July 17

Fortsetzung der Robusta Renovation

Robusta-am-Haken

Hier in Inverness, Scottland oder im Whiskeyland, ist ein guter Ort um am Schiff zu arbeiten. Robusta steht nun an Land. Einige Reparaturen stehen an: Ein paar waren geplant und natürlich auch noch Unvorhergesehenes kam dazu. Die ersäuften Batterien vom Ankerkasten war  zum Beispiel nicht geplant. Am Propellerschaft muss eine Dichtung erneuert werden – was nur an Land vorgenommen werden kann, da sonst das Boot auf der Stelle absaufen würde. Als der Schaft endlich rauskam, stellte sich heraus, dass die Welle selbst korridiert war und ebenfalls  ersetzt werden muss. Lieber jetzt als später an einem Ort wo eine solche Reparatur nur noch schwer zu schaffen ist. Die Handwerker sind kompetent und trotzdem noch einigermassen bezahlbar. Jedenfalls auf dem EU Festland hätten wir ganz andere Preise. Nun da Robusta schon mal an Land steht und wir keine Lust haben nur auf Ersatzteile zu warten, wollen wir das Deck sanieren. Dazu haben wir uns in Petergrind, äh Peterhead,  von einem  Shippainter beraten lassen. Hydroblasting war die Idee. Er riet uns jedoch ab. Er machte sich Sorgen um unsere Fenster. Wenn seine Arbeiter aus Versehen diese mit dem Hochdruckwasserstrahl treffen, würde dies bedeuten, dass Robusta innert Sekunden eine heftige Innendusche abbekäme. So dreckig ist sie nun auch wieder nicht das so was nötig wäre. Na anyway –

Herr Shippainter hat uns drei Eimer Industrie-Schiffs-Farbe verkauft und uns eingehend beraten wie wir vorzugehen haben, welche Werkzeuge etc. Super cool. Wenn wir schon mal dran sind, ist die Idee, dass wir die alten Einkomponenten Farben bis auf den Stahl  entfernen werden. Alles soll mit Zweikomponentenfarbe gestrichen werden. Hält einfach viel besser. Wir haben ja Zeit.

Husch zum Charity Shop (Brockenhaus) in Inverness um Arbeitsklamotten zu kaufen. Hatten die natürlich nicht. Dafür fand ich zwei optimale “Jugosmokings” (tschuldigung für den politisch unsauberen Ausdruck, die mich kennen wissen dass ich absolut nicht fremdenfeindlich bin!) und grosse T-Shirts – schon fast kultige mit den Beatles drauf – werden schon bald mit Farbe verschmiert sein. Sorry!
Bei schönstem Wetter mit angenehmen Themperaturen zum Arbeiten, ohne dass gleich mit einem Sonnenstich gerechnet werden muss, starten wir mit dem Schwingschleifer und der Flex mit Drahtbürstenaufsatz. Resultat nach zwei Stunden Einsatz, eine riesige Staubwolke und nicht einmal einen Quadratmeter Farbe weg! So ein Mist!!! Das ist ja der volle Frust. John von der Werft bringt mich zu einer Werkzeugvermietung. Needlegun. Das soll das richtige Teil für solch eine Arbeit sein. Den Koffer öffne ich erst beim Schiff. In der Anleitung stehen schreckliche Dinge wie 105 Dezibel laut, kann ihr Gehör für immer ruinieren…. Gehörschutz tragen, nur mit warmen Händen und mit Schutzhandschuhen und Brille anwenden. Blutungen in den Händen können auch vorkommen. Wau krass. Ich wechsle gleich mal von meinen leichten Sportschuhen zu meinen Bikerstiefel. Nicht dass ich noch blutige Füsse bekomme.

Anja am needlen IMAG2110

Nach zwei Tagen ist nicht etwa die Arbeit geschafft – sondern der Needlegun. Plötzlich sind die zehn Zentimerter langen Stahlnadeln durch die Gegend geschossen. Enfach so.  Tot.

 Na dann halt schon wieder eine Zwangspause. Wochenende – nichts zu machen mit Werkzeug umtauschen.

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July 2

Wacheinteilung

Es ist Mitternacht und nicht ganz dunkel. Nur so, dass an der Küste die Konturen der Hügel erkennbar sind. In zwei Stunden setzt bereits wieder die Dämmerung ein. So der nette Part des Nordens. Gekleidet bin ich nicht etwa im leichten T-Shirt und kurzen Hosen  mit Schlappen an den Füssen. Nein,  Winterstiefel, Strumpfhosen, darüber trage ich Jeans und die chicken roten  Oelhosen die den Arsch vier mal grösser erscheinen lassen.  Abschliessend kommt noch die fette warme Jacke mit super warmer Schafwollstickmütze auf der Birne dazu.

Bin froh kann ich optimal im geschlossenen Steuerhaus hocken um meine Nachtwache zu schieben. Gammeldansk – die Windsteueranlage   – so von Olaf und Robert nach einem lecker schmeckenden dänischen Kräuterschnaps benannt, vergleichbar mit dem Schweizer Appenzeller, verrichtet seine strenge Arbeit super genial und zuverlässig.

Schichteinteilung: Das ist ja auch noch ein Thema für sich:

Ich bin der totale Nachtmensch. Thomi ist schon früh morgens recht frisch und fröhlich und sogar meist freundlich. Ich hingegen werde zum unerträglichen Monster, wenn ich geweckt werde. Störungen während dem Tiefschlaf, diese Schlafphase dauert bei mir übrigens sieben Stunden, ist für mich und meine Mitmenschen der absolute Gau.   Mama drehte früher schon fast durch, wenn sie mich jeweils versuchte aus dem Nest zu bekommen. Später während meiner Ausbildung, noch vor der technischen Revolution des Weckers,  musste ich sieben verschiedene solcher altmodischer, laut tickender Ungeheuer in meinem Zimmer aufstellen. Möglichst weit vom Bett entfernt damit ich mich erheben musste um den nervenden Krach abzustellen.

Die üblichen Wacheinteilungsmodelle von tagsüber vier Stunden und ab 20 Uhr im drei Stunden Rhythmus sind nicht unser Optimum. Sicherlich muss ich daran arbeiten von einer Sekunde auf die ander einschlafen zu können und gut gelaunt wieder aufwachen. Weiterhin ist mir schleierhaft wie ich subito hell wach werden soll. Trinke ich einen Kaffee, ist die nächsten 12 Stunden nicht mehr an Schlaf zu denken.

Hoffe auf freudigeres Aufwachen. Ist sowas lernbar oder schlicht angeboren und somit unveränderbar?

Um jeden Rat zu diesem Thma sind wir dankbar 😉

Anja