reinigen. Die Gebühren für den Kran sind immer sehr kostspielig. Bei dieser drückenden Hitze zu arbeiten, ist doch nicht auszuhalten. So versucht Thomas mit Schnorchel und Taucherbrille den Rumpf selber zu schrubben. Doch das ist bei einem Langkieler mit 1.80 Meter Tiefgang ein Akt der Unmöglichkeit. So suchen wir erfolglos einen Ort zum Trockenfallen. Überall ist der Grund mit Korallenblöcken versetzt.

 

Auch die Regelungen zur Einfuhr von Lebensmittel lässt einem schwindlig werden. Den Vortrag vom Biosecurity Beamten aus Neuseeland haben wir verpasst. Der Mann ist aber noch da und ist bereit uns zu beraten. Wir wollen nicht nur sparen, uns liegt auch viel dran die Umwelt sauber zu halten.

Alles nur halb so wild.

Das neue scharfe Gesetzt betreffend Unterwasser tritt erst ab 1. Mai 2018 in Kraft. Wie das dann durchgesetzt werden soll ist mir ein Rätsel.

Jedenfalls sind in den Marinas in Tonga und Fiji Mappen mit all den Informationen (andere Quelle) kostenlos erhältlich.

 

Kriech- und Flatterviecher mögen sie auch nicht. So räume ich alle Schränke aus, kontrolliere die Lebensmittel nach Ungeziefer. Sortiere sie nach Risikogruppe in einem Schapp. Bis zur Einreise in Neuseeland müssen X Kilo Linsen, Bohnen, Mais Reis und Gerste aufgefuttert werden! Der eine Satz der Zollbestimmungen verpasst mir einen weiteren Schweissausbruch. „Nur Lebensmittel in Originalpackungen dürfen eingeführt werden“. Präventiv habe ich alles in PET-Flaschen umgefüllt! A: damit nichts feucht wird, B: falls irgendwo Käfer drin sind und diese sich nicht ausbreiten können.

Zudem putze die ganze Robusta super gründlich. Dabei dringe ich bis in die Bilge vor. Sämtliche Schuhe werden vom Strassendreck befreit. Zwischen den Winterkleider finde ich sogar noch 8 Liter Cachaca aus Brasilien! Das ist im ersten Moment wenigstens ein angenehmer Trost. Doch nur zwei Liter Schnaps pro Person sind erlaubt.

So nun wäre die Robusta halbwegs reisebereit. Die Zeit vor der Überfahrt, wollen wir im berühmten Yachtclub Musket Cove  verbringen. Doch dort bekommen wir einen Schock. An die 25 Yachten liegen in der Bucht. Club- und Hotelanlage sind echt hübsch. Mit Swimmingpool, Restaurant, Bar, Grillmöglichkeiten und Supermarkt. Die Preise sind schon fast mehr als Unverschämt. Das ist nicht Fiji. Diese künstliche Welt mögen wir nicht. Jedoch geniessen wir es, wieder alte Bekannte und neue Leute zu treffen.

 

October 4

BULA

Hier noch letzte Eindrücke von der Stadt bevor wir die kleinen abgelegenen Dörfer besuchen:

In Fidji ist alles noch mal etwas spezieller als bis anhin. Da sind drei verschiedene Möglichkeiten mit der Yacht irgendwo zu ankern. Entweder  findest du eine unbewohnte einsame Bucht, oder du ankerst bei einer Ferienanlage, oder in der Nähe eines Dorfes. Im letzteren Fall ist es Pflicht als erstes dem dem Chief of the Village, dem Dorfältesten, einen Besuch abzustatten um um Erlaubnis für dein Vorhaben zu bitten.  Und wage es nicht ohne ein halbes Kilo Kava, als Mitbringsel aufzukreuzen! Kava ist ein Pfeffergewächs aus deren Wurzel ein Zeremonialgetränk zubereitet wird. Kava kann auch in Pulverform gekauft werden. Das mögen sie in den Dörfern nicht.

Das erste kleine Dorf haben wir gemeinsam mit Pesche und Franziska von der Segelyacht Pandora besucht. Es ist schon spät als der Anker in der von Mangroven überwucherten Bucht fällt. Ein kleines Fischerboot, mit zwei Männer und zwei kleinen Kindern besetzt, kommt zur Robusta. Wir werden angefragt, ob wir ins Dorf kommen wollen. Heute nicht mehr, aber morgen gerne! Der eine Mann will doch tatsächlich den Crusing permit sehen (Amtliche Fahrtenbewilligung für Fiji). Hätte ich nie erwartet! Da er natürlich keinen Schreiber und auch keinen Fotokopierer auf seinem Fischerboot dabei hat, notiere ich ihm den Bootsnamen und die Nummer der Fahrtenbewilligung auf einen Fresszettel. Nun tuckern sie zufrieden davon.

Am nächsten Tag paddeln wir zu viert mit dem Dinghi durch das flache Wasser bis zum Dorf. Alle sind wir fast erwartungsgemäss gekleidet. Wir Frauen mit bedeckten Schultern, geschlossenem Dekoltee und Hosen bis über die Knie reichend, die Männer mit T-Shirt und langer Hose. Hut und Sonnenbrille tragen sind in einem Dorf Tabu! Egal wie intensiv die Sonne gerade auf die Birne brennt. Am Strand, im Schatten einer Palme, hockt ein junger Mann der uns gleich erklärt, wo wir den Chief finden. Der fein säuberlich angelegt Weg führt steil an kleinen, bunten Holzhütten mit Wellblechdächer, die auf Stelzen an den Hang gebaut sind vorbei. Nun dringt die so fröhlich klingende Begrüssung „Bula“ aus jeder Hütte die wir passieren! Dieses wohlwollende Wort verzaubert mich jedes mal!

Vor Chief’s Hütte angelangt, die nicht grösser als 20 Quadratmeter ist, legen wir die Schuhe ab. Seine Frau stellt sich mit einem Namen vor, den ich sofort wieder vergesse. Immerhin kann ich mir den Namen ihres Mannes merken! Nun sitzen wir vier Schweizer in Fiji auf einer geflochtenen Matte auf dem Boden, vor dem wichtigsten Mann des Dorfes. Ich bin schon ein wenig nervös. Zu den Benimmregeln gehört nun, dass die Männer im Schneidersitz mit bedeckten Knien am Boden vor dem Chief hocken und wir Frauen mit geschlossenen Beinen, diese auf eine Seite gefaltet. Nichts darf auf dem Kopf sein. Sehbrillen glaub schon, aber keine Sonnenbrillen. Nun überreichen wir die Geschenke. Pro Yacht einen Bündel Kava der immerhin etwa 15 US Dollar kostet, erscheint uns angemessen. So tun es die anderen Yachties auch. Die Übergabe soll auf den Knien erfolgen. Nun klatscht der Chief drei mal in die Hände, was bedeutet, er will reden und alle müssen still sein. Nun rezitiert er eine Art monotones Gebet und fuchtelt mit den Händen über dem Kava, bedankt sich und klatscht schliesslich wieder drei mal in die Hände. Dies ist nun das Zeichen um uns vorzustellen, über die Reise zu berichten und warum wir hierher gekommen sind. Nun holt der Chief eine grosse bunte mit allerlei Tieren verzierte Weltkarte und breitet diese auf dem Boden vor uns aus. Ihn und vor allem die Kinderschar die sich in der Zwischenzeit in der Stube versammelt hat, wollen sehen wo wir hergekommen sind. Alle Kinder sprechen schon super gut Englisch, das sie bereits in der ersten Klasse lernen.

Das Kava trinken  bleibt uns erspart. Schade! Wir sind nun etwas enttäuscht. Immerhin sind wir nun willkommen und dürfen uns im Dorf frei bewegen. Lag es daran dass wir Frauen in Hosen aufkreuzten? Später erfahre ich in einem Dokumentarfilm, dass normalerweise jeder Gast ein Bündel Kava mitbringt. Die Frauen sollten in einem Dorf statt Hosen ein Tuch das bis über die Knie reicht um die Hüften tragen.

Doch ganz so frei bewegen geht auch wieder nicht. Eine Eskorte von Kinder begleitet uns! Eines von ihnen trägt meinen Hut, eines meine Tasche und ein weiteres hält meine Sonnenbrille ganz vorsichtig in seinen Händen.

Da liegt mitten im Dorf ein Gebäude völlig platt am Boden. Das war die Schule, erzählen die Kinder. Die wurde im Februar 2016 von Winston, dem stärksten Zyklon aller Zeiten, mit samt den anderen 25 Häusern des Dorfes zerstört. Nur die Kirche und das Gemeinschaftshaus haben den Zyklon mehr oder weniger unbeschädigt überlebt. Die kleine Vitiana und Nasil führen uns an den Ort wo alle 90 Dorfbewohner über Stunden gemeinsam ausgeharrt haben. Der Lärm den Winston mit seiner tobenden Kraft verursacht hat, muss immens gewesen sein. Viele hätten geweint und gebetet.

Schlimm hätte es danach ausgesehen. Alles war an einem anderen Ort. Alles war nass. Auch die Lebensmittel die nicht rechtzeitig in einen Plastikcontainer gerettet werden konnten. Alles und auch die Gemüsegärten waren zerstört berichtet Sahira mit erstickter Stimme.

Die Neuseeländische Regierung hat schnell reagiert. Innert drei Tagen seien Lebensmittel und Baumaterial ins Dorf gebracht worden. Ganz Fiji wurde in Mitleidenschaft gezogen. Winston zog mit Windstärken von bis zu 325 Stundenkilometer über das Südseeparadies.

Hast du schon mal versucht den Kopf bei 150 Km/h aus dem fahrenden Auto zu halten? Alles unvorstellbar!

Am nächsten Tag segeln wir bei angenehmsten Passatwinden  zu der Yassava Group weiter. Eine Inselkette ganz im Westen Fijis.