July 29

Raiatea

Keine zwanzig Meilen ist die Insel Raiatea entfernt. Mi Corazon ist bereits am vereinbarten Ankerplatz eingetroffen. Der sei Mist. Auch von der Bucht südlich der Stadt Uturoa wird er verjagt. Privé. Seit wann ist das Meer privat?? Also wieder Planänderung. In einer Stunde wird es dunkel. Am Quai in der Stadt wollen wir nicht anlegen. Bei viel Wind kommen wir da nicht mehr weg. Schliesslich schnappen wir uns zwei Bojen, weit ausserhalb der Stadt. Auch privé, Yachtcharter. Egal. Ich mag gar nicht so viel über diese Insel schreiben. Es wird nicht besser. Schlecht gelaunt verlassen wir früh morgens die privaten Bojen. Erneut werden wir von irgendwem angebellt. Nun reicht es. Hier müssen schon zu viele Segler vor uns gewesen sein, die nicht wussten wie sich zu benehmen. Nichts wie weg hier. Doch einige Kleinigkeiten wollen wir noch auf dem Markt besorgen. Mit dem Dinghi rasen wir nun vom extrem weit entfernten Ankerplatz in die Stadt. Auf halber Strecke steigt beissender Qualm in unsere Nasen. Der Motor! Mit meiner Mütze schütte ich erst mal aus Reflex Salzwasser über den Schaft um diesen blitzartig zu kühlen. Ob das eine gute Idee war, wird sich noch herausstellen. Der Ganghebel ist blockiert. Neeeeeiiiin und wir doofen haben die Paddel nicht mitgenommen. Was nun? Paddeln mit den Flip Flops? Schwimmen? Die Strömung und der Wind sind perfekt. Es treibt uns genau optimal zum Steg.

Eine Stunde später springt der Suzuki wieder an und läuft tip top, wie wenn nichts gewesen wäre. Und siehe da, aus dem Kontrollstrahlloch der Wasserkühlung, sprudelt das erste Mal anständig Wasser. Seit Jahren hat sich ein kleines Steinchen, das sich weiss der Geier wie ins System verirrt hat, nun endlich befreit und somit kurz die Kühlung blockiert.

Nun aber nichts wie weg von hier!

July 20

Huahuine

Wau was für ein Wunder! In diesem kleinen Kaff gibt es eine Bar! Mit Billardtisch, gemütlich eingerichtet, traditionelle live Musik trötet durch die Bude. Hier treffen sich Einheimische und Segler. Huahine ist uns gleich sympathisch. Die Dorfjugend ruft „hello welcome to Huahine!“ Autostop klappt hier bestens. Niemand kümmert sich um das Verbot, Leute auf der Ladefläche mitfahren zu lassen.

Wenn ich Touristen beobachte, die durch die Strassen schlendern und die Leute nicht grüssen, ärgert mich das. Verdammt nochmal, ihr seit hier auf Besuch und ich finde einfach eine Begrüssung ist angebracht. Jeder kann doch ein paar Brocken einer Fremdsprache in der Birne abspeichern. Vokabular ist in jedem Reiseführer zu finden. Dazu brauchst du nicht einmal Internet.

Am Wochenende ist das Finale der Tanzveranstaltung Heiva, das in ganz Polynesien im Juli gefeiert wird. Die Bevölkerung hat sich während Monaten Vorbereitungszeit irre Mühe gegeben, die Halle und etliche kleine Esslokale und Spassbuden für Kinder, liebevoll zu gestalten und nett einzurichten. Überall riecht es betörend nach Blumen und köstlichem Essen. Frauen und Männer tragen bunte Blumenkränze.

Eigentlich wollten wir gemeinsam mit unseren Freunden Hans Peter und Susanne aus der Schweiz hier sein. Doch eine gröbere Reparatur am Ruder der Mi Corazon nach einer Grundberührung, verzögert die Zusammenkunft. Hans Peter, den wir schon in Buenos Aires kennengelernt haben, hat seinen Katamaran selber gebaut. Also weiss er auch wie er das Ruder selber reparieren kann.

 

Andere hatten da weniger Glück. Die Nachricht verbreitet sich orkanmässig. Südlich von Huahine ist ein Katamaran auf’s Riff geknallt. Sechs Personen wurden mit dem Helikopter von der Armee abgeborgen.

Der Anblick des Katamaran ist für uns alle ein Schock. Immer wieder greifen wir zum Fernglas und bestaunen das Wrack und die wild tobenden, mehrere Meter hohen brechenden Wellen dahinter. Die Solidarität der Segler ist gewaltig. Jeder der da ist hilft irgendwie nur möglich. Auch die halsbrecherische Aktion der Leute, die den Notruf gehört hatten und in pitsch schwarzer Nacht mit den Dinghis, durch die von scharfen Korallenköpfen gespickte Lagune, versuchten zum Katamaran zu gelangen, war echt bemerkenswert.

Der Familie, mit ihren vier jugendlichen Kindern, wurde die Kaskoversicherung wegen mangelnder Erfahrung für dieses Seegebiet verweigert. Der Katamaran kann nicht mehr gerettet werden. Er wird versenkt. Es ist bereits die vierte Yacht, die dieses Jahr an der selben Stelle am Riff kleben geblieben ist.

Der Kat wird ausgeschlachtet und alles wird in der Bucht verkauft – bis auf 20 Kilo Gewicht, das pro Person erlaubt ist, in ein Flugzeug zu packen. Wir kaufen den ganzen Proviant und die Fischerausrüstung. Den Preis lassen wir sie bestimmen. Handeln wollen wir nicht. Das könnte ihre Gefühle verletzen.

Beim Schreiben dieser Zeilen füllen sich meine Augen mit Tränen. Alles unvorstellbar. Der Vorfall gibt immer wieder Anlass zu Diskussionen. Auch wir navigieren unter anderem mit Navionics. Im Sonarchart-Modus hätten wir an dieser Stelle auch kein Riff erkannt! Ein anderer Freund hat in dieser Gegend seine Yacht versenkt, weil er die Karte nicht genügend ausgezoomt hatte! Wir ziehen hoffentlich alle unsere Lehren aus diesem Vorfall!

Der betroffenen Familie wünschen wir viel Kraft und dass sie bald ein neues Zuhause finden.

Das wichtigste ist – ihr habt alle überlebt!

Recycling von einem anderen Katamaran