April 27

Wo bleibt der Wind?

 

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Bei der ITCZ (Intertropische Konvergenz Zone) handelt es sich um ein Gebiet zwischen den nördlichen und den südlichen Passatwinden. Das Wetter ist dort unbeständig. Kurze teilweise heftige Gewitter mit Windböen entwickeln sich in der normalerweise nördlich des Äquators ligenden ITCZ.
Doch dieses Jahr ist alles anders. Laut verschiedenen Quellen haben wir ein La Niña Jahr, das meistens auf auf ein El Niño Jahr folgt. Auch La Niña verändert das Wetter: Die ITCZ befindet sich nun über den Marquesas, südlich des Äquators. Laut Aussagen der lokalen Bevölkerung ist diese Situation sehr ungewöhnlich. Es regnet täglich, zum Teil stark und anhaltend, mit Blitz und Donner. Die Flüsse schieben Geröll und Sedimente und hunderte Kokosnüsse und ganze Palmen in die Buchten, die danach braun gefärbt sind. Soviel zum schönen türkis Meer im Südseeparadies! Und wenn es nicht regnet, ist es heiss und schwül. Die Natur hingegen liebt dieses Wetter. Alles wuchert üppig grün. Jedoch vieles kultiviertes Gemüse ist im Schlamm ersoffen. Normalerweise beginnt die Regenzeit erst ende Mai.

Eine weitere Auswirkung sei eine verlängerte Zyklonsaison in der Südsee. Noch bis Ende April ist weiter westlich von uns mit Zyklonen oder tropischen Stürmen (Depressionen) zu rechnen. Uns raten gebietserfahrene Segler, bis ende April hier in den Marquesas zu bleiben und erst danach weiter in die Tuamotus weiter zu ziehen. Die aktuellen Wetterprognosen für dieses Gebiet sind nicht gerade angenehm: viel Wind aus Ost, mit sehr viel Niederschlag. Da bleiben wir doch noch ein bisschen hier, auch wenn wir mit diesem Klima kämpfen.

Thomas

April 25

Ua Pou

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Wo sind nun die 15 Knoten Wind??? Die Segel schlagen. Auf halbem Weg zu der Insel Ua Pou schaukelt die Robusta unkoordiniert in den Wellen. In drei Stunden wird es dunkel! Also wird wohl oder übel der Motor gestartet. Hinter dem Breakwater liegen einige Yachten. Ob sie schwojen oder einen Heckanker verwenden, ist in der Dunkelheit nicht zu erkennen. Also fällt der Anker wohl oder eher übel im Schwell und wir verbringen eine unangenehme rollige Nacht.

Beim ersten Licht wird die Robusta hinter die Hafenmole gequetscht, wo sie nun mit Heckanker ruhig liegt.

Für die 490 Seemeilen lange Überfahrt zu den Tuamotus brauchen wir nur noch Früchte. In den Läden werden sie nicht verkauft. Die Lebensmittel in den Geschäften bestehen hauptsächlich aus Dosenfutter. Alles ist super teuer. Dinge mit den roten Etiketten für den Grundbedarf sind vom Staat subventioniert. Doch etwas erstaunt bin ich über die fettig triefenden Chips mit der roten Etikette. Die zwei Sorten Gemüse sind im Kühlschrank gelagert, was bedeutet, dass sie in der warmen Segelyacht sofort verderben.

Ua Pou muss zum Wandern toll sein. Na ja, das ist uns ja in den Marquesas bis jetzt total verleidet. Die Moskitos lauern schon wieder hinter jedem Gebüsch. Lange leichte Hosen und Hemd und vom Repellente wie eine Speckschwarte glänzend, schleppe ich mich gemeinsam mit der Crew der Mouss zu fünft bei einer Affenhitze morgens den Berg hoch. So lange wir in Bewegung sind, geben die Moskitos Ruhe. Doch wer will schon ohne Pause wandern? Mein innerer Schweinehund ist fast nicht zu bezwingen. Ich schwitze in meinen langen Klamotten.

Zurück im Dorf führt der Weg an hübschen und liebevoll angelegten Gärten vorbei. Wir schnuppern an so manchen Blumen und kommen so mit einer Frau ins Gespräch. Wenig später lädt sie uns alle in ihrem Garten ein. Als sie erfährt, dass unsere Reise zu den Tuamotus geht, wo es ja nur noch Kokosnüsse geben soll, eilt sie ins Haus, holt Säcke raus und beginnt diese mit ihren Kindern mit Pampelmusen, Bananen, Mangos, Kokosnüssen, Ingwer, Zitronen und Paprika zu füllen. Die ganze Ladung bringt ihr Mann später mit dem Auto zum Steg!

Francoise schenkt ihnen zum Dank einen Stapel ausgedruckter Fotos.

Im Garten der Kirche dürfen wir Granatäpfel und Mangos pflücken. Der Pfarrer war nicht anwesend, aber eine Nachbarin gab grünes Licht für die Aktion. Sie verkündete noch, um fünf beginne die Messe. Wie meinte sie das? Dann kommt der heilige Priester und wir müssen verschwunden sein? Oder war das eine Einladung zur Messe?

Mouss und Robusta stampfen unter Segel mit Motorunterstützung aus dem Hafen in den enormen Schwell. Irgend etwas klackert im Motor! Also wird er sofort abgestellt. Zwei Stunden später, auf der Westseite von Ua Pou, im Schwell vor Anker liegend, kontrolliert nun Thomas den Propeller. Shit, der ist locker! Was für ein Mist wenn dieser abgefallen wäre! Die Sicherheitsmutter hat sich gelöst. Kevin hilft ihm diese rund anderthalb Meter unter Wasser liegende Mutter wieder anzuziehen.

So und nun sind die Mouss und Robusta für die Regatta zu den Tuamotus zum Atoll Makemo bereit.

Wer wird das Rennen gewinnen?

April 20

Hakaui (Nukuhiva)

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Endlich scheint Wind aufzukommen! Für die nächsten fünf Tage 10 bis 15 Knoten aus Ost. Der Passat meldet sich zurück.

Morgens um sechs Uhr sollen die Segel gesetzt werden. Es wird dann aber doch sieben. In Hakaui wollen wir das gute Quellwasser tanken. In den Atollen der Tuamotus wird es nur noch Wasser aus Zysternen in begrenzter Menge geben. Regenwasser sammeln wird da wohl auch eher seltener möglich.

Über der wunderschönen Bucht von Hakaui liegt jedoch sprichwörtlich eine fette dunkle Wolke. Einerseits ist da der Paul über den eine Menge übler Stories kursieren. So haben wir uns mal präventiv bei der Gendarmerie über die rechtliche Lage erkundigt. Der von oben bis unten mit Tattoos geschmückte langhaarige Beamte verrührt die Hände! Ohje, ja wir stellen gerade ein fettes Dossier über meinen Cousin zusammen. Viele Segler haben sich beschwert. Demnächst werden wir Paul einen Besuch abstatten. Doch der Weg über die Berge ist beschwerlich und ein Boot haben wir nicht. Dann war da noch so ein Vorfall. Vor sechs Jahren wurde der Mann eines Deutschen Seglerpaares  während der Ziegenjagd aufgefressen. So in etwa lauteten damals die Schlagzeilen in den Deutschen Zeitungen.

Nein, der Paul frisst keine Touristen. Seine Aufgabe ist es für eine Kooperative umgerechnet acht Euro von jedem der an Land geht einzukassieren.

In der Bucht ankern zur Zeit zwei Yachten. Hohe spitze kegelförmige grün überwucherte Berge ragen aus dem Meer. Zwei Sandstrände, Palmen und ein gigantischer Wasserfall. Ein echtes Paradies, wären da nicht die Moskitos und Nonos!

Beim ersten Schuppen, links am Ufer des kleinen Flusslaufes, landen wir an und finden tatsächlich einen Schlauch aus dem frisches kaltes Quellwasser sprudelt. Paul scheint nicht da zu sein. Am Strand sitzt ein Fischer. Den fragen wir ob wir Wasser haben können. So füllen wir die sechs Kanister und die erste Ladung wird zur Robusta gebracht. Ich will nicht alleine dort warten. Bei der vierten und letzten Fahrt taucht plötzlich Paul aus dem Nichts auf. Mir gefriert das Blut – seines scheint aber überhaupt noch nicht zu kochen. Er freut sich sichtlich über die Marquesische Begrüssung: “Kao’ha Nui“. Paul, der in Gummistiefel, langer Hose und dicker Jacke gekleidet ist, scheint Hitzeresistent zu sein. Heute ist er wohl mit dem rechten Fuss aus dem Nest geklettert. Er plaudert freundlich. Erzählt wie er hier lebt, dass er einige Jahre weg war und im Tourismus als Barkeeper gearbeitet habe. Als sein Opa gestorben ist, kehrte er in seine  Heimat zurück. Während er sein Erbe renovierte, habe er 50 Kilo abgenommen! Also muss Paul ein echter Schrank gewesen sein.

Im letzten Herbst hat die Kooperative beschlossen, für den Unterhalt und Pflege des Trampelpfades zum Wasserfall von den Touristen Geld einzukassieren. Der Eintritt ist ein Jahr gültig. Er bekomme von dem Geld nichts. Dies werde für die Anschaffung von Motorsägen, Benzin und deren Wartung aufgewendet. Er erzählt auch etwas traurig, dass er sich schon oft mit Touristen gestritten habe ohne genau auf die Details einzugehen. Sie hätten sich geweigert zu bezahlen.

Wir bekommen fünfzig Prozent Rabatt und Früchte aus seinem Garten.

April 15

Mantas

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Seit wir in Polynesien sind, wache ich oft sehr früh auf. Mal ganz was neues. Thomas entwickelt sich dagegen zum echten Langpenner! Es ist bereits hell, aber die Sonne ist noch nicht hinter den von Wolken behangenen üppig grünen Bergkämmen aufgetaucht. Was hat mich eigentlich aus dem Tiefschlaf gerissen? Da war doch ein Geräusch durch die Bordwand wahrzunehmen. Mein Blick schweift über das golden glitzernde nur leicht bewegte Wasser der Bucht. Etwa dreissig schwarze dreieckige Finnen durchschneiden die glatte Wasseroberfläche. Haie! Ich wecke sofort Thomas damit er ebenfalls an diesem Schauspiel teilnehmen kann. Nun sind sie direkt neben der Robusta. Das sind keine Haie. Es sind Mantas! Jetzt aber schnell Taucherbrille, Schnorchel und Flossen an. Ich lasse erst mal Thomas ins Wasser springen, um zu sehen ob er die Aktion überlebt.

Am Nachmittag brausen wir mit dem Dinghi weiter zu den Felsen raus, um in klarem Wasser nach den Mantas zu suchen. In der Bucht ist das Wasser vom Regen ganz braun. Doch sie scheinen eine Siesta zu halten. Liegen faul auf dem Grund und ruhen sich von der morgendlichen Jagd aus. Der Mensch steht nicht auf ihrem Speiseplan. Mantas sind die grössten Rochen und erreichen locker eine Spannweite von fünf Meter. Auch sind ihre Stachelschwänze nicht giftig.

Wir haben nochmals Glück. Kurz vor der Dämmerung tauchen sie direkt vor dem Dinghi auf. Also nochmals rein ins kühle Nass. Elegant mit gemächlichen Bewegungen tauchen sie wenige Zentimeter unter uns durch, strömen mit grossen offenen Mündern direkt auf die Taucherbrille zu um im letzten Moment sich auf den Rücken drehend, den weissen Bauch zeigend abzudrehen, was ehrlich gesagt anfangs schon etwas gfürchig war. Die ganzen Moskitostiche waren da im Nu vergessen!

Ich hätte Stunden mit ihnen schwimmen können, wären da nicht auch noch die ganzen Quallen im Wasser rumgetrieben.