March 24

Nuku-Hiva Taipivai

DSC06893-1280x853

Sie sind so unvorstellbar fleissig wie kein anderes Volk. Pausenlos an der Arbeit. Die Morgenschicht beginnt mit dem Sonnenaufgang wenn die Nachtschicht der anderen endet. Die blutrünstigen Biester nerven. Sie scheinen überall zu sein. In der Sonne, im Schatten, in den Häusern, am Strand. Nur auf der Robusta sind sie zum grossen Glück nicht! Eine tolle Wanderung von Taipivai zu einem Wasserfall, der tosend über mehrere hundert Meter stiebend eine Felswand herunterstürzt, lässt uns danach mehrere Tage leiden. Die Mücken haben sich an unserem Blut ergötzt! Trotz langer Hose, diese auch noch mit „Antibrumm forte“ eingesprüht (nur schon der Name ist doch ein Witz)?! Teure Produkte aus Europa gegen Moskitos mit dem Vermerk “Tropical forte” oder so ähnlich, kannst du gerade so gut ins Scheisshaus leeren. Hilft gar nix! Die restliche Körperoberfläche mit dem lokalen Produkt „MonoiTiki Tahiti Citronelle“ einbalsamiert, hat immerhin die Nonos (Sandfliegen) auf der oeligen Haut ersticken lassen. Die Moskitos liessen sich jedoch nicht im geringsten von ihren Attacken abhalten. Auf meinen Hintern haben sie es speziell abgesehen. Weiss nicht mehr wie sitzen.

Eine Krankenschwester erklärt uns, dass wir Neuankömmlinge besonders attraktiv für die Biester sind. Nach sechs Monaten Ernährung mit den lokal typischen Lebensmitteln, werden die Monster uns in Ruhe lassen. Bravo, das sind ja tolle Aussichten. Die Situation ist bestimmt auch noch verschärft da der Wind seit Wochen ausbleibt und es oft in Strömen regnet.

In der Bucht liegen zwei Yachten vor Anker. Es ist zu heiss um einander zu besuchen. So treffen wir uns alle in Simons kleinem Laden zu einem Bier. Dort sind wir einigermassen vor den Moskitos sicher. Mit Simons Familie verbringen wir etliche Stunden und erfahren von ihnen sehr viel über das Leben und Kultur der Menschenfresser.

Ein sehr empfehlenswertes Buch dazu: Abenteuer in der Südsee, Taipi von Hermann Melville. (Version mit 628 Seiten).

 

March 16

Marquesas – Tahuata

DSC06146-1280x853

Die Regenzeit hat viel früher als üblich begonnen. Dafür blüht schon alles! Die letzten Tage hat es in Atuona Unmengen geregnet. Luken zu! Es regnet! Dann entwickelt sich in der Robusta innert Kürze eine dampfende Hitze, die echt schweisstreibend sein kann und kaum auszuhalten ist. Nachts hechten wir mehrmals aus den Kojen, um alle Bullaugen und Luken zu schliessen. Irgendwie muss etwas gebastelt werden, damit diese auch bei ergiebigen Regenschauern offen bleiben können. Aus einem alten Segel wird eine Abdeckung über die Luken montiert, die gleichzeitig frische Luft in die Kabine führen soll. Die arme Nähmaschine freut sich gar nicht den dicken Stoff zu bearbeiten.

Endlich kommt wieder mal Wind auf! Die Hitze legt sich etwas und die Segel werden nach zwei Wochen Ruhepause wieder mal gesetzt. Robusta stampft im Kanal Bordelais mit rund zwei Knoten Strom und mit Wind aus Ost gegen West. Die Wellen im Kanal sind beachtlich, doch harmlos gegen das was wir im Südatlantik und Südpazifik angetroffen haben.
Nachmittags fällt der Anker in der Bucht nördlich von Hapatoni. Üppig grün bewachsene, steil abfallende Bergkämme umgeben die Bucht. Vogelgezwitscher statt Gockelgeschrei dringt in meine Ohren!
Die Kette lege ich vom Land weg. Doch das war falsch stellt sich bald heraus. Laut Reiseführer bläst der Wind in der Bucht immer zum Land. Hier soll es toll zum Schnorcheln sein. Doch das Wasser ist durch die ungewöhnlich heftigen Regenfälle nicht ganz so klar wie erwartet. Da kommt im besagten Südseeparadies doch etwas Enttäuschung auf. Von der Karibik kenne ich die Unterwasserwelt als sehr bunt und habe hier eine viel grössere Artenvielfalt erwartet.
Joshua der junge Kanadier paddelt vom Dorf kommend zur Robusta. Ihn haben wir in Atuona kennen gelernt. Er ist verletzt. Wollte einen Pulpo fangen. Doch er hat sich mit seinen acht Beinen an seinem Arm festgesaugt und sich auch noch mit beissen heftig gewehrt. Den Pulpo habe er im Dorf verschenkt. Die Lust ihn selber zu essen, ist ihm vergangen.
Im Dorf werde drei Tage gefeiert. Das wollen wir uns nicht entgehen lassen. Dass es sich um einen religiösen Anlass handelt, wusste Joshua nicht.
Etwa eine Stunde gucken wir uns, die doch etwas sehr langweilige Kirchenzeremonie mit den schönen Gesängen an. Dann schleichen wir uns davon.
Am nächsten Tag frage ich eine typisch füllige ältere Polynesierin, wo ich Früchte sammeln dürfe. Thomas und ich sind beide froh, dass wir recht gut Französisch sprechen. Etwas eingerostet, aber durch fleissiges Bücherlesen kommt der Wortschatz schnell wieder in Erinnerung. Teliua führt uns zu ihrem Haus in dem sie aufgewachsen ist. Einige Jahre hat sie in Papeete gearbeitet. Doch das einfache Leben auf dem Land gefällt ihr wesentlich besser. Zu viel Hektik und Stress in der Stadt. Von ihr erfahren wir, dass die Leute im Dorf vom „Kopra“ und „Noni“ leben. Kopra sind getrocknete Kokosstücke die für die Herstellung von Oel und auch zur Produktion von Kosmetikprodukten verarbeitet wird. Aus Noni wird ein gesundheitsfördernder Trunk hergestellt. In Europa darf dieser Fruchtsaft allerdings nicht als solches angepriesen werden.
Im Nachbarhaus spielen einige Frauen und Kinder Bingo.  Weitere Frauen aus der Nachbarschaft gesellen sich zu uns auf die grosse schattige Terrasse.  Teliua verschwindet ins Haus. Kurz darauf erscheint sie mit zwei kitschig bunten Plastikteller, gefüllt mit verschieden zubereiteten rohen Fischstücken und gebratener Banane.

Probiert! Polynesische Spezialitäten.

Die Geschmäcker sind total fremd – doch unglaublich lecker!

Etwas später und etwa zwei Kilo moppeliger, klettert Thomas nun gut genährt auf Teliuas Avocado Baum. Bananen klaut sie in Nachbars Garten und stopft diese verschmitzt lächelnd in meinem Rucksack.

Beim Verlassen der Terasse, stolpern wir über eine beachtliche Ansammlung von Plastiksandalen und FlipFlops. So peinlich, wir haben unsere Schlappen nicht ausgezogen wie es offensichtlich hier üblich ist!

Am folgenden Tag bringen wir Teliua zum Dank einen  Kuchen, selber gebackenen – mit den geklauten Bananen.

March 11

Marquesas – Hiva Oa – Atuona

Das Dinghi ist am Morgen randvoll. Mit Regenwasser! Cool, da kann ich mich ja gleich gemütlich in die Badewanne legen statt am Steg die Open Air Dusche zu benutzen, deren Mauern nur knapp bis auf Schulterhöhe gebaut sind. Die schlechteste, oder je nach Sichtweise beste Zeit zum Duschen ist wenn der voll besetzte Schulbus ganz dicht an der Dusche vorbei fährt. Der Busfahrer wendet seinen Blick anständig ab, doch die Kinder kleben grölend am Fenster.

Bis die Badewanne leer geschöpft ist, braucht Thomi nun dringend eine Dusche. An das feucht heisse Klima müssen wir uns nach einem Jahr im kalten Patagonien erst gewöhnen. Die Kleider kleben dauernd am nass geschwitztem Körper. Deo muss gleich in Kanistern angeschafft werden.

Thomas hat das Hauptruder der Windsteueranlage, das im Schaft gebrochen ist, in die ganz neue Werft geschleppt. Willi kann das Ruder für umgerechnet 50 Euro schweissen. Es danach selber wieder einzubauen war allerdings nicht mehr so einfach. In der Bucht von Atuona läuft eigentlich immer ein beachtlicher Schwell ein und die Robusta will bei der Montage einfach nicht stillhalten. Das Dinghi schwappt am Heck einen halben Meter rauf und runter, was das Hantieren mit Werkzeugen beinahe verunmöglicht. Doch kurz vor absoluter Dunkelheit ist die Montage doch noch vollendet.

Die Stimmung unter den Seglern ist toll. Gegenseitige Besuche und Tratsch machen grossen Spass. Am Mittwoch Abend treffen sich die Segler und Leute vom Dorf am Aussichtspunkt zum Grillen. Ganz einfach; alle bringen etwas für die Allgemeinheit zum Teilen mit. Der unerschwingliche Alkohol ist besonders beliebt. Konsum von Alkohol am Strand und im öffentlichen Raum sind verboten. Dies kündigt ein Brief der Gendarmerie an jeder Ladentür an.

Das Dorf ist vom Dinghi-Steg bei der Tankstelle fünf Kilometer entfernt. Die Gendarmerie teilt uns mit, dass ohne Bedenken per Anhalter gereist werden kann. Kriminalität gibt es hier nicht. Die Menschen sind sehr freundlich. Das erste Auto das uns mitnimmt, biegt statt zur Tankstelle in eine Strasse die auf einen Berg führt. Ich wehre mich und die Madame fragt ob wir es denn eilig hätten? Sie will uns die Insel zeigen. An einem schönen Aussichtspunkt hält sie ihren SUV an und sammelt, während wir den Sonnenuntergang bestaunen, eine ganze Tüte Mangos für uns ein.

Auf der enorm grünen Insel ist die Versorgung nicht ganz einfach. Die Preise sind hoch. Viele Produkte sind aus Frankreich importiert. Grundnahrungsmittel mit den roten Etiketten sind vom Staat subventioniert. In den Geschäften liegen nur wenige schlaffe Gemüse in einem kleinen Gestell. Früh morgens, sehr früh, wann genau kann aber niemand sagen, wird von Montag bis Freitag Gemüse und Früchte von Bauern direkt vom Pickup verkauft: Bei der Post auf dem grossen Platz und in der Nähe der Bank – dort wird auch leckerer frischer Fisch verkauft.

Auffallend ist nach dem Aufenthalt in Südamerika, dass die Menschen ihre Gärten pflegen und liebevoll gestalten. Überhaupt ist Umweltschutz ein Thema. Plastiktüten müssen im Laden teuer gekauft werden und ein Schriftzug mit Bild weist auf verschiedene Naturschutz Themen hin. Auf den Strassen und am Strand liegt kaum Müll. Der Grund ist einfach: zwei mal pro Jahr wird der Bevölkerung verordnet, die Umgebung aufzuräumen und somit vom Müll zu befreien!