November 20

Blanke Nerven / Behördenrennen

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Ui ui ui ich rase Kilometer hin und her von Behörde zu Behörde. Shit und heute haben die vom Zoll festgestellt, dass ich vor zwei Wochen nicht vorbeigekommen bin. Die haben ein Hirn wie ein I Book. Unglaublich. Vor zwei Wochen wurde unser Mast an Land gelegt. Dazu musste ich mit einer Bestätigung des Club Nautico Barlovento zum Zoll rennen, warauf sie ein aufwendig erstelltes Schreiben mit allen Details an Arbeiten die ausgeführt werden, erwähnt sind. Mast streichen, habe ich angegeben. Die rotte Stelle im Mastfuss habe ich nicht erwähnt. Bitte lesen und eine Unterschrift. Ja super. Die Lesebrille ist nicht dabei. Die Beamtin leiht mir ihre Brille aus. Das Amts-Castellano verstehe ich nur andeutungsweise. Immerhin kann ich ausschliessen, dass da nicht steht, ich werde ihnen die Robusta schenken.

Auf den Krantermin warten wir nun schon drei Wochen um die Robusta an Land zu stellen. Erst ist kein Platz frei, dann wird bei Regenwetter nicht gearbeitet, was ich nicht ernst genommen habe und somit vergebens zum Zoll gerannt bin. Die haben’s ja schön hier! Dann müssten wir bei dem  Wetter in der Schweiz ja höchstens einen Monat pro Jahr arbeiten! Bei Regen und vor allem bei Gewitter ist es für die Arbeiter zu gefährlich den Kran zu bedienen. Ja gut, dafür haben wir Verständnis!
Heute wird die Formularschlacht noch intensiver ausfallen. Schweiss überströmt stehe ich erneut am Schalter der Aduana, der Zollbehörden. Die Damen und Herren sind nicht erfreut, dass ich letzte Woche nicht wie versprochen mit dem Papier der Prefectura erschienen bin. Ich dachte der Club Nautico Barlovento hätte eine E-Mail geschrieben, dass die Robusta nun doch nicht an Land gestellt werden kann. Ich und niemand anders sei für die Übermittlung dieser Information verantwortlich! Upa, jetzt sind sie aber gereizt. Die vier Beamten und Beamtinnen verschwinden erneut in ihrem kleinen Büro, um dann lange nicht mehr zu erscheinen. In einer halben Stunde sollte ich mit dem entsprechenden Stempel beim Kran erscheinen. Das schaffe ich mit dem Fahrrad niemals rechtzeitig! Möglichst beherrscht klopfe ich nach einer gefühlten Ewigkeit mal an die Fensterscheibe. “Tranquillo” meint der Beamte und schiebt mir seine Tasse Mate Tee, das bittere Gebräu, zwischen den Papierstapeln und diversen Stempeln entgegen. Trink erst mal einen Schluck.

Der Tee tut gut – die letzten zwei Wochen waren für uns echt ein Wechselbad der Gefühle. Bis Aleko sich den Mast anschauen konnte, haben wir schon mal verschiedene Lösungen in Erwägung gezogen. Ein lokaler Bootsbauer wurde um seine Meinung gebeten. Das Resultat war niederschmetternd. Reparatur kostet 3500 Dollar und neuen Holzmast erstellen würde 6000 Dollar kosten. Die Telefonmastenfirma haben wir auch schon angeschrieben. Dei Antwort ist noch ausstehend. Hans der Zimmermann aus der Schweiz, der seinen Katamaran in Australien selber gebaut hat, relativiert die Diagnose und meint trocknen lassen und neues Holz einsetzen. Nun ist Aleko da und er repariert den Mast super professionell. Was für ein Glück wir haben ist unglaublich!!! Danke Alektistan!

Nun liegt mein Fahrrad auf der Ladefläche des Ford der Zollbehörde und sie fahren mich zur Marina zurück. Sie müssen eh ein Foto vom Schiff für ihre Akten machen wenn es an Land steht. Robusta hängt bereits in den Gurten als wir ankommen. Aber die Übung wird wegen Regen abgebrochen. Das bekommen die Beamten aber nicht mehr mit, weil sie vom Regen früher in ihr Büro flüchten.

 

 

 

November 8

Buenos Aires, Rio Lujan

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Sind schon in Buenos Aires angekommen! Gemeinsam mit Markku von Finnland,  segelten wir vor Einbruch der Dunkelheit von La Paloma in Uruguay los, in die Mündung des Rio de la Plata. Richtig einklariert haben wir nicht in Uruguay. Das ist in La Paloma nicht möglich. So hätten wir mit dem Bus zur Grenze von Brasilien reisen müssen, um dort den ganzen Papierkram zu erledigen. Die Busfahrer lassen dich an der entsprechenden Stelle aussteigen. Es hat niemand gemeckert. Auch nach zwei Wochen noch nicht. Darum blieb und das ganze Galam erspart.

Nur ein Gewitter, sonst war die Reise bis Buenos Aires sehr angenehm. Doch zu wissen nur wenige Zentimeter Wasser unter dem Kiel zu haben und die vielen Wracks die hier liegen sollen, gaben uns schon ein unbehagliches Gefühl. Die Reise bis zum Club San Martin durch den Canal Mitre waren fantastisch! Eine Nacht verbrachten wir in schönster Natur ankernd im Flussdelta um am nächsten Morgen ans Ziel zu gelangen. Wir hatten Glück. Hier einen Liegeplatz zu bekommen ist nicht einfach. Stepke und Aleko (Alekistan) haben für uns vorgespurt. Haben mit viel Ueberzeugungskraft einen Platz für uns ergattert! Das war echt mega super von ihnen. Grossen Dank euch beiden!!! Am besten ist, wenn die Clubs vorher per Mail angeschrieben werden um sich auch kurz vorzustellen. Das mögen sie. Nicht alle bieten Liegeplätze für Gäste an.

 

Unser erstes Asado! Die anwesenden Argentinier hatten ja fast einen Schock als Thomi Oregano auf das Fleisch schmiss. Aber als wir dann die ganze Wirbelsäule noch umdrehten bevor sie auf der Knochenseite fertig gebraten ist, da war klar, dass wir Ausländer keine Ahnung von Asado zubereiten haben!

So,  nach der Fleischüberdosis sind wir voller Energie geladen. Müssen den Mast behandeln. In der tropischen Hitze hat sich die Colanhülle vom Holzmast abgelöst. Für den Mast an Land legen, was wir in Barlovento tun werden, brauchen wir eine Bewilligung. Diesen Stempel hole ich beim Zoll in Tigre.

Maststufen, Winschen, alle Beschläge und die Colanhülle lassen sich recht schnell entfernen. Doch am Mastfuss entdecken wir eine faule Stelle! Vom Kabel konnte Wasser eindringen. Stepke und Aleko (Alekistan), die beiden reisenden Profis, werden die Stelle reparieren. Was für ein Glück wir doch haben!

Nächste Woche wird die Robusta auch aus dem Wasser gehoben. In La Paloma haben wir die Wassertanks aus der Bilge ausgebaut. Die Roststellen brauchen Pflege. Rost klopfen ist aber gefährlich im Wasser. Das Schiff könnte absaufen. So schnell kriegst du im Notfall bei der ganzen Bürokratie keinen Krantermin um dies zu verhindern!

 

 

November 1

Uruguay, La Paloma

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Der Plan ging fast auf! Der Wetterbericht war wie von den einheimischen Skipper versprochen echt genau. Flache Topografie macht es möglich.

Abends, mit dem auslaufendem Wasser motoren wir mit Robusta bis an die flache Stelle in der Flussmündung und ankern dort bis der Wind auf Nord-Ost dreht. Acht Uhr morgens, Anker auf und unter Motor laufen wir bei noch schwachem Nordostwind aus der Flussmündung. Heissa da gehts aber ab! Strom von Süd gegen Flussströmung. Selbst im super schön aufklariertem Schiff fliegt einiges aus dem Shapps! Chaos perfekt. Steile kurze Wellen bringen die Robusta arg ins Schlingern. Die Wellen können nicht flacher geschnitten werden, da es uns sonst in die Untiefen drückt. Der Spass dauert etwa eine Stunde!

Nur wenige Seemeilen vor La Paloma dreht der Wind auf Süd-West. Aufkreuzen ist angesagt. Den Hafen La Paloma habe ich schon mal angefunkt. Das ist in Uruguay sehr wichtig. Die sind nicht mehr so locker drauf wie in Brasilien. Die Senhora spricht englisch. Will viele Informationen von mir die ich so noch nie angeben musste. Zweite Wende, da dröhnt ihre Stimme schon wieder aus dem Lautsprecher. Sie will zwei Minuten später erneut die Position haben. Auf Backbord liegend, vernehmen wir ein schauderhaftes Geräusch! Erst gefriert mir das Blut in den Adern bis es wieder mit einem Schweissausbruch in Wallung kommt. Im selben Moment knistert es schon wieder aus der Funke. Nein nicht jetzt! Keine Ahnung was da wieder los ist. Hoffentlich springt der Motor an! Der Wind stellt gleich ab und dies bei noch schäumender See mit vorgelagerten Riffen und Strömungen!

Im Hafen liegt die Segelyacht SKOL! Was für eine freudige Überraschung! Wir sind in Uruguay angekommen!

Diagnose vom Geräusch, zwei Befestigungsschrauben vom Motorblock haben sich gelöst! Der Motor muss neu ausgerichtet werden.