May 20

Caleta Tortel bis Puerto Aysen

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Es wird kalt. Super kalt. Unglaublich kalt. Stepke ist beinahe erfroren während er in Tortel auf uns gewartet hat und auf die Robusta und Beduin aufgepasst hat. Seine Heizung ist am kränkeln. Unsere Inland Reise hat ja etwas länger gedauert. Jetzt ist die kleine geniale Flotilla bereit für die Weiterreise.

Der Golfo de Penas liegt vor uns. Die Region mit dem schlechtesten Wetter der Welt. So steht es im Reiseführer. Nach Monaten wieder eine grössere Strecke auf offenem Meer mit Nachtfahrt auf dem Pazifik. Per e-mail berichtet Kalibu, die den Golfo de Penas vor wenigen Wochen passiert haben, von bis fünf Meter hohen Wellen! Immerhin kam der Wind mal ausnahmsweise aus der optimalen Richtung.

Fünfzehn Knoten Wind aus Ost. Schönstes Wetter, Sonne. Temperatur nahe am Gefrierpunkt. Leichte Dünung rollt aus dem Golfo de Penas als wir aus der Caleta Lamento del Indio auslaufen.

Nach 35 Stunden biegt die Robusta mit dem letzten Sonnenstrahlen in die Caleta Suarez ein. Aleko und Stepke haben bereits ein riesiges Feuer am Strand vorbereitet. Die beiden haben diverse grosse Fische im Golfo de Penas gefangen!

Nun platzen unsere Wampen fast und die nächsten Tage verbringen wir mit Fisch zerlegen – Sushi essen – Fisch grillen – Fisch einkochen – Fisch sauer einmachen – Fisch trocknen und wir träumen auch noch von Fisch.

Aleko wurde ein Angelverbot auferlegt!

Nur noch Centolla fangen erlauben wir ihm. Die King Krabben, die jedem Hummer im Geschmack weitaus überlegen sind.

Nächtlicher Terror an Board reisst uns aus den Fischträumen. Im Licht der Taschenlampe verschwindet eine Ratte auf dem Heck im Landleinengewühl. Ratte an Bord – ein absoluter Gau! Die fressen alles an. Kabel mögen sie irgendwie am liebsten. Bei Aleko und Stepke waren sie auch! Wir sind unsicher ob die nächtlichen Besucher wieder schön brav an Land zurück geschwommen sind.

Solange nicht klar ist, bei wem die Ratte ist, liegen wir nicht mehr im Päckchen.

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Der ganze Strand ist mit allerlei Müll wie Plastik, Schwimmleinen, Fischerbojen und Dergleichen verunstaltet. Ein Anblick der uns echt traurig stimmt. Ja wir kommen aus der Wildnis wieder zurück in die Zivilisation!

Sogar ein arg verwester Wal liegt da. Es stinkt bestialisch, doch der Geier freut sich. 338 dieser Säugetiere, meist Saiwale, sind seit letztem Juni nördlich vom Golfo de Penas in der Region Aysen verendet. Wahrhaftig ein apokalyptisches Ausmass! Seit 1976 dürfen Wale weltweit nicht mehr gejagt werden.

Freunde, die mit ihrer Yacht bereits bei der Insel Chiloe sind, berichten viele Läden seien geschlossen und Diesel gibt es auch nicht zu kaufen. Protestierende Fischer haben die Häfen der Insel blockiert, Taxifahrer und viele Menschen schliessen sich den Protesten an.

Die Fischer und die Bevölkerung machen die Lachszucht Industrie (Salmoneras) für die Marea Roja und das ganze Umweltdesaster verantwortlich. Die Naturkatastrophe von Chiloe wird in den Medien mit Chernobyl der Meere verglichen! 20 Millionen tote Lachse der Salmoneras wurden diesen Februar bei Ancud, nahe der Küste mal so schnell im Meer entsorgt.

Chiloe muss wunder schön sein. Wir haben uns auf diese Region gefreut. Getröstet hat uns, dass wir in der Bahia Anna Pink auch viele lebendige Wale ganz aus der Nähe beobachten durften.

Ein weiterer Hochgenuss waren die heissen Quellen gegenüber der Caleta Cinco Hermanos. Als wir dort ankamen, lagen zwei grosse Arbeitsschiffe an Bojen vertäut in der Bucht. Baustelle! Um die Quellen werden nun Holzstege angelegt um diese zu verkomerzialisieren. Die Arbeiter erlaubten uns ein Bad zu nehmen. Sie seien eh nicht am arbeiten. Müssen auf neues Material warten. Sie selber haben den Badespass noch nie ausprobiert. Waschen jedoch ihre gefangenen Fische mit Freuden im warmen Wasser. Später hockten wir alle bei Kaffee und Kuchen auf dem Arbeitsschiff. Und noch später führten wir der ganzen Crew und allen Arbeiter unsere Yachten vor. Die einen posierten für Fotos hinter dem Steuer, andere hockten sich sogar für das perfekte Bild auf die Toilette!

Der folgende Abend war wirklich sehr lustig und herzlichen dank an die Crew für das leckere Abendessen und die riesige Kiste Früchte und Gemüse die uns vor Skorbut bewahren soll!

Nun liegen wir bei Puerto Aysen, in der Bucht von Chacobuco. Diesmal müssen Aleko und Stepke mal schnell nach Argentinien über die Grenze um einen neuen Stempel in den Pass machen zu lassen. Ihre Aufenthaltsbewilligung von drei Monaten ist abgelaufen.

Diesel für die Robusta und Bier und Proviant für die Crew, vor allem frisches Gemüse und Gas zum kochen, müssen nach über fünf Monaten seit dem letzten Einkauf in Puerto Williams, dringend aufgestockt werden.

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