November 21

Schleichender Abschied vom Barfussleben

Ein Wetterfenster für die Überfahrt nach Neuseeland zeichnet sich in den nächsten zehn Tagen auch nicht wirklich ab. Wir wollen Fiji möglichst spät verlassen. Beobachten jedoch aufmerksam das Wetter. Das im Osten sehr trockene Fiji, verändert sich nun rapide. Noch vor kurzem hat das trockene Steppengras oft gebrannt. Ein Grund dafür ist unter anderem, das Abfackeln der Zuckerrohrfelder, um die Ernte zu erleichtern. Diese Feuer geraten öfters ausser Kontrolle. Bereits nach den ersten Regenfällen nach der Trockenzeit erscheinen die Hügel in einem sanften grün.  Wäre doch schade schon in den Süden zu ziehen, gerade jetzt wo alles zu blühen beginnt!

Im Norden von Viti Levu soll es einen perfekten Ort zum Windsurfen geben. Am nächsten Tag dümpelt die Robusta mit sehr wenig Wind nach Nananu-i-Ra Island. Die Strecke ist von Riffen gespickt. Ich weiss nicht wie viele Yachten in Fiji Grundberührung hatten.  Aber es waren schon einige die das Ruder demoliert haben. Es heisst unter  Seglern; Aufgepasst, Fiji frisst Boote. Die Seekarten sind ungenau. So navigieren wir nur am Tag und bei guter Sicht. Google Maps als overlay in die Seekarte ist dabei eine grossartige Hilfe.

In der Safari Lodge leihe ich mir für eine Woche Windsurfmaterial aus. Mein eigenes habe ich in Buones Aires wegen Platzmangel verschenkt. Sause im türkis blauem Wasser bei 4 – 6 Bf hin und her und übe Manöver. Der Adrenalinkick beim Windsurfen ist halt schon geil! Der Ort ist auch perfekt zum Kitesurfen! Wir fühlen uns sehr wohl bei Warren,  Caroline und Sala. Die kleine einfache Lodge, mit dem hübsch angelegten Garten, ist eine tolle Abwechslung zum Seglerleben. Pennen tun wir immer noch auf der Robusta die im Südwesten von Nananu-I-Ra absolut geschützt vor Anker liegt.

Die lustige Zeit vergeht viel zu schnell. Die Zwiebelsocken gegen Warrens Erkältung, die er natürlich nicht anziehen wollte, wahrscheinlich da diese im Bett unsexy aussehen, wurden zum running gag.

Doch dann erwischte es Thomas. Akute Zahnschmerzen. Genau jetzt wo ein  Zahnarzt am weitesten entfernt ist. Auch er wollte die sexy Socken nicht anziehen. (Ehrlich gesagt bin ich auch froh, dass kein Stinker neben mir im Bett liegt).  Zwiebel soll ja ein Wundermittel gegen allerlei Beschwerden sein. An den Fusssohlen angebracht, zieht sie krankmachende Giftstoffe aus dem Körper.

 

Thomas kann mit Warren nach Lautoka zum Zahnarzt fahren. „Zahnschmerzen? O.k, in dem Fall kommst du zum Zahnziehen“ meint die Assistentin. NEIN! Bitte reparieren… Fluchtartig sucht Thomas einen anderen Zahnarzt auf. Diagnose: Entzündung am Wurzelkanal. Das könne er nicht reparieren. Er verschreibt Antibiotika und Schmerzmittel. Für die Behandlung muss Thomas zu einem Zahnarzt in Suva auf der anderen Seite des Festlandes. Bravo. Mit dem Bus dauert die Reise dort hin knapp sechs Stunden. Doch da sind auch noch die kleinen Busse. Meist Toyotas mit 15 Sitzplätzen. Sehen recht gut aus. Alle voll aufgepimpt. Doch die Einheimischen meinen, wir sollen nicht mit denen reisen. Die sind oft in Unfälle verwickelt. Kein Wunder, die müssen im Schnitt mit 100 km/h an der Küstenstrasse entlang brausen. Nur so kann die versprochene Fahrzeit von 3 Stunden eingehalten werden. Auf dem Weg zum Busbahnhof ereignete sich ein Unfall in dem ein grosser Reisebus verwickelt ist. Wir entscheiden uns für die Minibusse. Gleicher Preis – doppelt so schnell. Der Fahrer sieht vielversprechend aus. Doch die rote Schrift „Lautoka – Suva – Lautoka“ im Zombie – Blutstyle, lässt Zweifel aufkommen.  Irgendwie kommt Thomas eine Stunde zu spät beim Zahnarzt an. Nein nicht weil der Fahrer anständig gefahren ist. Sondern weil der Bus erst losfährt wenn er voll ist. Thomas regt sich auf. Hey, mach dich locker. Hier geht alles nach „Fijitime“. Der Zahnarzt hat jedenfalls nicht gemotzt. Er hat trotzdem echt perfekt gearbeitet. Super moderne Praxis. War teuer aber gut. In einem Monat, Mitte Dezember, steht der zweite Teil der Behandlung an. Das ist jetzt aber blöd. 

Die offizielle Zyklonsaison dauert von 1. November bis 30. April. Die meisten Stürme sind jedoch im Februar zu verzeichnen. Eigentlich wollten wir mit dem nächsten Wetterfenster los. Jedenfalls wäre es schön, Weihnachten in Neuseeland mit Freunden zu feiern.

Die Route nach Neuseeland ist etwas spezieller und kann eine echte Herausforderung darstellen. Winde aus verschiedenen Richtungen, Stürme und Flauten sind keine Seltenheit. Zu früh lossegeln ist auch nicht gut. Im Südpazifischen Frühling ist es in Neuseeland noch empfindlich kalt und stürmisch. Also so gilt es den exakt besten Zeitpunkt zu wählen. Da ist der Wetterbob ein Experte. In seinem Bob Blog  kommt jeden Sonntag eine ausführliche Analyse zum Wetter im Südpazifik raus. Bob informiert die Segler welches Wetter zu vermeiden ist.  Er bietet auch Hilfe während einer Passage gegen Bezahlung an. Bis anhin haben wir das Wetter jeweils selber analysiert. Beide bilden für sich eine Meinung zur Lage. Danach vergleichen wir die Routenplanung und treffen gemeinsam eine Entscheidung.  So kann niemand beschuldigt werden, falls trotz moderner Wettervorhersage alles anders kommt. Bob’s Devise zur Wetterprognose:

“Wetter ist ein Gemisch aus Muster und Chaos; diese Ideen stammen aus einer strukturierten Welt”.

 

 

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October 16

Gerüchteküche

So nun heisst es wieder mal von Freunden Abschied nehmen. Das stimmt mich immer sehr traurig. Franziska und Pesche wünschen wir alles Gute für den Neustart in der Schweiz! Grossen Dank nochmals für alles was ihr uns vermacht habt!! Vlad und Nicole sind nach Australien gesegelt. Aline ist in Fiji hängen geblieben. Der lustige Etienne segelt irgendwie gegen den Wind nach Tahiti…… Ob wir sie alle jemals wieder sehen? Vermissen euch schon jetzt! Jedenfalls denke ich in alle Ewigkeit an all die intensiven Erlebnisse! Dank Internet ist ein weiterer Kontakt nicht unmöglich.

Fiji ist eben wieder mal so ein Ort wo sich die Routen der Segler teilen. Für die einen endet hier das Abenteuer und sie verkaufen ihre Yacht. Andere segeln vor der Zyklonsaison nach Neuseeland oder Australien. Wenige weichen in den Norden aus und da sind sogar einige Verrückte die in Fiji bleiben! Sie stellen ihre Yacht in der Vuda Point Marina an Land, in ausgebuddelte Löcher, oder lassen sie im runden Hafenbecken liegen. Nähert sich ein Zyklon, werden zusätzlich alle Anker in der Mitte des Beckens an einer zentralen Boje fixiert.

In einem Fluss, in den Mangroven bei den Moskitos wäre eine weitere Möglichkeit einen Zyklon mehr oder weniger heil zu überstehen. So tun es die Leute mit ihren Fischkuttern.
Das grösste Problem bei einem Zyklon sind die Gegenstände die durch die Gegend fliegen, die Sturmflut und die Wellen.

Die Robusta wird für die Zyklonsaison nach Neuseeland gesegelt.

Die heiss aufgebrühten Gerüchte der Segler über die ganzen Stürme auf der Strecke nach Neuseeland und die so problematische Einreise treiben uns auf die Palme.
„Das Unterwasser müsse Blitz blank glänzen, keine Muschel oder kein Kraut darf am Rumpf kleben. Die Behörden können einem zwingen direkt in eine Werft zur Unterwasserreinigung zu gehen. Dann werde es aber sehr teuer!“ Blablabla….
Da wir die Robusta ja eh in Neuseeland warten wollen, möchten wir sie hier nicht aus dem Wasser heben nur um das Unterwasser zu reinigen. Die Gebühren für den Kran sind immer sehr kostspielig. Bei dieser drückenden Hitze zu arbeiten, ist doch nicht auszuhalten. So versucht Thomas mit Schnorchel und Taucherbrille den Rumpf selber zu schrubben. Doch das ist bei einem Langkieler mit 1.80 Meter Tiefgang ein Akt der Unmöglichkeit. So suchen wir erfolglos einen Ort zum Trockenfallen. Überall ist der Grund mit Korallenblöcken versetzt.

 

Auch die Regelungen zur Einfuhr von Lebensmittel lässt einem schwindlig werden. Den Vortrag vom Biosecurity Beamten aus Neuseeland haben wir verpasst. Der Mann ist aber noch da und ist bereit uns zu beraten. Wir wollen nicht nur sparen, uns liegt auch viel dran die Umwelt sauber zu halten.

Alles nur halb so wild.

Das neue scharfe Gesetzt betreffend Unterwasser tritt erst ab 1. Mai 2018 in Kraft. Wie das dann durchgesetzt werden soll ist mir ein Rätsel.

Jedenfalls sind in den Marinas in Tonga und Fiji Mappen mit all den Informationen (andere Quelle) kostenlos erhältlich.

 

Kriech- und Flatterviecher mögen sie auch nicht. So räume ich alle Schränke aus, kontrolliere die Lebensmittel nach Ungeziefer. Sortiere sie nach Risikogruppe in einem Schapp. Bis zur Einreise in Neuseeland müssen X Kilo Linsen, Bohnen, Mais Reis und Gerste aufgefuttert werden! Der eine Satz der Zollbestimmungen verpasst mir einen weiteren Schweissausbruch. „Nur Lebensmittel in Originalpackungen dürfen eingeführt werden“. Präventiv habe ich alles in PET-Flaschen umgefüllt! A: damit nichts feucht wird, B: falls irgendwo Käfer drin sind und diese sich nicht ausbreiten können.

Zudem putze die ganze Robusta super gründlich. Dabei dringe ich bis in die Bilge vor. Sämtliche Schuhe werden vom Strassendreck befreit. Zwischen den Winterkleider finde ich sogar noch 8 Liter Cachaca aus Brasilien! Das ist im ersten Moment wenigstens ein angenehmer Trost. Doch nur zwei Liter Schnaps pro Person sind erlaubt.

So nun wäre die Robusta halbwegs reisebereit. Die Zeit vor der Überfahrt, wollen wir im berühmten Yachtclub Musket Cove  verbringen. Doch dort bekommen wir einen Schock. An die 25 Yachten liegen in der Bucht. Club- und Hotelanlage sind echt hübsch. Mit Swimmingpool, Restaurant, Bar, Grillmöglichkeiten und Supermarkt. Die Preise sind schon fast mehr als Unverschämt. Das ist nicht Fiji. Diese künstliche Welt mögen wir nicht. Jedoch geniessen wir es, wieder alte Bekannte und neue Leute zu treffen.

 

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October 4

BULA

Hier noch letzte Eindrücke von der Stadt bevor wir die kleinen abgelegenen Dörfer besuchen:

In Fidji ist alles noch mal etwas spezieller als bis anhin. Da sind drei verschiedene Möglichkeiten mit der Yacht irgendwo zu ankern. Entweder  findest du eine unbewohnte einsame Bucht, oder du ankerst bei einer Ferienanlage, oder in der Nähe eines Dorfes. Im letzteren Fall ist es Pflicht als erstes dem dem Chief of the Village, dem Dorfältesten, einen Besuch abzustatten um um Erlaubnis für dein Vorhaben zu bitten.  Und wage es nicht ohne ein halbes Kilo Kava, als Mitbringsel aufzukreuzen! Kava ist ein Pfeffergewächs aus deren Wurzel ein Zeremonialgetränk zubereitet wird. Kava kann auch in Pulverform gekauft werden. Das mögen sie in den Dörfern nicht.

Das erste kleine Dorf haben wir gemeinsam mit Pesche und Franziska von der Segelyacht Pandora besucht. Es ist schon spät als der Anker in der von Mangroven überwucherten Bucht fällt. Ein kleines Fischerboot, mit zwei Männer und zwei kleinen Kindern besetzt, kommt zur Robusta. Wir werden angefragt, ob wir ins Dorf kommen wollen. Heute nicht mehr, aber morgen gerne! Der eine Mann will doch tatsächlich den Crusing permit sehen (Amtliche Fahrtenbewilligung für Fiji). Hätte ich nie erwartet! Da er natürlich keinen Schreiber und auch keinen Fotokopierer auf seinem Fischerboot dabei hat, notiere ich ihm den Bootsnamen und die Nummer der Fahrtenbewilligung auf einen Fresszettel. Nun tuckern sie zufrieden davon.

Am nächsten Tag paddeln wir zu viert mit dem Dinghi durch das flache Wasser bis zum Dorf. Alle sind wir fast erwartungsgemäss gekleidet. Wir Frauen mit bedeckten Schultern, geschlossenem Dekoltee und Hosen bis über die Knie reichend, die Männer mit T-Shirt und langer Hose. Hut und Sonnenbrille tragen sind in einem Dorf Tabu! Egal wie intensiv die Sonne gerade auf die Birne brennt. Am Strand, im Schatten einer Palme, hockt ein junger Mann der uns gleich erklärt, wo wir den Chief finden. Der fein säuberlich angelegt Weg führt steil an kleinen, bunten Holzhütten mit Wellblechdächer, die auf Stelzen an den Hang gebaut sind vorbei. Nun dringt die so fröhlich klingende Begrüssung „Bula“ aus jeder Hütte die wir passieren! Dieses wohlwollende Wort verzaubert mich jedes mal!

Vor Chief’s Hütte angelangt, die nicht grösser als 20 Quadratmeter ist, legen wir die Schuhe ab. Seine Frau stellt sich mit einem Namen vor, den ich sofort wieder vergesse. Immerhin kann ich mir den Namen ihres Mannes merken! Nun sitzen wir vier Schweizer in Fiji auf einer geflochtenen Matte auf dem Boden, vor dem wichtigsten Mann des Dorfes. Ich bin schon ein wenig nervös. Zu den Benimmregeln gehört nun, dass die Männer im Schneidersitz mit bedeckten Knien am Boden vor dem Chief hocken und wir Frauen mit geschlossenen Beinen, diese auf eine Seite gefaltet. Nichts darf auf dem Kopf sein. Sehbrillen glaub schon, aber keine Sonnenbrillen. Nun überreichen wir die Geschenke. Pro Yacht einen Bündel Kava der immerhin etwa 15 US Dollar kostet, erscheint uns angemessen. So tun es die anderen Yachties auch. Die Übergabe soll auf den Knien erfolgen. Nun klatscht der Chief drei mal in die Hände, was bedeutet, er will reden und alle müssen still sein. Nun rezitiert er eine Art monotones Gebet und fuchtelt mit den Händen über dem Kava, bedankt sich und klatscht schliesslich wieder drei mal in die Hände. Dies ist nun das Zeichen um uns vorzustellen, über die Reise zu berichten und warum wir hierher gekommen sind. Nun holt der Chief eine grosse bunte mit allerlei Tieren verzierte Weltkarte und breitet diese auf dem Boden vor uns aus. Ihn und vor allem die Kinderschar die sich in der Zwischenzeit in der Stube versammelt hat, wollen sehen wo wir hergekommen sind. Alle Kinder sprechen schon super gut Englisch, das sie bereits in der ersten Klasse lernen.

Das Kava trinken  bleibt uns erspart. Schade! Wir sind nun etwas enttäuscht. Immerhin sind wir nun willkommen und dürfen uns im Dorf frei bewegen. Lag es daran dass wir Frauen in Hosen aufkreuzten? Später erfahre ich in einem Dokumentarfilm, dass normalerweise jeder Gast ein Bündel Kava mitbringt. Die Frauen sollten in einem Dorf statt Hosen ein Tuch das bis über die Knie reicht um die Hüften tragen.

Doch ganz so frei bewegen geht auch wieder nicht. Eine Eskorte von Kinder begleitet uns! Eines von ihnen trägt meinen Hut, eines meine Tasche und ein weiteres hält meine Sonnenbrille ganz vorsichtig in seinen Händen.

Da liegt mitten im Dorf ein Gebäude völlig platt am Boden. Das war die Schule, erzählen die Kinder. Die wurde im Februar 2016 von Winston, dem stärksten Zyklon aller Zeiten, mit samt den anderen 25 Häusern des Dorfes zerstört. Nur die Kirche und das Gemeinschaftshaus haben den Zyklon mehr oder weniger unbeschädigt überlebt. Die kleine Vitiana und Nasil führen uns an den Ort wo alle 90 Dorfbewohner über Stunden gemeinsam ausgeharrt haben. Der Lärm den Winston mit seiner tobenden Kraft verursacht hat, muss immens gewesen sein. Viele hätten geweint und gebetet.

Schlimm hätte es danach ausgesehen. Alles war an einem anderen Ort. Alles war nass. Auch die Lebensmittel die nicht rechtzeitig in einen Plastikcontainer gerettet werden konnten. Alles und auch die Gemüsegärten waren zerstört berichtet Sahira mit erstickter Stimme.

Die Neuseeländische Regierung hat schnell reagiert. Innert drei Tagen seien Lebensmittel und Baumaterial ins Dorf gebracht worden. Ganz Fiji wurde in Mitleidenschaft gezogen. Winston zog mit Windstärken von bis zu 325 Stundenkilometer über das Südseeparadies.

Hast du schon mal versucht den Kopf bei 150 Km/h aus dem fahrenden Auto zu halten? Alles unvorstellbar!

Am nächsten Tag segeln wir bei angenehmsten Passatwinden  zu der Yassava Group weiter. Eine Inselkette ganz im Westen Fijis.

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September 25

Navigation in Fiji

In Fiji ist wieder alles anders als bis anhin! Fiji ist ein Archipel im Südpazifik mit 322 Inseln auf einer Gesamtfläche von rund 18`000 Quadratkilometer. Navigatorisch ist Fiji eine echte Herausforderung. Durchwegs genaue Seekarten scheint es nicht zu geben! Einige Regionen sind nur sehr grob oder gar nicht kartographiert! Vor allem zwischen der Hauptinsel Viti Levu und der Yasawa Group wagen wir es nicht nachts oder in der Dämmerung zu segeln. Die Sonne muss hoch am Himmel stehen oder die Einstrahlung soll von hinten erfolgen. Polarisierende Brillen helfen echt gut die Untiefen zu erkennen. Wo das Wasser hellblau wird ist Vorsicht geboten und kommt dann noch braun dazu, dann ist da ein Riff! Manchmal sind auch brechende Wellen zu erkennen. Also dann wird es höchste Zeit um voll auf die Bremse zu treten!
Undenkbar hier mit dem Sextant rumfuchteln zu müssen.
Was sich  als Navigationshilfen bewährt hat, ist das Navionics in Kombination der OPEN CPN Seekarten mit einem Overlay von Google Maps. Doch auch hier wo im Google Maps der Himmel nicht wolkenlos ist und die Sonne somit einen Schatten auf die Erdoberfläche wirft, wird die Robusta sorgfältig um diese Flecken herum navigiert. Denn was sich unter einer Wolke verbirgt, ist schlicht nicht zu erkennen! Achte darauf, dass du wirklich ganz gezoomt hast!!!  Du wist staunen was da plötzlich noch alles aus dem Meer auftaucht!
Eine weitere wichtige Navigationshilfe sind nun einmal auch die Augen:
„Lappi tue d’Augä uf“!
“Narr, mach die Augen auf“ ein Spruch der 1935 ans Schaffhauser Schwabentor eingraviert wurde, ist hier in Fiji absolut wichtig.

Unsere Freunde die wir wieder treffen wollten, haben mit ihrer Yacht das Ruder an einem Korallenkopf beschädigt. Zum Glück ist das ganze in der Nähe der Vuda Marina geschehen. Pech war allerdings, dass es genau nach einem zweiwöchigen Aufenthalt in der Werft geschah!

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September 20

Ankunft in Fiji, Savusavu

Die Überfahrt von Tonga nach Fiji dauerte fünf Tage. Schönes Segeln mit nur einem Tag Flaute. Wir schlafen und lesen viel. Durchforsten Reiseführer und Segelbücher.  Schade war halt schon, dass wir an all den schönen Inseln der Lau Group vorbei segeln mussten. Ohne Crusing Permit irgendwo zu ankern wird von Fiji Kennern abgeraten. Ein Port of Entry muss also zwingend angelaufen werden um erst den Crusing Permit zu beantragen. Hier wird der ganze Behördenkram sehr ernst genommen. Mal sehen.

Am dritten Tag der Überfahrt machen wir den absoluten Rekordfang: Der Fisch kämpft wie ein Wahnsinniger an der Leine. Schwimmt im vollem Tempo nach links um gleich darauf wieder in die andere Richtung zu sausen. Plötzlich schwimmt er sogar an der Backbordseite. Hoffentlich verdüddelt sich nun die Angelleine nicht in der Windsteueranlage. Hoffentlich hält die Leine das ganze Gezerre aus! Der Fisch scheint riesig zu sein. Thomas schafft es ihn ins Süll zu hieven.  Dort zappelt er mit seinem ganzen Körper und klopft mit der Schwanzflosse heftig auf den Stahl. Ich reiche Thomas das Messer, damit er ihn mit einem Kiemenschnitt killen kann. Nicht einfach da der Fisch nicht stillhalten will. Grauenhaft, nun spritzt das Blut in alle Richtungen. In solchen Momenten schwöre ich, dass ich ab morgen nur noch vegetarisch essen werde. Es ist ein Mahi Mahi! Thomas sieht aus, als komme er direkt vom Schlachtfeld. Nachdem der Mahi Mahi zerlegt ist, müssen wir beide erstmal ein Bad nehmen. Aber erst wenn das ganze Blut vom Deck gespült ist und die Robusta etwas weiter gesegelt ist. Wollen ja keine Haie, die zufällig nach uns schnappen weil wir gerade die Mahi Mahi Eingeweide ins Meer geschmissen haben.

Savusavu laufen wir gegen Mittag mit der gelben Quarantäneflagge gehisst an. Über Funk melde ich bei der  Marina Copra Shed, das wir einklarieren wollen. Sie werden uns benachrichtigen, wenn die Beamten da sind. Jemand muss sie abholen. Die haben kein Boot!

Unser Dinghi ist seit längerem immer wieder mal Patient.  Luft entweicht immer noch trotz der professionellen Reparatur in Nuku Hiva in den Marquesas. Die ganze Reparatur ist natürlich zwecklos, wenn ein Loch nicht geflickt wird weil es schwer zugänglich ist…. Seit geraumer Zeit dringt auch noch Wasser durch den Boden ein.  Nun, ausgerechnet wo Thomas die Beamten abholen muss, ist es besonders schlimm geworden. Innert Kürze stehen zwanzig Zentimeter Wasser im Dinghi! Der Motor bockt auch. Trotz neuem Impeller zirkuliert das Kühlwasser nicht zufriedenstellend. Erst holt Thomas die Beamten von der Health Inspection ab. Sie tragen’s mit Fassung, dass sie mit einer fahrenden Badewanne transportiert werden.

Über Coca Cola und die Pop-Corn mit Curry freuen sich die beiden Indisch stämmigen Beamten sehr.

Alle Papiere füllen sie selber aus. Angaben zum Gesundheitszustand, Menge an frischem Gemüse, Milchprodukte, Fisch und Fleisch oder Tiefkühlprodukte werden im Formular aufgelistet.  Dürfen aber alles behalten. Hatten auch nicht mehr viel. Nur noch etwas gefrorenen Fisch. Den haben wir aber nicht deklariert und die Kräuterpflanzen habe ich versteckt. Der Kefir hat auch in der Bilge warten müssen. Nach einer Stunde ist die Prozedur überstanden. Wo bleiben nun die anderen Beamten? Kurz vor fünf kündigt die Copra-Shed über Funk an, dass sie nun abgeholt werden könnten. Wenn die nun Überzeit verrechnen wehren wir uns aber.

Zehn Minuten später ist Thomas mit der noch halbwegs schwimmenden Badewanne, nun mit zwei Beamtinnen beladen, wieder bei der Robusta. Socken und Schuhe mussten sie am Steg deponieren und die Uniform ist bis zu den Knien hochgerollt. Da sie wegen dem schlappen Dinghi grosse Mühe hatten an Board zu klettern, zog ich von oben am Hemdkragen und Thomas hat von unten  geschoben…. „Sorry we are to big“ entschuldigt sich die eine. Beide hocken nun Tränen lachend im Cockpit. Ist uns überhaupt nicht recht. Ich reiche ihnen ein Badetuch, damit sie ihre Füsse trocken können. Nun biete ich Kekse und Coca Cola an. “Nein danke” ist nur eine Höflichkeitsfloskel die ich gleich mal ignoriere um nach ihrem Verständnis freundlich zu sein. Schenke Cola ein und stelle die Kekse vor ihnen auf den Tisch. Als sie sich nun von der Lachattacke erholt haben, gehen sie zum ernsten Teil über und füllen die Papiere ebenfalls für uns aus. Sehr nett. Doch  sie haben ein Formular vergessen mitzubringen. Somit muss ich am nächsten Tag Customs nochmals aufsuchen, um den Rest auszufüllen und ebenfalls um sämtliche Gebühren zu bezahlen. Health, Biosecurity und Customs. War gar nicht einfach, diese Stellen zu finden. Ich war sicher einen Nachmittag lang in der kleinen Stadt rumgelaufen. Waren insgesamt über 200 US$.

So und nun dauert es ein bis drei Arbeitstage bis der Crusing permit ausgestellt ist und wir dürfen an Land!

Der erste Landgang führt uns an sehr einfachen Indischen und Chinesischen Esslokalen und kleinen Läden vorbei. Im Zentrum liegt der grosse Gemüsemarkt. Die Düfte der Indischen Gewürze bringen den Magen zum knurren. Auffallend sind die vielen Secondhand Kleidergeschäfte. Alles Klamotten aus Hilfslieferungen von Australien. Neue Kleider kann sich offenbar hier niemand leisten. Fiji ist das meist Mulitkulturelle Land in der Südsee heisst es im Reiseführer. Hier leben nebst den Melanesierviele Inder, Chinesen und Europäer und weitere Nationen.

Savusavu gefällt uns sehr gut!

Am Abend treffen wir Freunde in der Bar der Copra Shed Marina. Sie hatten weniger Glück beim Einklarieren: Die beiden Ladies nahmen ihren Job sehr ernst. Öffneten Schränke und entdeckten dabei Schnaps und Wein. Der Schnaps war ihnen egal da die Flaschen noch zu sind. Aber für den Wein, der ja auch noch verkorkt war, kassierten sie 100% Alkoholsteuer! Der Wert wurde ausgehandelt. Doch weniger als 4 US Dollar pro Flasche konnte nicht runter gehandelt werden. Da kann sich schon eine Summe zusammenläppern…

Am Wochenende stand ein Besuch im lokalen Tanzschuppen an. Frauen bezahlen keinen Eintritt. Neben der Kasse, auf einem rostigen Oelfass, steht eine grosse Holzschüssel mit Kava, ein beruhigendes Getränk das aus den Wurzeln einer pfefferartigen Pflanze hergestellt wird. Alle durchlaufen nun das Sevusevu Ritual in Kurzform: Sich vor die Schüssel stellen, ein mal in die Hände klatschen, Kokosschale mit Kava ex austrinken und danach drei mal in die Hände klatschen. Das Kava-Kava ist um 11 Uhr bestimmt schon ein echter Bakteriencocktail, denn die Party hat bereits um sechs Uhr begonnen. Aline jedenfalls leidet die nächsten zwei Tage an heftigem Durchfall.

Drinnen ist es recht duster. Das Lokal ist etwa 40 Quadratmeter klein. Lauter Hip-Hop und Reggea dröhnt überlaut aus den Boxen. In einer Ecke ist eine gut vergitterte Bar eingerichtet. Das Publikum besteht zu 99 Prozent aus Männern. Einige von ihnen stürzen sich gleich auf uns Frauen und wollen tanzen. Nicht mal als unsere Partner uns eng umschlungen festhalten, hören sie auf. Echt mühsam. Sogar Thomi wird begrabscht. Dabei waren wir alle super gesittet gekleidet! Nach einer halben Stunde verlassen wir die Bude fluchtartig. Die verbliebenen Gäste veranstalten nun aus irgend einem Grund einen Boxkampf.

Wir dachten Kava hat eine beruhigende Wirkung………………….

 

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September 10

Spannendes aus Tonga

Während unseren zahlreichen Erkundungstouren durch die Natur und kleine Siedlungen, erfahren wir in Gesprächen mit den sehr offenen Menschen so einiges Spannendes und auch Dinge die uns fremd sind und uns irriteren.

Bevor wir die kleine Siedlung erreichen, schlinge ich ein Tuch um meine Hüften das bis über meine Knie reicht. Frauen mit kurzen Hosen und ohne bedeckte Schultern, das geht gar nicht. Am Landesteg sitzen einige Frauen mit ihren kleinen Kindern. Wir begrüssen sie und fragen ob es in Ordnung ist, in ihrer Siedlung zu spazieren. Aber erst mal setzen wir uns auch auf die Hafenmauer und plaudern mit ihnen. Fahinas T-Shirt trägt die Aufschrift “Domestic violence is a crime” (häusliche Gewalt ist ein Verbrechen). Meine Fragen über ihre Lebensweise hier im Dorf, beantwortet sie kurz und prägnant folgender massen:

“wir leben hier noch immer wie vor hundert Jahren, mit dem Unterschied, dass die meisten Häuser eine Toilette mit Spülung haben”.

Na ja, diese Aussage scheint mir nun doch etwas übertrieben. Vor hundert Jahren gab es hier jedenfalls noch keine Autos oder Landmaschinen und auch keinen Strom und schon gar kein Internet.

Das Gesprächsthema  landet schnell mal beim Glauben. Ob wir eine Bibel an Board haben und welches denn unser Lieblingsparagraph ist? Oder wie werden die Dinger in der Bibel schon wieder genannt? Können wir als Atheisten natürlich überhaupt nicht beantworten. Nun sind die Frauen sichtlich irritiert. Sie besuchen die Kirche jeden Morgen um 5 Uhr! Mit etwas würgen, schaffe ich es das Gespräch aufs Thema Kochen umzuschwenken.

Religion scheint in ihrem Leben einen enorm hohen Stellenwert einzunehmen. In jeder kleinen Siedlung sind  immer mehrere Kirchengemeinden vertreten. Die schnellst wachsende Kirche der 16 offiziellen Religionen in Tonga sind die Mormonen. Gefolgt von der  Free Wesleyan Church, Katholiken und Free Church of Tonga. Die Kirche hat hier auch grossen Einfluss auf die Politik. Die Mormonen sammeln von ihren Jüngern Unmengen an Geld, welches in Kirchenbau und gut ausgerüstete Schulen investiert wird. So mancher Bürger hat auch schon einen Kredit aufgenommen um mit wohlhabenden Spendern mithalten zu können. Viele Familien treten der Mormonen bei, bevor ihre Kinder das Schulalter erreichen. Dabei hat Tonga ein sehr gutes kostenloses Bildungssystem, das sogar Studien im Ausland mit Stipendien unterstützt.

Von der jungen Rachel kaufen wir Gemüse. Sie wird demnächst nach Kalifornien reisen. Die Mormonenkirche finanziert die Reise und den Aufenthalt von 18 Monaten, den sich die Familie sonst niemals leisten könnte. Sie wird dort in einem Mormonenzentrum leben. Was Rachels Aufgabe im Ausland sein wird, ist genau das was ich an so manchen Sonntagen in der Schweiz erlebt habe: Gerade mal knapp nach Sonnenaufgang polterte es an meiner Wohnungstür. Ich träume wohl. Aber nein! Ich bin so blöd und öffnete im Halbschlaf die Tür da mein Hund nicht aufhört zu kläffen. In Anzug und Kostüm, schwarz-weiss gekleidet, wollen zwei junge Leute mir das Buch Mormon persönlich näher bringen. Ich bekunde mehr oder weniger freundlich mein Desinteresse. Nächsten Sonntag wieder der selbe Terror und die nächsten Sonntage auch. Nicht mal die Drohung mit der Polizei hat geholfen. Erst als Bello vor der Haustüre pennt, kehrt die sonntägliche Ruhe wieder ein.

Ist ja schon krass was die Missionare aus Europa und den USA in der Südsee und in manchen anderen Länder der Welt bewirkt haben.

Was ich noch so alles im Netz und aus den Reiseführern über Tonga gefunden habe ist wirklich spannend. Dazu eine kurze Zusammenfassung was mich beeindruckt hat:

Die Männer stehen über den Frauen. Doch in der Familie sind Schwestern angesehener als Brüder. Den grössten Respekt gehört den alten Menschen. Der jüngste Sohn hilft in der Landwirtschaft mit. Das Land auf dem die Menschen Leben und bewirtschaften, gehört entweder der Königsfamilie oder dem Staat. Der Königsfamilie wird als Gegenleistung bei Beerdigungen oder Hochzeiten Gemüse geschenkt. Diejenigen die auf Staatsboden leben, bezahlen Steuern. Land kann in Tonga nicht verkauft werden. Nur verschenken ist möglich. Dafür wird aber ein Gegengeschenk erwartet, das auch in Form von Geld entrichtet werden kann. In Tonga wird fast alles geteilt. Vor allem die Ernte.”Mein und Dein” scheint hier nicht zu existieren. Wer etwas braucht leiht es sich. Wenn es wieder gebraucht wird, muss es halt wieder zurück geliehen werden.

Immerhin haben die Missionaren den Kanibalismus abgeschafft. Vor rund 100 Jahren landete der letzte Eindringling Tongas in einem „Umu“ (Traditionelles Gericht das im Erdofen zubereitet wird). Kannibalismus wurde nicht um den Proteinmangel auszugleichen betrieben. Vielmehr galt diese Tradition als Machtdemonstration gegenüber Angreifer und Feinde.

Tonga ist ein spannendes Land. Gerne würden wir hier mehr Zeit verbringen und die Kultur näher kennen lernen. Doch die Zeit drängt und wir müssen weiter ziehen.

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September 5

Ha’apai Group und die Buckelwale

Nach der Entwicklung vom “Whalecatching” über “Whalewatching” kommt wohl nun die endgültige Steigerung: “Swimming with the whales”. Aus diesem Grund reisen viele Touristen nach Tonga. Vom Juli bis August gebären die Buckelwale in den warmen und durch Riffe geschützten Gewässer von Tonga ihre Kälber. Im November ziehen sie dann wieder zurück in den Süden, in die nährstoffreichen Gewässer der Antarktik.

Die Angebote “Swimming with the whales” sind trotz horrender Preise für mehrere Wochen im Voraus ausgebucht. Für ein paar Stunden Ausflug in einem kleinen Boot, inklusive Picknick und Kotztüte, blätterst du rund 220 US Dollar pro Person hin. Für so viel Geld muss ja schon etwas geboten werden. Ob sich die Riesen mit ihren frisch geborenen Kälber nicht gestört fühlen, bezweifeln wir. Jedes Muttertier, eine Kuh, Hund oder Schaf würde seine Jungen verteidigen. Die Anbieter solcher Touren absolvieren einen zweiwöchigen Kurs. Dann erst kann eine Bewilligung vom Staat beantragt werden. Wieviel Schmiergeld und Beziehungen nebst dem Kurskosten noch dazu kommen, wissen wir nicht.

Die Touristenboote, meist mit  zwei mal 150 PS Motoren ausgerüstet, jagten nach unserer Beobachtung den Tieren förmlich hinterher. Zumindest das Motorengeräusch muss doch für die Wale unangenehm sein.

Thomas hatte da ein Erlebnis, das ich als Fotografin miterleben durfte. In einer einsamen Bucht lag die Robusta vor Anker. Thomas erkundete gerade mit Schnorchel und Taucherbrille das Riff als ein Buckelwal mit seinem Kalb ganz dicht an ihm vorbeidriftete. Das Kalb schwamm Thomas sogar neugierig hinterher.

Also eine Begegnung  der freiwilligen Art?

Oder kann schon das Ankern in einem Gebiet mit Walen kritisiert werden? Was haben denn Experten dazu für eine Meinung?

Trotzdem finden wir, die sanften Riesen haben ihre Ruhe verdient und stehen dem Angebot “Schwimmen mit den Buckelwalen” erst mal  kritisch gegenüber.

Und übrigens ist Schwimmen mit Walen auf eigene Faust, in ganz Tonga strengstens verboten!

Category: Tonga
September 1

Neiafu

Frisch ausgeschlafen, besuchen wir alle Bekannten der in der Bucht liegenden Yachten. Das grosse Wiedersehen muss gefeiert werden. Zur Happy Hour zwischen 16 und 18 Uhr im Mangos. Doch als erstes soll ein Segelmacher gefunden werden. Auf Kanal 26 findet jeden Morgen um 08:30 eine Quasselrunde statt. Hier werden alle Infos durchgegeben was so in Neiafu und Umgebung los ist. Fragen können auch gestellt werden. Aber da stehen einem schon mal auch die Haare senkrecht zu Berge, was da so alles gefragt wird. Na ja, um acht Uhr dreissig hat offensichtlich noch nicht jedes Hirn seine Höchstleistung erreicht.

Jedenfalls erfahren wir wo sich der Segelmacher befindet. Doch er scheint unerreichbar zu sein. Jemand kennt Segler die eine Nähmaschine an Board haben. Wir besuchen sie und die Frau. Doch mir ihrer Nähmaschine komme sie nicht an die Stelle wo unser Segel gerissen ist, nämlich genau in der Mitte. Sie gibt uns aber einen tollen Tipp, wie wir das Segel selber reparieren können. Mit Kleber! Wie bitte? Ja mit 5200 von 3M. Eine Kartusche kostet an die 50 US Dollar. Mit der Ware können sogar Unterwasserreparaturen ausgeführt werden. In der neuen Werft findet Thomas tatsächlich den Wunderkleber! Kurz später entdecken wir auch gerade den optimalen Ort um das Segel in voller Grösse auszulegen. Unterhalb des Hotel Paradise befindet sich eine Art Landungssteg aus Beton. Beim genaueren Hinschauen merken wir, dass es sich um einen abgesoffenen Frachter handelt der mit Beton aufgefüllt wurde. Muss mal so eine Art überdachte Kneipe gewesen sein. In stundenlanger Arbeit werden nun passende runde Flicken aus Segelstoff zugeschnitten. Jede nur kleineste Scheuerstelle die zum Beispiel durch das viele Reffen entstanden ist, soll verstärkt  werden. Für den zirka 50 Zentimeter langen Schlitz, mitten im Grosssegel, werden zwei Flicken zugeschnitten. Diese werden beidseitig, etwas versetzt angeklebt. Damit der überschüssige Kleber nicht unkontrolliert unter den Flicken hervorquellen kann, wird erst mit Klebband eine Abgrenzung geschaffen.

Das frisch verpflasterte Produkt sieht vorerst mal toll aus. Trockenzeit: sieben Tage. So wird das Segel auf dem Landungssteg festgebunden und mit einer Plane überdeckt. Hoffentlich bappen die Plane und das Segel später nicht zusammen!

Das Dock würde sich eigentlich perfekt für eine Geburtstagsparty eignen! So gehe ich mal zum Hotel hoch um zu fragen ob das möglich wäre. Alles sieht sehr gespenstisch und zerfallen aus. Paradiesisch sieht die Anlage eindeutig nicht mehr aus. Der Garten ist mit Unkraut überwuchert. Keine Menschen, nur Hühner sind da. Der Swimmingpool ist halb leer aber dafür halb mit Laub gefüllt. Ein Teil des Hotels ist sogar abgebrannt. Von irgendwoher höre ich eine Glotze. Gehe dem Geräusch nach und komme zu einer offenen Tür. Hello! Nun hallen schlurfende Schritte aus dem Innern. Der fette Beamte der sich beim Einklarieren so unsportlich mit dem Teppich über die Reling gestemmt hatte, erscheint im Türrahmen! Seine Frau, die gesprächige Chefin, die mich nicht mehr gehen lassen wollte, erlaubt das Vorhaben. Sie werde auch kommen um mir zu gratulieren. Sie kommt dann aber nicht. Ist wohl auch viel zu fett um sich noch die steile Treppe runter zu quälen.

Zum Geburtstag bringen alle etwas zum Essen und Trinken mit. Paul schleppt sogar einen Grill an. Die Party war super cool. So viel leckeres Essen! Vertreten waren Amis, Bermuda, Deutschland, England, Schwiiz, Tasmanien und Tunesien!

Also ein echt bunter Haufen!

Danke für das super lustige tolle Fest mit euch allen und die schönen Zeichnungen der Kinder und die Geschenke!!! Ist mir fast schon peinlich so verwöhnt zu werden!

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August 28

Einklarieren in Tonga

Mit Nicole und Vlad segeln wir nun nach Neiafu, um ordnungsgemäss einzuklarieren. Die gelbe Quarantäneflagge ist gehisst. Das hatten wir ja in Suwarrow vergessen. Solche Unzuverlässigkeiten mögen Beamten überhaupt nicht! Montag sei der übelste Tag zum einklarieren. Warum weiss ich nicht genau. Brauchen die Beamten nach dem Wochenende eine gewisse Anlaufzeit um nicht allzu mürrisch zu sein? Es hat offensichtlich einen Stau wegen dem Wochenende gegeben. Ich bin erst mal geschockt, wie viele Yachten in der optimal geschützten Bucht von Neiafu liegen. Beim genaueren Hinsehen, entdecken wir auch zahlreiche Bekannte. Aber eben, erst mal steht die staatliche Pflicht an: Der Steg ist total vollgepackt. Vlad und Nicole melden per Funk, dass sie Ankern und dann mit dem Dinghi zum einklarieren kommen. Das geht so natürlich nicht. Sie müssen später doch noch mit der Yacht an den Steg kommen. Der Skipper von einem Katamaran gibt uns zu verstehen, dass er mit der Prozedur durch ist und in zehn Minuten ablegen wird. Perfekt.

Nun liegt die Robusta an der Hafenmole festgezurrt und ein Mann in Uniform mit einer Art Teppich um die Hüfte gewickelt, schreitet nicht gerade zackig daher. Bevor er in die Robusta steigt, zieht er seine Schuhe aus und deponiert sie auf der Mole. Nun sind seine Füsse genau auf meiner Nasenhöhe. Krass, der Mann trägt in diesen Temperaturen Socken! Ja und das Muster der Socken ist ja noch besser für einen Zollbeamten: grüne und blaue Hanfblätter auf schwarzem Grund! Er ist schliesslich der Beamte für die Agrikultur (Officer Quarantine).

Alles klar.

 

Er will wissen ob wir Gemüse, Fisch, Fleisch und Milchprodukte dabei hätten. Fast alles ist bereits aufgegessen. Aber nicht alles. Die Topfpflanze, meine Küchenkräuter, interessieren ihn nicht gross. Vor allem das Sprayzertifikat (Certificate of pratique) will er sehen. Er notiert die Informationen. Guckt sich die Papiere die wir in Suwarrow erhalten haben an. Er scheint zufrieden zu sein. Nun will er unseren Müll haben. Wirft einen Blick in die getrennten Säcke und stopft nun alles in einen Sack. Dabei weiss ich, dass in Tonga Glasflaschen, Dosen, Plastik separat gesammelt werden. Der Restmüll kann nur gegen Bezahlung von 2 US Dollar im Restaurant Aquarium entsorgt werden. Im Müll findet er eine total zerzauderte Fischerleine. Er fragt ob er diese für sich haben könne. Ja klar doch! Nach Bezahlung von 11 US Dollar ist die erste Hürde bestanden. Nun dürfen wir das Schiff verlassen aber nur um uns zum Zoll und Immigration (Costums) zu begeben. Das Büro befindet sich in der grossen Lagerhalle hinter den aufgestapelten Container, direkt hinter dem Hafen. Sechs Formulare müssen ausgefüllt werden. Dann geht es noch zum Gesundheitscheck. Die Beamtin fragt nach dem Befinden der Mannschaft und will dafür 50 US Dollar. Bezahlt werden kann nur in der lokalen Währung. Der Geldautomat ist ein paar Minuten vom Hafen entfernt. In der Zwischenzeit hat eine hübsche grüne Yacht an der Robusta festgemacht. Ich sehe gerade noch, wie sich ein total fetter Beamte, ebenfalls mit dem Teppich um die Hüfte gekleidet, über die Reling von der Robusta zu der grünen Yacht balanciert. Sein Schritt wird dabei arg gedehnt und er landet tatsächlich nicht im Wasser! So müssen wir nun warten, bis die grüne Yacht mit dem einklarieren fertig ist bis wir ablegen können.

Dafür können wir noch auf den Gemüsemarkt und decken uns mit frischer Grünkost ein. Das Gemüse ist in kleinen Häufchen im Wert von jeweils 3 Pangas aufgestapelt. Zum Beispiel eine Pyramide Tomaten beinhaltet immer von ganz reif bis noch grüne Früchte. Du kannst aber auch selber nach Bedarf aussuchen. Toll und alles ist nicht teuer. Machen auch noch einen Rundgang durch Neiafu um die ersten Eindrücke zu sammeln. Die Kinder tragen Schuluniformen. Jungs tragen schwarze Röcke mit dem uns bereits bekannten Teppich um die Hüften gewickelt. Die Autos fahren auf der falschen Seite! Also links statt rechts. Ist das komisch.

Wau und hier gibt es auch mehrere nette Bars! Oh wie haben wir sowas in Französisch Polynesien vermisst!

So nun aber zurück zur Robusta um noch bei Tageslicht in dem Gewimmel der zirka 30 Yachten zu ankern. In der Bucht sind auch Bojen zu haben. Diese kosten rund 7 US Dollar pro Tag. Wir trauen unserem Anker mehr als den Bojen. Nun sind wir erst einmal hungrig und wollen kochen und früh in die Kojen kriechen.

Category: Tonga
August 27

Überfahrt nach Tonga

Schon wieder Blogeintrag ohne Fotos! Ja die Kamera ist nicht defekt. Es liegt wiedermal am Internet. Dies ist  hier in Tonga verfügbar, aber wenn 10 Touristen gleichzeitig das WIFI benützen, ist das eben zu viel des Guten. Eine e-mail öffnen dauert dann über eine Stunde!

(Jetzt, vier Wochen später, in einer einsamen Buch, ist es doch noch möglich Fotos in den Blog zu laden. Haben eine SIM Card mit nur Daten von Digisel angeschafft. Alles sehr super langsam….. Viel Geduld ist jedenfalls gefragt die ich ja in Sachen Informatik überhaupt nicht habe.)

Etwas traurig verabschiedet sich die Robusta Crew nun von Katu und Harry.  Die Reise soll nach West von Suwarrow weiter nach American Samoa gehen. Die Ausreiseformulare sind erledigt. Wieder viele Fragen waren zu beantworten.  Doch nun kann es endlich losgehen. Thomas lichtet den Anker und die Robusta gleitet in Richtung Pass. Die Strömung schiebt mit zwei Knoten mit, was das Steuern erschwert. Ausserhalb vom Atoll kocht die Bucht vor Suwarrow wieder unheimlich. Nach einer Stunde, sobald sich die Robusta in der Abdeckung der Insel befindet, geniessen wir schönstes Segeln unter besten Bedingungen. Die Windrichtung ist aber nicht ganz optimal um nach American Samoa zu gelangen. Gerade habe ich noch im Reiseführer etwas von der stinkenden Fischfabrik in Pago Pago gelesen. Die Entscheidung fällt schnell. – Neuer Kurs: Tonga!

Hinter der Abdeckung von Suwarrow dreht der Wind auf und der Seegang ist enorm. Regenschauer und Sonnenschein wechseln alle paar Stunden. Nach dem Regen bleibt der Wind mindestens für eine halbe Stunde aus. Der Seegang beruhigt sich aber nicht so schnell. Die Robusta tanzt ungezähmt in den Wellen. Die Segel schlagen. Das tut ihnen nicht gut, also müssen sie geborgen werden. Die nächsten Tage sollen so weiter gehen. Zwischen Null und 35 Knoten Wind. Wir werden beide so faul und liegen nur rum und mögen uns knapp aufraffen um mal etwas zu kochen oder wenigstens ein leckeres Brot zu backen. Doch wenn der Seegang es zulässt, kommt die neue Angelrute von der Tanda Maleika (verunglückter Katamaran) mit dem kleinsten Köder in Einsatz.  Erst beisst ein Barracuda. Ihn zu töten ist nicht so ganz einfach, denn der Raubfisch ist mit langen scharfen spitzen Zähnen ausgestattet. Der dünne lange Fisch schmeckt sehr lecker. Am zweiten Tag beisst wieder mal irgend so ein riesen Vieh, das mit der ganze Leine mitsamt Köder abhaut. Was für ein Frust. Wir sind nicht die besten Fischer. So viele Köder wie wir schon verloren haben, ist echt unglaublich! Aber jetzt, wo eine Angelrute mit Rolle eingesetzt wird und nicht mehr die aus Gummihandschuhen selber gebastelten Köder, klappt es viel besser! Bald rauscht die Angelschnur schon wieder mit sirrendem Geräusch aus. So wie sich die Angelrute durchbiegt muss er Fang gross sein. Hoffentlich hält das die Leine aus. Um ihn einzuholen muss die Robusta aber wesentlich langsamer fahren. Sonst verlieren wir ihn. Also schnell auf die Bremse und Segel reffen! Das Tier erst müde machen und eine Zeit hinterher schleppen, finde ich fies. Unserer Ansicht nach muss er schnellstmöglich eingeholt werden und mit einem Kiemenschnitt getötet werden.

 

Da liegt er nun mit seinen schönen grossen Augen an Deck und zappelt wild. Ein schöner Gelbflossentunfisch! Eine Delikatesse!! Doch jetzt wo er da so in der riesigen Blutlache liegt, vergeht mir der Appetit. Aber nur für einen kleinen Moment habe ich Erbarmen. Das Tier ist gross! Ich weiss nicht wieviele Kilo. Aber er reicht vom Boden bis zu Thomis Bauchnabel und wir essen die nächsten fünf Tage davon.  Erst Sushi mariniert in Sojasauce mit Chilischoten und Ingwer. Unglaublich wie das rohe Fleisch auf der Zunge vergeht! Am nächsten Tag gibt es gerade nochmals Sushi. Diesmal mit Zitronensaft mariniert. Die nächste Portion wird nur ganz kurz angebraten. Dann brauch ich mal einen Vegetarischen Tag und der Rest des Thunfisches wandert in die Gefrierbox.

Tonga ist nach sechs Tagen bei Sonnenaufgang in Sicht und leider auch ein 50 Zentimeter langer Riss im Grosssegel. Die Landschaft sieht hier wieder ganz anders aus. Schroffe kubische Felsblöcke, bis ans Wasser überwuchert,  ragen aus dem Meer. Wir Dödel haben vergessen, dass wir auf dieser Strecke die Datumsgrenze übersegelt haben! Also sind wir schon am Sonntag in Tonga angekommen. Das ist schlecht: da für  Einklarieren am Sonntag neben den 60 US Dollar noch 100 US Dollar extra verrechnet werden.  Also verstecken wir uns in einer kleinen gemütlichen Bucht. Und siehe da, wer liegt da ebenfalls versteckt mit der gelben Q Flagge gesetzt?

Unsere Freunde Nicole und Flad von der Yacht All Day! Bevor einklariert wurde, ist es nicht erlaubt eine andere Yacht zu besuchen oder einen Fuss an Land zu setzten. Ist uns aber alles egal. Wir grillieren gemeinsam einen weiteren Thunfisch den wir gefangen haben und gehen für eine Entdeckungsreise an Land. Nach sechs Tagen auf See lässt sich der ersehnte Landgang leider durch keine Regeln mehr aufzuschieben!

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