June 30

Unsere ersten Begleiter

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Olaf und Robert, wir vermissen euch!

War eine schöne Zeit mit euch beiden. Ihr wart wirklich mutig uns auf der ersten Etappe unserer grossen Fahrt auf Robusta zu begleiten! Wir sind ja selbst auch noch keinen Meter mit unserer Yacht gesegelt.  Uns gab es ein gutes Gefühl  und Sicherheit falls was schief laufen sollte, nicht ganz alleine zu sein.

Gemeinsam mit euch die Robusta kennen zu lernen,  wie sie sich erst bei leichten Winden segeln lässt, erste Anlegemanöver mit dem fetten Langkieler der nun wirklich nicht ganz einfach zu manövrieren ist da er seblstverständlich nicht mit einem Bugstrahlruder ausgestattet ist, und schliesslich noch die ruppige Passage  über die Nordsee von Norwegen nach Schottland, machten die ersten Erfahrungen wesentlich leichter.  Die ersäuften Batterien im Ankerkasten sind nun auch wieder ersetzt!  Immerhin blieben all unsere Betten und der Salon schön trocken. Ist auch was wert.

Kulinarisch waren wir von euch beiden ja auch top – sogar viersternmässig versorgt!

Sorry noch wegen dem Missverständnis wegen der Wachen! Thomi und ich gingen davon aus, dass wir geweckt werden für den Wachantritt. Olaf wartete brav und geduldig, bis wir von selbst antrabten was natürlich nicht automatisch geschah…. Für uns war es logisch, dass wir keinen Wecker stellen, da sonst alle aufwachen. Die Person die Wache schiebt, muss die Ablösung rechtzeitig sanft wecken. Am besten glich mit einem netten heissen Kaffee.

Nochmals herzlichen Dank für eure Starthilfe und  wir freuen uns, bald wieder mit euch weitere Etappen gemeinsam selgeln zu dürfen.

Nun sind wir vorserst einmal auf uns alleine gestellt!

Anja

June 25

Überfahrt nach Schottland

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Ja dieser Eintrag kommt ein bisschen spät, hatten wir doch keine Zeit bis jetzt, zu schreiben. Nun, wir hatten den Nordwind genutzt, um hart am Wind gen Schottland zu fahren, gestartet wurde am 16. Juni in Farsund, geplant waren 72 Stunden, oder ca. 300 Meilen für die Überfahrt. Die ersten Stunden verbrachten wir mit sehr wenig Wind aber mit hohen Wellen, da wir mit Landabdeckung den richtigen Wind noch nicht hatten. In der Nacht zum Dienstag und den Tag darauf hatten wir dann ca. 6 Bf Wind aus Nord und mussten die Robusta gegen denWind quälen. Das Fock erwies sich leider nicht als richtig segelbar, vermutlich hatten wir es falsch geriggt oder es ist halt einfach nicht mehr das neueste, gezogen hat es uns jedenfalls nicht. 3 Kt. Fahrt bei 6 Bf ist ja keine Meisterleistung. Erst am Mittwoch holten wir die Fock wieder runter und setzten das Genua einen Viertel. Der Wind nahm ab bis Donnerstag, wo die nächste Tiefdruckrinne aus dem Hoch geblasen wurde. Wieder 6 Bf. Am Wind Kurs. Die ganze Zeit. Irgendwie nahm es kein Ende! Erst am Freitag als der Wind abnahm und die Küste Schottland in Sicht kam konnten wir uns langsam wieder so einigermassen entspannen. Wo werden wir landen ? Wollten eigentlich an die Ecke Peterhead, doch ganz so weit nördlich kamen wir nicht. Wir landeten in Stonehaven. Wunden geleckt. Maleur: Ankerkasten lief voll Wasser, ca 500 Liter mussten herausgepumt werden. Also fuhren wir 500 Liter Wasser im Bug spazieren…

Stonehaven war dann ganz hübsch, eine kleine leicht touristische Stadt, pittoresk sagen die meisten dazu. Und gefeiert wurde auch, die vielen Pubs animierten uns, eine ganz andere Welt im Vergleich zu Norwegen, wo das Bier 4x teuer war.

Zwei Tage später fuhren wir bei Leichtwind nach Peterhead, ein Industriehafen der Ölindustrie. Hier sind die Leute die wir brauchen. Unser Deck ist ja nicht wirklich rostfrei und die vielen Schichten Farben, die das Deck heute trägt, macht eine erneute Überstreichung auch nicht mehr viel besser. Als wir im Fischerhafen waren, sahen wir die Hydroblasting Abeiter, die mit Wasserhochdruck die Farbe von den Frachtern entfernen. Also eine Art Kärcher, jedoch mit dermassen viel Druck dass Farbe, Rost und alles andere Widrige vom Stahl geblasen wird. Und mit einer Geschwindigkeit, dass uns nur das Staunen blieb. Auch Farbe soll man in England kaufen – Industriefarbe – 40 Pfund für 5 Liter 2 Komponentenfarbe… Einfach kein Vergleich zu der Yachtfarbe im Yachtshop für 50 Euro für 400 ml. Morgen besucht uns der Chef der Farben- und Strahlfirma Davidsons und wir lassen uns beraten wie die unser Deck freiblasen könnten… Ich rechne mit einem unschlagbaren Angebot. Wenn das so kommt wie ich mir das vorstelle, hätten wir im Nu unser Deck saniert. Wir berichten wie es hier weitergeht.. !

 

June 13

Farsund

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Seit gestern Mittag liegen wir nach einer super gemütlichen Überfahrt bei leichten südlichen Winden von Thyboron nach Norwegen in Farsund. Lediglich Nebel und einige grosse Schiffe gaben etwas Spannung in der Nacht. Auch der Skagerrak hat nicht das geboten, was er normalerweise tut… 

 “ Land in Sicht“ brüllten doch die Pioniere der Seefahrt aus ihrem Ausguck hoch oben im Mast in solch einem Fall. Zackige spitze Felsen ragen aus dem Wasser. Sorgfältige Navigation ist angesagt. Mit Nadelhözern bewachsene Berge. Fanstastisch! 

Wir schaffen es pünktlich aufs WM Eröffnungsspiel ins Farsunder Pub.  Bestellen gleich mal drei Bier. Bezahlt wird später. Das Girl an der Bar notiert einen Namen auf einen Zettel. Auf meine Frage wie sie uns denn getauft hat, reagiert sie mit einem verschmitztem Lächeln. „Strangers“. Na ja wer’s glaubt….

Am nächsten Morgen wird Proviant eingekauft. Optimal, der Einkaufsladen liegt genau neben der Anlegestelle. Die Norwegische Währung haben wir noch nicht im Griff. Mich haut’s  fast aus den Latschen als ich realisiere, wie viel wir für das Bier im Pub hingelegt haben. Es blieb ja natürlich nicht nur bei dem einen!

Morgen fahren wir nach Lyngdal in den Lyngdalsfjorden hinein, wo wir ankern, fischen, baden und Beiboot fahren werden. Es ist hier wie im Tessin, mit Meer gefüllt. Einfach herrlich.

Anja

 

June 9

Thyboron

Robusta in Thyboron

Ein kleiner Standortbericht:

Nach Helgoland fuhren wir mit moderaten Winden, zum Teil Flaute und bestem Wetter nach Esbjerg. Dort erwartete uns einen Industrie- und Fischeihafen mit einigen Liegeplätzen für Segelboote. Ein kleiner Strandausflug und Besuch der Stadt reichte uns aber schon um weiter zu fahren. Eigentlich wollten wir direkt nach Norwegen übersetzen, doch wir konnten dem Hoch nicht entfliehen, das weitere Stunden Flaute uns zu schenken vermochte. Dies führte dazu, dass wir mit ganz langsamer Geschwindigkeit und schliesslich unter Motor den Hafen Thyboron ansteuerten, in dem wir nun liegen. Bei schönstem Wetter und angenehmen Temperaturen flätzen wir nun am Strand, auch baden konnte man herrlich.

Die Windsteuerungsanlage funktioniert wunderbar, auch bei leichten 5 Knoten Wind fahren wir durch diese gesteuert ca. 2-4 Knoten. Die Robusta ist ein Leichtwindsegler ! Hätten wir nicht gedacht, dass dieses doch schwere Schiff auch bei leichtestem Wind fährt und nicht unmotiviert den Wellen nachgibt. Stundenlanges Fahren ohne eine einzige Manipulation am Steuer beschenkten uns Zeit um die See zu geniessen.

Thomi

Dänische Freundlichkeit

Eigentlich wollten wir von Sylt direkt nach Norwegen übersetzen. Der Wind spielte aber nicht so ganz mit. So entschieden wir uns noch einen kurzen Halt in Thyboron im Norden von Dänemark einzulegen.

Thyboron – dort sammelten Thomi und ich unseren ersten Meilen für den Hochseeschein. Das war vor acht Jahren. Dieter vom Zürcher Segel Club hat uns angeboten auf seiner Carter 33 nach Norwegen mit zu segeln. Der Deal war folgendermassen: Thomi und ich gingen Wache und Dieter durfte die ganze Reise ausspannen. Von Dieter, einem wirklich super erfahrenem Seebär (gäll so darf ich dich schon nennen??), konnten wir wirklich so einiges lernen! Die Reise ging wegen einer ungünsigen Wetterlage damals allerding nicht nach Norwegen, sondern das Ziel war schlussendlich Galais zurück zum Liegeplatz in Nordfrankreich.

So beim zweiten Anlauf soll es nun klappen mal nach Norwegen zu gelangen. Nur noch schnell vor der Abfahrt die Gasbuddel ersetzen und los kanns gehen. Wetterlage perfekt für die Passage durch den Skagerrak. Im Gleichen wollte ich auch noch den schon etwas erbärmlich dreinschauenden Schlauch zur Gasflaschen erneutert haben.  So zottelten Thomi und ich mit unserem Rolli beladen ins Dorf los. Ich übertreibe nicht, aber es war schon fast tropisch heiss in Dänemark! Niemand wollte unsere Flasche eintauschen. Halb verdurstet fragten wir die Dame vom Hotelempfang, die etwas irritierend gekleidet war um Rat. Einer ihrer Gäste brauste sogleich mit dem Motorroller um die Ecke und brachte Thomi irgendwohin.

Ich latschte schon mal wieder zum Hafen zurück. Da kam mir auch schon Mister Mopet winkend entgegen. Sei alles geflickt! Schlauch ersetzt. Na wunderbar – aber wie! Wo normalerweise eine anständige Briede hinkommt um den Schlauch zu fixieren, war ein Klebeband zwanzigfach rumgewickelt. Er mache das immer so auf seinem Boot! Ich rupfte sein Werk subito wieder auseinander und machte mich auf den Weg zum Campingplatz. Dort wird es doch wohl Gas geben.

Der Herr vom Camping begutachtete den eben neu reparierten Schlauch und verwies mich zum Industiehafen. Ich verdrehte die Augen in meinem hoch rotem Kopf. Nein nicht schon wieder an den extrem stinkigen Ort von heute Morgen zurück. Er fuhr mich gleich mit seinem Auto zu seinem Kollegen in die Werkstatt. Hätte ich nie selber gefunden! Irgendwo zwischen Fischernetzen,  Bergen von Leinen, Kisten  und sonstigem Krimskrams war der Eingang. Die beiden quasselten etwas in Dänisch und verschwanden hinter den unzähligen Regalen während ich die monströsen Dieselmotoren begutachtete. Atmen konnte ich nur so ganz oberflächlich und möglichst nur durch den Mund um meinen arg strapazierten Würgerflex vom undefinerbaren  Geruch unter Kontrolle zu halten. Arme „Siächä“ die dort arbeiten müssen. Bäääh.

Und tatsächlich, die beiden haben den Gasanschluss unzerstörbar perfekt repariert! Hält bestimmt 100 Jahre. Als ich bezahlen wollte, waren sie voll beleidigt und wünschten mir eine Gute Reise. Herr Camping kutschierte mich sogar  noch direkt zu unserem Schiff.

Ist ja unglaublich! Würdest du so was tun?

Anja

June 5

Abfahrt !

Gallionsfigur

Letzte Vorbereitungen und Abfahrt !

Gallionsfigur

Am Freitag wurde unsere Gallionsfigur gebracht, sie ist so hübsch  und wird unser Schiff vor allen Gefahren des Meeres bewachen. Es ist eine ganz super tolle Arbeit von Claus, dem wohl einzigen noch bestehenden Gallionsfigurenschnitzer. Hier weitere Informationen zum Meister aller Meerjungfrauen: Birgit und Claus Hartmann

 

Namen

Der Name für das Schiff kam endlich drauf, ich hatte schon so lange darauf gewartet. Die Farbe hatte leider zu lange, um zu trocknen. Doch jetzt ist er drauf. Habe richtig Freude, dass das Schiff nun den Namen ROBUSTA trägt. Den Heimathafen “Basel” ist noch nicht drauf, hier hatten wir das Maleur, dass wir diesen in Schwarz bestellt hatten. Vieleicht auch besser so ?

Dieselfilter

Dieselfilter wechseln war eine Schweinesauerei. Nicht nur dass der Diesel aus den alten Filtern überall rumquoll, auch die Filter selbst waren voll von Sand und anderen Unreinheiten. Dies führte dazu, dass die neuen Dichtungen die Luft noch durchliessen und so die Dieselpumpe mehr Luft als Diesel zog. Das führte dazu dass der Motor nicht mehr starten wollte. Bis man darauf kam, dass es daran lag, verging ein halber Tag. Ein Vorteil hat unser Deutz: Er ist selbstentlüftend. Das bedeutet, dass die normalerweise unangenehme Arbeit des Entlüftens des Motors entfällt. Das funktioniert natürlich nur wenn der Motor keine Luft saugt. Einige Stunden orgeln und der Motor startete nicht. Erst nach nochmaligem Reinigen der Dichtungen hatte ich Erfolg. Uff…

Wir haben nun alle Wartungsteile für den Motor in Genüge vorrätig. Spannend war die Suche nach Teilen aus dem Autormobilsektor, da gibt es Filter von MANN oder anderen Drittherstellern für unseren Vetus Deutz, die wesentlich günstiger zu haben sind. Wir haben nun acht externe Dieselfilter, zehn Ölfilter, sechs kleine Dieselfilter, vier Keilriemen und sechs Impellerpumpenräder. Das sollte für weitere 3000 Motorstunden reichen… Arbeiten am Motor bisher: diverse Ölwechsel, Keilriemen ersetzen, Dieselfilter tauschen.

Jade Wassersport Club

Hier möchten wir noch ein ganz grosses Dankeschön sagen für die tolle Zeit und die feine Gastfreundschaft des Jade Wassersportclubs Wilhelmshaven. Wir wurden jederzeit herzlich umsorgt und viel geholfen, wie man was am besten macht und wo man etwas am besten kriegt. Auch die schönen Pausenstunden werden wir nie vergessen. Speziellen Dank geht an Ralf und Holger, die leider bei unserer Abfahrt am Hafenfest in Bremen weilten. Ebenfalls an Uwe und seiner Familie, die den Liegeplatz neben uns belegten und immer für einen Aufsteller sorgten.

Abfahrt, Helgoland und Sylt

Am Montag, den 2. Juni gings endlich los. Bevor man den Hafen verlassen kann muss man einen Termin für die Schleusung und danach ein Termin mit der Kaiser Wilhelm Brücke vereinbaren, um aus Wilhelmshaven zu kommen. Berücksichtigen muss man die Tide, denn nur bei Hochwassser sollte man in See stechen, da man mit ablaufendem Hochwasser am besten aus dem Jadebusen fahren kann, denn das auslaufende Wasser spühlt einem mit ca. 2 Kt. Strom aus der grossen Bucht. So ging die erste Reiseetappe lediglich rund um Wilhelmshaven in den Tidenhafen Nassau nach 5 Seemeilen Fahrt. Am 3. Juni dann Start um 5 Uhr, Hochwasser. Bei Flaute fuhren wir unter Motor bis nach Helgoland, wo wir um 14 Uhr bereits ankamen. Die erste grosse Strecke, und Robusta bewährte sich! Es konnten die installierten Systeme das erste Mal getestet werden. Navigationssysteme, AIS und Radar funktionieren einwandfrei. Die Segel konnten auch das erste Mal gehisst werden, um zu schauen, ob alles stimmt. In Helgoland angekommen, hatten wir das Glück einen halbleeren Hafen vorzufinden, wo wir nur in einem Zweierpäckchen lagen. Leider vergassen wir, sofort Diesel zu tanken, da die Tankstelle nur zu Hochwasserzeiten angefahren werden kann, wegen dem Tiefgang. So mussten wir am nächsten Tag schon wieder um sechs Uhr aufstehen, um um sieben an die Tankstelle zu verholen. Nach zollfreiem Bunkern von Diesel aller Art legten wir dann ab mit dem Ziel Hörnum auf Sylt. Mit leichtem achterlichem Wind konnten wir das erste Mal richtig segeln. Und freuten uns wie die Kinder, dass die Robusta auch bei leichtem Wind nicht stehenbleibt. Bei 8 Kt Wind hatten wir 4 Kt. Fahrt. Gleich wurde noch das Handbuch der Windsteueranlage studiert und genau nach Anleitung die Anlage in Betrieb genommen. Was folgte war sechs Stunden feinstes Segeln, gesteuert von der Windpilot Pacific Plus ! Ankunft in Hörnum um ca. 16 Uhr, bevor die Schlechtwetterfront uns erreichte. Heute liegen wir gemütlich im Hafen, draussen regnet es fürchterlich.