October 12

Persönliche Eindrücke von Brasilien

 

 

Der Abschied stimmt uns echt sentimental. Die teils intensive Zeit werden wir wohl nicht mal mehr unter Alzheimer leidend vergessen.

Hier einige Eindrücke die uns immer wieder zum Schmunzeln bringen:

Die Brasilianer sind die herzlichsten Menschen der Welt. Aufzählen, was wir mit ihnen alles tolles erlebt haben, würde hier echt den Rahmen sprengen. Herzlichsten Dank an alle die uns geholfen haben und mit uns lustige Tage verbracht haben!

-Wichtigste Handbewegung: Daumen nach oben haltend, bedeutet “todo bem”, alles super.

-Sprachkenntnisse sind Türöffner! Das Brasilianische Portugiesisch ist eine wunderbar lustige Sprache, ich vermisse sie!

-Bus fahren: dieses Gefährt hält nur an, wenn du ausdrücklich mit hochgestrecktem Arm andeutest, dass du mitfahren willst. Manchmal hinten einsteigen, dann aber wieder vorne. Der Fahrpreis  in Lokalbussen ist immer gleich. Egal wie lange die Strecke ist. Beim Umsteigen muss neu bezahlt werden. Geld möglicht passend dabei haben.

-Sammeltaxi: meist handelt es sich dabei um die kultigen VW-Busse. Nur ganz wenig teurer! Der Preis ist von der Strecke abhängig. Erst beim Aussteigen wird bezahlt.

-Taxi fahren: Darauf bestehen, dass der Fahrer den Taxameter anstellt. Wenn du die Preise kennst, kannst du auch ohne Taxameter einen Preis im Voraus ausmachen. Lohnt sich sehr für lange Strecken! Achtung, ist aber illegal.

-Einkaufen: Super tolle schöne Auswahl an Gemüse, Früchte, Gewürze. Auf dem Wochenmarkt ungekühlt erhältlich und somit länger haltbar! Touristen und Einheimische bezahlen die selben Preise. Handeln lohnt sich oft, vor allem bei grösseren Mengen. Wenn du einen Beitrag zum Umweltschutz tun willst, bring deine eigenen Taschen mit. Die Brasilianer sind echte Weltmeister im jedes Produkt in hübsche bunte Plastiktüten zu stopfen.

-Kilorestaurant: Aus vielen Töpfen kannst du dir selber schöpfen was du magst. Achtung, vorher müssen die Pfoten gewaschen werden. Dazu findest du am Buffet, meist bei den Salatsaucen, eine Flasche Desinfektionsmittel.

-Bar, Kneipe: Willst du bedient werden, mach dich mit einem “ps ps” bemerkbar. Oft sind die Gerichte in den Speisekarten für zwei Personen gedacht. Wer geht denn schon alleine essen?

-Bier ist nebst dem nationaldrink Caipirinha das beliebteste Getränk. Runtergekühlt auf minus 3 Grad wird es in 0.6 Liter Flaschen mit einem Isolationschutz aus Plastik serviert mit mehreren Plastikbacher dazu. Hier wird immer geteilt! Ist der Durst nach der ersten Flasche noch nicht gestillt, nimm sie aus dem Isomantel, und schon wird die nächste geliefert. Die leeren kommen unter den Tisch.

-Fleisch: Das Paradies für Carnivoren – der Graus für Vegetarier sind die Churrascarias. Leckerstes Fleisch vom Grill mampfen bis der Bauch platzt.

-Bürokratie ist riesig, doch die Beamten sind immer super freundlich drauf und manchmal scheint mit dem sogenannten “Jeitinho” das Unmögliche möglich zu werden. Die Brasilianer haben zum Überleben hoch sensible Instinkte und listige Auswege entwickelt um mit all den Hindernissen und Vorschriften fertig zu werden.

-CPF Nummer: Ist eine Art persönliche Steuernummer. Ohne CPF geht fast nicht’s! Sogar beim Arztbesuch oder bei Reparaturen wird diese Nummer verlangt. Da kommt dann eben der “Jeitinho” zum Zug. Doch der Computer kann leider mit dem “Jeitinho” nichts anfangen.

-Telenovela: Liebesschnulzen und Drama Serien sind hoch im Kurs. Sogar während der Arbeit werden sie auf dem Handy mitverfolgt. Kann darum schon mal vorkommen, dass du in einem Geschäft etwas länger warten musst um bedient zu werden.

-Klingeln: Diese Dinger funktionieren selten. In die Hände klatschen – und schon öffnet sich die Tür.

-Mechaniker: Bei Reparaturen schriftlichen Kostenvoranschlag von mindestens zwei empfohlenen Mechanikern einholen. Dies ist auch auf einem Fresszettel verbindlich.

-Pünktlichkeit: Abhängig von der Wichtigkeit des Termins.

-Reklamationen im Geschäft / Umtausch: Würde der Brasilianer niemals machen. Ist halt einfach Schicksal.

-Iate Club: Nicht alle Clubmitglieder interessieren sich für’s Segeln. Clubmitglied wird jemand der seine Freizeit gerne in einem geschützten Rahmen verbringt und es liebt Menschen zu treffen. Die Zeit mit der “Cortesia” ist fast vorbei. Nur wenige Iate Clubs gewähren noch 1 – 3 Tage kostenloses Liegen und Nutzung der Anlagen. Gäste sind jedoch immer willkommen!

-Vergitterte Häuser: Das Gefälle zwischen Arm und Reich ist riesig und offensichtlich! Pompösen Schmuck und Uhren tragen, Wertsachen und protzige Kameras sind zu Hause sicherer aufbewahrt und stellen aus meiner Sicht für unterprivilegierte Menschen eine Provokation dar.

 

 

October 11

Rio Grande do Sul

Als aller erstes suchen wir schnurstracks, bevor wir uns im Hafenbüro anmelden, eine schöne heisse Dusche! Bis wir wieder fein duften, ist das Büro geschlossen. Wochenende! Sonntag ist es von 10 bis 12 Uhr geöffnet. Also statten wir dem neben der Marina liegenden Museum einen Besuch ab. Die Ausstellung im Ozeanografischen Museum ist wirklich interessant. Wer kein Portugiesisch spricht, hat Pech gehabt. Sämtliche Beschreibungen sind nur in Portugiesisch. Ich bräuchte dringend den Dictionnaire um das alles genauestens zu kapieren. Dazu bin ich aber noch viel zu müde von der letzten Überfahrt. Gucke halt einfach. Im Museum darf auch fast alles angefasst werden. In Brasilien ist der Eintritt in Museen in der Regel kostenlos. Finde ich toll, so können sich alle Menschen sowas anschauen.
Wir fragen den bewaffneten Türsteher nach Lauro dem Direktor. Er begleitet uns zu ihm durch den Museumsgarten. Da ist er, in einem Hüttchen über dem Fluss, cool eingerichtet, mit fantastischer Aussicht. Lauro bittet uns rein und serviert uns einen Tee. Er hat wohl nach unseren Augenringen geurteilt und uns einen starken Schwarztee verpasst. Irgendwie hat Lauro ein grosses Herz. Nebst erschöpften Seglern, nimmt er dort verletzte Meerestiere auf und päppelt sie wieder auf, bis sie gestärkt wieder in die Wildnis entlassen werden können. Ein Institut, in dem unterpriviligierte Jugendliche Skills im Bootsbau erwerben können, hat er auch ins Leben gerufen. Museu Oceanográfico.

Doch der Willi ist ein Fall für sich (er heisst anders, aber ich habe ihn immer so angesprochen). Als Baby kam er in die Station. Wurde bereits schon drei mal ausgewildert. Ist aber jedesmal innert kürzester Zeit zum Museum zurück geschwommen, hat dort solange rumgenervt und geheult, bis sie ihn wieder in sein kleines Gehege mit Swimmingpool rein liessen. Er ist nun schon 23 Jahre in seinem Pool. 15 Kilo Fisch verspeist Willi täglich und muss dabei gar nichts tun ausser Schnauze zu öffnen und von einer jungen Senora diesen in Empfang nehmen. Der Willi ist ja nicht blöd.

Drei Stunden später verholen wir die Robusta zum Museumssteg. Hier liegen wir total idyllisch mit tollster Aussicht. Wir wollen Lauro und Miriam als Dank zum Essen auf der Robusta einladen. Doch Thomi wird am nächsten Abend von fürchtelichem Brech-Durchfall geplagt. Er hat behauptet, der Eisbergsalat müsse nicht gewaschen werden. Der ist ja ganz zu. Da gehen die ganz klitze kleinen Bakterien nicht rein.

Danken dir Lauro und der Crew des Universitätsschiffes für die spannende Zeit mit euch allen! Auch herzlichen Dank an die hilfsbereiten Security Jungs und Frauen für’s Bewachen und dass ihr mit euren Schiesseisen nicht rumgeballert habt. Ja wir wissen, wir sind schliesslich in Brasilien. Witzig, dabei haben wir uns hier im Süden noch gar nie irgendwie bedroht gefühlt.