July 26

Paraty Arbeitswoche

DSCN0959-1280x960

Eine Woche schuften in Paraty. Nun ist Robusta wieder die Schönste 😉

Alle Marinas sind ungeheuer teuer. Niemand will, dass wir an unserem Stahleimer rumschschleifen und die umliegenden chicen weissen Yachten mit Stahlstaub verwĂŒsten. Finden das optimale Floss um dort fest zu machen.

fixieren das Floss erst mit einem Anker damit es bei Ebbe nicht ins untiefe Wasser schwoit.

July 23

Rio de Janeiro

PTDC0073-1280x960

Eine Grossmetropole. Ich mag keine StÀdte. Schon gar nicht so riesige. Salvador hat uns gereicht. Doch Rio ist ein Muss. Wir können doch nicht an Rio einfach so im grossen Bogen vorbei segeln. Alle Menschen schwÀrmen von dieser Stadt.
Gerne wĂŒrde ich einen Freund aus der Schweiz, der nach Buzio ausgewandert ist besuchen. Doch die WindverhĂ€ltnisse tragen uns nach Rio de Janeiro. Kurz vor Rio schlafft der Wind sogar ganz ab. Wir motoren in der Dunkelheit in den Iate Clube Caritas von Niteroi bei Rio.
Schlafen mal richtig aus, gniessen die nette Anlage des Yachtclub und lernen Pete den Amerikaner, der auch nach Patagonien will kennen. Uns haut’s mal fast aus den Havaianas, als wir den Preis fĂŒr die LiegegebĂŒhr am frĂŒhen Morgen erfahren. Ein Clubmitglied bietet uns an, andere Yachtclubs abzuklappern. Er habe Zeit, sei pensioniert, mĂŒsse lediglich gegen ein Uhr seinen acht jĂ€hrigen Sohn von der Schule abholen. Wir bleiben zwei Tage im Yachtclub. Die anderen wĂ€ren noch teurer gewesen.
Von Anna und Franz haben wir den Tip fĂŒr den optimalsten Ankerplatz von Rio bekommen. In Urca. Ankern direkt unter dem Zuckerhut! Position… Friedliches nettes Quartier. Abends hocken alle vor den Bars am Meer entlang auf der Mauer. Dort lernen wir die Argentinier die ebenfalls auf ihrer Stahlyacht in der Bucht liegen und Andrea und Marc kennen. Bei ihnen zu Hause können wir unsere stinkige WĂ€sche waschen. Wau das war echt der Hammer. Danke fĂŒr die nette Zeit mit euch beiden! In Brasilien gibt es keine Waschsalons. Oder wir haben sie noch nicht entdeckt. Kleider mĂŒssen in teuren WĂ€schereien abgegeben werden.
Was stellt der Turist in Rio an? Die obligate Tour auf den Zuckerhut, Besichtigung des Christus auf dem Corcovado Berg, das neue Fussballstadion? Oder baden an den berĂŒhmten StrĂ€nden Cocacabana, Ipanema und Leblon?

Im ReisefĂŒhrer stosse ich auf einen Mann der Touren in die Favelas anbietet. Erst finde ich das Angebot pervers. Ich gehe doch nicht Menschen wie in einem Zoo Affen angaffen. Doch der Gedanke lĂ€sst mich nicht los. Es kann doch auch nicht sein, nur die netten Dinge zu besichtigen. Mich interessieren die Menschen, ihre Lebenssiuation. Dazu gehört auch hinzuschauen, auch auf die unschönen Dinge einer Stadt.
Ich rufe an. Ich frage ihn, ob es fĂŒr die Bewohner der Favela nicht entwĂŒrdigend ist, wenn er mit einer Horde Touristen anrĂŒckt. Manuel versichert mir, dass die Menschen von Rocinha die Touristen willkommen heissen. FĂŒr sie sei es eine Chance, dem Ruf von “nur Kriminelle und Drogendealer leben in Favelas” zu entkommen. FĂŒr die meisten sind die Favelas der Inbegriff des “Bösen, der Armut und Ausgrenzung. ”
Um zwei Uhr soll es losgehen. Vor dem Cocacabana Palace. Habe ich mich verhört? Das ist das feinste und teuerste Hotel der Stadt. Ich fluche schon und bereue, dass ich so eine depperte Turitour mitmache.
Mit einem klapprigen Ford Transit geht die Reise zusammen mit Fahrer Carlos, der selber in der Favela lebt, mit fĂŒnf weiteren Interessierten in die grösste Favela von Rio de Janeiro. Dort leben schĂ€tzungsweise 160’000 Menschen.
In Salvador habe ich mich einfach in einen öffentlichen Bus gehockt und bin durch die Favelas gefahren.

Doch Elia weiss viel ĂŒber die Favelas zu berichten. Sie beantwortet Fragen. Die Strasse steigt steil den HĂŒgel hoch. Die Armen haben hier die beste Aussicht! Erst zwischen protzigen HochhĂ€usern die kruvenreiche ehemalige Autorennstrecke hoch. Hinter einer amerikanischen Privatschule beginnt die grösste Favela Rocinha, wohl die grösste von ganz SĂŒdamerika. Monatliche Kosten fĂŒr die Privatschule belaufen auf 3000 Dollar pro Monat. Was fĂŒr ein Kontrast!
Ich erfahre, dass in Rio geschĂ€tzt 25 Prozent der Menschen in Favelas leben. Favelas sind illegal erstelte HĂŒtten auf nicht erworbenem GrĂŒndstĂŒcken an ökonomisch uninteressanten Standorten wie zum beispiel SteilhĂ€nge. Strom wird abgezwackt und somit illegal bezogen. Die Infrastruktur ist erheblich bis sogar ganz eingeschrĂ€nkt. Es mangelt an Kanalisation, Stromversorgung, medizinischer Versorgung, Bildungseinrichtungen. Grotesk, wer seine Kinder in die Schule schickt, bekommt finanzielle UnterstĂŒtzung vom Staat.
Es handelt sich meist um Land – Stadt Migranten aus dem armen nordosten Brasilens. Sie hoffen auf ein besseres Leben in der Grossstadt. Sie fahren zum Beispiel Busse und Taxis, verkaufen am Strand den Touristen mit mobilen StĂ€nden alles mögliche, arbeiten als Taglöhner auf dem Bau oder in einem der grossen Hotels an der Cobacabana. Regiert werden die Favelas von Drogenbaronen. “Amigos dos Amigos” heißt die Drogengang, die in Rocinha das Sagen hat. Hier herrschen andere Gesetzte die mit den Strukturen der italienischen Mafia zu vergleichen sind. Schutzgelder statt Steuern mĂŒssen bezahlt werden.

Wir steigen aus dem klapprigen Ford Transit und gehen zu Fuss weiter. Eine Regel noch: Nicht Fotos vom immern der Wohnungen machen, das ist immerhin noch privatsache. Wer Menschen fotografieren will, soll sie doch um erlaubnis bitten. Die Polizei hat leicht grimmig abgelehnt als ich sie fotografieren wollte. Die Gassen werden immer enger und verwinkelter. Kleine Treppen hoch und runter, HĂŒtten ĂŒber HĂ€user, nicht mal mehr der Himmel ist zu sehen. Kabelgewirr versperrt die Sicht nach oben. Aus den offenen TĂŒren ertönt Kindergeschrei oder aus einem Radio brĂŒllt laute Musik und da und dort klĂ€fft ein Hund. Klitze kleine Bars und Schönheitssalons, LĂ€den und StĂ€nde, es duftet nach leckerem Essen oder auch wieder mal nach Abwasser.
Die Menschen in den Favelas prĂ€gen die Kultur! Sie bereiten das ganze Jahr in unzĂ€hligen Arbeitsstunden den Karneval vor. NĂ€hen, basteln, gestalten, ĂŒben Choreografien ein, die sie am Carnaval vortanzen. Auch einige zaubernde Fussballstars sind den Favelas entsprungen.
In anbetracht auf die Fussballweltmeisterschaft 2014 und die Olympischen Spiele 2016 in Rio de Janeiro hat sich einiges getan. Im Jahre 2010 wurde eine 5000 Mann starke speziell ausgebildete Sondereinheit der Polizei gebildet, um die dortigen Drogenbanden zu vertreiben. Aber eben nur zu vertrieben. Dabei scheint es, dass sich die UPP auf die Zonen von touristischem oder olympischem Interesse konzentriert. Wie nachhlatig das Projekt ist, wird sich zeigen. Damit die Polizei in den engen Gassen der Favelas patroulieren könnten, mĂŒssten HĂŒtten abgerissen werden um Strassen zu bauen. Einige Umsiedlungsversuche wurden unternommen. Doch die Menschen mögen diese Wohnungen nicht. Diese HĂ€user haben keine Dachterrassen auf denen sie bei dröhnender Musik ein Churraco, eine Grillparty veranstalten können.

Wir besuchen in Rocinha die Einrichtung fĂŒr Kinder “Para Ti” fĂŒr dich.

Hier können sie spielen, können sich geborgen fĂŒhlen, bei den Hausaufgaben wird geholfen oder gar Nachhilfestunden in Kleingruppen erteilt. Dort sind Menschen die sich um sie kĂŒmmern, ihre Freuden, kleinen und grösseren Sorgen mit ihnen teilen. Eine Art wie Jugendtreff. Hier wird gemalt, kreativ gewirkt, Yoga und Capoeira und Feste gefeiert.

Sechzig Prozent der Einnahmen fĂŒr die Tour gehen an diese Einrichtung die ĂŒbrigens vom Fiat Autokonzern lanziert wurde.
Stellt euch vor, die katolische Kirche bietet AufklĂ€rung zur Familienplanung, bejaht VerhĂŒtungsmittel, dies wohl als Kompromiss zu zahlreichen illegal durchgefĂŒrhten Abtreibungen, die fĂŒr die Frauen oft auch tödlich enden.
Ich frage mich wie die Menschen hier zur Arbeit kommen. Die Wege sind steil und beschwerlich.
Der Name “Favela” stammt ĂŒbrigens von einer hĂŒbschen Kletterpflanze.
Meine Gedanken drehen immer wieder um die Favelas. Ich möchte noch vieles mehr erfahren! Dazu werde ich noch folgende BĂŒcher lesen:
“Tropa de elite” /(Elite squat) und “The Slum” von Azevedo.
Sehr zu empfehlen ist der Film “Cidade de deus” /(City of God), der viele Filmpreise gewonnen hat. Die Darsteller sind fast alle in dieser Favela aufgewachsen. Zehn Jahre spĂ€ter wurde ein Dokumentarflilm gedreht, um in Erfahrung zu bringen, was aus ihren Leben geworden ist. “City of God ten years later”.
Rio hat uns sehr beeindruckt. WÀre echt schade gewesen hier vorbei zu segeln. Es gÀbe noch so viel zu sehen. Doch die WindverhÀltnisse sind optimal um weiter zu ziehen.

July 11

Arquipelago Abrolhos

Buckelwale

“ABRA os olhos!” Mach die Augen auf! Das rief im 16. Jahrhundert ein Seemann dem anderen zu, wenn das Schiff vor der KĂŒste des brasilianischen Staates Bahia in die NĂ€he der Korallenriffe kam. Diesem stĂ€ndig wiederholten Warnruf soll eine Inselgruppe, die aus fĂŒnf kleinen Inseln besteht, ihren Namen verdanken: Abrolhos.

Wir haben GlĂŒck! Fast richtig getroffen mit der Flaute. Kurz vor dem Archipel stellt der Wind ab. Da es noch dunkel ist, nehmen wir die Segel runter und  lassen uns treiben. Gehen schlafen und halten alle dreissig  Minuten Ausguck. Bei Tageslicht motoren wir die letzten zehn Seemeilen und ankern sĂŒdlich der Ilha Santa Barbara im ruhigen Wasser. Eine Fregatte der Brasilianischen Marine liegt prominent protzig in der Bucht vor Anker.

Mit dem Dinghi paddeln wir an Land. Doch bevor wir auch nur einen Fuss an Land setzen können, werden wir von einer wild gestikulierenden  Senhorita, mit hĂŒbsch geblĂŒmten Kleid daran gehindert. Dies sei militĂ€risches GelĂ€nde welches nur mit einer Bewilligung betreten werden darf. Haben wir nicht. Ich frage nach dem berĂŒhmten ” jeito”. Ein Ausdruck, der in Brasilien alles möglich machen soll. Sie lĂ€chelt, schickt uns wieder weg, ruft hinterher, wir sollen um fĂŒnf Uhr auf Kanal 69 nachfragen, ob wir den Leuchtturm besichtigen dĂŒrfen.

Also paddeln wir wieder zur Robusta, schnallen den Aussenborder ans Dinghi und furzen zur Vogelschutzinsel die wir offensichtlich auch ohne Bewilligung besichtigen dĂŒrfen. Die FĂŒhrung koste aber 54 Reals pro Person. Ganz schön teuer, aber ist ja eine gute Sache. Die Insel ist vor allem von weissen Tölpel, Sula Leucogaster,  bewohnt die nur hier und im ArquipĂ©lago Fernando de Noronha brĂŒten. Sie legen jeweils zwei Eier. Überleben tut aber in der Regel nur ein KĂŒken. Das Schutzgebiet ist von Petropras dem Ölkonzern Brasiliens finanziert. Die FĂŒhrung dauert etwa eine Stunde. Ich erkundige mich wo wir  bezahlen mĂŒssen. Die Studentin entschuldigt sich in aller Form. Dies sei leider jetzt gerade nicht möglich. Sie hĂ€tten keine Formulare mehr die dazu nötig sind. All right! In Brasilien geht nichts ohne Formular, Stempel oder CPF, der persönlichen Identifikationsnummer. Kein Arztbesuch, aber gar nicht’s geht ohne dieses CPF Ding. Nicht mal den Computer kannst du in einem GeschĂ€ft zur Reparatur abgeben ohne  diese  Nummer. Mit viel GlĂŒck akzeptieren sie einen auslĂ€ndischen Pass! Alles will exakt protokolliert und notiert sein in solch einem grossen, sich neu organisierendem Land. Nimmt mich wunder wo die all die Berge Papier hin stopfen, die nach Gesetz fĂŒnf Jahre aufbewahrt werden mĂŒssen.

Der “jeito” hat gewirkt. Wir dĂŒrfen die Insel Santa Barbara auch ohne Bewilligung betreten und den Leuchtturm besichtigen der den Schiffen  den Weg in der Dunkelheit weist. Tiefgefroren nach dem Schnorcheln, bunte  tropische Fischen im geschĂŒtzten Korallenriff anschauen, gehen wir kurz vor der DĂ€mmerung an Land. Wir werden sogar mit einem Dinghi bei der Robusta abgeholt!

Am Bugspriet bimmelt die Schiffsglocke die wir dort angebracht haben, damit die Wale, die nachts knapp unter der WasseroberflĂ€che schlafen, uns hören können. Wir hoffen so eine Kollision mit diesen Geschöpfen zu vermeiden. FrĂŒh morgens segeln wir weiter Richtung SĂŒden. Und schon sehen wir in der Ferne die erste FontĂ€ne. Da mĂŒssen Buckelwale sein! Die Studentin von der Vogelinsel gab uns Hinweise zum Verhalten wenn wir Wale begegnen. Nicht nĂ€her als 100 Meter an sie heranfahren. Nur von hinten. Falls sie uns zu nahe kommen, einfach den Motor anstellen. Diese Aussage irritiert mich ein wenig. Sie meinte wohl wenn sie direkt vor dem Bug auftauchen sollten. Ich wusste gar nicht wie verspielt diese Viecher sind. Sie springen mit dem ganzen Körper aus dem Wasser und klatschen mit grossem Getose in die Fluten. Zeigen uns ihre Flunken, schwimmen ganz nahe an der Robusta vorbei und winken dabei mit ihren gigantischen Flossen. Was fĂŒr ein wunderbares Schauspiel das sich den ganzen Tag so hinzieht. Hier im nur um die 30 Meter tiefen warmen Wasser, gebĂ€ren die KĂŒhe ihre Babys. Im November ziehen sie mit ihrem Nachwuchs wieder in die nahrungsreiche  kalte Antarktis zurĂŒck . Erst probier ich noch zu fotografieren. Doch bei dem Seegang ein Ding der Unmöglichkeit. BefĂŒrchte die Kamera könnte Salzwasser abbekommen. Die Wasserdichte GoPro wurde uns ja geklaut. Wir geniessen das Schauspiel einfach so  und werden es als schönstes Erlebnis in Erinnerung behalten! Die beste Jahreszeit um Wale zu sehen ist zwischen Juni und November.

July 7

Auf den Spuren Cabral’s

Santo-André

Die langgezogene sanfte Atlantik DĂŒnung verĂ€ndert sich. Wellen tanzen ungeordnet umher. Schaumkronen glitzern im Sonnenlicht. Der Wind Ă€ndert seine Richtung. Die Luft riecht blumig betörend. Schwarzblaues Wasser Ă€ndert seine Farbe in tĂŒrkis bis sandiges beige.

AusgerĂŒstet mit Seekarten auf dem Plotter, mit GPS und  AIS brausen wir mit östlichen Winden von Ilheus los. Neu sind wir sogar in Besitz von Navionics. Kein mĂŒhsames Zusammensuchen der Gezeitendaten aus dem Internet  ist mehr nötig. Alles praktisch auf dem Smartphone. Seekarten  von ganz SĂŒdamerika fĂŒr 55 Franken. Unglaublich.

Damals  zur Zeit der grossen Entdecker,  ohne all die Technik, was waren das doch nur fĂŒr mutige Menschen!

Ich stelle mir vor, ich Anja Cabral hocke im Ausguck einer Karavelle, nehme wahr wie sich das Meer plötzlich verĂ€ndert.  Von Portugal via Kapverdischen Inseln bei Westafrika seit dem 9. MĂ€rz auf See. Auf der Suche nach einer Route mit stetigeren Winden via SĂŒdafrika nach Indien. Da sind die  gefĂŒrchteten Kalmen vor Westafrika, in denen die Schiffe teilweise Wochen in der Flaute nicht mehr weiter kamen. Menschen verdursteten und verhungerten.  Vor  515 Jahren machte sich der Portugiese Pedro Alvarez Cabral mit einer Flottillie von 1500 Mann mit dreizehn Karavellen, auf die Suche nach einer neuen Rute.  Cabral hoffte im Westen auf bessere Winde. Dabei stiess er unerwartet  am  22. April 1500 beim heutigen  Santo AndrĂ© auf Land und entdeckte somit Brasilien. Er glaubte zuerst es handle sich um eine Insel.

Auf den Spuren Cabrals Brasilen entdecken. Nur ist es  noch dunkel. Ich kann die VerĂ€nderung der Farbe vom Wasser nicht erkennen. Nach Seekarte sind hier viele vorgelagerte  Korallenriffe. Die Route in den Fluss nach  Santo AndrĂ© / Cabralia muss genau geplant sein. Hochwasser ist erst gegen halb zwölf. Wir treiben vor der KĂŒste und warten auf den optimalen Zeitpunkt. Aus der Ferne erblicke ich eine Scuna die in Richtung Flusseinfahrt rauscht. Wenn die da jetzt rein passt, können wir auch los! Wir verfolgen die Scuna. Fahren dicht hinter ihr her, ganz nahe am Strand entlang. Ich hocke am Plotter  und gebe Anweisungen nach Seekarte wo lang fahren. Neiiiin mehr Steuerbord! Wir knallen in wenigen Sekunden ins vorgelagerte Riff! Thomi brĂŒllt zurĂŒck: ich bin direkt hinter der Scuna, mehr rechts geht nicht! Da ist eine Sandbank! Ich kralle mich schon mal vorsorglich am Kartentisch fest. Das kann nicht sein! Ich haste nach oben, will das Steuer rumreissen. Wild schĂ€umendes Wasser auf allen Seiten. Backbord Riffe und Mangroven die aus dem Wasser ragen, Steuerbord die Brandung vom Ufer. Wir sind durch! Das Wasser wird wieder ruhiger und tiefer! Krass.

So geht’ ohne GrundberĂŒhrung zwei Stunden vor Hochwasser, Springtime bei einem Tiefgang von1.80 Meter!  Nicht zu frĂŒh aufatmen: Im Riff links steckt ein Holzstock der wie eine Frau aussieht. Dort abdrehen und Richtung Gaivota Kneipe steuern und ankern. Achtung nicht im Fahrwasser ankern!

Ohne Scuna wĂ€ren wir wohl im Sand stecken geblieben ;-). Die Angaben in der Seekarte sind wage und ein Flusslauf verĂ€ndert sich immer wieder. Wir ankern im Fluss vor der Kneipe Gaivota. Der LiebenswĂŒrdige Wirt erlaubt uns die Dusche zu benĂŒtzen.

Mit dem Dinghi fahren wir mit einlaufendem Wasser im Fluss nach Cabralia. Fahren mit dem Bus nach Porto Seguro, verbringen einige nette Tage an den schönen StrĂ€nden der Gegend, lernen Anna und Franz mit Tochter Milena kennen. Thomi repariert den Autopilot von der “Out of Rosenheim”. Thomi hat von seinem alten Segelboot dieses Ersatzteil mit auf die Reise genommen.  Annemarie und Werner von der „Out of Rosenheim“ sind ĂŒber glĂŒcklich nicht mehr von Hand steuern zu mĂŒssen!

July 3

Ilheus

DSCN0424

Es regnet was der Himmel nur so hergeben kann. Strassen sind ĂŒberschwemmt und teilweise auch unterschwemmt. Was bedeutet, dass schon mal da und dort ein fettes Loch entstehen kann! In den Nachrichten zeigen sie ein Bild, da steckt ein ganzes Taxi kopfĂŒber in solch einem Loch! Nun verstehe ich endlich warum die Taxis bei so heftigen NiederschlĂ€gen nicht gerne fahren.

Eigentlich wollten wir hier ja gar nicht stoppen. Mussten kurz vor dem Ziel gezwungenermassen umdrehen.

Geplant war mit dem SĂŒd-Ost Wind so weit wie möglich nach SĂŒden zu segeln. 40 Seemeilen vor Porto Seguro nahm der Wind bis zu 29 Knoten zu. Im GRIB File waren 10 Knoten vorhergesagt und sogar noch Flaute bis der Wind am ĂŒbernĂ€chsten Tag auf SĂŒd drehen und bis 25 Knoten zunehmen wird. Handelt es sich nur um einen durchziehenden Squall? Sind die Prognosen derart daneben? Wir mĂŒssen auf die Bremse, sind viel zu schnell. Wir wollen nicht in der Nacht ankommen. In der Bucht von Ilheus ankern viele Fischerboote, die in der Dunkelheit schlecht auszumachen sind. Wir binden zwei Reff‘s in das Grosssegel. Den KlĂŒver rollen wir zu zwei Drittel ein. Breschen noch immer mit 6 Knoten durch die Wellen. Immerhin auf Vorwindkurs. Bei diesem Sauwetter sind keine Fischer draussen die bei Regen schlecht zu sehen sind.

Am frĂŒhen Morgen fĂ€llt der Anker vor dem Iate Club in der Bucht von Ilheus. Daniel hat hier mal gelebt und will mit uns zusammen gleich Freunde besuchen gehen.

Hier fragen wir gleich mal im Iate Club nach einem Mechaniker. Er soll morgen um zehn Uhr kommen wird uns versichert. Wir wollen uns die mittels Motorenhandbuch gestellte Diagnose bestÀtigen lassen.

In der hĂŒbschen kleinen Stadt essen wir mit Daniels Kollegin in einem Kilorestaurant. Typisch fĂŒr Brasilien. Jeder schnappt sich einen Teller und geht zum Buffet und schaufelt sich, was er mag aus den zahlreichen ca. 20  Töpfen und SchĂŒsseln mit all den verschiedensten Leckereien auf den Teller. Dann geht’s auf die Waage. Nein nicht wir, der Teller mit Inhalt wird gewogen.

Susi vermittelt uns auch noch einen Mechaniker. Lastwagenmechaniker soll dieser sein. Geht ja auch. Wir haben ja einen Traktorenmotor im Schiff. Er wird auf neun Uhr bestellt. PĂŒnktlich um 9 Uhr, wie wir Schwiizer sind, hocken wir frisch geduscht im Iate Club Restaurant und erwarten den ersten Mechaniker. Gleich ist es Zehn Uhr, mal schauen ob es Nummer Zwei schafft. Ja tatsĂ€chlich um halb elf trifft ein Mann im ölverschmierten Overall, mit etwas ĂŒberdimensionierten HasenzĂ€hnen und von schlaffer Statur ein.  Kaum zu glauben, dass so ein Mensch eine Schraube lösen kann. Ich denke schon wieder gemein. Was ist denn das schon wieder fĂŒr eine Pappnase?! Thomi und Daniel fahren ihn mit dem Dinghi zur Robusta. Die Diagnose wurde vom schlaffen Mann bestĂ€tigt. Er verspricht uns ein neues Relais zu besorgen. Gleich noch ein zweites als Ersatz fĂŒr alle FĂ€lle.

Anja