April 28

Puerto Eden bis Caleta Tortel

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Internet ist im Süden Chiles ein höchstes Luxusgut! In Caleta Tortel finden wir keine Kneipe die WIFI bietet. So fragen wir im Gemeindehaus ob wir gnädigerweise ihre Internetleitung anzapfen dürften, um unsere e-mails lesen zu können. Der zuständige Informatiker willigt ein. Er tippt den Zugangscode höchst persönlich ins Tablet. Doch die Leitung ist zu schlapp um die Bilder für den Blog auch noch zu laden. Später, als ich es erneut versuchen will, ist der Code ungültig und der zuständige Herr weilt im Urlaub! Bravo.

Wir sind süchtig. Zu richtigen Junkies mutiert. Können kaum noch genug davon kriegen. Das weiss – blau schimmernde Kristall der Gletscher. Eine Faszination die uns kaum mehr los lässt. Wenn riesige Brocken mit Pistolenschuss lautem knallen vom Gletscher bersten, mit einem gewaltigen Rums ins Wasser kalben um an irgend einer Stelle gleich wieder aufzutauchen. Genau an solch einer Stelle willst du dann eben nicht sein, wenn gewaltige Eismassen unter dir auftauchen, die sich manchmal auch vom Grund lösen. Wie lange dieses Schauspiel noch zu beobachten ist, wissen wir nicht. Doch die Realität hat in den letzten Jahren gezeigt, dass die Gletscher jedes Jahr um 100 Meter geschrumpft sind. Das Wasser ist dieses Jahr vier Grad wärmer. Grund dafür ist „El Nino“, ein Phänomen welches das Klima weltweit beeinflusst.

Eigentlich wollten wir gerade weiter segeln. Als wir bei der Armada in Puerto Eden die Zarpe (Auslaufbewilligung) abholen, ertönt Markkus Stimme aus dem Lautsprecher der Armada. Die Segelyachten Kalibu, die Yao und die Cara Mia laufen auch noch in Puerto Eden ein. Das ist nun ein Grund um ausgiebig das Wiedersehen zu feiern! Wir verbringen ein paar lustige nette Tage. Es gibt viel zu erzählen! Die Reise mit Aleko von der Beduin zum Mischief war echt abenteuerlich. Die „Hand breit unterm Kiel“ wurde förmlich amputiert. Beide Yachten sind bei Hochwasser, schlimmer kann’s nicht kommen, auf Felsen aufgesemmelt. Die Strömung drohte uns gegen die Sandbank zu drücken. Einen zweiten Versuch wagten wir nicht. Da wo die Wassertiefe laut Seekarte gut sein soll, liegt aber eine Sandbank! Auf der Hauptroute stimmen die Seekarte recht gut. Doch Abweichungen bis drei Seemeilen können durchaus vorkommen. So suchten wir einen sicheren Ankerplatz für die Nacht. Die erste Bucht könnte bei einem Winddreher die Ausfahrt mit Eis versperren. Eine Seemeile südlich liegt die perfekte Bucht. Auch super zum Wandern. Seit Puerto Tamar bedeutet Wandern eigentlich „Moos-Baum-Klettern“ mit Gummistiefel und Oelzeug. Hier ist halbwegs normales über “Baumstämme steigen” möglich. Wie toll. Selbst mit dem Dinghi sind wir am nächsten Tag nicht sehr weit durch die Angostura Mischief gekommen. Riesige Eistrawler versperrten auf dem Rückweg den Kanal und drohten das Dinghi zu zermalmen. Aleko und ich mussten eine fette Eisscholle vor uns herschieben um den Bug vor den scharfen Kanten des Eises zu schützen! Thomi manövriert mit dem 6 PS Motörli gekonnt durch die in verschiedenste Richtungen treibenden Eismassen. Ich bekomme eine echte Krise. Will gar nicht mehr aus dieser schönen Berglandschaft raus. Diese Kanäle und Buchten haben’s mir echt angetan. Mir graut es vor der Zivilisation. Puerto Eden ist speziell. Da existieren keine Autos. Alle Güter werden auf dem Wasserweg transportiert. Für mich sind die Chilenischen Kanäle der schönste Flecken der Erde. Die Natur, die Abgeschiedenheit, keine Autos, kein Lärm. Na ja das mit dem Lärm ist nicht ganz korrekt; Der starke Wind pfeift in den Wanten und reisst an der Gastlandflagge, was unerträgliche Geräusche im Schiffsinnern erzeugt. Die wird nur noch gehisst, wenn wir wieder in der Zivilisation sind.

Thomi und Stepke wollen möglichst schnell in den Norden. In wärmere Breiten, milderes Klima. Sie haben genug vom Regen und dem Kampf gegen die Feuchtigkeit. Die Tage werden auch immer kürzer. Morgens ist nun sogar das Deck vereist. Der Winter meldet sich an. Markku will auch möglichst schnell in den Norden. Nach Valdivia um nach Tahiti in die Südsee abzubiegen. Er hat die Nase auch voll von diesem Klima, den starken Winden die ja immer aus der falschen Richtung blasen und der viele Regen! Kalibu’s Crew will bald in Puerto Montt sein. Sie fliegen für drei Monate nach Deutschland. So trennen sich unsere Wege leider wieder. Ich will hier gar nicht mehr weg. Doch der Zufall will, dass Alekos Motor streikt. (Ich schwöre, ich habe nichts damit zu tun!!!) Die Süsswasserpumpe hat den Geist aufgegeben. So ein Mist! Hier ist keine Autowerkstatt in der Nähe. Nix, gar rein nix. Bis Puerto Montt sind es noch über 300 Seemeilen. Alles unter Segel könnte funktionieren. Ohne Wasserpumpe kein Motor – ohne Motor keine Ankerwinsch. 15 Meter Kette von Hand einholen geht ja noch. Doch in dieser Starkwind Region stecken wir möglichst viel Kette. Oftmals 80 Meter! Doch in die Buchten einlaufen, an die ja logischerweise immer windgeschützten Ankerplätze, wird zum Problem. Wir durchforsten Reiseführer, Karten, grübeln über Möglichkeiten nach, wie und wo und ob die Pumpe repariert werden könnte. Ersatzteil von Europa schicken, das kann aus Erfahrung echt lange dauern. Die Stopfbuchse, die wir vor neun Monaten von Deutschland mit DHL nach Uruguay bestellt hatten, gammelt auch noch irgendwo herum. Auf dem Suchlaufzettel der DHL wird bekannt gegeben „Am Zielort eingetroffen“ was im betreffenden Fall aber „am Zoll hängen geblieben“ bedeutet. Während der Telefongespräche mit den Angestellten der Hotline, mutiere ich zwangsläufig fast zur Terroristin. Lauro vom TO Montevideo sorgt nun dafür, dass die 50 Euro Zollgebühren bezahlt werden und transportiert das Ersatzteil höchstpersönlich über die Grenze nach Chile. Herzlichen Dank!!!

Da schau, ein Fluss, der Rio Baker, da liegen zwei grössere Orte. Eines mit 4000 Einwohner und der nächst grössere mit 40’000! Caleta Tortel liegt am Rio Baker. Bis dahin führt die Caretera Austral. Das müssten wir in etwa fünf Tagen schaffen. Robusta schleppt die Beduin falls der Wind ausbleibt. Da wird es wohl einen Bus geben und einen Mechaniker zu finden sein. Doch da sind noch die Anden….

Caleta Tortel ist unglaublich nett. Nur etwa zehn Yachten verirren sich jedes Jahr in diese abgelegene Gegend. Die Leute vom Dorf kommen den Holzsteg entlang gelaufen, um unsere drei Yachten zu fotografieren. Der Bus fährt nur zwei mal die Woche nach Cochraine. Niemand kann hier die Pumpe reparieren wie sich herausstellt. In Coyhaique, dort soll es auch Dreher geben die ein Lager herstellen können. Aleko reist mit dem Bus elf Stunden dort hin. Thomi und ich nehmen den ähnlich langen Weg über Schotterpisten in Angriff. Husch mal nach Argentinien auszureisen um einen neuen Einreisestempel in den Pass zu bekommen. Die drei Monate sind schon fast rum. Stepke passt in dieser Zeit auf die drei Yachten auf. Doch die Aktion dauert länger als gedacht. Von Chile Chico soll es Busse nach Argentinien geben. Wann kann keiner sagen. Die Busgesellschaften sind privat, was soviel heisst, dass keiner weiss, wo und wann und wohin die anderen Busse im Land fahren. Im Internet finden wir einen Fahrplan. Doch das ist der Sommerfahrplan. Jetzt ist Winter. Also wieder übernachten in einer Hospedaje (nicht mit Spital zu verwechseln). Das sind einfache Unterkünfte bei Familien. Meist darf der Holzherd in der Küche benutzt werden. Wir zahlen zwischen 10 und 15 Euro mit Frühstück. Zelten im Garten ist noch günstiger. Im Bett bekomme ich einen halben Kollaps. Schweissgebadet mache ich das Licht an und untersuche die Bettwäsche mal genauer. Da liegen doch neun Wolldecken über mir, die mich komplett platt drücken. Neun. Ich habe mich nicht verschrieben. Das ist ja nun echt zu viel des Guten. Wir sind ja schliesslich in den Anden oder wie? Dabei liegt noch nicht mal Schnee.

Der Grenzübertritt, das war auch so eine Aktion: Alle Fahrgäste müssen raus aus dem Bus. Rein ins Büro, der Beamte will das Einreisedokument. Wie sieht denn das aus? Haben wir nicht. Kein Problem, dann muss es eben nochmals ausgefüllt werden. In dem Moment schiesst mir die Erinnerung in den Kopf, wie empfindlich die Argentinier und Chilenen mit der Einfuhr von Lebensmittel und Güter sind. Können wir doch nicht’s dafür wenn die beiden Länder sich nicht mögen. Im kleinen Rucksack habe ich ein Picknick für die Reise eingepackt. Nun fordert ein älterer miesgrämig, streng dreinblickender Beamte alle Fahrgäste auf, ihr Gepäck zu präsentieren. Wir ignorieren die Aufforderung. Doch dann geht der Kerl, nach dem er alle Koffer und Taschen wie ein Maulwurf durchwühlt hat, in den Bus. Schaut auf die Ablege, bückt sich, gafft unter die Sitze, kommt mit strenger Miene wieder raus, direkt in meine Richtung….. Ups, doch er wendet sich an den Busfahrer, um ihm die Durchfahrt zu gewähren. Die Landschaft im Grenzgebiet erscheint uns eigenartig. Im Hintergrund türmen sich unnatürlich geformte Berge. Wie sich herausstellt, wird hier nach Bodenschätzen gebuddelt. Die Natur weist zahlreiche Narben auf. Die Wandmalereien verraten den Unmut der Bevölkerung.

Die Rückreise nach Caleta Tortel müssen wir über Coyhaique antreten. Der nächste direkte Bus nach Tortel würde erst in sechs Tagen fahren! Der Umweg über Coyhaique bedeutet ja nur drei Stunden mit der Fähre und noch weitere sechs Stunden mit einem Bus über die Berge.

Aleko hat in der Zwischenzeit dort nach zwei Tagen ausgiebiger Forschung, einen Hinterhofmechaniker gefunden, der die Wasserpumpe reparieren will. Doch der findet kein passendes Ersatzteil. Ein Dreher, der so was herstellen könnte, ist nicht aufzutreiben. Fazit: zwei Wochen Inlandreise durch eindrückliche Landschaft, ohne Erfolg! Alekko paddelt in den Wald, schneidet sich verschieden dicke Äste von Bäumen und will sich nun ein Lager für die Wasserpumpe des Motors aus Holz basteln.

Er ist ja schliesslich Schreiner. (mehr dazu auf www.alekistan.com)

Nun soll die Reise mit dem Provisorium weiter gehen. Eine neue Wasserpumpe ist von Europa nach Valdivia unterwegs. Leo, sein Sohn, hat diese vor dem einpacken noch ordentlich mit Altöl eingesifft, um so die Zollgebühren zu umgehen. Meistens wird der Vermerk auf dem Paket „Yacht in Transit“ schlicht übersehen und das Paket wird erst ausgehändigt, wenn die Gebühren abgeliefert sind.

 

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April 14

Puerto Williams bis Puerto Eden

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Achtung Vorwarnung: es folgt ein Bilder Zunami!  Nun sind immerhin  acht Wochen vergangen, seit wir das letzte Mal in der Zivilisation waren und den Luxus einer Internerverbindung nutzen konnten  um den Blog zu bearbeiten. Nun folgt mal der erste Teil bis Puerto Eden.

Aus der Perspektive eines Kondor, mit einer Spannweite von über drei Meter, überfliegt dieser imposante Vogel die Anden und genau so verfolgt unsere Freundin unsere Reise – Google Maps macht’s möglich. „Wenn ich in so eine gotverdammi verlassene Gegend wiedergeboren werde, würde ich mich selber abtreiben“. Seit sieben Wochen durchstreifen wir nun die Chilenischen Kanäle. Wir kommen aus dem Staunen nicht mehr raus. Gewaltige Berge mit bizarr zerklüfteten Felswänden, üppig grün bewachsen mit es scheint von tausenden verschiedenen Arten von Moos, mit Bäumen deren Form einer straff flatternden Flagge gleicht. Wolkenbilder in allen Formen und Grautönen. Gletscher in Türkisblau, die bis in die Kanäle an steilen Hängen zwischen Moränen, gewaltige Eismassen vor sich her ins Meer schieben.

Mag sein, Leben in dieser unwirtlichen Gegend muss hart sein. Die Alcaluf- Selk’nam- Haush- Yamanain- und Theuelches Indianer, die mit der letzten Eiszeit aus Asien in diese Gegend eingewandert sind, haben hier überlebt. Sie zogen als Nomaden umher, sammelten Früchte und lebten von gestrandeten Walen. Sie würden niemals in’s Meer scheissen, da sie die Muscheln und Fische aus diesen Gewässer essen. Fleisch verzehrende Tiere mochten sie nicht. Die Frauen waren geschickt im Navigieren des Kanus in dem stets ein Feuer brannte um die ganze Familie warm zu halten. So lebten diese Menschen mit grossem Respekt gegenüber der Natur. Natürlich nur bis der Weisse Mann ende des 19. Jahrhundert Tierra del Fuego auf der Suche nach Gold bevölkerte und erst mal Krankheitskeime einschleppte. Die Guanocos (Lamaart), ein Grundnahrungsmittel der Indianer, wurden in tausende Kilometer, zusammen mit Schafen, eingezäunt. Jagten die Indianer eines der Tiere, war dies schon Grund genug um eine Prämie für jedes Kilo toten Indianer anzusetzen. Den angeschwemmten Walen wurde Gift injiziert. Dies sind nur einige der Gründe die zur fast radikalen Dezimierung dieser Ethnie geführt haben.

Wir sammeln auch blaue Beeren, die Calafate und noch andere deren Namen wir nicht kennen. Doch die gestrandeten Wale an der Chilenischen Küste fressen wir nicht auf. Diesen Sommer sollen es 300 gewesen sein! Die Gründe sind wohl offensichtlich, nur will es niemand wahr haben. Der ganze Müll, der hier immerhin nur ganz selten zu sehen ist, die Umweltgifte die auch die abgeschiedensten Regionen der Welt nicht verschont, fordern ihren Tribut.

In den schönen engen geschützten Buchten, in denen wir uns mit Anker und Landleinen sichern, was jeweils vor allem bei Ebbe einem akrobatischen Akt nahe kommt, haften an den Felswänden tausende Muscheln. Da läuft jedem Feinschmecker das Wasser im Munde zusammen. Doch diese Leckerbissen dürfen wir nicht essen. Der Grund dafür ist eine Alge die Schalentiere ungeniessbar machen (Marea Roja). Den Seevögel bekommt die mit der Alge vergifteten Tiere. Nur den Menschen haut es innert weniger Stunden qualvoll leidend um und er kann sich gleich neben die 300 Wale legen. Als Gemüse Ersatz kochen wir Kelp. Kelp mit Kartoffeln, Kelp mit Ingwer, Kelp mit Zwiebeln, Kelp an weisser Sauce mit Kapern. Der nächste Laden ist noch in weiter Ferne.

Wir fühlen uns frei! Fast frei, wäre da nicht das grosse Auge der Armada, die gerne zwei mal täglich eine Positionsmeldung haben will. Ha ha, aber wie denn bitte? Mit Kurzwelle eine E-Mail schreiben geht normalerweise gut. Aber in den Schluchten der Anden ist das schlicht eine andere Ausgangslage. Der erste Hop einer Funkwelle prallt schon an der nächsten senkrecht emporsteigenden Felswand ab und wenn nicht dort, landet der zweite Hop in einer der zahlreichen Gletscherspalten. Aber mach denen das mal klar und dann noch in einer Fremdsprache. Wir funken wenn wir können. Passierende Schiffe sind verpflichtet eine Positionsmeldung an die Armada weiter zu leiten. Auf unserem Zarpe haben wir gerade mal drei Caletas (Bucht) angegeben. Fühlten uns schon sehr frei, bis das Pactormodem über Kurzwelle eine Botschaft vom MRCC Rettungs Coordinations Zentrum ausspuckte. Kurz und bündig, in wenigen Worten formuliert steht da, dass die Armada eine Vermisstmeldung aufgegeben hat. Ohjemineeeee. Das gibt eine derart dicke Rechnung, wenn wir die Aktion nicht rechtzeitig stoppen können, dass wir den Rest unseres Lebens in einer der Zürcher Notschlafstellen verbringen können.

Bis jetzt ist alles ziemlich gut gelaufen. Die gefürchtete Magellanstrasse mit ihren  Gegenströmungen und starken Winden, die innert Kürze eine unangenehme steile See entwickelt, sind wir bei schönstem Wetter buchstäblich durchgeflutscht. Die Bedingungen können so schlagartig ändern. Da freust du dich über tollste Segelbedingungen und schon fällt die Geschwindigkeit von 5 Knoten auf nur noch knapp zwei Knoten. Wind und Strom gegen dich und jede Meile wird zu einem harten Kampf gegen die Zeit. In der Dunkelheit ist es hier nicht zu empfehlen zu reisen. Die Seekarten der Chilenischen Armada sind teilweise bis drei Seemeilen daneben! Navionics ist eine gute Ergänzung, aber manchmal auch wieder unbrauchbar.

Es ist fast unglaublich, doch wir treffen mitten in den  Kanälen auf Stepke und Aleko, doe beiden Einhandsegler mit ihren Yachten Abraxas und Beduin! Die Freude ist riesig und muss ausgiebig in der nächsten  Caleta gefeiert werden.

DenWetterbericht bekommen wir von der Armada, vorausgesetzt das mit der Kuzwelle klappt. Ist recht genau, aber muss je nach Verlauf und Form der Topographie selber noch nachinterpretiert werden. Bis Puerto Montt werden wir’s wohl draussen haben. Puerto Tamar, kein Hafen wie es der Name vermuten lässt, sondern ein ziemlich ungeschützter Ankerplatz, mit miesem Ankergrund, mit vorgelagerten Felsen, der Einzige zum Abwettern vor der Passage in den Kanal Smith, verbrachten wir eine harte schlaflose Nacht. Am nächsten Morgen kämpfte sich die Robusta mit Segel und Motorunterstützung im Zickzack durch Regen und die grandiosen Wellen, die vom Pazifik in die Magellanstrasse einrollen. Unser Freund hatte an dieser Stelle weniger Glück. Ihm wehte der Wind derart hart entgegen, dass es ihm das Vorsegel zerschredderte. Unter Motor erreichte er die Bucht, doch der Anker hielt nicht. Die Yacht driftete gefährlich nahe an die Felsen. So und dann sass der Anker super fest, liess sich gar nicht mehr lichten. Das alles in zwei Meter Welle und die Heizung hatte auch noch den Geist aufgegeben. Seine Crew wurde durch die Armada abgeborgen. Er blieb an Bord bis sich das Wetter beruhigte. Wir waren 100 Seemeilen hinter ihm als uns ein stattliches Transportschiff anfunkte, um nach der Position der Yacht in Not zu  fragen. Es lieferte 200 Liter Diesel von Punta Arenas. Hört sich wie ein Pizzalieferdienst an, doch hat 27’000 US Dollares gekostet! Seine Versicherung habe das organisiert. Ob die auch bezahlt wird sich herausstellen. Die Armada wollte ein Gesundheitsatest von dem geretteten Crewmitglied. Wer nicht wirklich krank ist, hat wohl mit bösen Folgen zu rechnen und kann uns in der Notschlafstelle Gesellschaft leisten.

Mir ist schon schleierhaft wie die Indianer nur mit einem Stück Fell bekleidet in einer Gegend, die selbst im Sommer nachts Temperaturen gegen null Grad und im Schnitt tags das Thermometer 10 Grad anzeigt, leben konnten. Meine liebe Freundin, da magst du recht haben, es gibt angenehmere Lebensbedingungen. Es schifft hier teilweise unglaubliche Mengen – dies im Schnitt 300 Tage pro Jahr und das auch noch bei Starkwind. Praktisch für uns, so konnten wir in einer Regennacht über 300 Liter Wasser in unseren Tanks sammeln. Selbst in der super gut isolierten Robusta kämpfen wir gegen die Feuchtigkeit. Mit der Heizung kondensiert die Wärme an den kalten Fensterscheiben. Alle Bullaugen, ausser zwei davon, wir wollen ja auch mal lüften, haben wir mit durchsichtigem Plastiktischtuch isoliert. Das hilft perfekt! Das geschlossene Deckshaus ist auch Gold wert. Wir hocken bei Regen trocken und windgeschützt, einigermassen warm und geniessen die einmalige Landschaft. Standardausrüstung zum Wandern sind Oelzeug mit Gummistiefel. So wühlen wir uns buchstäblich wie Maulwürfe durchs Dickicht über triefnasse,  moosbewachsene Baumstämme.

Jetzt geifern wir förmlich nach einem fetten blutigem zarten riesig grossem Stück Fleisch mit frischem Gemüse und davor und dazu und danach ein grosses schmackhaftes Bier in der Zivilisation von Puerto Eden und eine heisse Dusche darf auch nicht fehlen!

Tja und aus der netten Kneipe mit dem Lomo und dem Bier wurde leider nicht’s. In Puerto Eden, mit seinen 170 Einwohnern, gibt es keine Bar und keine Kneipen. In den zwei kleinen Supermercados war das Bier ausverkauft. Kommt erst mit der Faehre am Samstag neuer Nachschub. Der Mann der den richtig teuren Diesel verkauft ist nicht da. Er sei zur Zeit in Puerto Natales. Wir sind aber trotzdem zu unserem Diesel gekommen. Wie will ich hier nicht genauer erläutern – wäre ja mies deinen “Freund und Helfer” an den  Pranger zu  stellen.

Jedenfalls war die Nachtaktion richtig kriminell. Vielleicht erfährst du ja mehr dazu auf einer anderen Homepage ;-))

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