February 23

Chilenische Kanäle

Liebe Freunde,

die nächsten zwei Monate werden wir in der Wildnis der Chilenischen Kanäle, fern ab jeglicher Zivilisation verbringen.  Hoffen wir haben genug Essen eingekauft und müssen nicht Wale und Pinguine jagen.  Gemüse wird bald nicht mehr auf unserem Speiseplan stehen. Dafür wieder Kelp  in verschiedensten Variationen gekocht oder getrocknet. Eine hier in Massen gedeihende Grossalge, die bis 40 Meter lang werden kann. Kelp ist sehr reichhaltig an Jod, Kalium, Eisen, Magnesium und Calcium. Wird übrigens in manchen Ländern als Super-Power-Nahrungsergänzung in Tablettenform oder als teure Pülverchen verkauft.  Dann kommt jetzt auch das Geschenk von unserem Freund, dem Imker Thomi Hotz zum Einsatz: Propolis Pulver gegen Skorbut!

Die Robusta sieht wie ein voll bepackter Esel aus! Dieselkanister sind an Deck festgezurrt, fast ein halber Kilometer Leinen um uns in den engen Schluchten an Bäumen und Felswänden zu sichern, die halbe Achterkajüte ist mit Food vollgepackt. Das Gästebett stinkt schon nach Zwiebeln! Thomi ist zu den Behörden gerannt, um die Zarpe zu holen. Mal schauen wie sie reagieren, wenn wir nur drei Ankerplätze, statt die vorgeschriebenen 19 Positionen bis Puerto Montt angeben.

Drückt uns die Daumen, dass alles gut gehen wird!

 

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February 16

Puerto Williams

Puerto Williams ist ganz nett, winzig klein. ein paar Kneipen, einige Hostals und das Anthropologie Museum über die Yahgan Indianer. Die Menschen grüssen sich auf der Strasse und freuen sich, wenn wir Fremden dies auch tun. Nebst all den freundlichen streunenden Hunden, tun hier dies die Pferde  auch. Fressen vor der Prefectura Gras, liegen in den Gärten, traben mit ihren Fohlen auf den Strassen. Ab und zu streckt ein Pferd den Kopf Richtung Gemüsegestell in den Supermarkt!

Die Gegend  ist super zum Wandern. Die Natur ist einmalig, wild, von hohen teils mit Schnee bedeckten Bergen umgeben. Über 150 verschiedene Vogelarten soll es hier geben. Von hier aus sind auch mehrtägige Touren mit dem Zelt möglich. Brrrr… Selbst im Sommer fallen nachts die Temperaturen oft unter null!

Der Club de Yates (Yachthafen) MicalVI ist echt speziell! Das Frachtschiff MicalVI  wurde 1925 in Deutschland, Stettin,  als Munitions- und Materialschiff vom Stapel gelassen und  1928 an Chile  übergeben. Die chilenische Marine nutzte den Frachter als Hilfs- und Versorgungsschiff.  Nach der Außerdienststellung 1961 diente es viele Jahre in Puerto Williams als Schiffsanleger, wofür der Frachter offenbar auf Grund gesetzt wurde.  Bei Hochwasser ist das ganze Unterdeck überflutet. Dementsprechend sieht der Rumpf auch echt wie ein Schweizer Käse aus. Aktuell wird die MicalVI als Club Haus und Marina genutzt. Die Bar ist jedoch nicht mehr in Betrieb. Zur Zeit liegen 17 Yachten in drei Reihen in Päckchen aneinander geschnürt an der MicalVI. Will eine Yacht auslaufen, müssen diverse Leinen gelöst werden. Logischerweise liegen die die weg wollen meistens ganz in der Mitte, weil sie ja schon am längsten da sind.

Die Yachties  hängen in der gemütlich warm geheizten MicalVI, mit Tablets, Computer und Handys ans WiFi gekoppelt, schweigend nebeneinander und kommunizieren mit den Freunden aus der Heimat. Die heilige Ruhe im Club Haus ist nicht auszuhalten; also organisieren die  CaraMia,  DonaZita und Robusta eine Party. Allen Yachties wird mitgeteilt, sie sollen etwas zum Essen und Getränke mitbringen. Wir heizen den Grill vom Club Haus ein!

 

 

 

 

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February 4

Dem Teufel das Horn abgesegelt

Thomi war schon bei der Armada um die „Zarpe“ (Bewilligung für das Auslaufen) für die Kap Hoorn Umsegelung einzuholen. Ich besorge noch ein paar frische Gemüse in Puerto Williams, was nicht ganz einfach ist. Das Versorgungsschiff kommt jeweils am Samstag von Punta Arenas. Am Montag sind die schönsten Gemüse bereits schon wieder ausverkauft.

Wie wird eigentlich der Adrenalinspiegel gemessen? Er steht jedenfalls noch so hoch, dass es uns sogar tot müde, selbst um vier Uhr in der Früh schwer fällt, in der warmen Koje einzuschlafen. Warm eingehüllt, in vier Lagen Decken, mit Kuhnagel an den Händen und kalten Füssen, läuft mir der ganze, wohl eindrücklichste Teil unserer Reise, nochmals durch den Kopf:

Vier Yachten verlassen bei etwa 10 Knoten Wind, bei optimalem Wetterfenster, wie es die erfahrenen lokalen Skipper uns bestätigen, den Hafen von Puerto Williams. Nächstes Ziel ist Puerto Tores. Wir Deppen setzen das Grosssegel in voller Grösse, das Fock und den kleinen Klüver. Doch schon bald müssen wir erfahren, wie die Fallwinde der Berge die Robusta unsanft treffen können.

Reffen bei gegen 35 Knoten Fallböen. Über VHF Funk melde ich den uns folgenden Yachten die Windkonditionen.

In Puerto Tores, dem südlichsten Kaff der Welt, leben 22 Menschen, davon sechs Kinder, vier Frauen, ein Armada Soldat und sechs Polizisten, erzählt mir der Polizeiunteroffizier. Wau, hier muss ja die Kriminalitätsrate riesig sein! Er lacht,  seine Aufgaben seien eher Sozialarbeit statt Verbrecher zu ahnden. Die Armada ist für das Meer, die Fischer und die Segler zuständig und die Polizei schaut an Land, dass die Bevölkerung mit allen möglichen für das Leben nötigen Güter versorgt werden. In den Städten sei das natürlich anders. Seine Familie lebe nicht hier. Er selber kommt vom Norden Chiles. Alle drei Monate reist er für 20 Tage nach Hause zu seiner Frau und seinen zwei Töchtern. Mit 50 werde er pensioniert. Er liebe die Abgeschiedenheit und die kleine Kommune in welcher der soziale Zusammenhalt sehr eng ist. Täglich mache er seine Besuche bei allen, trinke Kaffee, transportiert den Müll und Diesel für die Generatoren die die Häuser mit Strom versorgen.  Geheizt wird mit Holz. Der Winter sei lange und hart. Das Versorgungsschiff der Armada kommt einmal im Monat mit Lebensmittel und Treibstoff. Eine Strasse nach Puerto Williams existiert nicht.

Die nächste Etappe nehmen wir morgens um fünf in Angriff. Diesmal wird das dritte Reff ins Grosssegel gebunden, Fock und der kleine Klüver gesetzt. Zwischen hohen, teils schneebedeckten Bergen, über die Bahia Nassau, Segeln zwischen Inseln, erreichten wir abends  den Ankerplatz Maxwell. Die anderen drei Yachten liegen bereits mit Landleinen verzurrt im südlichen Teil der Bucht. Auf Kanal 69 besprechen wir die nächste Etappe ums Cabo de Hornos. Der Wetterbericht zwingt uns wiedermal möglichst früh morgens zu starten.

Wie schrecklich, um sechs Uhr in der Früh schifft es!

Genau um 09:04 erreicht die Robusta die südlichste Position unserer Reise: 55Grad58Minuten Süd/67Grad27Minuten West. Hier treffen der Atlantik und der Pazifik aufeinander.

Ich will es fast nicht wahr haben. Wir laufen unter Motor ums für seine starken Winde berühmt berüchtigte Kap! Die Fotos sehen schrecklich aus! Alles nur Schwarz – Weiss. Wolken, Nebel, karge spitze Felsen. Was für ein Jammer. Die Kamera trau ich mich schon fast nicht aus dem sicheren Deckshaus zu strecken.

Dafür ist es möglich in der Caleta Léon der Isla de Hornos zu ankern. Der Ankergrund ist steinig, voller Kelp und der Anker hält sozusagen bei Flaute nicht mal. Das Schiff darf auf keinen Fall alleine gelassen werden! Mit Dijis Dinghi dürfen Teria und ich an Land den Leuchtturm besuchen. Die grossen runden schmierigen Steine und die Massen von Kelp machen die Anlandung nicht gerade einfach. Der erste Schritt auf der berühmten Insel und schon sind meine Gummistiefel mit dem kalten Wasser bis zum oberen Rand gefüllt. Im Eiltempo huschen wir drei zum Leuchtturm um uns dort ins Gästebuch einzutragen. Bei jedem Schritt durchs neu renovierte Gebäude der Armada, hinterlassen meine glucksenden Gummistiefel Lachen von Salzwasser.

Diji wird immer nervöser. Er will zurück zum Dinghi. Der Wind nimmt allmählich zu. Keine der Yachten liegt mehr an der selben Stelle! Die Anker haben nicht gehalten. Sie laufen unter Motor wartend vor der Bucht hin und her.

Nächstes Etappenziel: Isla Lennox. Der schlappe Wind veranlasst uns die Isla Deceit östlich zu runden. Doch wie war das noch mit den erlaubten und verbotenen Streckenabschnitten? Mit Schrecken stelle ich fest, dass auf der Zarpe diese Strecke nicht eingetragen ist. Ohjemineee.

Die Windprognosen versprechen für die Bahia Nassau 20 bis 28 Knoten Wind aus Süd-West. Optimaler könnte es nicht sein. Der Skipper der Brasilianischen Yacht Endurence meldet über Funk, der neuste Wetterbericht zeige 40 bis 50 Knoten Wind für heute Nacht an. Er empfiehlt uns nicht nach Lennox zu segeln, sondern direkt Puerto Toro anzulaufen, was nochmals 35 Meilen weiter ist.

Die Bahia Nassau hat’s in sich. Nur unter Fock schiesst die Robusta mit Rekordgeschwindigkeiten durch die beachtlichen Wellen.

Patrizia meldet über Funk, dass sie in der Bucht von Puerto Tores beinahe eine Yacht in der Dunkelheit gerammt hätten, die ohne Licht vor Anker liegt. Genaue Position unbekannt. Der Wind weht mit bis zu 60 Knoten aus der Bucht von Puerto Tores meldet uns die Armada. Ich übernehme das Steuer, da Thomi das Fock bergen will. Sogar unter Motor fällt es mir schwer, den Kurs zu halten. In der absoluten Dunkelheit verliere ich mehrmals die Orientierung. Panik bricht bei mir aus, als ich auf den Seekarten vom Navionics erblicke, dass wir bereits über Land fahren und gleich den Leuchtturm rammen, der übrigens auch defekt ist. Nun folge ich dem alten Track auf der Seekarte von Open CPN der ebenfalls teilweise über Land führt. Endlich können wir die schwankenden Taschenlampen von Patizia und Diji ausmachen. Das Anlegemanöver an der Nordseite des Piers muss auf Anhieb klappen! Ich stehe mit der ersten Leine am Bug, im peitschenden Wind und Regen bereit. Der Wurf darf jetzt nicht in die Hosen rauschen. Der Typ von der Armada fängt die Leine gekonnt auf. DJ und Patrizia nehmen weitere zwei Leinen entgegen.

Wau die Freude ist gross endlich im einigermassen sicheren Hafen angelangt zu sein. Doch wo ist der Rest der Flottille?? Es kann doch nicht sein, dass die Robusta die Swan abgetrocknet hat? Wo ist Markku mit der Cara Mia? Über Funk erreichen wir ihn auch nicht. Auch die Armada mit ihren potenteren Anlagen können die vermissten beiden Yachten ebenfalls nicht erreichen!

Gegen vier Uhr in der Früh meldet sich eine schwache Stimme am Funk. Teria meldet,  sie werden gleich in Puerto Tores einlaufen. Ich warne mehrmals vor der unbeleuchteten Yacht. Doch die Verständigung ist mies. Ich bin nicht sicher ob sie mich verstanden hat. Ich spreche trotzdem weiter, gebe Anweisungen und versichere, dass genug Leute da sind um zu helfen!

Die Cara Mia liegt nun an der Robusta festgezurrt. Doch die beiden Masten schwanken gefährlich nahe gegeneinander. Also besser nochmals alle Leinen justieren. Das alles bei druchschnittlichen Windstärken von 50 Knoten! Doch noch nicht genug. Ich bin sicher es ist ein Traum und wir beide reagieren geschlagene 20 Minuten nicht auf das Geschrei und Poltern. Ein Armadaschiff will an den Steg! Wir müssen weg! Wie brutal. Das nach zwei Stunden Schlaf! Die selbe Aktion wiederholt sich drei Stunden später. Das Armadaschiff an dem wir nun angelegt liegen, will wieder weg. Halb im Koma werde ich wegen der fehlenden Gastlandflagge angemotzt, die ich wegen dem nervigen Geflatter entfernt hatte. Die Armada meldet uns, dass die vierte Yacht sicher in Puerto Williams angekommen ist.

 

Vom Hügel geniessen Thomi und ich nun halbwegs ausgeschlafen die fantastische Aussicht! Wir haben es geschafft! Wau Hammer! Cabo de Hornos, der Mount Everest der Segler ist umrundet! Heute, dank den guten Wetterberichten und technischen Möglichkeiten wohl nur noch mit dem Uri Rotstock zu vergleichen.

Wir sind trotzdem stolz!

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February 1

E-Mail an Gallatée und Kalibu

Hallo alle!
Puerto Williams ist lustig. Wir liegen als siebtes Boot im Päckchen an der MicalVI, einem riesigen altem Stahlschiff, Baujahr 1926, das jetzt als Yacht Club genutzt wird. Sie diente im Krieg als Kohle- und Munitionstransportschiff. Ja die Robusta ist hier auch die weitaus kleinste Yacht! Ihr könnt euch auch, an einer Boje liegenden Yacht in der Bucht festbinden.
Zur Frage wegen der “Verduleria” und der Kontrolle der Chilenischen Agrikultur Behörde:
Wir haben sämtlichen Frischfrass irgendwo im Schiff versteckt. Einen Teil haben wir in einer anderen Yacht deponiert. Den Herren von der Behörde zeigte ich den gähnend leeren Kühlschrank und den Schrank mit allen Trockenvorräten. Sie haben nirgends rumgeschnüffelt. Andere Leute haben berichtet, dass sie noch einige Äpfel an Bord hatten. Sie sagten sie werden sofort gegessen. Dann war dies auch kein Problem. Sehr nette Typen. Gerüchte von Geldstrafen kursieren wegen einer einzigen Banane.

Doch eine halbe Stunde später kam eine Señora vom SAG mit Aktentasche unter dem Arm geklemmt an Bord. Lebensmittelkontrolle! Ich präsentierte ihr das frisch gestempelte Formular. Sie hätte drei Stunden auf uns im Büro gewartet! Sie war sichtlich sauer. Bevor wir zu ihr konnten, war der Besuch auf der Capitania und Inmigracion und Aduana angesagt. Dort erhielten wir das entsprechende Formular mit etwa unübertrieben 10’000 Fragen zur Ausstattung der Yacht. Unterhosen und BH Grösse mussten wir nicht angeben. Dieses Formular füllten wir in einer Kneipe bei einem kleinen Bierchen aus. Danach begaben wir uns direkt zum SAG. Dort war aber niemand. Später entdeckte ich den SAG Truck vor einer anderen Bar. Drinnen fand ich zwei Beamten vor einem Bier sitzend. Also gingen wir gemeinsam zu ihrem Büro und danach direkt zur Robusta für die Kontrolle.
Alles  easy. (Wie alles mit der Señora ausgegangen wäre, weiss ich nicht!?)
Wir sind auf dem Weg zum Cabo de Hornos zusammen mit Markku mit seiner Swan und noch zwei französischen Yachten. Bin schon ganz nervös! Wir werden am Wochenende wieder zurück in Puerto Williams sein….
Bis später Anja und Thomi

Reihenfolge der Behördenrally:

1. Capitania

2. Inmigracion (Öffnungszeiten: 9 Uhr, 3 Uhr, 6 Uhr)

3. Aduana (im selben Gebäude wie Inmigracion

Monster Formular ausfüllen

4. SAG (Agrikulturbehörde)

5. zurück zur Capitania

6. dann warten die SAG Beamten bei der Micalvi um mit dir an Bord zu gehen

Viel Spass!

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