July 5

Quellon bis Queilen (Insel Chiloe)

IMG_2196

Ein Traum all die Gemüseläden! Auf der Strasse verkaufen die Bauern morgens ihre frisch geernteten Produkte. Marmelde in Plastiktüten, saure Gurken und eingelegte Zwiebeln stehen in Fässern bereit und werden für den Verkauf ebenfalls in Plastiktüten abgefüllt. Wir haben gleich unsere Einmachgläser mitgenommen. Sogar zwei verschiedene Sorten Käse liegen in der Auslage! Oh wie habe ich in den Kanälen Käse vermisst! Auf Chiloe herrscht mildes oder besser gesagt milderes Klima als im Süden. Auf dem Markt verkaufen Frauen aus Schafwolle gestrickte Pullis, Ponchos, Jacken, Mützen und gewobene Teppiche, kleine Souveniers selbstverständlich alle auch aus Schafwolle hergestellt. Schafe weiden in sanfter hügliger Landschaft, selbst im kalten Winter auf üppig grünen Weiden. Da und dort ein kleiner Hof, viel dichter Wald und an Regen fehlt es auch überhaupt nicht. Die Erde ist fruchtbar und geerntet wird das ganze Jahr. Auf den Ersten Blick gleicht alles der heimischen Region am Bodensee und Rhein. Nur die Häuser sehen anders aus.

Nun in der Zivilisation steht Internet wieder zur Verfügung und so erfahren wir was sich in der Zwischenzeit in der Welt zugetragen hat. All die Nachrichten aus Europa, Terroranschläge in Frankreich und Deutschland, die Flüchtlingswelle aus Syrien. In den sozialen Medien wird Fremdenfeindlichkeit förmlich propagiert was uns sehr traurig stimmt wo wir doch auf unserer Reise immer so zuvorkommend und offen behandelt wurden. Ist mir schon klar, das alles ist eine andere Ausgangslage. Dann noch die Nachrichten vom offensichtlich an einer psychischen Krankheit leidenden Erdogan. Anderen Politiker scheint es Gesundheitlich auch nicht viel besser zu gehen. Vielleicht würde eine Auszeit auf einer Segelyacht ihre Psyche wieder ins Lot bringen. All diese Nachrichten aus der Presse erschlagen uns fast. Monate in schönster Natur und atemberaubender Landschaft, liessen all die Probleme ganz weit in den Hintergrund rücken. Doch auch hier in Chile sind die Menschen mit gewaltigen Problemen konfrontiert. Wie schon in den letzten Beiträgen erwähnt, leidet die Umwelt. Vanessa, die wir im Ausgang kennen gelernt haben, weiss mehr dazu: Die junge Journalistin berichtet, dass in den Salmoneras (Lachsfarm) präventiv Unmengen von Antibiotika eingesetzt werden. Der grösste Teil, an die 98 Prozent der Lachse, ist für den Export nach Asien bestimmt. Von der künstlichen Nahrung und der Kotzersetzung wird das Wasser überdüngt und der Meeresgrund ist nun mit einer Meter dicken Schlickschicht zugegammelt. Im Norden Chiloes sind an einem Küstenabschnitt von 15 Kilometer sämtliche “Machas” (Muscheln) und Sardinen gestorben. Sozusagen im Schlick erstickt oder durch die Antibiotika vergiftet. Der wahre Grund wird unter dem Deckel gehalten. Das ganze Ökosystem ist jedenfalls aus dem Gleichgewicht. Das Meer ist tot – doch die Regierung profitiert von den meist ausländischen Salmoneras! 14 der 38 Salmoneras sind nun geschlossen da 30 Millionen Lachse  wegen Krankheit verendet sind. 20 tausend Angestellte stehen auf der Strasse – das in einem Land ohne Sozialsystem für Erwerbslose Menschen! – Am Ende steht der Profit an oberster Stelle!

 

Estero Pailad, ein Fjord in bezaubernder ländlicher Umgebung mit einzelnen Höfen. Hier  laufen pelzige Schweine frei herum und wühlen mit ihren platten Nasen die Erde um. Der beachtliche Tidenhub von über fünf Meter lässt bei Ebbe grosse Landstriche trocken fallen. Nachts sind auf Deck Geräusche zu hören. Was ist das? Mit der Taschenlampe bewaffnet schleicht Thomi an Deck. Mäuse! Wie um Himmelswillen kommen Mäuse an Board? Wir haben nie irgendwo angelegt, lagen immer vor Anker. Es erscheint uns schleierhaft woher sie kommen. Aleko und Stepke hatten ebenfalls nächtlichen Besuch. Am folgenden Tag sind nur ihre kleinen Hinterlassenschaften und angeknabberte Avocados und Zucchini zu finden. Mäusefallen werden bei der nächsten Gelegenheit angeschafft. Die Viecher sind recht gefrässig. Alle paar Minuten schnappt eine Falle zu. Doch immer noch steht die Frage im Wind, wie sie an Board kommen? Alle paar Jahre wird Chiloe von einer Mäuseplage heimgesucht. Sie fressen die Saat, das Korn und dringen in Häuser ein. Was nicht sicher weg geschlossen ist, wird angefressen. Die Bevölkerung gräbt in Gärten Eimer mit Wasser und Oel gefüllt ein. Der Duft von Pflanzenoel zieht die Tierchen an und in den Becken versaufen sie erbärmlich. Morgens enthält jeder Behälter um die 30 Stück. Gewaltig! Weisst du wie gut Mäuse schwimmen können und wie geschickt sie an einer Ankerkette oder an der Leine vom Dinghi  hoch klettern können? Sogar an der Windsteueranlage krabbeln sie hoch! Die Tiere werden auf Nahrungssuche von der Flut überrascht und mit der Strömung zu den Yachten getrieben.

 

 

Category: Chile | No Comments »