August 29

Puerto Montt

Ein weiteres Etappenziel Robusta’s grosser Reise ist erreicht. Etwas wehmütig ist uns schon zu Mut. 2265 Seemeilen! Damit sich Landratten die Distanz auch vorstellen können, wären dies umgerechnet 4194 Kilometer was genau der Distanz zwischen New York am Atlantik und San Francisco am Pazifik entspricht. Hartnäckig gegen widrige Strömungs- und teilweise extrem starke Windverhältnisse mit hackiger Welle durch eindrucksvolle Kanäle, entlang an Felswänden, Wasserfällen und sogar zu gigantischen Gletscher.  Meist wehte der Wind auch noch aus der falschen Richtung und preschte direkt auf die Nase. Kälte macht uns nichts aus. Regentage mit Wolkenbilder und dampfende Wälder haben fast genau so seinen Reiz wie Sonnenschein. In Momenten in denen der  Kontakt zur Armada oder die vorgeschriebenen zwei mal täglichen Positionsmeldungen mit VHF oder mit Kurzwellenfunk nicht möglich waren, sind auch mal mulmige Gefühle hochgekommen. Was wenn die Segel reissen, der Motor streikt? Genau das betreffende Ersatzteil nicht dabei ist? Was wenn so tierische Zahnschmerzen aus dem Nichts lospochen oder sonst ein Notfall eintritt? Mich hat es einmal voll auf den Hinterkopf gehauen. Als ich über eine Landleine laufen wollte, die genau in dem Moment steif gekommen ist, wirbelte es mich durch die Luft. Wie im Trickfilm habe ich erst mal nur Sternchen gesehen….

Grössere Pannen sind glücklicherweise ausgeblieben!

Die Entscheidung den Winter auch noch in den Chilenischen Kanälen zu verbringen fiel recht schnell. Der ursprüngliche Plan war, Puerto Montt bereits im April statt erst im September zu erreichen. Doch das hätte viel Stress bedeutet und wäre von Puerto Williams natürlich nur auf direktem Weg und wohl auch zum grössten Teil nur unter Motor möglich gewesen.

Ja all diese Erinnerungen an die für uns faszinierendste, unwirtlichste Gegend der Welt, hinterlassen intensive Eindrücke die bestimmt in alle Ewigkeit nachklingen werden.

Hier in Puerto Montt wollen wir nun eine geeignete Werft finden, um Robusta wieder mal an Land zu stellen.  Einige Wartungsarbeiten stehen an. Das Unterwasserschiff reinigen, regelmässige Stahlpflege um es nicht mit Rostpflege auzudrücken,  die Segel sind auch stark beansprucht, da und dort muss eine Naht nachgenäht werden oder ein Flicken drauf genäht werden. Beim Sturmfock ist sogar das ganze Schothorn abgerissen. Dieses habe ich unterwegs  provisorisch mit Gurtband geflickt.

Wie sich bereits im Archipelago von Chiloe zeigte, sind die Preise für Liegeplätze in Chile recht deftig. Vor allem für uns Fahrtensegler die von keiner Pension leben und die Reise durch Erspartes finanzieren. Kommst du am Abend an, legst am nächsten Tag gerade wieder ab, werden glatt zwei Tage verrechnet. Segeln ist hier in Chile ein Sport für die super Reichen.

Beduin, Abraxas und Robusta legen  im Club Deportes Nauticos Reloncavi an um die Bedingungen auszuhandeln. Dort stehen auch die Kalibu, Mousse, Yaho schon seit einigen Monaten, während ihre Besitzer in Europa den Sommer geniessen oder arbeiten.

Alle im Club sind echt nett. Doch das es für kleine Yachten unter 10 Meter keine extra Preisabstufung gibt, hinterlässt einen bitteren Nebengeschmack. Die kleine Abraxas und Beduin sollen trotzdem in wenigen Tagen an Land gehievt werden. Wir hauen gerade wieder ab. Verlegen die Robusta erst mal auf die andere Seite des Flusses und liegen dort gemütlich vor der Kirche, tip top und erst noch kostenlos vor Anker. Mit dem nächsten gemässigtem Nordwind wollen wir nochmals raus aus der Stadt um die Kontinentalseite vom Golfo de Ancud zu erkunden.

Ein Termin und Preis um die Robusta an Land zu stellen sind ausgemacht. Auf einem Fresszettel stehen die Preise, doch der Krantermin wurde auch nach mehreren Hinweisen nirgends notiert. Zu dieser Jahreszeit soll alles kein Problem sein.

Wir werden’s sehen.

Nun beschäftigten uns viele Gedanken um die Zukunft. Einerseits bereitet die finanzielle Situation Sorgen. Wie weiter, was soll mit der Robusta und der Crew in Zukunft geschehen? Wohin und wie lange wollen oder besser gesagt, können wir noch segeln? Die Schweiz liegt ja bekanntlich nicht am Meer. Wenn wir zurück gehen, muss die Robusta leider verkauft werden. In Europa eine Yacht zu verkaufen ist seit einigen Jahren schon fast nicht mehr möglich. Der Markt ist überschwemmt. Jedoch die beste Zeit um ein Abenteuer zu realisieren! Da liegen tausende Yachten für wenig Geld. Doch wo ist der beste Ort um eine  originelle Fahrtenyacht aus Stahl, mit toller Heizung und fetter Isolation und mit Deckshaus gut zu verkaufen? Wo werden wir wieder arbeiten? Finden wir jemals wieder einen Job? Wie werden wir uns als Landratten integrieren? Das sind die Problemchen die uns momentan beschäftigen. So fliessen auch schon mal Tränen an die Vorstellung, dass unser Abenteuer irgendwann mal ein Ende haben wird.

Wo und wann ist vorerst noch unklar. Klar ist, dass wir es wieder tun werden!

Sollte jemand Geld übrig haben, könnte er eine sehr gute Tat tun und es an uns weiter reichen. Dann könntest du auch in Zukunft weitere Stories über die Robusta lesen!

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August 20

Grenzerfahrung

Es regnet in strömen, Thomas setzt gerade Kaffee auf, Aleko bearbeitet seinen Sauerteig, Sepke kommt aus dem Klo gerannt und ich liege noch im Aufwachmodus in der Koje als von der Marina ein Gebrüll aus dem Megafon ertönt… was nervt er denn  jetzt schon wieder? Gestern schon hat er uns mit dem Megafon gerufen und aus dem Mittagsschlaf gerissen, wo doch alle total müde von der Überfahrt vom Golfo de Ancud etwas ausruhen wollten!

Robusta, Beduin und Abraxas liegen in der Nähe von der Marina Huelmo vor Anker. Das passt dem Chef der Marina natürlich nicht. Er will mit uns reden. Wir sollen doch am Steg festmachen. Dies sei sicherer. Wenn ich so die zusammengebastelte Stege betrachte, vertaue ich unserem Ankergeschirr aber hundert pro mehr. Nur schon beim Festmachen mit dem Dinghi kippt die eine Plattform seitlich weg, so dass ich fast wieder rückwärts ins Dinghi rolle und einen Sturz ins kalte Wasser knapp vermeiden konnte. Alle etwas gereizt, statten wir der Familie gezwungenermassen einen Besuch ab. Der Frau blitzten bereits die Dollarzeichen in den schönen grünen, etwas zu stark geschminkten Augen auf. Er, früher ein hohes Tier in der Armada, hat mit dem Bau der kleinen Marina seinen Lebenstraum erfüllt. Dass wir Segler mit kleinem Budget sind und die Reise durch unser Erspartes finanzieren, dafür scheint er nun Verständnis zu haben. So bietet Hector an,  unsere drei Yachten im Päckchen an eine der Bojen zu legen. Sollen ihm bezahlen was wir für angebracht halten. Duschen dürfen wir auch nutzen.

Toll, so liegen die Yachten während unserer Abwesenheit sicher an der fetten orangen Boje. http://www.costadehuelmo.cl

…erneut quäkt eine verzerrte Stimme aus dem Megaphon: Beeeeduin – Abbbbraxxxas – Rrrrobuuuusta…..Was ist denn los? Das Taxi wartet seit einer Stunde auf euch! Wie denn jetzt schon? Ist doch erst acht Uhr! Nein es ist nach neun. Zeitumstellung mitten im Jahr verpasst! Vier Minuten später hocken alle im Dinghi, Aleko mit leerem Rucksack, da er nicht wie wir schon am Vorabend gepackt hatte. Der Adrenalinspiegel steht nun endgültig hoch, als sich auf der Autobahn nun auch noch ein Stau bildet. Die 35 Kilometer bis zum Busbahnhof in Puerto Montt schaffen wir so nie! Die Tickets sind schon bezahlt. Punkt zehn Uhr hechten wir aus dem Taxi. Kann doch nicht angehen, der Bus ist weg! So überpünktlich ist ja schon fast unverschämt! Am Schalter erfahren wir, dass er eine Panne hatte und heute nicht fahren wird. So buchen wir die Fahrt nach Argentinien bei einer anderen Gesellschaft. Um 14 Uhr 30 soll es los gehen. Vier Stunden dauert die Reise über die Anden zum Ferienort Bariloche. Ha ha, das ich nicht lache!

Die Anspannung steigt. Das bequeme moderne zweistöckige Monster rollt nun langsam auf die Grenze zu. Stepke und ich sind uns gestern noch in die Wolle geraten, betreffend was wohl an der Grenze zu befürchten ist. Andere Segler berichten, dass sie Probleme hatten. Ich ertrage seine negativen Prophezeiungen nicht. Unsere Touristenkarten sind nun schon – oder erst – oder wie auch immer,  sechs Wochen übers Datum. Stepke und Alekos laufen übermorgen aus.

Sorry aber die Grenzerfahrung muss ich etwas ausführlicher beschreiben.

Der Busfahrer bittet alle Fahrgäste auszusteigen um sich ins Zollhaus zu begeben. Ohne Gepäck. Dort werden die Pässe kontrolliert und die Glücklichen bekommen einen Ausreisestempel von den Chilenen. Doch wie es scheint gehören wir erst mal nicht zu den Glücklichen. Thomas und ich werden an einen anderen Beamten mit mehreren goldenen Emblemen an der Uniform verwiesen. Wir hätten uns bei der DPI melden müssen bevor das Visum ausgelaufen ist. Ja das wissen wir, doch in den Caletas waren die nirgends vertreten. Und in Castro war der zuständige Herr im Urlaub. So reiche ich ihm nun die Zarpe, das Beweisstück worauf ersichtlich ist, wo wir uns die ganze Zeit aufgehalten haben und nicht etwa gearbeitet haben. Etwas”tiro al oreja” mussten wir schon einstecken bis dieser goldig geschmückte Mann, für die Wiederherstellung der Ordnung nun einfach zwei Ausreisestempel in unsere Pässe presst. Zwar beide mit dem selben Datum – aber auch o.k denken wir uns…. Nun gehören wir vorerst mal auch zu den Glücklichen!

Einreise am Argentinischen Zoll:

Wieder alle raus aus dem Bus zu Passkontrolle. Derweil macht sich ein Trupp mit einem Hund im Bus auf Schnüffeltour. Handgepäck wird ohne im Beisein der Besitzer durchwühlt!! Die Beamten picken einige Taschen raus. Lebensmittel werden alle konfisziert, darunter taucht auch noch ein Lachs, dürftig in eine Folie gewickelt, aus einer Handtasche auf. Vermutlich so ein Teil aus einer Zuchtstation. Die Beamtin behandelt das tote Fundstück mit einem Desinfektionsspray. Danach landet es würdelos in einer roten Mülltüte. Que pena! Nun wird der blonde Bello in den Gepäckraum des Buses geführt. Dort steht er desinteressiert mit hängendem Schwanz und guckt zu Herrchen. Er will lieber ein Leckerli. Der Beamte fischt etwa 20  Koffer raus. Wie die Kommunikation zwischen Hund und Herrchen verlief, ist mir schleierhaft. Diese Koffer wurden in einer fast zweistündigen Prozedur von Mister Perfekt  durchforstet. Eine Senora im Tigerkleid wehrt sich erfolgreich, dass der Beamte ihren Koffer nicht in Anwesenheit von Zuschauern untersucht.

Argentinische Bilanz:  zwei Müllsäcke voller Lebensmittel wurden konfisziert.

Schade, den schönsten Teil der Reise durch die Berge geht nun in totaler Dunkelheit weiter. In Bariloche, dem mondänem Urlaubsort der super Reichen, finden wir dank eines kleinen unauffälligen Fresszettel von der Busstation eine Übernachtungsmöglichkeit. Perfekt, 10 Euro pro Person. Carlos spricht deutsch. Nein seine Vorfahren kommen nicht aus Europa. Der kugelrunde Carlos war 25 Jahre in St. Moritz als Skilehrer tätig, wo auch mein Sohn geboren wurde.

Am nächsten Tag kommt Aleko in den Genuss  seiner aller ersten Fahrt mit einem Sessellift. Die Aussicht von oben ist gewaltig. Da kann St. Moritz im Engadin einpacken. Die Pisten haben wir aber nicht getestet. Hundert Dollar pro Tag. Skipass,  Ski oder Snowboard inklusive Klamotten haben wir uns dann doch nicht geleistet. Obwohl den Argentinier auf der Piste das Ohr abfräsen, hätte bestimmt riesigen Spass gemacht. Ein Reisender aus dem Bus hat mir empfohlen, die Colonia Suiza zu  besuchen. Dort sei alles genau wie in der Schweiz. Real gleicht die Colonia eher einem Sektor aus Disneyland. Verschiedene Stände an denen Schokolade und Walliser Bier verkauft wird (die sind eher für ihren Weisswein berühmt), der Bernhardiner mit dem Schnapsfass um den Hals gabs im Souveniershop und zu guter letzt für den Magen die grösste Herausforderung, natürlich noch das Käsefondue!

Auf der Rückreise folgt nun erneut die Grenzerfahrung. Diesmal in umgekehrter Reihenfolge.

Die Ausreise aus Argentinien ging schnell. Ausreisestempel holen, Hund wurde durch den Bus geführt und fertig.

Dann folgt die Einreise nach Chile:

Alle Fahrgäste aussteigen, ins Zollhaus. Sämtliches Handgepäck wird auf einem langen Tisch ausgelegt. Ein Hund wird mehrmals an den Taschen vorbeigeführt. Neben dem Reisebus sind nun alle Koffer auf einer riesigen Ablage ausgelegt. Nun muss Bello diese kontrollieren. Er schnüffelt recht interessiert, lässt seine schwarze feuchte Nase hoch motiviert über die Koffer schweifen, hebt das linke Bein und pisst mal schnell ergiebig an einen Koffer. Das war’s dann auch schon.

Chilenische Bilanz: Dauer der Kontrolle recht kurz, der motivierte Hund hat aber nichts gefunden.

Nun gehören wir endgültig zu den Glücklichen. Haben zum dritten mal die vollen 90 Tage Aufenthaltsgenehmigung erhalten.

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August 15

Golfo de Ancud

So nun zieht es die Flotille über den Golfo de Ancud nach Norden. Das Wetter passt gerade optimal für die letzte Etappe bis zum Ziel in Puerto Montt.

Doch der  Golfo de Ancud bewies zum Abschluss nochmals so richtig, wie unbarmherzig die See und das Wetter in Südamerika sein kann. Statt der erwarteten 15 Knoten mit Böen bis 28 Knoten, fegte der Wind mit 40 Knoten aus Nord West über den Golf. Wegen der Strömungen baute sich eine steile See auf. Hagelschauer und Regen schränkten die Sicht zum Teil vollständig ein. Die fette Robusta wurde immer wieder so heftig überspült, dass vom Deck zwei volle 25 Liter fette, im Süll festgeklemmte Dieselkanister, über Bord gingen! Oh Schande. Das ist doch unglaublich. Wir hoffen noch immer, dass sie uns geklaut worden sind und jetzt nicht auf dem Meeresgrund liegen.

Die Verlängerung der Touristenkarte steht auch noch dringend an. Mehr dazu im nächsten Bericht. Doch erst mal ist Ausschlafen angesagt. Diese letzte Etappe hat uns echt geschafft.

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August 1

Castro (Insel Chiloe)

In Castro angekommen, erblicken wir, dass unsere Touristenkarte seit vorgestern bereits schon wieder ausgelaufen ist. In grösseren Städten kann die Aufenthaltsbewilligung einmal um weitere drei Monate für 100 US-Dollar, ohne Ausreise aus Chile, unkompliziert verlängert werden. So jedenfalls für Europäer und Schweizer. Also rasen wir schnellst möglich in die „Governacion“. An der Türe des zuständigen Beamten hängt ein Papier auf dem vermerkt ist, dass er die ganze Woche im Urlaub ist. Was für ein Glück! Perfekt! Am Montag erscheinen wir wieder auf dem Amt. Doch der Herr verkündete er könne nichts mehr tun. Wir seien zu spät gekommen. Auch Hinweise auf das Papier an seiner Amtsstube liessen ihn nicht erweichen. Doch er meinte, wir hätten uns an jemanden anders wenden müssen. Ach ja, diese Möglichkeit tauchte aber dazumal schlicht nicht in unserem Gehirnwindungen auf. Bis wann ist noch Zeit zum ausreisen? Was passiert wenn die  Armada unsere  Pässe beim einholen einer Zarpe (Auslaufbewilligung) sehen will? Die Armada hätte diesbezüglich keine Beufugnisse. Für solch ein kleines Vergehen gebe es höchstens ein „tiro la oreja“ ein „Ohrenzupferli“. Was auch immer das heissen soll werden wir an der Grenze erfahren. Diverse Gerüchte kursieren in anderen Blogs von Seglern, dass sie Probleme bei der erneuten Einreise hatten. Jedenfalls ist es nicht ganz so einfach schnell mal nach Argentinien auszureisen. Die Robusta kann nicht unbeaufsichtigt vor Anker liegen. Die Wetterbedingungen sind dafür zu unbeständig. Zu oft treten starke böige Winde auf. Da müssen wir schon erst nach Puerto Montt in eine geschützte Marina gelangen.

So ziehen die Wolken über Castro und wir warten auf besseres Wetter. Kleinere in den letzten Monaten angefallene Reparaturen sind zu erledigen. Aleko und Stepke krampfen wie die Wilden. Sie isolieren nun endlich ihre Yachten sehr professionell damit sie nicht mehr frieren müssen, mit grossen Kinderpuzzleteilen aus dem perfektem Material mit Toy Story und Prinzessinnen Motiv. (Später wird Aleko  seekrank – wen wundert’s!) Gasflaschen füllen, Vorräte aufstocken, Wäsche waschen um nur ein paar kleine Beispiele zu nennen. Es ist schon immer unglaublich wie viel Zeit so etwas in Anspruch nimmt. Einen Schaltkasten für die Ankerwinsch zu finden ist ein Abenteuer in sich. Jeder Kran ist mit solch einem Schalter für „rauf- und runter“ versehen. Reparieren geht nicht mehr. Die Platinen sind vom Salzwasser völlig weg korrodiert, der Plastikkasten weist feine Risse auf und ist somit undicht geworden. Doch wo kaufen? In den Reisehandbücher sind jeweils die Kneipen, Museen, Sehenswürdigkeiten und Übernachtungsmöglichkeiten für Landratten aufgeführt. Doch wo befinden sich all die Lokale wo die Segler an Ersatzteile kommen? Jeder Baumarkt wird abgeklappert, jeder Elektrohandel, Eisenwarenläden und so weiter. Das alles zu Fuss oder allenfalls mit einem öffentlichen Bus. Irgend jemand kennt schliesslich den richtigen Laden: Ein Verkäufer vom Baumarkt telefoniert einer Kollegin, diese wiederum ruft einen Kollegen an  dessen Vater und so weiter….. Das ist doch noch echte Hilfsbereitschaft! So kann endlich wieder ein Schalter an das Kabel montiert werden. Was für eine Wohltat. Seit rund einem halben Jahr wird die Ankerwinsch bedient,  in dem die zwei betreffenden Kabelenden zusammen gehalten werden um den Kontakt herzustellen. Gasflaschen zum Kochen ist auch so ein Thema: Jedes Land hat sein eigenes System. Entweder passen die Anschlüsse nicht, Adapter sind nicht zu finden, oder die Flaschen werden nicht eingetauscht oder können nicht gefüllt werden und es müssen neue gekauft werden die dann bestimmt eine andere Grösse haben und somit nicht in den vorgesehenen Kasten und die Halterung passen. Wir haben Glück, unsere Gasflaschen aus Irland können wieder eingesetzt werden!

Castro stand eigentlich gar nicht auf dem Plan. Eine Grossstadt mit 40 Tausend Einwohner erschien uns zu gross und stressig nach Monaten in den friedlich menschenleeren Chilenischen Kanälen. Zu dem muss ein rechter Umweg in Kauf genommen werden um diese Stadt zu erreichen. Doch Castro ist richtig nett! Bunt bemalte alte “Palafitos”, Holzhäuser die auf Stelzen am Wasser gebaut wurden, prägen das Stadtbild. Das architektonische Wunderwerk, ein modernes Einkaufszentrum ganz nach amerikanischem Vorbild, ragt dominant über der Stadt. Na ja, nicht ganz mein Geschmack. Vor allem die Ausgangsmeile die zwar nur etwa 100 Meter lang ist, besteht aus mehreren netten kleinen Bars und Musikclubs. Am Wochenende spielen live Bands von Rock über Jazz und Electro bis Reggeaton. In den kleinen Clubs, werden wir sofort als Fremde erkannt. Kontakt zu finden ist hier im Nachtleben nicht schwer, vorausgesetzt du sprichst etwas spanisch. Ab 22.30 bis in die frühen Morgenstunden wird ausgelassen gefeiert und getanzt. Im Rockclub „la Cueva“ der eher einer Geisterbahn gleicht, wollten einige mit Thomi ein Selfie schiessen. Sie erkennen in ihm den Rockstar Bon Jovi, Macgyver  und wegen der grossen Klappe auch noch Mick Jagger! Nach den Abenden in den Clubs folgen gegenseitige Einladungen und ein Segelausflug mit anschliessendem Grillfest in der Marina Quinched. So segeln die Robusta, Beduin und Abraxas nach fünf Wochen Aufenthalt mit insgesamt sieben Personen an Board die neun Meilen bei Regen von Castro nach Quinched. Doch mieses Wetter macht den Chiloten nichts aus.  Ariel und Isabel, die wir nach Monaten wieder sehen, sind mit ihrer Yacht Skol bereits dort und treffen ebenfalls Vorbereitungen für das Fest. Aleko hat diverse leckere griechische Köstlichkeiten zubereitet, auf dem Grill schmoren Würste und ein grosses Stück Fleisch. So zaubert die kleine Flotilla ein internationales Buffet für die rund 20 Personen.

Das eher negative Erlebnis mit dem Verwalter der Marina Quinched verdrängen wir nun einfach mal – es war ein tolles Fest und alle hatten ihren Spass!

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