April 8

Robusta hat Bauchweh!

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Ja jetzt liegen wir vor Itaparica in der netten Ankerbucht und rätseln was mit Robustas Motor los ist.

Das Geräusch muss von der Welle gekommen sein: Beim Zusammenpressen der Lippen der Wellenlippendichtung, entlud sich eine heiss dampfende Rauchwolke. Gleich darauf floss auch schon wieder Wasser in die wassergeschmierte Welle und wir schafften es noch bis hier her zu motoren.

Diverse Gespräche mit Seglern vor Ort, darunter auch Schiffsmechaniker und Möchtegernallesbesserwisser, Scharlatane und nach einigen E-mails in die Schweiz, ergaben nach eingehender Gewichtung nun folgende Diagnose:

Die Volvo Penta Gummi Lippendichtung, die wir ja erst in Schottland ersetzt hatten, muss wohl durch die Überhitzung hart geworden sein und ist demzufolge nicht mehr voll funktionstüchtig. Also bis jetzt dringt noch kein Wasser in den Motorraum ein. Fahren wir unter Motor, wird die Welle warm, so dass es noch knapp erträglich ist sie anzufassen. Eventuell hat das Lager auch noch Schaden abbekommen. Wissen wir aber erst wenn alles auseinander gebaut ist.

Wieso war da kein Wasser mehr im Schaft??

Der Motor war für Wochen sozusagen nicht mehr im Betrieb genommen worden. Sind immer gesegelt. Robusta ist ja eine Segelyacht und kein Motorboot. Sonst würde sie ja Robusto heissen. Haben sich da etwa drei Frösche auf den Wellenausgang gehockt? Konnten kleine Muscheln in den Schaft eindringen, haben dort drinnen eine rauschende Party gefeiert und das ganze Wasser ausgesoffen? Es wird sich ja zeigen wessen Diagnose betreffend Wasser im Schaft stimmt: Die der Frau – des Mechanikers – der Scharlatane oder der Möchtegernallesbesserwisser.

Spass beiseite, herzlichen Dank für all die Ratschläge und Hilfe! Als Laie ist es manchmal wahnsinnig schwierig all die gut gemeinten Tips, die teilweise so unterschiedlich und niederschmetternd daher kommen, zu beurteilen.

Wir bestellen eine neue Stopfbuchse. Bemühen uns einen schlauen Mechaniker und einen Platz zu finden, um die Robusta aus dem Wasser zu heben um auch noch das Unterwasser gegen Bewuchs und Muscheln zu behandeln.

Am 8. April drehte der Wind nach Süd und wir packten die Chance um von Itaparica alles unter Segel in die Marina Pier Salvador zu gelangen. Den Motor wollen wir möglichst nicht brauchen. Vor der Einfahrt der Bucht liegt noch eine Sandbank, müssen also die Tiden berücksichtigen damit wir dort durch kommen. Tom von der Cariad begleitet uns und bleibt sicherheitshalber immer in unserer Nähe. Sollte der Wind zu früh abstellen, würde er uns bis nach Salvador abschleppen. Grandiosen Dank Tom!!!

Hier soll es einen Kran geben der Schiffe bis 15 Tonnen aus dem Wasser heben kann und einen Mechaniker. Ausser dem freuen wir uns riesig, unsere Freunde Ugur und Maral von der Blue Belle dort wieder zu sehen. Die beiden haben wir in den Cabo Verden kennen gelernt. Auch sie wollen wie wir nach Patagonien. Auf dem Atlantik ist ihr Vorstag gebrochen und der Mast geknickt. Am Motor mussten die beiden auch noch eine gröbere Reparatur vornehmen. Nun sind sie bald schon drei Monate in Brasilien und warten auf Ersatzteile die nicht ankommen. Ihr Visum läuft auch demnächst aus und sie haben ausser Recife und Salvador noch gar nichts von Brasilien kennen lernen können. Von ihnen erfahren wir, dass Dilek, die erste Türkin die Einhand um die Welt segeln wollte, ihre Yacht auf dem Atlantik verloren hatte. Sie wurde glücklicherweise von einem Frachtschiff gerettet.

Kurz vor Sonnenuntergang laufen wir in der Marina Pier Salvador ein.

Doch wo ist nun der versprochene Kran? Der sei nicht hier. Das tolle gelbe Ungeheuer ist im 15 Seemeilen entfernten Aratu! Immerhin will der Mechaniker sich schon mal unserem Problem widmen. Doch der Kerl ist zu fett und passt nicht in den Motorraum!

Anja